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Oberheffische Zettmig, Marburg tt L, Dienstag, d« 5. Januar 1932

3000 Metev unter dem Meeresspiegel

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Die Erfindung eines deutschen Ingenieurs - DRP 457 756

Von Divl.-Jng. Oskar Heinichen

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Ein Kölner Jngmkeur, Sans Phi­lipps, hat einen neuartigen Appa­rat konstruiert, der es dem Menschen ermöglichen soll, in bisher unerreichte Tiefen auf den Meeresboden herab- Msteigen. Sein „Tiefsee-Tauchappa- rat DRP. 457 756" soll ein Tauchen bis zu 3000 Meter Tiefe gestatten, wobei von besonderer Bedeutung ist, datz hierbei noch praktisch gearbeitet werden kann! Damit geht nunmehr ein lange unerfüllt gebliebener Wunsch der Menschheit in Erfüllung, der aller­dings vor langen Jahren schon von Jules Vernes in einer seiner Utopien vorausgesagt worden ist.

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Auf dem Meeresgründe liegen unerhörte Schätze aller Art. Seit Jahrzehnten, Jahr­hunderten vielleicht sogar haben Menschen immer und immer wieder versucht, sie zu bergen, die ungeheuerlichen Gold- und Sil- beroorräte gesunkener Schiffe zu heben. Alle Versuche dieser Art aber find gescheitert an der Unzulänglichkeit der vorhandenen Mittel.

Wohl kennt man seit 1905 etwa schon den Tiefsee-Tauchapparat, dessen Wirkungsbereich ober sehr beschränkt blieb. Der Taucher­anzug mit Sauerstoff- und Prehlust-Zu- führung ist für das Hinabsteigen in sehr grohe Tiefen gar nicht geeignet, auherdem auch zu unbequem und zu unbeweglich. Die Taucherglocke dagegen (auf die sehr grohe Hoffnungen gesetzt wurden) gestattet wohl grobzügigstes Arbeiten auf dem Mee­resgrund, kann aber infolge ihrer Eröhe und Schwere nur in flachem Gewässer nahe der Küste benutzt werden. Schwierigkeiten be- restete auberdem bei beiden Geräten die Be­dienung der Verbindungsgeräte, die aus Te- iephonkabel, Sauerstoffschlauch und eventuell Sprachrohranlage bestand.

fen unter 30 Metern verhindert hat) durch die Erzeugung von Gegendruck auch ist, kann diese Konstruktion eines Deutschen doch ge­nial genannt werden. Ob sie sich in Tiefen von 300 und mehr Metern tatsächlich be- währm wird, bleibt abzuwarten. Auf je­

den Fall aber ist hier ein ganz neuer und eigenartiger Weg gewiesen worden, der viel dazu beitragen wird, den Menschen in Mee­restiefen gelangen zu lassen, von denen bisher nur der Phantast Jules Vernes geträumt hat... Dipl.-Jng. Oskar Heimchen.

Projektzeichnung des neuen Tieiseetauchboots. Oben rechts sein Konstrukteur Hans Philipps.

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' Weder mit Taucherglocke noch mit Taucher­anzug haben Menschen bisher in Tiefen von mehr als 15 bis 20 Metern hinabsteigen und dort arbeiten können. Das mag wett- . voll sein für die Ausbesserung von Lecks und für die Ausführung kleinerer Reparaturen, es genügt aber keinesfalls für die Hebung der auf dem Meeresboden ruhenden Schätze. Der „D u q u e d e Florencia" liegt etwa 800 Meter tief, die spanische Silberflotte etwa 500 Meter, die berühmte „Egypt" 200 Meter, der „Erohvenor" (der angeblich mit 38 Millionen Mark in Gold beladen ge­wesen sein soll) etwa 300 Meter.

Dersuchskonstruktionen deutscher Werkstät­ten hatten zur Folge, dah besonders ausge­bildete Taucher auf 30 Meter Tiefe gehen und dort noch Arbeiten verrichten konnten. Aber auch diese Leistung genügt nicht für die Bergung der in groben Tiefen liegenden Schiffe. Diese scheint erst jetzt durch die Erfindung des in Köln-Mühl- heim beheimateten Ingenieurs Hans Philipps möglich zu werden, der mit allen bis heute bekannten Tauchsystemen vollkommen gebrochen hat. Sein „Tiefsee- Tauchapparat" besteht aus einem ovalen Hohlraum, dessen Wände sich dadurch aus­zeichnen, daß sie durchaus nicht besonders dick sind und keinen gröberen Druck aus­halten können. Trotzdem will Philipps mü dieser Kugel auf 3000 Meter herabgehen!

Dies wird dadurch möglich, dab nicht die Aubenwände des Apparates den ungeheuren Druck dieser Tiefe auf- und aushalten müs­sen, sondern dab der Apparat in sich durch das Verdampfen mitgeführter flüssiger Lust einen Gegendruck entwickelt, der dem Druck von auben her entspricht. Die Stärke dieses Druckes wird automatisch reguliert durch eine besondere Erfindung, der übrigens auch die Aufgabe zufällt, zwangsläufig das Aufstei­gen des Apparates an die Oberfläche zu veranlassen, wenn der Luftoorrat zu Ende geht.

Der tauchende Mensch kann den Jnnendruck natürlich nicht aushalten, ntub daher noch besonders geschützt werden. Dies geschieht dadurch, dab in der Kugel noch ein zweiter Raum mit ungeheuer widerstandsfähigen Wänden eingebaut ist, der den Taucher selbst aufnimmt. Auberdem befinden sich hier die Bedienungsschalter für die Tanks, die das Siisten des Apparates bewirken, für den An- stieosmotor zur Fortbewegung der Kugel auf dem Meeresgründe, für die Lustver­dampfung, die nicht nur den Druckausgleich Herstellen, sondern auch beim Aufstieg das Wasser aus den Tauchtanks drücken ntub, und schlieblich für den Ereifer am Kopf des Tauchapparates, der Lasten fassen und heben, Stahltrossen zerschneiden und Schiffs­wände zersägen kann.

Im Gegensatz zu allen anderen bisherigen Tauchapparaten ist der Tiefsee-Taucher Phi­lipps mst der Autzenwelt allein durch ein Kabel verbunden, in dem elektrischer Heiz- unb Lichtstrom zugeführt wird und das gleich­zeitig die Telephonlestung vom Schiff zur Bedtenungskabine aufnimmt. Alle Bewe­gungen, sowohl das Vorwärts- wie Rück­wärtsfahren, das Auf- und Abtauchen führt der Apparat selbst aus, und zwar mittels zweier Anlagen: 1. den Fluttanks, die beim Vollaufen das Sinken, beim Leergepretzt- werden das Austauchen zur Folge haben, und 2. dem Elektromotor, der eine kleine, am Hinterende befindliche Schiffsschraube cm- treibt.

So einfach die Lösung des Druckproblems (das bisher immer das Hinabsteigen in Tie­

Reuflin-lan- ist bankrott!

An- nieman- will Labrador kaufen!

Neuesten Meldungen zufolge steht die Regierung Neufundlands unmittelbar vor der Erklärung des Staatsbankrottes, da ste den Zinsendienst für 90 Millionen An­leihen nicht mehr aufrecht erhalten kann. Der englische Kolonialminister Thomas erklärte: „Der Bankrott Neufundlands ist ein Sturmzeichen der Not unserer Tage!" Neufundland ist bankrott — der Zinsen- unb Ämortisationsdienst für 90 Millionen Dollar Anleihen wird von der Regierung des selbständigen englischen Dominions in den nächsten Tagen eingestellt, Gehälter und Löhne werden vom Staat nicht mehr bezahlt werden. Wohl wissen wir Europäer so gut wie nichts von dieser einsamen Insel an der Nordwest­küste Nordamerikas, aber trotzdem wird uns die Nachricht erschüttern und bedenklich stim­men, ist die Bankrotterklärung doch — wie der englische Kolonialminister Thomas wört­lich sagte — „ein Sturmzeichen der finan­ziellen und wirtschaftlichen Not unserer Tage", unter der nicht nur Neufundland, sondern unter der alle Staaten und Länder der Erde leiden!

1497 von John Cabot entdeckt, gehört Neufundland (engl.: New Fundland — das neugefundene Land) schon seit 1583 zu Eng- 1

land. Die Insel bildet mit Anticosti und der Küste von Labrador eine selbständige britische Kolonie mit eigener Verwaltung, die aus dem Gouverneur, dem Gesetzgebenden Körper und einem Unterhaus besteht. Haupt­stadt der 110 000 Quadratkilometer groben Kolonie ist Saint Johns, auf der Avalon- Halbinsel, ein nicht unwichtiger Hafen, der gleichzeitig auch Ausgangspunkt der 1590 Kilometer langen Eisenbahnlinien der Insel ist. Die rund 260 000 Einwohner setzen sich zusammen aus Mischlingen der englischen und französischen Einwanderer und leben in erster Linie von Bergbau und Papierindustrie. Haupthandelsgegenstand bilden jedoch die Er- gebnisse des Fischfanges, der besonders über der Neufundlandbank außerordentlich ergiebig ist (Neufundland führt jährlich 150 Millionen Kilogramm Fische aus!). Der höchste Gebirgszug des Landes ist der Lang Range (bis 600 Meter), längster Fluß der 320 Kilometer lange Exploit River.

Bemerkenswert an dem Bankrott Neufund­lands ist, dah die Regierung unlängst versucht hat, das 18 000 Quadratkilometer grobe und mit 4000 Einwohnern besiedelte Labrador für 20 Millionen Pfund an Kanada zu verkaufen — dieses aber hat dankend abgelehnt, weil es selbst in schweren finanziellen Nöten steckt.

M und BisstMaft

= Neuer Kulturschatz für die Wartburg erworben. Vor kurzem ist es der Wattburg- stistung gelungen, eme Bibel' zu erwerben, die in doppeltem Sinne die Bezeichnung Lutherbibel verdient: denn sie stammt aus Luthers Zeit, und — wodurch sie für uns so bedeutsam wird — sie enthält eine eigenhän­dige Eintragung von Martin Luther auf der Innenseite des Deckels. Vorbesitzer der Bi­bel waren mehrere Geistliche, die diesen Schatz offenbar aufs beste gehütet haben, zeigt er doch eine treffliche Erhaltung sowohl des alten Ledereinbandes wie auch des Teites und der zahllosen Holzschnitte, von denen je­ner begleitet wird. Hans Lufft, bet berühmte Wittenberger Drucker, brückte diese Bibel 1541. Ein Meisterwerk ist der Lebereinband. Auch in ihm ist die Jahreszahl 1541 einge- prebt, auberdem zeigt er schöne Renaissance­ornamente und MedaMonköpfe von Luther, Melanchthon, Erasmus, Kaiser Karl und Kurfürst Johann Friedrich von Sachsen. Im Innern des vorderen Buchdeckels steht an erster Stelle die eigenhändige Eintragung Martin Luthers, noch immer gut lesbar, mit festen Zügen hingeschrieben. Darunter finden sich dann noch Eintragungen Philipp Me- lanchthons u. a. Das schöne in Holz ge­schnittene Titelblatt zeigt eine allegorische Darstellung vom Sündenfclll und der Er­lösung des Menschen durch Christus. Lukas Cranach hat später diesen Gegenstand mehr­fach gemalt.

x In Jena verschied am 1. Januar der von seinen Amtspflichten befreite Ordinarius der klassischen Philologie an der dortigen UnivFrsität Geheimer Rat Prof. Dr. Georg Goetz im 83. Lebens­jahre.

Kleine Mißveeilmdnisle

Heiteres von G. W. Beyer.

Krach geht friedlich seines Weges. Trifft er plötzlich auf zwei Raufende.

v Sagt Krach: „Aber meine Herren, ich würde mich doch an Ihrer Stelle ver­tragen."

Keucht der eine Raufbold: „Er hat mich einen gemeinen Lügner genannt."

Wehrt fick der andere: „Und er hat von mir gesagt, ich wäre ein stinkfaules Schwein."

Krach begütigt: „Aber wegen einer solchen kleinen Meinungsverschiedenheit schlägt man sich doch nicht. Vielleicht haben Sie beide recht."

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„Mar", sagt der Vater zu seinem Sprößling, „die Feiertage über wollen wir uns alle ein Vergnügen gönnen und ein wenig verreisen. Pack rechtzeitig dein Kösferchen, damit wir nicht aus dich zu warten brauchen!"

Mar strahlt. — Sagt am nächsten Tag die Mutter: .Leig' mal deinen Koffer her, Max, ob du alles eingepackt hast."

Max zeigt. — Entrüstet sich die Mutter: „Bengel, du hast ja Seife, Zahnbürste, Kamm und Bürste vergessen'.

Max ist gekränkt: „Aber, Mutter, Va­ter hat doch gesagt, wir wollten eine Vergnügungsreise machen!"

Sonnenschein ist wütend. Schimpft.

Fragt ihn sein Kollege Blühweitz: „Was machste denn für'n Gesicht? Ist Dir einer an 'n Waaen aefahrenl“

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SeMdung des deutschen SelsteSIedenS

Ein« Kundgebung der Universität Göttingen.

Rektor und Senat der Universität ®öt* tingen erlassen folgenden Aufruf:

Die deutschen Hochschulen sind die be­rufenen Hüter des geistigen Besitzes der Nation. Im Bewußtsein der daraus ent­springenden Verantwortung fühlt sich die Universität Göttingen durch die letzten Maßnahmen der Unterrichtsverwaltung aufs tiefste beunruhigt, die in gleicher Weise Forschung und Lehre treffen. Die Herabsetzung der Mittel der Universitäten erschwett aufs bedenklichste die Durch­führung eines geordneten Unterrichts und unterbindet immer mehr die Fortführung vieler Forschungsarbeiten. Im selben Sinne wirkt auch die Kürzung der Mittel für wissenschaftliche Hilfskräfte.

Solche Maßnahmen erschweren aber nicht nur den heutigen Betrieb, sondern sie müs­sen die verhängnisvollsten Wirkungen hin­sichtlich der Heranziehung eines wohl vor­gebildeten wissenschafllichen Nachwuchses haben. Von diesem hängt es ab, ob zu­künftigen Generationen geschulte Führer und Lehrer erwachsen, und ob die deutsche Wissenschaft ihre Weltgeltung behalten kann.

Die Ueberfüllung fast aller akademischen Berufe hat für die studierende Jugend eine geradezu hoffnungslose Lage geschaffen. So hat der Abbau zahlreicher. Lehrerstellen an den mittleren und höheren Schulen gut Folge, dah die Berufsaussichten in vielen Fachem (Philologie, Mathematik, Natur­wissenschaften u.a.m.) auf Null gesunken sind. Hinzu kommt die von uns besonders beachtete steigende geistige Not der Jugend, die das Gefühl hat, sie fände keinen Rückhalt mehr bei denen, auf die sie früher vettraute. Die sortschrettende Radikalisierung der Studentenschaft ist bei dieser Sachlage nicht verwunderlich. Hoff» nungÄvs und verbittert verlassen die Stu­denten die Universität und tragen diese Gefühle ins Land hinaus. Der Staat zieht so selbst ein staatsfeindlrches ge- bil detes Proletariat heran.

Der Lehrerabbau bewirkt über­füllte Schulklassen, in denen ein geordneter Unterricht, welcher der persön­lichen Eigenart der Schüler Rechnung trägt, nicht mehr möglich ist. Die über­alterten Lehrer, lenen die überfüllten Klas­sen jetzt anoertraut sind, werden durch die Llmtsüberbürdung bald unfähig sein den Unterricht zu meistern und die Jugend verständnisvoll zu erziehen. Die aus die­sen Schulen hervorgehende Generatton kann nicht mehr jene allgemeine Höhe der Bildung und sittlichen Kraft haben, in der die Leistungsfähigkeit des deutschen Volkes auf allen Gebieten beruht.

Die deutschen Hochschullehrer fühlen sich nicht nur als bestellte Vermittler fachlichen Wissens, sondern wollen Führer und Heiser der ihnen anvettrauten Jugend sein. Sie können nicht untätige Zuschauer bleiben, weim die an den jungen Menschen ge­leistete Arbett fruchtlos gemacht wird. Sie glauben, daß die Not der Zeit zwar hatte Maßnahmen rechtfettigt, aber nicht solche, durch die die kulturelle Entwicklung un­seres Dostes auf Jahrzehnte hinaus ge­schädigt wird.

Haut Sonnenschein auf den Tisch: „Wenn der Chef nicht zurücknimmt, was er mir eben gesagt hat, geh ich!"

Blühweiß ist neugierig: „Was hat er denn gesagt?"

„3um nächsten Ersten wollt' er mich rausschmeitzen."

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Betty wartet aus August, ihren Der- ehrer.

Es klingelt. Betty will aufmachen. Kommt gerade noch recht, um zu sehen, wie ihr Vater dem jungen Mann mit einem Fußtritt die Treppe hinunierhilft.

Schreit Betty empört: „Aber Vater, wie kannst du nur so etwas machen?"

Sagt der Vater grimmig lächelnd: „Liebes Kindchen, ich will doch nicht den Eindruck erwecken, als hätte ich es eilig, dich an den Mann zu bringen."

Meint Männlich beim Mittagessen zu seiner Frau: „Zum Abendbrot bringe ich den Meyer mir."

Schreit die bessere Hälfte: „Du bist wohl nicht'ganz gescheit! Du weist doch, daß uns das Mädchen weggelaufen ist, daß Bubi schreit, weil die Zähne durch­kommen, daß ich meine Migräne habe, daß uns der Kaufmann nichts mehr auf Kredit geben will, daß wir nichts zü trinken haben, daß du erst übermorgen ein reines Hemd anziehen kannst, daß..."

„Ja", sagt Männlich seelenruhig. „Da» weiß ich alles. Aber deswegen bringe ich gerade den Meyer mit. Der Esel denkt ■ms Heiraten."