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Oberhessische Zeitung. Marburg a. L., Dienstag, den 24. November 1931
Nr. 275
Aus der Umgegend
KreiS Marburg
Sterzhaufen, 24. Noo. 3m Mer von 71 Jahren ist gestern Bürgermeister a. D. Burghard Jammer gestorben. Lange Jahre war er Bürgermeister unserer Gemeinde. Trotz seines hohen Alters nahm er noch regen Anteil am Gemeindeleben und seine Ratschläge haben auch unter der ^zigen Generation Nachahmung gefunden.
j Sterzhausen, 23. Nov. Am Totensonntag versammelten sich die Vereine der hiesigen Gemeinde zu einer Gedächtnisfeier der Gefallenen beim Ehrendenkmal. Der Posaunenchor brachte das alte Soldatenlied . Morgenrot" zu Gehör. Hierauf sprach Pfarrer Stehl einige beheizende Worte. Dann legte der Vorstand des Turnvereins im Namen aller Vereine einen Kranz am Denkmal nieder und zuletzt trug der Gesangverein das Lied ,,Wie sie so sanft ruhn" vor.
j Sterzhausen, 23. Nov. Heute hat die Schule wieder begonnen, die eine Zeit lang wegen der Kinderlähmung geschlossen worden war.
Roth, 23. Nov. Am vergangenen Sonnabend fand hier eine Versammlung der D e u t s ch n a t i o n a l en Volkspartei statt. Als erster sprach cand. tut. Wewers, der die Mißstände unseres heutigen Systems aufzeigte und Wege wies, die aus unserer Not herausführen. Genau wie l Zt. Helfferich in Deutschlands schlimmster Not, beim Zusammenbruch unserer Währung, die Rentenmark schuf, habe der Führer der Deutschnationalen, Hugenbcrg. genugsam Pläne ausgearbeitet und der Regierung empfohlen, die uns Rettung bringen könnten. So u. a. den Entschuldungsplan für die Landwirtschaft. Sanitätsrat Dr. Gerrin wies auf den kulturellen und sittlichen Niedergang unseres Volkes hin und sagte, daß der Geist von Potsdam wieder bei uns Einkehr halten müßte. Die eindrucksvolle Versammlung schloß mit der Forderung: Fort mit dem heutigen System, Platz neuen Männern und einer Regierung Hugenberg. Aus der Versammlung selbst wurde der Wunsch laut, möglichst bald wieder einen ähnlichen Abend zu veranstalten, der sich vor allem mit dem Arbeitslosenproblem beschäftigt.
Winterhilfe des Landkreises Marburg.
Es sind weiter folgende Spenden gezeichnet worden, für die der Kreisausschuß des Landkreises Marburg den Spendern hierdurch öffentlich seinen Dank ausspricht:
Gemeinde Wehrda (1142 Einwohner) insgesamt 11,50 Zentner Kartoffeln, 0,25 3tr. N-^ggenmehl, 0,30 Ztr. Weizenmehl, 5 Ztr. Gemüse, 0,38 Ztr. Hülsenfrüchte, 4,25 Ztr. Obst, 3 Pfd. Speck. 1 Brot, 4,50 R„6 in bar und --etchltch Wäsche und Kleidungsstücke und 135 Pfd. Dörr-Apfel, 45 Pfd. Möhren.
Gemeinde Dreihausen (1070 Einwohner) Insgesamt 12, 95 Ztr. Kartoffeln, 3,45 Ztr. Roggenmehl, 0,20 Ztr. Weizenmehl, 2,85 Ztr.
Gemüse, 0,10 Ztr. Hülsenfrüchte, 8 Laibe Brot, 9,10 Ztr. Obst. 21,50 Pfd. Speck.
Gemeinde Reddehausen (270 Einwohner) insgesamt 13, 25 Ztr. Kartoffeln, 0,60 Ztr. Roggenmehl, 0,50 Ztr. Weizenmehl, 4,50 Ztr. Gemüse 0,45 Ztr. Hülsenfrüchte, 3 Laibe Brot, 9,50 Ztr. Obst. 4 Pfd. Speck und fünf Körbe Dörrobst.
Gemeinde Altenvers (259 Einwohner) insgesamt 9,75 Ztr. Kartoffeln, 0,80 Ztr. Roggenmehl 0,30 Ztr. Weizenmehl, 5 Ztr. Gemüse, 040 Ztr. Hülsenfrüchte, 8 Laibe Brot, 4,95 Ztr. Obst, 1 Pfd. Speck, 5 Pfd. Schmalz.
Gemeinde Oberwalgern (309 Einwohner) insgesamt 31 Körbe Kartoffeln, 12 Körbe Gemüse, 4 Körbe Obst, 1 Kleidungsstück.
KwiS Krautenberg
Em Sprengftoffdiebftahl.
Frankenberg, 23. Nov. Aus einem Steinbruch an der Ederstraße bei Vier» mü n d« n (Kr. Frankenberg) wurde von unbekannten Tätern ein Sprengstoffdieb- st a h l verübt. Die Täter öffneten mit Nachschlüsseln die Sprengkammer und entwendeten 11,5 Kilo Sprengstoff und 135 Sprengkapseln. Die polizeilichen Ermittlungen haben bisher noch zu keinem Ergebnis geführt. Fest steht, daß es sich um a u s w ä r t i g e Täter handelt.
Frankenberg, 24. Nov. Bei den Wahlen zur Landwirtschaftskammer wurden für den Kreis Frankenberg gewählt: Hartwig, Fritz, Gutsbesitzer, Thalitter, Ptstor, Konrad, Gutsbesitzer Gemünden an der Wohra
Kreis iNtwrnu
. a. Treysa, 23. Nov. Bei dein heute im Wettlauferschen Saale abgehaltenen Holztermin der, Oberförsterei Jesberg waren wohl zahlreiche Käufer erschienen. Allein den Letzteren erschienen die Taxpreise zu hoch, so kam es, daß kein Gebot abgegeben wurde und der Terinin ohne jegliches Ergebnis geschlossen werden mußte.
KreiS Nle-enkvor
o. Gladenbach, 23. Nov. In der tungft cn Sitzung der Eemeindever- t r e t ung wurde folgendes verhandelt und beschlossen: Ein Holzhändler hatte beantragt, das noch liegende Nutzholz aufzükaufen. Wegen zu geringem Angebot wurde der Zuschlag nicht erteilt. — Heber die Benutzung der Räume zur Landwirtschaftlichen Schule wurde mit den Erben Krieb ein neuer Pachtvertrag abgeschlossen. Die monatliche Miete wurde auf 80 RM., statt seither 100 RM. festgesetzt. Die Steuer muß die Vermieterin aber bezahlen. — Betreffend einer Beschaffung von Brennholz für die Erwerbslosen wurde beschlossen, zuerst einmal abzuwarten, wieviel Holz aus den Staatswaldungen geschlagen wird, etwa fehlendes Holz soll im Eemeinde- wald geholt werden. — Die Bürgerlichen hatten einen Antrag eingebracht, im Hinblick aus einen früheren Beschluß alle Anträge auf
eine Unterstützung in geheimer Sitzung M verhandeln. Diesem Anträge wurde entsprochen. — Ein weiterer Antrag der Bürgerlichen, (bie Zahl der Zuhörer auf 12 zu erhöhen, wurde gebilligt. — Die Erwerbslosen hatten einen Antrag eingebracht der forderte, daß man die Wassersteuer und Kanalgebühren erlasse und 3 Kilowattstunden elektrischen Stromes frei liefere. Die Bürgerlichen lehnten den Antrag ab, stellten aber den Antrag, alle Anträge über Stundungen- und Ermäßigungen durch den Eemeinderat erledigen zu lassen. In besonderen gelagerten Fällen könnte man ja einige Mitglieder der Fraktionen bes Eemeinbeparlaments herbeiziehen. — Die SPD. stellte bett Antrag, den Erwerbslosen 3 Kilowattstunden Licht zum Selbstkostenpreis zu liefern, ferner die Wassersteuer auf bie Hälfte herabzusetzey und die Kanälgebühren ganz zu streichen. Diese Anträge konnten jeboch bie Vertreter der bürgerlichen Arbeitsgemeinschaft auch nicht gutheißen.
Dautphe, 24. Nov. Bei ber am 21. Noo. ds. 3s. stattgefundenen Stabtwaldtreib-
Berliner Devisenbericht vom 23. November.
Helsingsors 8,21—8,23, Wien 58,94—59,06, Prag 12,468—12,488, Budapest 73,28—73,42, Sofia 3,057 -3,063, Holland 169,03—169,37, Oslo 83,42—83,58, Kopenhagen 83,42—83,58, Stockholm 83,42—83,58, London 15,50—15,54, Buenos Aires 1,053—1,057, Newyork 4,209 bis 4,217, Belgien 58,39—58,51, Italien 21,68 bis 21,72, Paris 16,47—16,51, Schweiz 81,72 bis 81,88, Spanien 35,76—35,84, Danzig 81,97 bis 82,13, Japan 2,068—2,072. •
Warenmärkte
Getreide fat 1000 Kilogr., Mehl und Futtermittel le 100 Kilogramm.
Berliner Produktenbörse vom 23. November.
Weizen 227—230, Roggen 201—203, Braugerste 166—175, Futtergerste 163—166, Hafer 147—152, Weizenmehl 28,50—32,50, Roggenmehl 27,15—29,50, Weizenkleie 10,50—11, Roggenkleie 10,50—11.
Die durch das neue Osthilfegesetz geschaffene Unsicherheit, die die letzten Tage der Vorwoche beherrscht hatte, gab dem Produktenmarkt auch zu Beginn des neuen Berichtsabschnittes das Gepräge. Das Jnlandsangebot von Brotgetreide trat angesichts der Zurückhaltung der Käufer verschiedentlich etwas mehr in Erscheinung, ohne aber dringend zu fein. Die Mühlen und der Handel kaufen nur vorsichtig, soweit Abschlüsse zustandekamen, erfolgten sie etwa zu Sonnabendpreisen. Auch am Lieferungsmarkt eröffnete Weizen mit unveränderten Notierungen, während Roggen zunächst gut behauptet war . Der Mehlabsatz hat keine
jagb in ber Försterei Frohnhausen, Oberförsterei Katzenbach in Biedenkopf, wurden 17 Hasen, sowie 3 Füchse zur Strecke gebracht. Schützenkönig wurde nach allein Jägerbrauch Herr Förster Klamp mit 2 Füchsen.
«3 Bromskirchen, 23. Nov. Bei hellein Tage statteten Einbrecher der Jagdbütt, Dörken einen Besuch ab und entwendete Werkzeuge und Felle. Vis jetzt ist es noch nicht gelungen, der Diebe habhaft zu werden.
Aus -em DtNttelS
Großfeu« ht Mademühlen.
Dikke nburg, 23. Nov. In der Ort- fchaft Mademühlen wurde am Montag nachmittag das Anwesen der Witwe Kolb durch ent Eroßfeuer heimgesucht. Aus noch ungeklärter Ursache brach in der mit Erntevorräten voll gefüllten Scheune Feuer aus, das ht kurzer Zeit die Scheune bis auf die Grundmauern zerstörte. Auch das Wohnhaus wurde vom Feuer ergriffen und stark beschädigt. Nm dem raschen Eingreifen bet Feuerwehr ist es zu verdanken, daß ein weiteres Umsichgreifen des Feuers verhindert wurde.
Belebung erfahren und die Forderungen bet Mühlen lauten unverändert. Am Hafermarkl verhalten sich die Käufer abwartend und Preisrückgänge werden im allgemeinen nut durch das verhältnismäßig geringe Angebot vermieden. ,Braugerste hat wettet schleppendes Geschäft, dagegen findet Industrie- und Futter- gerste auf dem inzwischen erreichten Preisniveau etwas Beachtung. Weizen-Export- fcheine lagen ruhig.
Frankfurter Getreidebörse vom 23. November.
Weizen 230, Roggen 225—227,50, Sommergerste für Brauzwecke 185, Hafer (inländ.) 166 bis 170; Weizenmehl 34,50—37,50; • Roogen- mehl 31,25—32,50, Weizenkleie 9. Roggen- - kleie 9,75.
Frankfurte-: Biehmarkt vom 23. November.
Auftrieb des Hauptmarktes: 1590 Stück Rinder (gegen 1368 am letzten Hauptmarkt), darunter befanden sich 366 Ochsen, 178 Bullen, 573 Kühe und 450 Färsen, ferner 702 (483) Kälber, 87 (131) Schafe und 4845 (5607) Schweine. Bezahlt wurde je Zentner Lebend, gewicht: Ochsen al) 33—35, a2) 29—32, bl) 25—28; Bullen a) 27—30, b) 22—26; Kühe a) 23—26, b) 20—22, c) 14—19; Färsen a) 32 bis 34, b) 28—31, c) 23—27; Kälber b) 40 bis 44 c) 35—39, d) 28—34; Schafe nicht notiert; Schweine b) 46—48, c) 44—47, d) 43—47, e) 37—45, f) —, g) 33—39. Gegen die letzten Motttagspreise gingen Rindet teilweise um 1 bis 2 Ji zurück, während Schweine 2 JH höhet notierten und Kälber ihren Preisstand behaupteten. Marktverlauf: Rinder ruhig, geringer Ueberstand; Schweine ruhig, ausver- kauft; Kälber und Schafe langsam geräumt.
Wirtschaft rmö Han-et
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Jede Umhüllung eines MAGGI-Suppen-Würfels gilt-auch wenn sie M noch nicht mit Gutschein-Aufdruck versehen ist - als 1 Gutschein.
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(Nachdruck verboten.)
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Roman von Paul Rosenhayn f. Vertrieb: Earl Duncker Verlag
Berlin W. 62.
8. Fortsetzung.
„Und doch sind da gewisse Anhaltspunkte, die auf eine — wenn auch geringe — Spur Hinweisen. Während meines Aufenthaltes in den Großstädten Indiens ist mir diese Art, Menschen zu betäuben, oft begegnet. Die Straßenräuber verwenden eine bestimmte Mischung hochgradig betäubend wirkender Pflanzensäfte. Zusammengesetzt aus den Säften des Bilsenkrautes, das jenes furchtbare Gift Hyosya.mln liefert, und dem Alkaloid des Koka-Strauches. Der Verbrecher reibt seine Hände mit dieser gefährlichen Mischung ein und führt fie an den Mund und die Nase des Opfers. Eine tiefe Ohnmacht ist die unmittelbare Folge dieses Angriffs. So ist auch Mr. (Trane betäubt worden."
Sie meinen also, Mr. Jenkins, mein Vater hat sich gar nicht verteidigen können?"
„Sein jäh unterbrochener Hilferuf beweist das. Auch hat der am Telephon lauschende Beamte der Polizeistation nicht das Geräusch eines Kampfes gehört. Aber auch die Spuren, die ich im Teppich gefunden habe, bestätigen, daß Mr. (Tratte in tiefer Ohnmacht lag, als man ihn aus dem Zimmer schleppte. Denn nut ein Körper, dessen Glieder in ihren Bewegungen ge- lähmt sind, kann derart tiefe Einbuchtungen im Gewebe hinterlassen.“
Wie erklären Sie sich aber, Mr. Jenkins, dag der Verbrecher das Haus verlassen konnte, ohne vorn Personal gehört zu werden?"
„Er kann, das würde ihm nicht einmal große Schwierigkeiten bereitet haben, über die Mauer des Parks entwichen sein. Aber dann hätte man Spuren an der Wanb oder auf den Wegen gefunden."
„Wie konnte er denn sonst fortkommen, Mr. Jenkins? Vorn an der Gartenpforte hätte ihn der Gärtner doch bestimmt gehört."
„Sehr einfach. Miß (Trane, er brauchte sich ja nur der Schlüssel zu bedienen, bte Ihr Vater in seiner Tasche hatte. Ich habe mich davon üherzeugt, daß er durch die kleine Parktür gegangen ist." Der Detekttv griff in die Tasche und legte einen Hellen Stoffknopf auf den Tisch. „Ich habe Haw- ley gefragt: es ist der Knopf vom Pyjama Ihres Vaters."
Dorothy schossen die Tränen in die Augen. „Ich halte diese entsetzliche Spannung nicht mehr aus, Mr. Jenkins. Meine Nerven zerreißen." Sie trat mit gerungenen Händen auf den Detekttv zu. „Wir müsse« einen Aufruf erlassen. Eine Belohnung aussetzen. Selbst die schrecklichste Gewißheit ist eher zu ertragen als diese . . .“
Jenkins legte der Erregten die Hand auf den Arm. „Sie dürfen nicht den Kopf verlieren, Miß Trane", sagte er mit warmer Stimme, „wir müssen sehr bedacht vorgehen. Wenn mich nicht alles täuscht, haben wir es mit ganz abgefeimten Spitzbuben zu tun. Es wäre ganz verkehrt, in aller Oeffentlichkeit zu arbeiten. Ich habe deshalb auch schon Bramwell telephoniert und ihn gebeten, den Fall nicht der Presse mitzuteilen. Glücklicherweise ist von der Polizeistation am Gloucester Square auch bisher keine Meldung an die Zeitungen aeaeben worden."
„Sie wollen sich also der Sache annehmen, Mr. Jenkins?" fragte Dorothy hastig.
„Selbstverständlich. Ich sagte Ihnen ja schon, daß Ihr Vater mich um meine Hilfe bat. Hier ist sein Brief."
Wieder füllten sich Dorothys Augen mit Tränen, als fie die Zeilen i^.es Vaters überlas. Mr. (Tranes Brief lautete:
Kensington West 16. Victoria grove. Mein lieber Mr. Jenkins!
Gestern las ich in der Times von Ihrer Ankunft in London. Verzeihen Sie mir, wenn ich Sie schon heute mit einer privaten Angelegenheit belästige. Aber es handelt sich vielleicht um ein Menschenleben. Ich brauche Ihren Rat, Ihre Hilfe. Mir droht eine schwere Gefahr. Darum komme Sie sofort, Mr. Jenkins; ich bitte Sie inständig darum.
Ihr sehr ergebener Wilbur Grane.
P. S. Den beifolgenden Brief übersende ich Ihnen, weil er bei mit nicht gefunden werden darf. Bewahren Sie ihn sorgfältig auf.
Dorothy gab dem Detekttv das Schreiben zurück. „Ich verstehe dies alles nicht," sagte fie mit leiser Stimme. „Es scheint fast, als ob mein Vater in irgend eine gefährliche Sache verwickelt wat. Darf ich auch den anderen Brief lesen?"
„Er ist noch rätselhafter als diese Zei- len." Jenkins gab ihr das schmale Blatt hinüber. Es wat stark zerknüllt; die vielen Falten machten die Schrift fast unleserlich. Man sah dem Papier an, daß es ohne Umschlag in einer Tasche getragen worden war. Fingerspuren und Flecke zeigten sich in großer Menge auf dem Blatt.
Dorothy warf einen raschen Blick über die Zeile«. Sie unterdrückte einen Auf
schrei. Mit großen, aufgettssenen Augen starrte sie auf das Papier. Ihre Hände zitterten und aus ihrem Gesicht wich jeder Blutstropfen. Sie lehnte sich kn ihren Stuhl zurück. Einen Augenblick preßte sie die Hand vor die Augen. Dann wieder bohrte sich ihr Blick in das Papier. Ihre blassen Lippen mumelten unverständliche Worte.
Jenkins ergriff die Hände des Mädchens — sie waren eiskalt. „Ruhig, nur ruhig, Miß Trane, was ist Ihnen?"
Dorothy atmete schwer. „Mr. Jenkins," stammelte sie. „Um Gottes willen, sagen Sie mir, woher kommt dieser Brief?"
„Ich weiß es so wenig wie Sie, Miß Trane. Ihr Vater wollte gewiß mit mir darüber sprechen."
Hilflos blickte fie zu dem Detekttv herüber.
„Fühlen Sie fich jetzt besser?" fragte Jenkins besorgt.
Sie schwieg. Immer wieder suchten ihre Augen in den Zeilen. „Nein," mumelte fie, „ich täusche mich nicht. Das ist seine Schrift. Kein Zweifel!"
Jenklins trat an ihren Stuhl. „Miß Trane, wollen Sie mir nicht sagen, was Sie so erregt?"
Dorothy nickte. „Dieser Brief," gab sie mit gepreßter Stimme zur Antwort, „dieser Bries kann nur von meinem Verlobten geschrieben worden sein. Es sind seine Schriftzüge".
„Ihrem Verlobten? Sie sind verlobt?" Dorothy senkte die Augen. „Ich war es,“ sagte sie mit tränenerstickter Stimme.
Eine Pause entstand. Jenkins war ans Fenster getreten und blickte auf den Platz hinaus.
(Fortsetzung folgt.)