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Nr. 1

Oderhesstsche Zeitung, Marburg a. L.. Sonnabend, den 2. Januar 1932

Ausblick auf das Fahr ML im Lichte der Vergangenheit

Qhtf vier Jahrhunderte sei zurückgsblickr: 1532 1632, 1732, 1832, um den Deist der Merkzeichen dieser Zeitabschnitte im Fluge der Geschichte auf uns wirken zu lassen. Wir wollen dabei aber nicht in den Feh­ler verfallen, den Goeche so treffend mit den Worten kennzeichnete:

Was Ihr den Geist der Zeiten heißt.

Das ist im Grund der Herren eigener GeM. In dem die Zeiten sich bespiegeln.

1532 inmitten des Zeitalters der Reformation. Der Protestantismus hatte sich behauptet. Nachdem im Jahre 1531 die protestantischen Stände den Schmal- kaldischen Bund geschlossen und hiermtt eine starke polittsche Macht im Reiche ge­schaffen hatten, sah sich Kaiser Karl V. zum Einlenken gezwungen und muhte mildere Seiten aufziehen, jedenfalls bcn geplanten Vernichtungsschlag gegen di« Protestan­ten vorläufig aufgeben, mindestens ver­schieben. Die Türken bedrohten die habs­burgischen Erblande und herrschten im Ost­teil des Mittelmeeres. Frankreichs Knegs- polittk gefährdete die österreichisch- spanische Macht in Italien. Deshalb brauchte der Kaiser Hilfe, Wehrwillen, Ruhe seitens der deutschen protestanttschen Stände. Er rechnete mit einem deutschen Aufgebot von 80 000 Mann in Ungarn ge­gen die Türken. Am 23. Zull 1532 kam zu Nürnberg der sogenannteErste Re­ligionsfriede" zwischen den Katholiken und Protestanten zu Stande. In diesem Frie­den wurde den protestantischen Ständen das Verbleiben bei ihrer Lehre uird die freie Ausübung ihres Bekenntnisses zu­gesichert, bis das vom Papste zu berufende allgemeine Konzil oder die Entscheidung eines neuen Reichstages die Schlichtung getroffen haben würden ein sehr wich­tiger Abschnitt in der Entwicklung der Reformation.

163 2 der Höhe- und Wendepunkt des 30jährigen Krieges. Gustav Adolf, König von Schweden, hatte den größten Teil Deutschlands in der Gewalt. Schle­sien, Böhmen, Nord- und Mitteldeutsch­land waren unterworfen. Nachdem er den Winter 1631/32 zu Mainz verbracht hatte, besetzte ver mit beginnendem Frühjahr Schwaben und Franken mit der Absicht, die deutschen Protestanten unter seiner Leitung einheitlich zusammenzufassen, viel­leicht sogar die Habsburger der Kaiser­krone zu berauben und selbst König von Deutschland zu werden. Die Kaiserlichen hielten nur noch Bayern südlich der Donau. Am 15. April 1532 erzwang der König bei Rain den ilebergang über den Lech. Tilly, der Führer der Kaiserlichen, wurde tödlich verwundet und starb bald darauf. Gustav Adolf besetzte München. Jetzt berief der Kaiser in der höchsten Not Wallenstein zurück und verlangte von chm unter drückenden, geradezu demüttgenden Be­dingungen die Aufstellung einem Heeres von 50 000 Mann, eine für die damaligen 'Begriffe sehr große Streitmacht. Mit er­staunlicher Schnelligkeit wurde das Heer aufgeboten: Gustav Adolf und Wallen­stein lagen sich bei Nürnberg in befesttgten Stellungen gegenüber. Der König unter­nahm mehrere Sturmangriffe, die am 3 September unter schweren Verlusten end­gültig abgeschlagen wurden. Wallenstein hatte Bewegungsfreiheit und zog nach Sachsen, um den Kurfürsten zur Trennung von den Schweden zu zwingen. Gustav Adolf mußte ihm folgen. Am 16. Novern» ber 1632 stießen die beiden Feldherren aufeinander. Der König siegte, allein er bezahlte den Sieg mit dem Tode. Äe pro» testanttsche Sache war der einheitlichen Führung beraubt. Der Krieg ging in ein schwankendes Hin und Her über. Frank­reich mischte sich ein und machte den Krieg erst zu dem, was er zum furchtbaren Schaden Deurschlands geworden ist, zur Vernichtung deutschen Lebens.

1 732 die Zeit der Hochblüte der Kabinettspolitik. Deutschland war zerklüf­tet, aber die unzerstörbare Lebenskraft des deutschen Volkes hiell durch Preußen war unter dem Beamten- und Soldaten­könig Friedrich Wilhelm I. zu einem ge­sunden Staate ausgebaut worden. Die harte Hand des Königs hatte seinen Sohn, den Kronprinz Friedrich, in schwere Zucht genommen. Jetzt, 1732, unterwarf er sich dem Vater, erlangte Versöhnung, willigte in die allerdings nicht glückliche Heirat mit Elisabeth von Braunschweig und über­nahm das Regiment in Neuruppin. Diese Wandlungen führten dazu, daß Friedrich sich in Selbstbeherrschung zu dem entfalten konnte, was ihm den Namender Große" eingetragen hat, und hoch darüber hinaus die Eigenschaft eines der größten Staats- und Kriegsmänner der Geschichte, überdies des ersten Dieners des Staates".

1832 durch Europa ging die Natio­nalitätenbewegung. Der Mrsstand in Po- 1 len war niedergeschlagen, die Freiheits­bewegung wurde im Februar 1832 durch 1 die Aufrichtung der vollen russischen Ober- , Herrschaft erdrückt. Belgiens Anabhängig­keit von Holland wurde endlich anerkannt.

Griechenland, vom türkischen Joch befreit, wählte im August 1832 den Prinzen Otto von Bayern zum König. Auf Deutschland aber lasteten die Schwerfälligkett. Ohn­macht, Rückständigkeit desBundes". Hier und dort Kickten schwache noch unreife Versuche, die den nationalen Grundge­danken durch unklare demagogisch-revolu­tionäre Gedankengänge schädigten. Das so­genannt«Hambacher Fest" (Rheinpfalz) am 27. Mar 1832, eine übereilte Kund­gebung. führte zu den schärfsten staats- volizeilichen Gegenmaßregeln des durch die Reakttonspolittk des Fürsten" Metternich beeinflußten Bundes, der daraufhin drückende Beiordnungen erließ.

Am 22. März 1832 starb Goeth« zu Weimar. Ein Jahrhundert ist seitdem

dahingegangen, ganz ander« Zeiten, neue Lebens-, Wirts^ifts-, Stoatsauffassungen sind eingetreten. Aber Goethes unsterb­liches Wirken leuchtet ungebrochen über d«r Zeiten Lauf bis auf die heurige Stunde. Goeche hat seinen Nachruhm sechst am besten mit den Worten gezeichnet:

Es kann die Spur von meinen Erdentagen Nicht in Atomen untergehen."

Goethejahr 193 2!

Vergessen wir darüber aber nicht die Hauptsache: Kampf fahr um die deutsch« Selbstbestimmung und die deutsche Zukunft auf dem Bo­den der nationalen Wohlfahrt. Freiheit, Wehrfähigkeit!

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Wnas TruMn sollen hinter die Große Mauer zmückgeworsen werden

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Blick auf die große Mauer.

das 1700 Jahre alte Verteidigungswerk Chinas.

Nachdem die Japaner ihren Vormarsch in südlicher Richtung wieder ausgenommen haben scheint das militärische Ziel Japans die Zurückwersung aller chinesischen Truppenteile hinter die Grobe Mauer zu sein. Damit würden die Grenzen Chinas wieder ebenso gezogen werden wie sie vor 1700 Jahren waren, als die Kaiser die 2450 Kilometer lange und 16 Meter hohe Mauer zum Schutze gegen die Einsälle der wilden Horden aus der Mandschurei und Mongolei errichten lieben.

Ak reWen Mmmkk...

, fini) nicht die einflußreichsten der Erde!

Line amerikanische ZeitschriftV a - nity Fair" hat sich die Mühe ge­macht, die Namen der reichsten Männer öit Erde in der Reihenfolge zusammen- zirstellen, die ihrem Vermögen und Ein­kommen entspricht. Diese Zusammenstel­lung hat ein ganz eigenartiges und auch Mr den Welttoirtschaftspolitiker bezeich­nendes Ergebnis gezeitigt, es geht näm­lich aus ihr mit eindringlicher Klarheit hervor, daß die reichsten Männer der (Belt nicht gleichzeitig auch die ein - flußreichsten find. Zwar steht der Name Rockefeller an der Spitze der Liste, aber Rockefeller kann nicht als der poli­tisch und wirtschaftlich maßgebende Mann der 11. S. A. genannt werden, sondern das ist (auch heute noch) I. P. Morgan, der Ches des weltberühmten Bankhauses Morgan in der Wallstreet von Newyork, der aber erst an 19. Stelle steht!

Im einzelnen beweist auch die Reihen­folge der Vermögen die Behauptung, daß größter Reichtum nicht unbedingt gleich­bedeutend mit größtem Einfluß sein muß. NachVanitn Fair" sieht die Liste der Vermögen folgendermaßen aus:

1. John D. Rockfeller fett., der Begrün­der der Standard Oil Company,

2. sein Sohn, John D. Rockefeller jun., 3. Andrew Mellon, Sekretär des ameri­kanischen Schatzamtes,

4. der indische Näbob Aga Khan, der durch seine Heirat mit einer Pariser Modistin Aufsehen erregt hat,

5. Der italienische König, Victor Emanuel,

6. der schwedischeZündholzkönig" Ivar Kreuger,

7. der englische Großgrundbesitzer Lord Derby,

8. der ebenfalls englische Großgrund­besitzer und Industrielle Lord Jveagh, 9. der ehemalige deutsche Kaiser Wilhelm,

10. der Waffenfabrikant Sir Basil Zaharosf,

11. Der bolivianische Industrielle Simon Patino,

12. der iichische Maharadscha von Ba- roda.

Don diesen zwölf Männern haben wirtschaftlichen und politischen Einfluß nur Mellon, Kreuger und in sehr

beschränktem Maße auch Rockefeller sen. Alle anderen (der König von Ita­lien, der Greis Zaharosf, der einmal eine Rolle gespielt hat, die Inder Aga Khan und Varoda, der Exkaiser und Patino) sind politisch ganz unbedeutend. Auch die ihnen auf der Liste derVanity Fair" folgenden Männer haben mit Aus­nahme des Parfum-Fabrikanten und Zei­tungsverlegers Coty nur wenig Einfluß auf das Weltgeschehen: der Herzog von Westminster (England), der japanische Nabob Kagami, Coty, der Nizarn von Haiderabad und Ford sen. und jun. Erst nach diesem folgt John Pierpont Mor­gan, der Bankier der Welt, mit dessen Name die Liste der Männer eröffnet wird, die bei weitem nicht die reichsten, wohl aber die einflußreichsten Menschen der Erde sind.

Ein moderner Robinson.

Vor einigen Tagen ist ein englischer Seemann in seine Heimat zurückge- kehrt, der längst für verschollen erklärt war und von seinen Angehörigen als tot betrauert wurde. Er hat drei Jahre auf einer unbewohnten Insel in der Nähe des Aequators zugebracht. Bei einem Schiffbruch konnte et sich mit zwei ande- tter Seeleuten schwimmend auf dieses Eiland retten. Ihren Hunger stillten die drei Schiffbrüchigen mit Fischen und Kokosnüssen. An einer erhöhten Stelle des Eilandes ließen sie Tag und Nacht ein Feuer flammen, das Schiffe auf sie aufmerksam machen sollte. Aber erst nach drei Jahren nahm ein vorüberfahrender Dampfer das Zeichen wahr. Drei Jahre dauerte die moderne Robinsonade, die der alten tatsächlich aufs Haar gleicht.

Goldene Honett und dann Scheidung.

Als Kriseniahr einer Ehe wird das siebente bezeichnet, denn in diesem Jahr kommen die meisten Scheidungen vor. Man kennt aber auch Fälle, daß Menschen nach zehn- oder noch mehrjähriger. Ehe auseinander gehen. Aber daß ein Paar nach der goldenen Hoch­zeit die Scheidung beanttagt, ist gewiß em einzig dastehender Fall, der sich jetzt in Lon­don ereignet hat. Beide Ehegatten sind 75 Jahre alt und sie haben sich bis vor kur­zer Zett gut verstanden. Wie die Gattin aussagte, hat sie der alte Mann neuerdings des öfteren schwer mißhandelt, es besteht also kein Zweifel, daß dem Scheidungsan­trag stattgegeben werden wird.

Sette 3

Das Pariser SrauengefangniS Ware wirb ntedergerMn

Blick in den Gefängnishof von St. Lazar«, dem berühmten Frauengefängnis von Paris. Das Gebäude wurde 1648 errichtet und bildete den Schauplatz zahl-» reicher Schilderungen in Romanen von Bictor Hugo, Maupafsant und Emil Zola.

W kM rin MMIuNum?

Das deutsche Studentenwerk E.V., Sitz Dresden, gibt soeben den deutschen Hoch­schulführer für 1932 heraus, der in Auf- satzen aus berufener Feder alle wichtigen Fragen über das Hochschulstudium beant­wortet. Der Führer wird insbesondere den annähernd 501)00 Abiturienten ein Rat- gebet sein können, die zu Ostern die höhe­ren Schulen mit bet Reifeprüfung ver­lassen und sie sich angesichts der bereits bedenklichen lleberfüllung der deutschen Hochschulen seht zu überlegen haben wer­den, ob es ratsam ist, ein Hochschulstudium zu beginnen. Wir entnehmen der Schrift eine intereffante Zusammenstellung über bie Kosten des Hochschulstubiums in ben verschiedenen Studienfächern. Das Zah­lenmaterial ist unter Zugrundelegung der Mindestkosten ausgestellt. Kosten für den Lebensunterhalt während bet Ferien, größere Kleidungsanschaffungen, Studien­reisen und Auslandsstudien sowie Aus­gaben für Promotion sind in der Betech- nung nicht enthalten, die auch auf bet Mindeststudiendauer beruht. Danach stel­len sich bie Eefamtkosten für Stubium und Lebenshaltung in den einzelnen Studien­fächern wie folgt bar: Evangelische Theo­logie 4000 bis 5300 Mark (sechs bis acht Semester), katholische Theologie: nicht be­rechnet, weil biese Stubbierenden fast aus­nahmslos in Internaten wohnen und größtenteils Stipendien erhalten (10 bis 12 Semester), Rechtswissenschaft: 4200 bis 5500 (78), Medizin (vetklinisch und klinisch): 8600 (11), Zahnheilkunde: 5400 (7), Tierheilkunde 6500 (9), Philologie (Ziel: höheres Lehramt): 5300 (8), Mathematik und Physik: (Ziel: höheres Lehramt), 5500 (8), Naturwissenschaften 5600 (8), Volkswirtschaft bis zur Promo­tion: 5300 (8), Chemie bis zur Promo­tion: 9000 bis zu 10 500 (1214), Phar­mazie: 3000 (4), Handelswisienschasfen bis zur Promotion: 5400 (8), Landwirtschaft: 4100 (6), Forstwirtschaft 5400 (8), Hoch- und Tiefbau, Elektrotechnik, Maschinen­bau-Schiffbau: 5800 (8), Bergbau Hüt­tenkunde, Markscheid 5800 (8), Vermes­sungskunde 42005600 (68 Semester). Hierzu kommen noch die Gebühren für die Immatrikulation.

Wöchentliche Erwerbslosen-Aufführungen in Dortmund.

Das Stadttheater in Dortmund, das be­reits in der vergangenen Spielzeit acht Vorstellungen für Erwerbslose veranstal­tet, bringt jetzt wöchentlich ein- mal eine E r w e r b s l o s e n v o r- stell ung, deren Besuch für Arbeitslose vollkommen kostenfrei ist. Das gesamte künstlerische und technische Personal sowie das Garderobenpersonal stellt sich zu die­sen Vorführungen unentgeltlich zur Verfügung.

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