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Montag, den 11. Januar ML

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Anzeiger für (bas frühere kurhessische) Oberhessen

. Nr. 8 67.SÄW. Marburg». Mn

Der Anzeigenprett beträgt für »en 11 gespall. Zeilenmillimeter 0.08 GM., Famllienanzetgen bei Barzahl. 0.07 SM., amtl. u. an«* warlige Anz. 0.10 SM. Sog. kleine Anzeigen nach Spez ialtarif.Grund- fchrift: §olonel. Bei schwterig.Sah, sowie bei Platzborschrift 50"l. Auf* schlag. Sammelanzeigen 100*1« Aufschlag ReNam--Millim. 0.40 ®9R. Srundschrift > Petit. Zeder Rabatt gilt al« Barrabatt. Ziel 5 Tage. Ssferteu-Sebührr 25 Pfg., bei Zustellung der Angebote einschl. Porto.60 SM Belege werden berechnet. Lrfüllungeort Marburg.

Anzeiger der amtlichen Bekanntmachungen für Stadt und Kreis Marburg.

Schluß mit den Tributen

Zwei wichtige Erklärungen des Reichskanzlers Verständnis in England, geteilte Auffassung in Frankreich

An den englischen Botschafter

An den Vertreter des W. T. V.

Unter der lleberschriftDeutschlands ültimatum" veröffentlicht derStar" ein Skeutertelegrainm aas Berlin über einen Besuch des englischen Botschafters Sir Horace Rumbold beim Reichskanzler Dr. Brüning am Freitag nachmittag. Hierbei verständigte der deutsche Kanzler den eng­lischen Botschafter davon, daß Deutschland weder jetzt noch in der Zukunft irgend­welche Reparationen zahlen könnte, wenn das wirtschaftliche Leben der Welt wieder belebt werden solle. Die deutsche Abord- uung müsse auf der Lausanner Konferenz^ dringend für die vollständige Streichung der Reparationen eintreten. Die Anfichten Dr. Brünings und seiner Kabinettskolle- gen über die Reparationen seien wieder­holt den ausländischen Diplomaten gckgen- iiber erläutert worden. Auch die Prefie habe das der Oeffentlichkeit gegenüber ge­tan. Man weise in den zuständigen Krei­sen in Berlin darauf hin, dah das geborgte Selb, mit dem Deutschland bisher seine Reparationen bezahlt hätte, da es nicht fit produktive Zwecke verwendet worden sei. tot fei. Das deutsche wirtschaftliche Le­ben stehe jetzt am Rande des vollständigen Zusammenbruchs. Dieser würde ficherlich ganz unvermeidlich werden, wenn ein Ver­such gemacht würde, wieder die Repara­tionslasten Deutschland aufzuerlegen. Tenn Deutschland dagegen von dieser Last befreit würde, so werde es in der Lage sein, seine privaten Schulden zur gege­benen Zeit zu bezahlen. Aber es könne unmöglich diese und die Reparationen zu- lammen zahlen.

In Berliner politischen Kreisen wird bestätigt, daß der Reichskanzler Freitag nachmittag eine Unterhaltung mit dem englischen Botschafter über die Repara­tionsfrage hatte. Der Kanzler habe dabei darauf hingewiesen, daß Deutschland nicht die Mittel habe, die Tributzahlungen fort- Msetzen, jedoch sei dies nicht in der präg­nanten Form, wie ste im Reuter-Tele­gramm geschildert werde, erfolgt.

Englische Kabinettsfitzung über die Er­klärung Brünings.

London, 11. Ian. Die Erklärung des englischen Ministerpräsidenten M a c - donald über die Reparationsfrage am Sonntag abend erfolgte nach einer Be- iprechung mit dem Außenminister und dem vchatzkanzler. Die Erklärung Brü- n i n g s wird in der Sitzung des Kabi­netts, die am heuttgen Montag stattfindet und sich zunächst nur mit der Burma-Kon- ttrenz befasien sollte, im Hinblick auf die Möglichen Rückwirkungen auf die Lau­sanner Konferenz besprochen werden.

Flaudin zur TributerNäruug des Reichs­kanzlers.

..Paris, 9. Jan. Finanzminister Flan- bsn äußerte sich der Presse gegenüber zur Tributerklärung des Reichskanzlers wie sulgt: Wenn die Erklärungen, die man dem Kanzler in die Schuhe schiebt, richttg und, wonach die deutsche Regierung die Forderungen des Poungplanes und des ^ersailler Vertrages nicht weiter erfüllen «ill, so würde das bedeuten, daß Deutsch­

land mit dem Poungplan und dem Ver­sailler Vertrag ein Ende machen wird. Es bleibt deshalb die Bestätigung dieser Nach­richt abzuwarten. Wenn sich die Erklärun­gen bestätigen, so würde keine französische Regierung die Kündigung der freiwillig unterzeichneten Verträge annehmen kön­nen. Wenn der Lausanner Konferenz solche Erklärungen der Nichtzahlung vor­ausgehen würden, jo würde die Konferenz überflüssig.

Im Zusammenhang mit der Veröffent­lichung der Liste der deutschen Delegation für die Reparationskonferenz in Lausanne emp­fing Reichskanzler Dr. Brüning am Sonn­abend den Chefredatteur des WTB. Dieser wies darauf hin, daß diese amtliche Nach­richt die politische Oeffentlichkeit naturge­mäß sehr interessiere und fragte, welche Ge­sichtspunkte bei der Zusammensetzung der De­legation beachtet worden feien.

Der Herr Reichskanzler betonte einleitend, daß der bevorstehenden Reparationskonferenz

Wahlsieg der NSDAP.

Wieder 40 Prozent Zunahme - Schwere Verluste der SPD.

Detmold, 10. Jan. Die lippischen Ge­meinderatswahlen sind im allgemeinen ruhig verlaufen. Lediglich in Schötmar kam es im Anschluß an eine nationalsozialistische Ver­sammlung zwischen Kommunisten und Nutto- nalsozialisten zu einer Schlägerei. Dabei wurden ein Nationalsozialist und ein Kom­munist verletzt. Die Wahlbeteiligung war äußerst stark. Ergebnisse:

Detmold: Zenttum 423 (450) Stimmen, Eoang. Volksdienst 670 (622). Kriegsbesch. 302, Kommunisten 797 (431), Sozialdemo­kraten 13 5 4 (2 3 7 0), Beamtenliste 597, Staatspartei 188 (616), Deutsche Volkspartei 683 (1280), Deuts chn ationale 959 (8 9 7), Nationalsozialisten 2852 (215 2).

Salzuflen: Kommunisten 902 (376), Sozialdemokraten 2031 (319 0),

Zenttum 484 (606), Deut sch nationale 336 (747), Vereinigte Bürgerliste 565, Eoang. Vereinigung 656 (753), Bürgerliste Liste Schöt­mar 465, Kriegsbeschädigte und Arbeitsinva­liden 232, Nationalsozialisten 2868 (236 8).

Die Mandate für die L a n d e s h a u p t- stadt Detmold verteilen sich wie folgt: Sozialdemokraten 3 (6), Deutschnationale 2 (3), Nationalsozialisten 9 (0), Kommunisten 2 (1), D. V. P. 2 (8), Zenttum 1 (1), Staats­partei 0 (2), Beamte 2 (0), Eoang. Volksdienst 2 (0), Kriegsbesch. 1 (1), Aufwertungsp. 0 (2).

Nach dem Ergebnis der Kreistagswahlen im Kreise Detmold verteilen sich die Man­date wie folgt: Sozialdemokraten 8, Deutsch- natinale 2, Bürgerliche Liste 3, Zenttum 0, Evangelischer Volksdienst 1, Nationalsozia­listen 7, Neutrale Liste 0, Kommunisten 3.

Gesamtzahl der in Lippe abgegebenen Stimmen einschließlich der kreisfreien Städte:

Sozialdemokraten 25 396 (bei der letzten Reichstagswahl 50142,)Deutfch- nationale 86 1 6 (7263), Bürgerliche Liste 13 237 (0), Zenttum 2282 (2648), Evangelischer Dolksdienst 3259 (5023), Nationalsozia- listen 2 8 4 4 2 (20 510), Kommunisten 9570 (5867) Stimmen.

Noch keine Entscheidung

Die Berliner Verhandlungen dauern an

Die Frakttonssitzung der DRDP. am Samstag hat, wie das Ddz.-Büro er­fährt, nicht zu einer Klärung der Frage ge­führt, ob die Verlängerung der Amtszeit des Reichspräsidenten von Hindenburg sich nach den Plänen der Reichsregierung durchführen läßt. Der Parteiführer Abg. Dr. Hu gen berg kam erst in der siebenten Abendstunde zu der Sitzung, nachdem er vorher mit Adolf Hitler längere Verhandlungen geführt hatte.

Reichskanzler Dr. Brüning empfing am Sonntag mittag den Führer der DNVP., Dr. Hugenberg, zu einer Be­sprechung über die Reichspräsidentenfrage. Die Unterredung, über deren Ergebnis Still- fchweigen bewahrt wttd, dauerte etwa eine Stunde.

Wie wir erfahren, hat die Besprechung, die gestern mittag zwischen dem Kanzler und Geheimrat Hugenberg stattsand, IV- Stunden gedauert. Ein prattisches Ergebnis hat sie noch nicht erbracht. Dr. Hugenberg hat sich wohl im wesentlichen daraus be­schränkt, eine Reihe von Fragen zu stellen, die naturgemäß in erster Lini edas attuelO Problem der Verlängerung der Amtszeit des Reichspräsidenten von Hindenburg betrafen, sich aber darüber auch auf die Gesamt- politik der Reichsregierung erstreck­ten. Dieser informatorische Cbaraüer der

Unterredung war ja schon dadurch bedingt, daß die Organisationen, die in dernationa- len Opposition" zusammengeschlossen find, erst am Montag nachmittag eine gemeinsame Sitzung haben werden, in der ihre Auffasiung enbgültig geklärt werden soll. Nach dieser Sitzung wird die Antwott an den Kanzler ergeben, und zwar, wie jetzt auch in nattonallozialistischen Kreisen ver­lautet, voraussichtlich schriftlich. Ob sie gemeinsam erteilt wird, ober ob die ein­zelnen Faktoren getrennt für sich antworten werden, steht noch dahin. Es wird aber ver­sichert, daß auch bet getrennt et Antwort der­selbe fachliche Inhalt anzunehmen sek.

Inzwischen ist nun ja bekannt geworden, daß der parlamentarischen Lösung des Pro­blems auf der Rechten starke Bedenken ent­gegengesetzt werden. Man spricht in diesen Kreisen deshalb jetzt von der Möglichkeit, daß die Antwott auf eine Volksabstim­mung hinauslaufen könnte, die dasselbe Er­gebnis haben würde. Ein solcher Weg kann vielleicht auch schon durch die Haltung des Stahlhelms zu der ganzen Frage ge­zeigt werden, der ja einer der wesentlichsten Faktoren in diesem Kreile ist. Reichsprä­sident von Hindenburg ist Ehrenmitglied des Stahlhelms, und daraus ergibt sich dessen Einstellung ja eigentlich schon von selbst. 3m ganzen aber steht,, wie gesagt, etwas Sicheres über die Antwott der Rechten noch nicht fest. Man muß zunächst abroarten, zu welchem Ent­schluß die 8lln rfmtit/Mctnniaram Innrm±-

in Lausanne eme sehr große Bedeutung zukomme. Er habe es daher nicht nur kN 1 seiner Eigenschaft als Reichsaußemninister, sondern auch als Reichskanzler, dem nach der Verfassung die Bestimmung der Richtlinien der Polttik zufalle, für seine Pflicht gehalten, ttotz der Fülle seiner sonstigen Amtsgeschäste die Führung der Delegation selb st zu übernehmen. Außerdem würden die zuständigen Ressortminister Reichsfmanzmi- nifter Dietri ch und Reichswirtschastsmii- nister Warmbold terlnehmen. 3n seiner Begleitung werde sich Staatssekretär von Bülow befinden, da auf einer außenpolitisch so bedeutsamen Konferenz naturgemäß auch das Auswärtige Ami als solches maßgeblich Dertreten sein müsse. Gleichzeitig sei aber Bedacht darauf genommen worden, durch Zurücklassung von leitenden Beamten in Ber­lin, so der Staatssettetäre des Reichsfinanz­ministeriums, des Reichswtttschastsmimisterr- ums und der Reichskanzlei die Arbeitsfähig­keit des Reichskabiuetts in Berlin, namentlich Er etwaige Rückfragen der Lausanner De- zation, sicherzustellen. Während der Dauer der Konferenz ipetbe die Reichsregierung in Berlin unter Leitung des Reichswehr- und Reichsinnenministers Dr. h. c. E r o e n e r stehen.

Der Chefredatteur fragte weiter, ob denn der Herr Reichskanzler angesichts der gegen­wärtigen polittschen Lage eine längere eigene Abwesenheit von Berlin für vertr etbar halte. Der Chefredatteur wies hierbei ins­besondere auf die am kommenden Dienstag stattfindende Sitzung des Aeltestenrats des Reichstags hin, in der bekanntlich auf kommu­nistischen Antrag über die Frage der etwaigen vorzeitigen Einberufung des Reichstags Be­schluß gefaßt werden solle. 3n seiner Ant­wort verkannte der Herr Reichskanzler dies« Bedenken keineswegs, fügte aber hinzu, daß feine Teilnahme an der Reparationskonferenz aus dem eingangs erwähnten Grunde das ab­solut Vordringliche sei. Er halte es übrigens nach der bisherigen Haftung des Aeltestenrats eigentlich für ausgeschlossen, daß sich eine Mehrheft für sofortige Einberufung des Reichstags zur Behandlung reparationspoti* tischer Fragen finden könne. Die Reichsregie­rung habe schon bei verschiedenen Anlässen darauf hingewiesen, daß sie keineswegs beab­sichtige, den Reichstag als maßgeblichsten Fak­tor der deutschen Gesetzgebung auf die Dauer auszuschalten. Vielmehr habe sie selber bei der letzten Tagung des Reichstags auf den Beschluß hingewirtt, für Ende Februar d. 3s. eine erneute Tagung des Reichstags ins Auge zu fassen. Die gleiche Haltung nehme die Reichsregierung auch zur Stunde noch ein. Den (Emberufungstermin nun aber etwa auf Mitte oder Ende 3amtar legen zu wollen, sei nach seiner Auffassung ge­radezu unverständlich. 3n demsel­ben Augenblick, wo die Reichsregierung sich anschicke, die wichtigsten vaterländischen Inter­essen des schwer um seine Eristenz ringenden deutschen Volkes vor dem Auslande zu ver- treten, wäre eine gleichzeitige Beratung dieser und der damit zusammenhängenden Fragen vor dem Plenum des Reichstags eine völlige Unmöglichkeit.

Die Frage des Chefredakteurs, ob er diese Ausführungen des Herrn Reichskanzlers der Oeffentlichkeit mitteilen bürfe, bejahte der Herr Reichskanzler ausdrücklich. Der Chef­redatteur fügte hinzu, daß für diese Haltung der Reichsregierung bei dem größten Teil der deutschen polftischen Oeffentlichkeit nach seiner Auffassung durchaus Verständnis vorhanden fei. SBemt da und dort noch Zweftel vorhanden seien, sv beruhten sie im wesentlichen darauf, daß die Haltung der Reichsregierung und der deutschen Delegation in Lausanne noch nicht genügend tl6r umrissen und in der Oeffentlichkeit be­kannt sei.

Der Herr Reichskanzler unterdrückte sein Erstaunen über diese Frage nicht und betonte, daß irgendein Zweifel an der Haltung der deutschen Delegation in Lausanne doch nicht mit mivtHrh Lr irr biftißr -tamlidii