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Sonnmlag, beit 24. M1931

Oft .©bertefiW Zeitung« e» f*etnt sechsmal wöchentlich. Be­zugspreis monatlich 2. 2O@9K.au #. schließt. Zustellungsgebübr. durch 6k ^ofi 2.45 @92? j^ar ekwa durch Streik. Maschinendefek« ober eie» «entart Ereignisse «stallende «Kümmern wir» kein Sri ar ae» leistet vertag. Vr. 6 fcttseTotb, Druck der Unid-Buchdrnckeret g»b Sug. Koch. Marti 21/23. zernspre-' r: Rr M mit Nr. 55. Postscheckkonto: Amt Frankfurt I, ®? Rr 5015. Sprech reit W* Kedaktwn Bon 1011 and

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Anzeiger für (bas frühere kurhessischej Oberhessen

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Marburg o. Laim

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Anzeiger der amtlichen Bekanntmachungen Mr Stadt und Kreis Marburg.

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Weihnachten 1931

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Don Jakob Schaffner.

Als ich gebeten wurde, über Weihnach­ten zu schreiben, ahnte ich, daß es schwer sein würde, aber wie ich mich an die Aufgabe mache, bemerke ich mit Erschütte- ntng, daß es eigentlich unmöglich ist. Soll ich mich über das historische, dogmatische

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Deihnachtswunder verbreiten? Dazu sind die Priester da. Soll ich eine bürgerliche Betrachtung über die Poesie unserer Weih- nachtsgebrüuche verfassen? Dazu bin ich nicht nötig; Hunderte machen das hin-

reicherrd geschickt und hübsch. Soll ich den

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schreienden Widerspruch erscheinen lassen zwischen der sittlichen Forderung, die mit 4 dem Anlaß zu diesem Fest in der Welt er­

schienen ist, und der Wirklichkeit? Es ist furchtbar schwer. Leidenschaft zu haben und sich daran vorbei zu winden. And ich

Irde es auch nicht tun. Ich werde sagen, ! ich es sehe, höre und empfinde. Ich cde es aussprechen, wie es heute in un- er Welt an jener Brüderlichkeit fehlt, das Leiben und das Innerste der cistenlehre ausmacht wie überhaupt je- andern echten Religion und Ethik, > ohne die es nirgends und nie ein Wohlgefallen an den Menschen" gibt. > muß es auch deutlich machen, daß jenes rd oder jenes Wunderbare, was es h im Kern gewesen sein mag, nicht dazu und erschienen ist, daß wir uns daran sten und beruhigen, sondern es will 5 erregen. "Es war meine fvrlwahrcnde stürzung und Riedergeschlagenheit, daß >t in dieser Zeit des losgelasiencn aos, der Ichsüchte und des Druderhas- . der Menschenverachtung und der Ro- t gegenüber den höchsten Gedanken: Ich ,e, ich war ruhelos und betroffen dar- >r, daß jetzt nicht einSturmderCr- u e r u n g und der Braderbefrei ing aus n Schoß des Christentums hervorbrach > ein Frühlingsgewitter.

Sut, wir sind mit uns allein. Der Sturm eitet sich vielleicht irgenöwo anders vor. ir dürfen sogar zuversichtlich hoffen und üben, daß der Kummer und die Aieder- ;e dieser Zeit eine neue Beseeltheit Dorbringen werden. Wir alle, nicht H die Deutschen, haben etwas zu sehr unsre Maschinen geglaubt, an unsre rrichtungen, an unsre Versicherungen, unsern Handel, unsre Technik, unfern rfetjr, unsre Weltwirtschaft, unsern Par­lamentarismus, unsre Industrie und Wis­senschaft, unsre Kirchen, Sozialfürsorgen, .Fortschritte und Entwicklungen. And da­bei haben wir ziemlich vollständig verges­sen, was der Mensch zum Leben braucht und was der Mensch dem Menschen schul­dig ist. Wir haben Einrichtungen mitein­ander verkehrt. Wir haben uns einen gut funktionierenden Bürokratismus des Le­bens geschaffen mit Krankenkassen, Besse­rungsanstalten, Gewerkschaften, Kartellen Und einer Presse, nie der Aufgabe, an Unsrer Stelle $u denken, zu helfen, zu reden und zu bessern. In Aeidenburg las ich auf einem Schild:Sorglos", Feuer­bestattungsverein. Dies hat mir viel zu denken gegeben. Anser ganzes gesell­schaftliches Leben ist schließlich solch ein FeuerbestattungsvereinSorglos" gewor­den. Wovon hat sich der Bürger Mieh- Lch nicht losgekauft durch Beiträge, Steu- «m und Prämien? In manchen Ländern

glaubten die Menschen tatsächlich sich durch gewandte und schlaue Einrichtungen dom Schicksal unabhängig machen zu tön« Uen. Anter der Deckung dieser Einrich­tungen schien es erlaubt und möglich un­besorgt chne jede Rücksicht auf Schonung seine eigenen Interessen zu verfolgen, die Interessen seines Stands, dann seiner Stabt und schließlich seines Volkes. And die dann die unausbleibliche Katastrophe herein brach, denn das Leben läßt sich nicht dauernd betrügen und bestehlen, fand sie eine Menschheit vor, die überhaupt nicht mehr die kleinste und kümmerlichste Tra­dition in ' e e l i s ch e r Entfaltung besaß, in

Brüderlichkeit, Gemeinsinn, Hilsbereit- schaft und gegenseitigem Verständnis, weil sie keine entwickelte Seele mehr besaß, nur noch Rudimente von Seele, wie wir Rudi­mente eines Blinddarmes besitzen, gerade genug, um daran zu erkranken. Die see­lischen Erkrankungen waren schon vor dem Krieg so verbreitet, daß sie eine ganze Wissenschaft hervorgebracht und ernährt haben.

Es ist heute noch nicht modern und fort­geschritten, von Seele zu sprechen. Ich tue es aber trotzdem, und einige andere haben auch den Mut dazu. Es ist unmög­lich, zu bestreiten, daß das System der Sicherungen und der Ichsucht zusammenge­brochen ist und daß nur seelische Ent­

faltung wieder eine Menschheit schaffen kann, die mehr ist als eine wüste Samm­lung jener Intere sic Ittenhausen, von denen ein Minister im gerechten Zo n sprach. Der Zusammenbruch ist nun vollstän>ig, oder er wird es gleich sein. Aber der Raum für die Regungen der Hoffnung und des Glau­bens ist größer geworden. Roch vor einem Jahr lagen die Mauern des Systems auf uns. Roch vor einem Jahr glaubten die Menschen eswieder zu schaffen" in der Manier, in welcher sie es vorherge­schafft" hatten. Es geht nicht mehr. Die Kündigung der Krebste war etwas Grö­ßeres und Bedeutungsvolleres als nur eine Finanzfrage, sie war ein moralisches Geschichtsereignis ersten Ranges.

Die Wahrhest ist heraus, die Maschine bankrott, und der Seele, dem freien Men­schen geht wieder eine Hoffnung auf. Das ist die Botschaft der Weihnacht 1931. Es ist jetzt nur nötig, daß die Menschen wieder Mut zu ihrem Menschentum fassen. Stellen wir unsere seelische Höhest wieder her; die Erneuerung der Welt wird davon die natürliche Folge sein. Des Menschen beste Hilfe ist immer noch der Mensch ge­wesen. Im deu tschen Menschen insbeson­dere liegen alle Kräfte zu seinem sittlichen Wiederaufbau. Denn, wie sagte später der Mann, dessen Geburt die Welt wieder feiert:Das Reich Gottes ist innen i» euch!" Jedes Heil ist innen in euch!

Das Ergebnis von Basel

Kompromiß zwischen der deutschen und französischen Auffassung - Frankreich ist zufrieden

ft Basel, 24. Dez. Nachdem die pri­vaten Besprechungen des Sonderausschus­ses der BIZ. am Mittwoch abend zu Ende gegangen waren, teilte Dr. Melchior den deutschen Vertretern mit, daß eine vollst«-big« Einigung erzielt worden isst Das flachten des Ausschus­ses ist darauf von sämtlichen Abordnungs­führern unterzeichnet, worden.

Das Gutachten des BJZ.-Ausschustes besteht aus vier Kapiteln, in denen die gegenwärtige Lage, die Ursachen der Krise, die Maßnahmen der deutschen Re­gierung und die Schlußfolgerungen behan­delt werden. 5n diesen sagt der Ausschuß, dem Sinne nach, daß der youngplan überholt ist, daß das außerordentliche Fallen des Goldpreises die deutschen Leistungen um 4V vom Hundert erhöht hat, daß das deutsche Problem in weitem Maße die Ursache für die steigende Finanzlähmung der Welt ist und daß die eingetretrenen Schwierigkeiten Borboten wer terer Kata­strophen sein müssen, wenn nicht etwas Durchgreifendes geschieht Der Ausschuß empfiehlt schließlich zur Wiederherstellung des Vertrauens die Anpassung aller zwi­schenstaatlichen Schulden (Tribute und Kriegsschulden) an die gegenwärtig zer­rüttete Lage der Welt

Nach Auffassung gut unterrichteter Stellen bedeutet oas Baseler Gutachten ein Kompromiß zwischen der deutschen und der französischen Auffassung. Als Kern ist der Satz anzusehen, daß das deutsche Problem in weitem Maße die Ursache der steigenden finanziellen Lähmung der Welt ist.

In Berliner politischen Kreisen wird zum Baseler Gutachten darauf hin­gewiesen, daß der Poungplan damit sach­lich aus den Angeln gehoben wurde, wo­bei der dringende Appell an die Regie­rungen im Zusammenhang mit der Ein­stimmigkeit und dem Verzicht auf jegliche Vorbehalte besonders unterstrichen wird.

Die Pariser Presse zeigt sich mit dem Abschluß der Baseler Verhandlungen im allgemeinen befriedigt, obgleich sie noch keine Eelegei beit genommen hat, eingehend dazu Stellung zu nehmen. Bei dem ersten Blick, so schreibt dasE ch o d e Pari s", scheint der Schlußbericht mit der französischen These Lbereinzustimmen. Auch die übrigen Blätter lasten in dem Bericht an und für sich keine Widersprüche durchblicken und erklären, daß sie mit dem Ergebnis der Arbeiten zufrieden sind.

Londoner Blätter zum Baseler Bericht.

Die ernste Warnung vor einer Kata­strophe, die der Baseler Sachverstänbigen- Ausschuh an die Walt gerichtet hat, wirb von der Londoner Worgcnpresse in seiner ganzen Tragweite kritisch gewürdigt.

Der Berichterstatter -derM o rn i n g P o st" bemerkt, daß in dem Bericht, bei von der Mehrheit der Ausschußmitglieber als sehr unbefriedigend bezeichnet werde, Empfehlungen für die Er­

ft London, 24. Dez. Der diplomatische Korrespondent desDaily Tele­graph" erfährt, daß bei den Verhand­lungen in Bafel die Geldfrage einen Schritt hervorrief, der der gewaltigste wäh­rend der ganzen Konferenz war. Der eng­lische Abgeordnete wünschte unterstützt von einigen anderen Mitgliedern des Aus­schusses, die die vom Goldstandard abge­gangenen Länder vertreten, die Aufmerk­samkeit des Ausschustes auf die eng­lische Verteilung des Goldes als eine der Hauptgründe der gegenwärtigen Weltkrise hinzulenken, wobei die Fran­zosen den gewaltigsten Wider­stand leistete«. Die französische Re-

rmch Ser Sonberberichterftatter der Daily Mail" hin. Der diplomatische Korrespondent besDaily Tele­graph" will wissen, daß die bittersten Zusammenstöße bet Den Beratungen bes Baseler Ausschusses mit dem Golbpro­b' lem zusammenhingen. Die französische Regierung sei entschlossen, eine Erötterung dieser Frage auf der kommenden Repara­tionskonferenz zu verhindern.

Der liberaleRew Chronicle" be­zeichnet als logische Schlußfolgerung des Baseler Berichtes die Einberufung einer internationalen Konferenz, die das Pro­blem der Schulden und der Reparationen gleichzeitig prüfen müsse.

Times" beurtellen in einem Leit­artikel die Aussichten einer Repa.ations- konferenz ziemlich optimistisch. Di« bri­tische Regierung dränge bei den fran­zösischen und anderen Regierungen auf eine endgültige Lösung der ganzen Frage.

leichterung der Krise in Deutsch­land nicht zu finden seien. Die Schwierigkeiten seien auf französisches Ver­langen hin einfach auf die bevorstehend« Konferenz der Regierungen a b g e s ch o - b e n worden.

Times" weisen daraufhin, daß der Bericht den unverkennbaren Zweck habe, daß die Zahlungen der ungeschützten An- nuttäten angesichts der Schwere der Krise unerwünscht sei. Auf diesen Punft weist

gierung sei fest entschlossen, bei der Re- parationskonferenz die Eoldfrage von jeder Erörterung auszu­schließen, während die englische der Ansicht sei, daß man der Weltkrise, die nicht allein von den Reparationen ab­hänge, nicht zu Seite gehen kann, ohne vorher die Eoldfrage erörtert zu haben. Der Korrespondent glaubt ferner, daß so­fort nach Weihnachten die Besprechungen zwischen de« Sachverständigen der eng­lischen und französischen Finanzministerien wieder ausgenommen werden sollen. Sie würden etwa drei Monate dauern und fich auch auf Beratungen mit den Finanz­ministerien anderer Länder erstrecke«.

Der Ei«dr«ck des Baseler Berichtes in Amerika.

fk. London, 24. Dez. Wie Reuter aus Washington meldet, lehnen die amt­lichen Stellen jede Aeußerung zum Baseler Sachverständigen-Bericht ab. Man könne aber sagen, daß die Feststellungen des Aus­schustes keine besondere Ueber- r a s ch u n g hervorgerufen Haven. Im all­gemeinen vertrete man den Standpunkt, daß man sich den nächsten Schritt Europas ziemlich denken könne, wobei es sich vor­aussichtlich um die Einberufung einer all­gemeinen Reparationskonferenz handeln werde. Mau zweifele jedoch, ob Amerika daran teilnehmen werde.

In politischen Kreisen in England ist man der Meinung, daß durch die Annahme des Hoover-Moratoriums im amerikani­schen Kongreß eine Atempause ent­standen sei. In dieser Zeit mäste man eine Losung der finanziellen Schwierig-

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Goldsrage und Tribute

Ernster Gegensatz zwischen England und Frankreich