Unser Verständigungspartner
Von der Notverordnung
Rk.Al««.Mrs. Marburg a. Laba
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Anzeiger für (das frühere kurheffifche) Oberheffen
Anzeigen der amtliche« Bekanntmachunge« fiir Stadt und Kreis Marburg.
ÄbechMche Zeitung
Zur Konferenz der Finanzminister weist die „E e r m a n i a" daraufhin, daß politische und wirtschafliche Gründe sowie die Rücksicht auf die Stabilität der Währung den Ausgleich des Haushaltes zur gebieterischen Pflicht machten. Diese Gründe seien so zwingend, daß neue Opfer nicht
Die TageSordmmg der Kabinettssitzungen zeigen uns das lveftgesteckte Programm der Reichsregierung, das im einzelnen folgende Vorlagen enthalten soll: Herabsetzung des steuerfreien Existenzminimums, der Pfändungsgrenze und der Leibrenten, Senkung der Löhne und Gehälter für Arbeiter und Angestellte, Kürzung der Deamtengehälter. Zu den letzteren ist aber zu sagen, daß weder in der Gehaltskürzung^- noch in der Lvhnfrage feststeht, zu welchen Terminen sie vorgenommen werden sollen, well die Reichsregierung Per Lohn- und Gehallssenkang die Preissenkung voran.gehen lassen und ihre Auswirkungen abwarten will. Weiter gehören in das Programm die Auflockerung der Tarifverträge, Reform der Sozialversicherung, wobei erst noch geklärt werden muh, 5b sie in die Notverordnung ausgenommen oder auf gesetzmäßigem Wege durchgeführt werden soll, sodann Erhöhung der Umsatzsteuer. Außerdem sollen die „gebundenen Preise einschließlich der Preise der Markenartikel", die freien Preise für Gegenstände des täglichen Bedarfs, die Reichsbahntarife, die Gebühren < der Rechtsanwälte, Notare und Aerzte,
01t ,£>berbefflf<$e Sethmg* er- sechsmal wöchentlich. Be-
TLjrete monatlich 2.20GM.an«- UKiitfcl Zustellungsgebtlbr. durch
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Dr. Schachts Befinden gebeffert
Schwerin, 3. Dez. In dem Befinden Dr. Schachts hat sich laut Mitteilung des Warener Krankenhauses eine Besserung herausgestellt. Die Temperatur war Donnerstag auf 37,5 gesunken. Dr. Schacht hat die Nacht über etwas geschlafen. Wie die am Mittwoch abend vorgenommene Untersuchung der beiden Aerzte ergeben hat, find die sechste und siebte Rippe gebrochen. Irgendwelche Komplikationen find nickt mehr biiuuaetrete«.
Im Zeichen der Notverordnung „Diktatur der Ministerialbürokratie"
Sturm im Berliner Stadtparlament
Berlin, 3. Dez. An der heutigen Stabt« verordneten-Versammlung kam es zu stürmischen Szenen, als der Kommunist Fritz Lange einen Dringlichkeitsantrag seiner Fraktion einbrachte, in dem die Aufhebung der Kürzungen der Erwerbslosenunterstützung und die Ausschüttung einer Weihnachtsbeihilfe gefordert wurde. Der Redner richtete bei der Begründung des Antrages heftige Angriffe gegen die Nationalsozialisten. Die Sturmszenen erreichten ihren Höhepunkt, als Lange m bezug auf die Nationalsozialisten von einer „ganz gemeinen Arbciterhenkerpattei" sprach. Als ihn der Vorsteher zur Ordnung rief, erllärte er unter dem Händeklatschen seiner Parteigenossen, datz es in der deutschen Sprache kein Wort gebe, dah gegen die Nationalsozialisten scharf genug wäre. In den Tumult mischten sich auch schrille Pfiffe, und die Stadtverordneten der äutzersten Rechten und Linken riefen sich „Halts Maut!" zu. Die auf der Tribüne anwesenden Erwerbslosen bildeten einen Sprechchor und riefen: „Wir haben Hunger, gebt uns Arbeit und Brot", so dah der Vorsteher mehrmals mit der Räumung der Tribüne drohen muhte. Bei der Abstimmung verliehen die bürgerlichen Parteien den Saal, was abermals heftige Zwischenrufe auslöste. Die Sozialdemokraten enthielten fick der Stimme
wörtliche „Berater" haben auf Grund unkontrollierbarer „Beziehungen" die Möglichkeit, ihre Anregungen und Wünsche einzu- flüstern. Eine öffentliche Beratung in den gesetzgebenden Körperschaften, in der Gründe und Gegenstände geprüft werden könnten, üjibet nicht statt. ,
■* Ä« den Isolierzellen der Ministerialgebäude werden die Schicksalsfragen der deutschen Nation entschieden.
Mag fein, datz die kommende Notverordnung nur wunder^chöneWeihnacht:- g e s ch e n k e für uns alle enhült. Wir möchten dennoch wünschen, dah das deutsche Volk, ehe die Entschlüsse des Kabinetts Gesetzeskraft erlangen, wenigstens die Grundgedanken der Entwürfe kennengelernt hätte. Manche Notverordnung des letzten Jahres würde, gerade im Hinblick auf die von ihr beabsichtigten Wirkungen, zweckvoller gefaßt worden sein, wenn den mit der lebendigen Wirklichkeit der Wirtschaft verbundenen Kräften eine rechtzeitige Stellungnahme ermöglicht worden wäre. Sollte es nicht an der Zeit sein, dah, nachdem der Reichstag ausgeschaltet worden ist, die von der Notver- ordnungsgesetzgebung betroffenen Kreise wenigstens die Vorberatung in den zuständigen Reichstagsausschüssen verlangen? Es ist ja längst durch die tatsächlichen Erfahrungen erwidsen, dah eine solche Vorbereitung durch- mis nicht länger dauert als das heimliche Sin- und Hergezerre, das in der Wilhelm- strahe entscheidende Mahnahmen oft wochen- oder monatelang verzögert.
nung aus, daß die französische Regierung und die französische öffentliche Meinung dadurch veranlaßt werden, den Ernst der internationalen Lage bester zu würdigen und sich klar darüber zu werden, welche Rückwirkungen die Weltkrise auf die französische Wirtschaft haben könnte.
unter grobem Lärm des Hauses, wobei die Rufe „Arbeiterverräter" laut wurden. Als der Vorsteher die Beschlußunfähigkeit des Hauses feststellte, begannen die kommunistischen Tribünenbesucher erneut zu lärmen. Der Gesang der Internationale, in den auch die kommunistischen Stadtverordneten ernstimm- ten, Verwünschungen auf die Sozialdemokratie und Rotfrontrufe bildeten den stürmi- wen Ausklang der Sitzung, und nur mit Mühe gelang es den Rathausbeamten, die erregten Tribünenbesucher zum Verlassen des Hauses zu bewegen.
»Paris, 4. Dez. Der Abgeordnete »ranklin-Bouiklon hat gestern nach- ■ittag in Versailles eine politische Rede »chatten, m der er ausführte, die Regierung Ebe notwendigerweise auf die Politik der Negation zu verzichten. Man müsse endlich Weutichland und den alliierten Ländern einen Klimmten Aktionsplan vorlegen.
I Deutschland müsse, wie seinerzeit auch MFrankreich, eine Amortisienmgskasse I schassen, um in zehn oder fünfzehn Iah- Iren seine 210 Milliarden Schulden 1 zurückzuzahlen.
»i: Amortisierungskasse müsse dazu durch yn Ertrag der Zölle und des Tabakverkaufs Mankiert werden. Falls die Nationalsozia- Mn, wenn sie in Deutschland zur Regie- Mg kämen, die übernommenen Verpflichtun- In kündigten, mühten Frankreich, England Ich Amerika ein Handelsbündnis abschliehen. M>rch dieses Handelsbündnis mühten sich die M Länder verpflichten, eine etwa 10pro- Btige Steuer auf alle von Deutschland Wch diesen drei Ländern ausgeführten Pro- ■fie su legen.
j-Sn diese unhaltbaren Vorschläge knüpfte Mr Redner noch einen Ausfall gegen liuti chIand an, in dem er ausführte: fcf diese Weise würden die deutschen Groh- ■Mtriellen mehr Interesse daran haben, Mich die Verpflichtungen Deutschlands ein- Malten, statt Hitler mit Zuschüssen zu um Idtlltzen und die Revanche vorzubereiten. »Außerdem würde man bei dieser Eele- Mheit sehen, ob die Alliierten, die den Minden Frankreichs 170 Milliarden geliehen Mm, entschlossen seien, auf ihre Schuldner Em Druck auszuüben, und nicht auf Frank- Mch. das ihr erstes Opfer sei. Frankttn- »millon schloß seine Rede mit der Erklä- W3. diese oder andere Maßnahmen würden M Lösung der Krise nur beitragen, wenn Mlnkreich sich innerpolitisch erst einmal wie
zur restlosen nationalen Einigung durch- WLnaen haben werde. Das sei das einzige Mittel für Frankreich, sich in der Welt Ifang zu verschaffen. Das sei auch die em- F£ Hoffnung, die übrig bleibe, um die Wruhestifter zu entledigen und den Frieden M gewährleisten.
Weisend« Arbeitslosigkeit auch in Frankreich.
»$aris, 3. Dez. Nach den Ende No- Wver veröffentlichten amtlichen Ziffern ist W^fahl der unterstützten Arbeitslosen l.orankreich in einer Woche um 10000 rT, ?1553 gestiegen. 7497 eingetragene Mveitsiose entfallen dabei auf Paris und Me Vororte. Ende des Jahres 1930 betrug M.Zahl der Unterstützten nur 11 952. Be- r’vers scharf treten die Rückwirkungen der
feit Ende Juli in Erscheinung, da die WA der eingetragenen Arbeitslosen seit die- k oeit um insgesamt 45 637 angewachsen ist. K amtlichen Ziffern geben jedoch nur ein
1 unvollkommenes Bild der tat* Ir’d'en Lage. Die Leitung der französischen I^eneroerbände schätzt die Zahl der o ö l l i g t.li’e.it5lofcn auf eine Halde Million, K der Kurzarbeiter auf das Dreifache, kz Entwicklung auf dem Arbeitsmarkt wird r?.. _>sachverständigenkreisen sehr pessi- »’llisch beurteilt. Besonders ernst ist die W.k im nordfranzösischen Industrie- Miet.
■ Hoffnung auf Umschwung in der L französischen Stimmung.
Zusammenhang mit den Schwierig- einzelner französischer Banken
Financial News" die Hofs-
Berlin, 8. Dez. Ein Berliner Blatt brachte in seiner heutigen Frühausgabe konkrete Einzelheiten über die kommende Notverordnung. An „zuständiger Stelle" werden diese und ähnliche 23er=- öffentlichungen über den mutmahlichen Inhalt der kommenden Notverordnung als unverantwortlich bezeichnet.
Es fei der Regierung vollkommen umnög- lich, hierzu Stellung zu nehmen. Es handele sich um interne Beratungen, über die Äus- künfte schon deshalb nicht gegeben werden könnten, weil die Erörterung der Regierungspläne nur geeignet fei, die Verhandlungen zu stören. Außerdem habe die Regierung zu den einzelnen Fragen abschließend überhaupt noch nicht Stellung genommen.
Hierzu schreibt die „Vereinigung der leitenden Angestellten" u. a.: Der von manchen Seiten mit großen Illusionen erwartete Wirtschaftsbeirat hat völlig versagt. Ietzt bemüht sich die Reichsregierung, die so entstandene Lücke in der wirtschaftspolitischen Führung des Reiches durch ‘ ein eigenes Wirtschaftsprogramm auszufüllen. Jeder hört es: In der zweiten Woche des Monats Dezember wird eine neue Notverordnung herauskommen. Was darin stehen wird, erfährt die Oeffentlichkeit nicht. Strengste Geheimhaltung ist allen Beteiligten zur Pflicht gemacht. Wie lange soll man noch eine solche Methode der Gesetzgebung ertragen? Die Ministerialbürokratie regiert faktisch absolut. Einzelne unverant-
zu umgehen seien. Bei dem hohen Hundertsatz, den die Personal kosten in den Ausgaben der öffentlichen Hand darstellten, sei deshalb eine neue Senkung der Beamtengehälter unvermeidlich. Außerdem werde ein Rückgriff auf gewisse Steuerreserven, wie die Erhöhung der Umsatzsteuer und die Wiedereinführung der Kuponsteuer notwendig sein. Die weltwirtschaftliche Entwicklung, insbesondere die Loslösung vom Goldstandard, erfordere eine Anpassung des deutschen Preisniveaus an diese veränderten Verhältnisse. Die kommende Notverordnung werde deswegen eingehende Maßnahmen zur Durchführung einer Preissenkung enthalten. Sie bestätigt dann, daß die Regierung an die Gestellung eines Preiskommissars denkt, und das die Preissenkung in erster Linie wichtige Grundstoffe wie Eisen, Kohle, elektrische Kraft sowie weiter den Verkehr, Reichsbahn; Reichpost, Neubaumieten und schließlich überhöhte Handelsspannen bei Lebensmitteln und anderen Waren umfassen wird. Die im Interesse der Absatzfähigkeit der deutschen Wirtschaft notwendigen Preissenkungen erforderten selbstverständlich auch eine Senkung der Löhne: „In den letzten Tagen ist sehr viel die Priorität der einen oder anderen Maßnahme erörtert worden. Praktisch gesehen, sind die Senkung der Preise und die Senkung der Löhne auf das allerengste miteinander verknüpft. Das eine ist ohne das andere nicht durchzuführen, so daß eine annähernde Gleichzeitigkeit der beiden Maßnahmen wohl kaum zu vermeiden ist. Sachlich kommt es allerdings im höchsten Grade darauf an — das wird auch für die Reichsregierung der leitende Gedanke sein —, daß der Reallohn in seiner gegenwärtigen Höhe erhalten bleibt."
Die „DAZ." bestätigt, daß die Notverordnung das Gesetz gegen die Staatsverleumder enthalten wird, das vom Reichsinnenministerium vor kurzem angekündigt worden sei. Ferner werde die neue Notverordnung auch ein Gesetze enthalten, das die Herstellung und den Vertrieb von Massen für konzessions- pslichtig erklärt.
eue Hetzrede Franklin Bouillons
Deutschland soll mit allen Mitteln gezwungen werden, seinen Verpflichtungen nachzukommen