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Dienstag, MZ.zamiarML

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Anzeiger für (das frühere kurhefsifche) Oberhesse«

Anzeiger der amtlichen Bekanntmachungen für Stadt und Kreis Marburg.

Der Wahnsinn der Reparationen

Vorstoß der Pariser Linkspresse in der Tributfrage Um die nationale Bewegung in Deutschland zu schwächen

Einsicht oder Wahlmanöver? * Kraftprobe in Indien

Das Leitmotiv der heutigen Pariser Links blätter bildet die Frage einer endgültigen Streichung der R c« parationen durch die franzö­sische Regierung. Dieser Dedanke, der schon gestern von der D^peche de Tou­louse lanciert wurde, ist heute von nahezu allen Blättern der Linken aufgegriffen und in den Vordergrund ihrer Betrachtungen gerückt worden. Die Linkspresse fördert diesen Vorschlag, um, wie es heißt,Öie Hitlerbewegung in Deutschland" entschei­dend zu schlagen.

«Oeuvre" glaubt, einen solchen Schritt billigen zu können, wenn er geschieht, um die politische Atmosphäre zu säubern. Er sei abzulehnen, falls er lediglich dem In­teresse der angelsächsischen Gläubiger die­nen sollte. 1

«Volonte" befastht sich mit der Wirt­schaftslage Deutschlands. Wenn das Blatt auch behauptet, daß Deutschland nichts ge­tan habe, um seinen Bankerott zu ver­meiden, ja wenn sogar die Befürchtung ausgesprochen wird, Deutschland werde auch nach der Streichung der Reparattonen andere Forderungen wie beispielsweise die Beseitigung des Danziger Korridors mit gleicher Vehemenz vertreten, so kommt es dennoch zu dem Schluß, die 2lera der Hal ben Maßnahmen sei vorbei. Man könne vielleicht einen Teil der Re­parattonen retten, wenn man zu einer europäischen Verständigung über Ab­rüstung, Minderheitenstatut und Ost- grenze komme.

Das Blatt Herriots,Ere Ron­delle", verlangt, dem Verzicht auf die Reparationen müsse der Verzicht des amen- kanischen Kongresses auf die KttegSschul- den, der der privaten Gläubiger aus die eingefronenen Kredite und schließlich die Zustimmung Deutschlands, unterstützt durch entsp rechende Garantien, zu einer Politik der Ordnung der Welt im Sinne des Friedens vorangehen. Den­noch kommt auch diese Zeitung zur Fest­stellung, daß die öffentliche Meinung heute «ine große Geste erwarte.

Die Rechtspresse, wie z. B. «Echo de Poris", steht natürlich anders zu dem Gedanken. Dieses Blatt erklätt u. a., es müsse darauf hingewiesen werden, daß die deutsche Industrie gewalttg ausgerüstet ser Und nach Beendigung der Kttse auf den internattonalen Märtten eine ungeheuere Äeberlegenhett haben müßte, wenn die Reparattons schulden von chr genommen wären, zudem würde Deutschland nach Be­endigung des ReParattonMwoblems unver­züglich den «zweiten Teil seines natto- nalen Programmes" in Angttff nehmen, nämlich nattonale und politische Forde­rungen.

Die Kriegsschäden in Frankreich von Deutschland schon mehr als bezahlt.

Berlin, 4. Ian. lieber die Wieüer- vlfbaukosten des französischen besetzten Ge­bietes sind die verschiedensten Mitteilungen derbrestet worden. Don zuständiger Stelle dird dazu folgendes mttgeteilt. Aach An­lage 14 zum französischen Haushaltsent­wurf für 1932 betragen die Gesamtschäden bn ehemals besetzten französischen Gebiet 98 Milliarden Papierfrancs. Davon müs­sen abgezogen werden 5,8 Milliarden für Schäden an öffentlichem Eigentum und 12,5 Dill, für Zinszahlungen und Verwal- <wngskosten. Nach deutscher Auffassung «Mimen demnach auf Grund der Lansing- Pilote von 1918 für Deutschland als Schuld

in Frage 79,6 Milliarden Papierfrancs (etwa 13,5 Milliarden RM.). Der fran­zösische Arbeitsminister Deligne hat 1931 in einem Vortrag festgestellt, daß sich Der Gesarntaufwand für die Sachschäden im französischen besetzten Gebiet aus 80,1 Mil­liarden Papierfrancs beziffert. Da wir nach amettkanischer Aufstellung schon min­destens 34 Milliarden RM. bezahlt haben, von denen Frankreich 18 Milliarden RM erhalten hat, so hat Deutschland dem­gemäß schon mehr für die Aufbauschäden bezahlt, als nötig war.

15 Bergleute verschüttet

EMWW «f-Ä x «itf Karsten-Zentrums-Grube bei Beuthen ereignete sich durch Eebirgsschlag ein schweres Grubenunglück, durch das 14 Bergleute eingeschlossen wur­den.

Auf der Karsten-Zentrums-Erube er­folgte am Montag abend ein heftiger Ee­birgsschlag, der in der 774-Meter-Erube eine Vorrichtungsstrecke und zwei benach­barte Abbaustrecken in Mitleidenschaft zog und einen größeren Bruch verursachte, durch den 15 Bergleute abgeschnitten wur­den. Die sofort unter Mitwirkung der Bergwerkbehörden einsetzenden Rettungs­arbeiten konnten nach kurzer Zeit einen Förderungsmann unverletzt bergen. Etwa zwei Stunden später er-

fk. Stockholm, 5. Januar. Im Svenska D a g b l a d t" vom Dienstag nimmt Prof. Gustav Cassel Stellung zu der FrageTributzahlungen und Weltwirtschaft". Frankreich habe die Baseler Verhandlungen unter dem Leitsatz begonnen, daß Deutschlands Zah­lungsfähigkeit im Poungplan festgelegt sei und deshalb nicht erörtert werden könne. Schon die Einstellung eines sol­chen Leitsatzes sei bezeichnend für die französische Denkweise. Cassel erinnert in diesem Zusammenhang an das französische Verlangen, die Schuld am Weltkriege ein für alle mal durch eine erzwungene Un­terschrift festzustellen.

Abgesehen davon begehe Frankreich den großen Fehler daß es Deutschlands Zahlungsfähigkeit als eine gegebene Größe hinstelle, was unrichtig und unerhört sei. Frankreich habe ja selbst anerkennen müs­sen, daß Deutschland im Augenblick zah­lungsunfähig sei. Weiter habe Frankreich allerdings nicht gehen wollen, sondern dann vielmehr behauptet, daß die Welt­wirtschaftskrise bald zu Ende gehen müsse. Das sei aber eine durch und durch un­moralische Ansicht.

Die ganze Tributpolitik müsse ihre Un­möglichkeit erkennen, wenn nachgewiesen werde, daß die Tributzahlungen tatsäch-

Diesmal wird es einen schweren Krieg bis zum Ende geben ...", so Heitzigs in der Bot­schaft. die der Präsident des Allindischen Kon­gresses, Vailabhai Patel, noch aus dem Ge­fängnis an die indische Nation gerichtet hat. Genau 8 Tage nach der Rückkehr des Ma­hatma Gandhi von der mit so großen Erwar­tungen veranstalteten englisch-indischen Kon­ferenz am Runden Tisch sind nun also die Dinge so weit gediehen, daß die ernsteste Kraftprobe beginnt, die England je mit sei­ner wichtigsten und reichsten Kolonie zu be- I stehen gehabt hat.

Nur einer gerettet

*Hir-zSÄter' EMrgsschlag, der die Rettungsarbeiten stark gefährdete.

Während der ganzen Nacht wurden die Rettungarbeiten fortgesetzt. Unter der Führung der zuständigen Beamten sind die Rettungsmannschaften fieberhaft be­müht, zu den eingeschlosienen 14 Kame­raden vorzudringen. Das Vergungswerk gestaltet sich außerordentlich schwierig, da große Eesteinsmassen zu Bruch gegangen sind. Bis 6 Uhr morgens war es daher nicht möglich, an die Verunglückten heran­zugelangen. Es besteht auch keine Ver­bindung mit ihnen, so daß man nunmehr um das Schicksal der Eingeschlosienen in großer Sorge ist, wenn auch die Hoffnung, sie bald bergen zu können, noch nicht völ­lig geschwunden ist, muß man doch mit allen Möglichkeiten rechnen.

lich an der Weltkrise schuld seien. Daher sei auch auf der Baseler Konferenz ein zweifellos von französischer Seite beein­flußtes Telegramm bemerkenswert, daß die Konferenz auf dem Grundsatz festlegen wollte, die Weltwirtschaftskrise und die Tributzahlungen hätten nichts mitein­ander zu tun.

Zwischen Weltwirtschaftskrise «nd Tri- bntzahlungen bestehe aber nicht nut ein psychologischer Zusammenhang, sondern eine unmittelbare Kausalverbindung. Die Tributforderungen hätten den Goldstan­dard der Welt und den internattonalen Handel ins Verderben gestürzt. Deutsch­land habe nämlich außer den Tributen die Zinsen der für die Tributzahlungen geliehenen 10 Milliarden Auslandsschul­den zu zahle».

Hierfür sei eine gewaltige Ausfuhr nötig, die die Gläubigerstaaten jedoch nicht aufnehmen wollten. Die Vereinigten Staaten und Frankreich hätten so viel Gold an sich gerinen, daß in den übrigen Ländern eine GkDoknappheit entstand und alle Preise fielen. Dadurch sei , die Summe der Tribute und der übrigen Schulden noch weiter in die Höhe ge­schraubt worden. Aus diesem Grunde habe das internationale Eoldstandardsystem zusammenbrechen muffen.

Diese Kraftprobe ist deswegen so ernst, well die Autorität des bisher von den Führern der nrdischen genauer gesagt: der hinduistischen Intelligenz fast bedingungslos anerkann­ten Mahatma in den Konferenzdebatten zu London und schließlich vollends durch die seit­her von der angloindischen Regierung ergrif­fenen Maßnahmen vernichtet ist. Zwar trifft es nicht zu, daß Gandhi seinen Grundsatz der unbedingten Gewaltlosigkeit aufgegeben oder auch nur eingeschränkt kat. In seinen An­weisungen, die er schon für den Fall sei­ner Verhaftung vorbereitet hatte, er­mahnt er seine Anhänger nicht nur zum Boy­kott ausländischer Waren, zur Enthaltung von Rauschgiften, notfalls zur Niederlegung der Arbeit und der Verweigerung des Gehor­sams den englischen Gesetzen gegenüber, son­dern auch wie einst zur unbedingten Gewalt­losigkeit, zum Eintreten fürenglische Män­ner, Frauen und Kinder, auch wenn sie Euch durch ihr Auftreten provozieren ..." Aber man hat- in Indien sowohl wie in Eng­land kaum mehr die Hoffnung, daß auch nur die Mehrzahl der Hindus, d. h. also der eigentlichen Anhänger Gandhis, diese Anwei­sungen als so unbedingt zu respektierende Richtlinien bewachten werden, wie in frühe­ren Jahren.

Der Prophet der Gewaltlosigkeit ist durch seine Mißerfolge hinsichtlich der Befreiung Indiens diskreditiert und das ist das Ge­fährliche selbst seine Anhänger erkennen allmählich, daß Gandhis Politik, d. h. also eigentlich das ethische Prinzip, auf das er seine Politik stützte, von vornherein und mit Naturnotwendigkeit zum Scheitern verurteilt war. Der Markstein zwischen der verflosse­nen und der jetzt begonnenen Periode des indischen Befreiungskampfes ist nicht die Ein­kerkerung Gandhis und der anderen indischen Führer, sondern es war der Tag der Rück­kehr Gandhis nach Indien, wo Hunderttau­sende zu seinem Empfang versammelt waren. Die Mehrzahl von ihnen aber nicht, um ihn jubelnd zu begrüßen, sondern um gegen sein Verhalten bei der Konferenz am Runden Tisch zu protestteren-

Man hat jahrelang die besondere Eigenart dergewaltlosen" Politik Gandhis als der hinduistischen Psyche ganz besonders und un­vergleichlich geschickt angepaßt empfunden. Es zeigt sich, daß dies ein Irrtum gewesen ift ein Irrtum, dem sowohl Gandhi selbst, wie seine Anhänger und Freunde, als auch seine europäischen Bewunderer erlegen sind. Einer­seits hat man Indien viel zu sehr als ein Land der Hindus betrachtet, während die eigentlichen Hindus an Zahl die Mohamme­daner kaum erheblich übertreffen, anderer­seits hat man die Wirkungen der internatio­nalen kommunistischen Propaganda auf die Mäste derOutcasts", Ausgestoßenen, der rund 60 Millionen Parias unterschätzt. Min­destens erreicht die Zahl der Parias zusam­men mit der der Mohammedaner die der Hin­dus. Auf beiden Seiten stehen sich in unver­söhnlichem Gegensatz 150 bis 160 Millionen Menschen gegenüber.

Der Haß zwischen diesen 300 Millionen Menschen ist durch die Verhandlungen der letz­ten Jahre zu hellen Flammen angefacht. Gandhi als Angehöriger der oberen hinduisti­schen Kasten, für die jegliche Gemeinschaft mit einem Paria etwas einfach Unfaßbares und Undenkbares ist, hat dadurch, daß er sie von seiner Fürsorge für die Zukunft Indiens still­schweigend oder durch nichtssagende Phrasen ausschloß, diese 60 Millionen zu Feinden sei­ner Politik und des Kongresses gemacht, ein wertvolles Instrument in der Hand der Engländer, die bis zu dieser Zuspitzung der Dinge nur gelegentlich die 80 oder 90 Millio-

Bergwerks-Katastrophe

Tribute und Weltkrise

Ein unmittelbarer Zusammenhang