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OberheMfche Zeitung. Marburg a. L.. Donnerstag, den 31. Dezember 1931

Nr. 305

Ein Rückblick

Der Lan-kreis Marburg sm Fahre 1931

noch

Aus -er Umgegen-

Kreisbahn.

Die Basaltverfrachtungen find an­gesichts des allgemeinen Rückgangs des Va-

Bertag Dr. (£ Sitzerath.

Hauvtschr Ictter un? oer>*-mor hrt nn Pa litit und Feuilleton: Dr. Scheller (beurl)' für Kommunalpolitik, Provinz und Lokale: ttolhar Schneider, länuii-, m uiun

mit dem Zusammenbruch großer zentraler Banken begann und die deutsche Wirtschaft

Gewerbliche Berufsschulen.

Mit Ende 1931 werden auf Anordnung des Regierungspräsidenten zum elften Mat an den gewerblichen Berufsschulen des Landkreises, sonst beschäftigungslose Berufsschullehrer im Angestelltenverhältnis beschäftigt werden. Eine Verteuerung der Eesamtkosten wird aber hier­durch für den Kreis nicht eintreten.

Kreissparkafie.

Die im Jahre 1925 gegründete, also verhältnismäßig junge Kreissparkafie hat den Krisensturm des Berichtsjahres, der im Juli

die Rinder durchschnittlich 190 Pfund in die­ser Weideperiode zugenommen haben Es be­finden sich darunter sogar fünf Tiere, die über 250 Pfund zugenommen hatten. Die Vor­bereitungen für 1932 in Düngung und Pflege sind bereits wieder im Gange. Sollte in den wirtschaftlichen Verhältnissen, insbesondere in den Viehpreisen, bis zum nächsten Frühjahr keine Befierung eingetreten sein, so dürfte vor­aussichtlich mit einer Herabsetzung des Weide­geldes zu rechnen sein.

Landwirtschaftliche Berufsgenofienschast.

Die Reichsregierung erstrebt allgemein eine stärkere Zusammenfassung der Bcrufsgenossen- ichaften, die herbeigeführt werden soll durch Uebertragung von Geschäften der örtlichen Sektionen an. den Hauptvorstand. Die gesetz­liche Grundlage für diese Neuorganisation war bereits in der im Sommer 1931 er­lassenen Notverordnung der Reichsregierung enthalten. Unter diese Maßnahmen fällt auch die landwirtschaftliche Berufsgenofienschast, Sektion Marburg. Nach dem letzten Stand der Verhandlungen muß damit gerechnet wer­den, daß auch die Sektion Marburg aufgelöst werden wird; ihre Geschäfte werden dann von Kassel aus bearbeitet, es sei denn, daß später eine Unterabteilung der Berufsgenofienschast in Marburg gegründet wird.

Dos Frankfurter Radis-Programm

Freitag, den 1. Januar.

7.00: Hafen-Konzert von Hambum, 8.15: Morgenfeier. 11.00:Der Mensch und das Schicksal", Vortrag. 11.30: Gott, man lobt dich in der Stille", Kan­tate von Joh. Seb. Bach. 12.10: Konzert des Berliner Konzertvereins. 15.00: Stunde der Jugend. 15.45: Repräsentativ-Fuß- ballspiel Norddeutschland gegen Süddeutsch­land in Mannheim, 2. Halbzeit. 16.30: Konzert des Städtischen Kurorchesters Wies­baden. 18.00: Eine Viertelstunde Lyrik: Theodor Kramer. 18.20: Die Dämmer­stunde. 18.50:Dichter, Weltreisender, Sportsmann", Gespräch. 19.20: Sport­nachrichten. 19.30: Stunde der Kammer­musik. 20.00: Deutsche Humoristen: Wil­helm Busch. 20.30: Neujahrs-Konzert des Philharmonischen Orchesters Stuttgart. 22.30: Zeitangabe, Wetterbericht, Tages­nachrichten, Sportbericht. 22.50: Tanz­musik.

Sonnabend, den 2. Januar.

6.15: Wetterbericht. Anschließend: Mor­gengymnastik. 7.15: Konzert. 12.05: Schallplatten-Konzert. 13.05: Konzert. 15.15: Stunde der Jugend. 16.20: Kon­zert des Symphonie-Theater-Orchesters Pforz­heim. 18.35:Erlebnisse und Erfahrun­gen unter Zigeunern", Vortrag. 19.05: Spanischer Sprachunterricht. 19.45: Jazz- Improvisationen. 20.15:Der Zigeuner daran". Komische Oper in drei Akten. 22.30: Zeitangabe, Wetterbericht, Tages­nachrichten. 22.50: Tanzmusik.

ser gab ihm deshalb geschlossen das letzte Ehrengeleite und erwies ihm durch Abgabe des Ehrenialuts die letzte militärische Ehre. Für den Kreis-Kriegerverband legte dessen Vorsitzender, Oberst a. D. Freiherr Schenck zu Schweinsberg-Burg, mit einer ehrenden Ansprache einen Kranz nieder. Der Vor­sitzende des Kriegervereins, Kamerad Hein­rich Hohl, legte den Kranz des Vereins nieder und nahm in tiefempfundenen, kerni­gen Worten Abschied von dem guten Ka­meraden. Der Gesangverein unter Leitung des Herrn Lehrers Grünewald umrahmte die ernste Feier durch den Chor:Harre, meine Seele" und das Lied vom guten Kameraden, die in selten vollkommener und schöner Weise vorgetragen wurden.

Kreis $ic»cnfßot

0 Biedenkopf, 30. Dez. Der Hessen- Nassauische Hüttenverein hat weitere Ent­lassungen vorgenommen. Die Zahl der Er­werbslosen hat sich durch diese Maßnahme in der Stadt Biedenkopf empfindlich erhöht. An Wohlfahriserwerbslosen werden z. Zt. 90 Personen betreut.

0 Wommelshausen, 30. Dez. Die Schule veranstaltete im Lokal Sdjomerus eine Weihnachtsfeier, die überaus gut besucht war. Die Schüler und Schülermnen tru­gen Gedichte vor, ferner wurden kleinere Spiele aufgeführt. Eesangdarbietungen usw. umrahmten die in allen Teilen sehr schön ver­laufene Feier.

aufs tiefste erschütterte, gut überstanden. Zwar hat auch sie erhebliche Auszahlungen leisten müssen, die ängstlich gewordene Ge­müter gefordert hatten. Der Rückgang in der Gesamtanlage (rd. 5 000 000 J() beträgt ge­genüber dem Stande vom Vorjahrsende nur 1 Prozent. Die Liquidität ist voll austecht er­halten worden. Die bei der Kreissparkasse eingezahlten Gelder sind von ihr auch heute noch so angelegt, daß sie rd. 9_ Prozent der Eesamteinlagen 450 000 in täglich fälligen Guthaben bei öffentlich-rechtlichen Kredit­instituten zur jederzeitigen Verfügung hat und daß weitere 11 Prozent in sicheren Wechseln und mündclsicheren Papieren eben­falls kurzfristig verfügbar sind. Der Rest aber ist ebenfalls völlig sicher vorwiegend in Hypo­theken (33 Prozent) und sonstigen erstklassigen Krediten angelegt.

Bautätigkeit.

Der starke Rückgang der für Bauzwecke zur Verfügung stehenden Hauszinssteuer, verur­sacht einmal durch allgemeinen Rückgang des Steuereingangs infolge der schwierigen wirt­schaftlichen Verhältnisse, dann aber auch durch Vorwegnahme eines Teiles zur Realsteuer­senkung. hat auch einen Rückgang der Bautätigkeit zur Folge gehabt. Hinzu kommt, daß infolge der seit der Bankenkrise im Juli 1931 in Erscheinung getretenen Er­schwerungen auf dem Geldmärkte es z. Zt. den Baulustigen nahezu unmöglich ist, Hypotheken zu erhalten. Ausgenommen sind lediglich die Bausparer, die sich guten Kassen ange­schlossen haben. Die Hessische Heim- st ä t t e hat im abgelaufenen Jahre ihr Zweigbüro Oberhessen in Marburg aufgelöst. Die Tätigkeit dieses Büros, soweit sie sich auf den Landkreis erstreckte, ist von der Vau - beratungsstelle des Kreises im Einvernehmen mit der Hessischen Heimstätte übernommen worden.

ReujM zieht ins Dorf

Es ist ein Genuß, den UeBergang vom alten in das neue Jahr nicht im Gewühl der Stadt, sondern draußen auf dem stillen, winterlich verschneiten Dorfe zu erleben. Noch herrscht größte Stille. Im fernen Winterwald ver­nimmt man nur von Zeit zu Zeit das Rufen des Waldkauzes oder das Bellen eines hungri­gen Fuchses. Langsam schleicht der Zeiger der Wanduhr nach der Mitternachtsstunde. Da auf einmal kommt ein Rollen weit hinten aus den Bergen: ferne Böllerschüsse werden hör­bar. die an fernen Kriegsdonner erinnern. Und plötzlich beginnen alle Kirchenglocken der ganzen Gegend, geführt von dem Geläut des im Mittelpunkte liegenden Landstädtchens in Neujahrsgeläute. Ein harmonischer Dank- und Bittchor aus ehernen Stimmen aus der Höhe! Und jetzt erschallt auf den Dorfstraßen derProsit-Neujahr-Ruf" der Dorfburschen, die sich hernach in das Dorfwirtshaus zurück- ziehen, wo sie mit Wurst und Heringen, die von ihnen auch spöttischSeesoldaten" ge­nannt werden, und mit Biertraktiert" wer­den, was umso besser schmeckt, als sie am Schlüsse den an sich so schwachen Geldbeutel nicht zu ziehen brauchen. Die Alten aber haben schon vor Eintritt ins neue Jahr ihre Lagerstatt ausgesucht und beten beim Schall der Kirchenglocken ihr Neujahrsgebet, das sie schon die Mutter gelehrt hat. Dann legen sie sich auf die andere Seite und schlafen hinüber ins neue Jahr mit seinen neuen Hoffnungen und neuen Sorgen Und der Waldkauz ruft wie zuvor und Reinecke bellt vor Hunger. Neujahr ist's im Dors.--

. saltverbrauches der auch den Absatz der Drei, Häuser Brüche eingeengt hat. auch im abze. taufenen Jahre wieder recht gering ge*-':;?n. Der Verkehr der Bahn hat große Ein. chränkungen erfahren müh.'n - :ch 1 Teil des bis dahin beschäftigten P:non--'z mußte leider entlassen werden Ten W" ' 'e der Bevölkerung auf $ e r b e1 f' r u * r ces Fahrplans kam die V:rwal una iiv; c:gj nach, als sie vom November 1931 an ein 3J Zug paar einlegte, das sich bis jetzt auch durch-e

! aus bewährt hat. Der derzeitige geringe | darf an Reichs!.rhngiiterwagen hat sich hier ! einmal nach der guten Seite hin ausgew-rft.- Denn während die Reichsbahn bisher trotz dauernd wiederholter Anträge der Kreisbahn- t ;

I Verwaltung die morgens in den Dreihäuser t Basaltbrüchen gebrauchten Guterwagen der Kreisbahn immer erst im Laufe der Nacht - vorher zuführte.-so daß die Kreisbahn sie erst mit einem wenig brauchbaren frühen Mor­genzuge nach Dreihausen hinausfahren konnte, stellt die Reichsbahn jetzt die Wagen schon am Nachmittag vorher der Kreisbahn zur Ver-s fügung, so daß die Wagen schon am Abend vorher nach Dreihausen gebracht werden kön­nen. Auf diese Weise konnte die Kreisbahn­verwaltung der Bevölkerung des Ebsdorfer Grundes ihren langgehegten Wunsch nach einem Abendzuge in den Grund erfüllen.

- Finanzen.

Wie bei allen anderen Gemeinden und Ee- meindeverbänden war auch die Finanzlage des Kreises und der Gemeinden im abgelau­fenen Berichtsjahre angespannt. Auf der einen Seite haben die allgemeinen wirtschaft­lichen Schwierigkeiten ein wesentliches Ä b - sinken der Einnahmen zur Folge ye- habt die Reichssteueranteile z. B. sinken im Rechnungsjahre 1931 voraussichtlich um 35 Prozent gegenüber dem Voranschlag (das ist allein für den Landkreis und seine Gemeinden ein jährlicher Ausfall von etwa 50 000 JO, i auf der anderen Seite sind die Ausgaben, insbesondere die Fürsorgeausgaben, gegen­über dem Vorjahre wesentlich gestie­gen. Dieser Zustand bedarf sowohl beim M Kreise als auch bei den Gemeinden dauernder 4 Beachtung, daneben aber unablässiger Gegen- l maßnahmen, die darin bestehen, das ins Wan- i ken kommende Gleichgewicht zwischen Ein- g nahmen und Ausgaben immer wieder herzu-1 stellen Es geschieht dies durch Ein st eilen | ober Ab st reichen aller nicht unbe-I dingt lebensnotwendigen Aus,» gaben, ferner durch Herabsetzung der f Verwaltungskosten und durch eine sehr vorsichtige Anleihepolitik. So find z. L. die Derwaltungskosten der Kreisausschußverwaltung gegenüber dem Stande von 1929 bis heute um fast 50 Pro­zent gesenkt und kurzfristige Schulden des Kreises und seiner Gemeinden vermieden worden. Auf diese Weise sind sowohl der Kreis als auch die Gemeinden bisher von Fehlbeträgen verschont geblieben und haben allen ihren Verpflichtungen bis jetzt ohne staatliche Beihilfen nachkommen können. Da­bei war es weiterhin möglich, von einem An­ziehen der Steuerschraube Abstand zu nehmen. In allen Gemeinden des Kreises wird z. Zt. die einfache Biersteuer erhoben und die Bur­gersteuer. wo sie überhaupt zur Erhebung ge- langt abgesehen von einem Falle, nur mit dem einfachen Landessatze, also ohne Zuschlag. Eemeindegetränkesteuer wird nicht erhoben. Allerdings zeigen die in den letzten Wochen in einzelnen, besonders schwer belasteten Ge­meinden aufgetretenen Schwierigkeiten, daß auch in unseren Landgemeinden die Grenze der finanziellen Leistungsfähigkeit erreicht ist.

Der Wunsch auch des Kreises an das Jahr 1932 ist, daß es die große Arbeitslosigkeit, die Ursache aller Schwierigkeiten, mildern möge. Denn nut ein Rückgang der Ar­beitslosigkeit könnte der Anfang eines neuen Aufstieges sein!

Kreis Marvurri

Treisbach, 30. Dez. Ein seltenes Schaf besitzt hier der Gastwirt und Land­wirt Wagner. Das Tier hatte im April d. Js. drei Lämmer geboren und jetzt wie­der (am 28. 12.) zwei Lämmer. Es ist ge­wiß eine Seltenheit, daß ein Schaf in einem Jahre fünf gesunde Lämmer zur Welt brin­gen kann.

Hermershausen, 30. Dez. Der Wald­arbeiter Peter Damm und dessen Ehefrau Elisabeth, geb. Winhauer, feierten am zweiten Weihnachtsfeiertage das Fest der silbernen Hochzeit.

Kreis ffinhhnin

-o- Kirchhain, 30. Dez. Der heutige Neujahrsmarkt erfreute sich eines außer­ordentlich starken Besuches. 3n großer Zahl waren die verschiedenen Händler gekommen. Vom Marttplatz bis zum Bahnhof standen Buden an Buden, dazwischen herrschten die vielenWahren Jakobs", die mit mehr oder weniger Zungenfertigkeit ihre Ware an den Mann zu bringen versuchten. Auf den Straßen war bis in die Abendstunden hinein kaum durchzukommen. Aus dem Kreis Kirch­hain, dem Ebsdorfer Grund, und vor allem aus dem angrenzenden Oberhessen waren die. Besucher in hellen Haufen gekommen. In den Mittagsstunden mar das Gedränge be­ängstigend. Einen solchen Massenbesuch hatte zuvor noch kein Markt zu verzeichnen. Trotz her Geldknappheit konnte man feststellen, daß teilweise gut gekauft wurde.

-o- Amöneburg, 30. Dez. Der hie­sige Turnverein (D. T.) veranstaltete im Saalbau Dickhaut einen wohlgelungenen Werbeabend für Deutsches Turnen. Das gut besuchte Schauturnen darf als ein voller Erfolg für den trotz der Not der Zeit rührigen Verein gebucht werden.

- Neustadt, 30. Dez. Der gestrige Scherz markt erfreute sich trotz wittschaft- licher Notzeit eines sehr starken Besuches. Der Marttplatz vermochte die Buden und Verkaufsstände nicht zu fassen, so daß die an­grenzenden Straßen in Anspruch genommen werden mußten, zumal viel Verkäufer von Lastautos verkauften. Die Kauflust war im allgemeinen gedrückt.

Wohra, 30. Dez. Der hiesige Fuß­ball v e r e i n veranstaltet am Neujahrstag im großen Saale derWirtschaft zur schönen Aussicht" in Schwabendorf eine Theaterauf­führung mit Tanz. Vorgeführt wird..Teuere Heimat Opfer der Fremdenlegion" in zwei Aufzügen von MarkeUus. Dieses Drama wurde bereits am 2. Weihnachtstage in Wohra mit großem Erfolg vorgeführt. Die Eintrittspreise sind der Notzeit entsprechend äußerst niedrig gehalten.

f Erksdorf, 30. Dez. Heute um die Mittagszeit wurde der letzte Altveteran un­teres Dorfes, der Landwirt und Auszüger Johannes Bierwirth, im 84. Lebens­jahre zur letzten Ruhe geleitet. Der Heim­gegangene war als kerndeutscher Mann im ganzen Kreise bekannt und war Mitbegrün­der und bis in sein hohes Alter eifrigstes Mitglied des hiesigen Striegeroerems. Tie-

Persönliches.

Am 3 November 1931 ist der Landwirt Jo­hannes Mink aus Wolfshausen, langjähriges Kreistags- und Kreisausschußmitglied und Vorsitzender des Hessischen Bauernvereins, ver­schieden. Für den Kreis bedeutet sein Tod einen schweren Verlust. Zu jeder Zeit stellte et seine reiche Lebens- und Berufserfahrung willig in den Dienst des Kreises.

Oeffentkiche Fürsorge.

Wie in allen anderen Gemeinden und Ee- meindeverbänden stand auch im Landkreise Marburg im a6gelaufenen Jahre die Sorge um die in der öffentlichen Fürsorge stehenden Personen und Familien, insbeson­dere der Wohlfahrtserwerbslosen, an der Spitze der gesamten Verwaltungstätiakeit. Don dem Gedanken ausgehend, daß Arbeits­beschaffung die beste Form der Fürsorge ist, hat die Verwaltung auch im abgelaufenen Jahre wieder ihre ganze Kraft auf die Schaffung von Arbeitsgelegen­heit gerichtet. An erster Stelle ist hier die Lahnregulierung bei Rolh zu nennen, die mit finanzieller Hilfe des Staa- les, des Bezirksverbandes und auch, auf Grund des s. Zt. abgeschlossenen Aussckeidungs- vertrages, der Stadt Marburg um ein gutes Stück weitergeführt worden ist. Das Ergeb­nis war die völlige Eindeichung des Ortes Roth selbst und die Eindeichung wertvoller großer Ländereien bei Roth und Wolfs- Hausen. Bei dieser Arbeit konnten durch­schnittlich hundert Wohlfahrtserwerbslose be­schäftigt werden. Weiter wurden Wohlfahrts­erwerbslose bei sonstigen Gelegenheiten, ins­besondere auch bei Gemeindearbeiten, be­schäftigt. Mit auf diese Maßnahmen ist es zurückzuführen, daß die Zahl der tatsächlich aus der öffentlichen Fürsorge unterstützten Erwerbslosen gegenüber dem Stande oes Vor­jahres nur um etwa 50 gestiegen und im Ver­hältnis zu der Zahl der Ärbeitslosen- und Krisenunterstützungsempfänger weit niedriger als bei dem Durchschnitt der preußischen Stadt- und Landkreise ist. Allerdings rechnet der Kreis für die nächste Zeit mit einem weiteren erheblichen Steigen dieser Zahl, da auch jetzt noch rund 500 Erwerbslose und rund 500 Krisenvntetstlltzte aus dem Landkreise durch bas hiesige Arbeits­amt unterstützt werden, von denen bekanntlich die Krisenunterstützungsempfänger nach Ab­lauf ihrer Unterstützungszeit in die Wohl- fabrtserwerbslosenfürsorge übertreten Auf diese kommende Entwicklung bereitet sich der Kreis aber schon jetzt vor Ärbeitsbeschaffungs- pläne für bas kommenbe Jahr sinb in Arbeit unb werben bemnächft die Kreiskörpcrschaften beschäftigen.

,: Winterhilfe.

Zur Beseitigung befonbers bringenbet Not­stände unb Ergänzung bet öffentlichen Für­sorge würbe auch im Landkreise Marburg unter aktiver Mitwirkung bet Organisationen der freien Liebestätigkeit eine Sammlung von Lebensrnitteln, Kleidung und Schuhen sowie eine Aktion zur Verbilligung der not­wendigsten Bedarfsartikel eingeleitet, die von bestem Erfolge begleitet war. An Lebens­mitteln wurden ein erfreuliches Zeichen hochherziger Miisotge unserer Bevölkerung insgesamt rund 1350 Zentner Kartoffeln, 64 Zentner Roggenmehl, 35 Zentner Weizen­mehl, 295 Zentner Gemüse, 35 Zentner Hül­senfrüchte, 502 Laibe Brot, 475 Zentner Obst und 485 Pfund Speck gespendet. Davon ist ein Teil im Landkreise selbst verwendet wor­den. Die größere Menge wurde auf Vor- abes unter Leitung des Regierungs- enten Dr. Friedensbutg stehenden Be­zirksausschusses für Winterhilfe in Kassel dem durch ein geradezu entsetzliches Maß von Ar­beitslosigkeit in manchen Gemeinden be­finden sich zwei Drittel der Bevölkerung in öffentlicher Fürsorge in größte Not ge­ratenen Landkreise Hanau zur Verfügung ge­stellt. Aber auch der Stadt Marburg und Wohlfahrtsheimen in der Stadt sind insge­samt rund 650 Zentner Kartoffeln sowie sonstige Lebensmittel zur kostenlosen Ver­teilung überwiesen worden. Sehr erfreulich war auch das Ergebnis der Tätigkeit der Frauenvereine im Landkreise, die große Men­gen bester Kleidungsstücke hergestellt und ge­spendet haben.

An der Verbilligung der Lebensmittel für die bedürftige Bevölkerung haben sich Bäcker, Müller, Metzger. Lebensmittelhändler und an der Verbilligung der Kohlen die Kohlen­händler des Landkreises Marburg in dankens­wertester Weise beteiligt. Die' Abgabe der verbilligten Lebensmittel an die aus Mitteln des Kreises und der Gemeinden unterstützte bedürftige Bevölkerung erfolgt auf sog. Gut­scheine. Diese Gutscheine werden dem Unter« Ituijungsempfänger bei der Auszahlung der Unterstützung in Anrechnung gebracht, von ihm an den Lieferanten roeitergegeben, und dieser löst die Scheine wieder bei der Ee- memdekasse ein. Es liegt hierin also eine Garantie für den Lieferanten, daß er seine Ware tatsächlich bezahlt erhält.

Förderung der Landwirtschaft.

Die in Schönstadt eingerichtete Jung- Viehweide ist im abgelaufenen Jahre erst- mgn Betrieb genommen worden Die erste Auftrieb erfolgte am 8. Mai der Ab- trieb am 14. Oktober; die diesjährige Weide- zelt hat also 159 Tage gebauert. Aufgetrie- oen waren 55 Rinber unb 10 Fohlen bie aus "e" verschiedensten Teilen des Kreises ttamm-

i.e haben sich überraschend gut "n^ml flrVt ?v.rch Wiegen beim Auft.ieb und

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