Mikwo», 2. Stiemtet 1931
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Anzeiger für (das frühere kurhessische) Oberhessen
Rt.AL 66.W».
Marburg a. Lab«
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Anzeiger der amtlichen Bekanntmachungen Mr Stadt und Kreis Marburg.
Verschiebung der Abrüstungskonferenz?
Die „Times" erteilt Deutschland Ratschläge — Mehrere ausländische Beobachter in China vermißt
Opfer chinesischer Banditen? Lebensfragen der Wirtschaft
Der Korrespondent des „Daily Ex- preß" meldet aus Peking, daß mehrere der ausländischen Beobachter, die zur Zeit di« Mandschurei bereisen, vermißt »erden. Unter ihnen soll sich uuchderdentscheEeneralkousul in M u k d e n befinden.
Die Beobachter waren zuletzt in Tschintschau und hatten sich von dort aus in das Innere des Landes, das stark ^von Banditen besetzt ist, begeben. Sie waren von einer starken chinesischen Militär wache begleitet. Telephonge- tzteSche mit den Behörden in Tschintschau -Wien ergeben haben, daß man in Tschint- Ww um das Schicksal der Beobachter stark besorgt ist und glaubt, daß sie mög- Lcherweise von Banditen angegriffen wor« sind. Unter den vermißten Beobachtern Men sich, wie der Korrespondent des Daily Expreß" weiter mitteilt, auch zwei Engländer, zwei Amerikaner «ldzwei Franzosen befinden. Zum TAl handelt es sich um ausländische Mili- Ure-Attach^s aus Tokio, zum Teil um Mitglieder ausländischer Konsulare in China.
Japanische Verstärkungen nach Tsitfikar unterwegs.
Japanische Mitteilungen aus Mukden besagen, daß General H o n j o einer größeren japanischen Truppenabteilung Befehl gegeben hat, sich von einem nicht mitgeteilten Ort aus nach Ts itsikar in Bewegung zu setzen. Die Lage kn Tsitsikar soll beunruhigend sein, da etwa 3000 chinesische Soldaten unter Führung eines unter dem Oberbefehl Mas stehenden Generals bereits auf 40 Kilometer an Tsitsikar herangerückt fein sollen. Die japanische Besetzung von Tsitsikar soll nur ktwa 300) Mann stark sein. Weitere ja- Mnische Meldungen besagen, daß auch der chinesische Vorstoß von Tschintschau aus in Richtung aus Mukden weiter seinen Fort- B genommen habe. Die Chinesen sollen ts 75 Kilometer von Mukden entfernt Irin.
nung Ausdruck gibt, es mögen, falls solche Maßnahmen nicht zu umgehen seien, neutrale Beobachter hinzugezogen werden. Diese Fassung scheint allerdings den Japanern nicht restlos zu genügen, und vermutlich wird die Frage noch Gegenstand eines Meinungsaustausches bilden.
Magdeburg, 1. Dez. Anläßlich des zehnjährigen Bestehens des Wirtschastsver- oandes für den Regierungsbezirk Magdeburg fand eine Festsitzung statt, auf der Gehei mrat Kastl vom Reichsverbanbe der Deutschen Industrie über den Kampf um Deutschlands wirtschaftliche Zukunft sprach. Der Vortragende* führte über die inter
Wo bleibt der Gasschutz in Deutschland?
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EaSschutzübung in Metz lElsah-Lothringen).
3a allen Ländern rings um Deutschland ist man seit langem dazu übergegangen, die Zivilbevölkerung auf die Schrecken des Gaskrieges der Zukunft vorzubereiten. Fast regelmäßig finden in den französtschen Grenzstädten Uebungen statt, an denen alle privaten und öffentlichen Sanitätsmannschaften teilnehmen. Nur in Deutschland ist man bisher über spärliche Anfänge des Gasschutzes nicht binausgekommen.
- ; Deutschland soll warten
„Times" sieht den Mißerfolg der Abrüstungskonferenz voraus
Bölkerbundsrat und Ostasienkonflikt.
Paris, 1. Dez. Der Völkerbundsrat hat seine Arbeiten heute zu einem ge- w l s s e n Abschluß gebracht, insofern in zwei Sitzungen des Redaktions- Komitees und anschließend in einer nichtöffentlichen Sitzung des Zwölferausschus- les der Wortlaut oer Schlußresolu , an und des Kommentars hierzu «ertiggestellt worden sind. (!) Beide Texte Wurden heute abend den beiden Parteien Zugestellt. Die Resolution, mit der die Wägung zum Abschluß gebracht werden wu, enthält sechs Punkte. Außer den suns bereits bekannten Punkten ist als Mer eine Bestimmung hinzugekommen, der Ratspräsident, wenn nötig, die Reguläre Ianuarsesiion früher einberu-
kann. Der Kommentar bringt die Erläuterungen zu sämtlichen sechs Punk- !rn und enthüllt auch Anspielungen auf r16 strittigen Fragen, über die eine Einigung mit den beiden Parteien nicht er-
werden konnte. In Sonderheit ist Frage der Polizeimaßnahmen, die Japan geltend gmacht wurde, dahin 'rlautert worden, doch der Rat der Söffe,
In einem Leitartikel legt die „Time s“ Deutschland naße, die Verschiebung der Abrüstungskvnferenz auf einen späteren Zeitpunkt als den 2. Februar zu beantragen. Die augenblickliche Lage sei für einen Erfolg der Konferenz sehr ungünstig. Wenn man diesen Zweifel ausspreche, so geschehe das nicht etwa, weil man einen Erfolg nicht wünsche, sondern im Gegenteil, weil man ernste Rückschläge auf die europäische Lage befürchte. Ein Zusammenbruch der Konferenz würde das Ansehen des Völkerbundes in schwerster Weise völlig vernichten. Die Länder, die am meisten von der Abrüstungskonferenz erwarten könnten, seien diejenigen, die durch die Fri«- densverträge voll entwaffnet worden seien. Der erste Schritt zu einer Verschiebung der Konferenz könnte daher am besten von ihnen ausgehen. (!!) Das Statt kraut, ob Deutschland angesichts sei
ner augenblicklichen wirtschaftlichen und finanziellen Verpflichtungen in der Lage fein würde, seine Forderungen zu seinem besten Vorteil kraftvoll vorzubringen? Es gebe natürlich auch eine Menge von Gründen zugunsten der Einberufung der Konferenz zu dem festgesetzten Zeitpunkt.
Japan gegen die Abrüstung.
Nach einer Meldung des „Daily Telegraph" aus T o k i ö' wurde die japanische Stellungnahme auf der kommenden Abrüstungskonferenz am Dienstag in einer Sitzung hes Militärrates erörtert. Die Anweisung für den japanischen Abordnungsführer, die in einer zweiten Sitzung am Donnerstag endgültig bestätigt werden soll, habe nach dem Bericht des Blattes folgenden Inhalt:
Japan wird keinen Abrüstungsverpslich- tungen zustimmen, durch die es bezüglich der allgemeinen Bewaffnung der Flugzeuge und Kriegsmaterialien auf dem bisherigen Stand gehalten wird
nationale Kredit- und Währungskrise u. a. folgendes aus:
Es fei ein Gebot der Stunde, auf tiefem Gebiet mit größter Beschleunigung zu einer internationalen Zusammenarbeit zu gelangen.
Der jetzige Umfang der internationalen, insbesondere kurzfristigen Verschnl- dmg sei em auf di« Dauer unerträglicher
Zustand.
Der Abbau der kurzfristigen Engagements dürfe sich nur schrittweise, sehr vorsichtig und unter Schonung der beteiligten Wirtschaftskörper vollziehen und mich nur bis zu der Grenze gehen, die durch das selbstverständliche Vertrauen auf eine normale Entwicklung der internationalen Geschäftsbeziehungen diktiert sei. Deutschland sei selbstverständlich gewillt, feinen privaten ausländischen Verbindlichkeiten nachzukommen, es müsse aber verlangen, daß das Ausland nicht kurzfristig und einseitig seine Forderungen liquibiere, sondern daß es Deutschland ein normales Niveau kurzfristiger Kredite, auch über den Ablauf des Stillhalteabkommens hinaus,, zur Verfügung stelle.
Ueber die Reparationsfrage sagte Geheimrat Kastl u. a., der jetzt in Basel zusammen- fretenbe Berate ndeSonderausfchuß der BIZ. müsse unbedingt davon ausgehen, daß die mangelnde Leistungsfähigkeit Deutschlands auch von den Verfassern des Poungplanes von vornherein ist Rechnung gestellt worden sei. Der Redner vertrat hier die Ansicht, daß es unerträglich wäre, wenn jetzt wieder nur irgendein unbefriedigendes Provisorium zustande- käme. Es müffe endgültig reiner Tisch gemacht werden.
Im zweiten Telle feines Vortrages behandelte Geheimrat Kastl das Problem der innerdeutschen Wirt sch aftsge stak- tuna. Im Mittelpunkte der praktischen Wirtschaftspolitik ständen heute die Aufgaben der Produktionskostensenkung, die das Ziel verfolgten, die Wirtschaft wieder arbeitsfähig und auch gegenüber dem Auslande wettbewerbsfähig zu machen.
Ein« Nachahmung des engkifchen Beispiels durch Deutschland lehnt« Geheimrat Kastl ganz entschieden ab. Jeder Schritt auf diesem Wege wär« «in Verbrechen am deutschen Volke. Dl« Frag«, ob «r überhaupt möglich sei, di« Stabilität der deutschen Währung zu erhalten, beantwortet« der Vortragende absolut positiv.
Der Weg fei zwar außerordentlich hart, und er verlange von allen Kreisen des Volles große Opfer. Aber ein so überschuldetes Volk wie das deutsche müsse ohnehin bis zur Wiedergewimmng gesunderer Entwicklungsgrundlagen einen harten Weg gehen. Wenn dieser Kampf unter Einsatz und Zusammenfassung aller aufbauenden Kräfte geführt werde, bann werbe auch bie jetzige Notzeit von einer Aufwärtsentwicklung abgelöst werden.
Steuererhöhungen nicht mehr tragbar
Düsseldorf, 2. Dez. Die neuen Steuerpläne der Reichsregierung haben der westdeutschen Wirtschaft zu einer Mitteilung an den Reichskanzler Veranlassung gegeben, der wir folgendes entnehmen:
Die Organisationen der westdeutschen Wirtschaft nahmen heute zu den neuen Steuerplänen der Reichsregierung eingehend Stellung. Sie weisen mit Entschiedenheit jede Absicht zurück, die aus her Einschränkung der Wirtschaft sich zwangsläufig ergebende Senkung des