Sette 8
OderdeMsAe Zeitung. Marburg a. L. Sonnabend, den 21. November 1931
Nr. 273
Holz als Betriebsstoff
von Forstdirektor Mahr, Kassel wird uns u. a. geschrieben:
Als vor einigen Jahren bekannt wurde, daß es Prof. Bergius gelungen fei, aus Holz Zucker herzustellen, knüpfte hieran mancher Waldbesitzer w frohe Hoffnungen. Sie haben sich leider nicht erfüllt, denn zur Ausnutzung der Erfindung bedurfte es einmal großer Kapitalien und andererseits war der Preis, welcher bei erfolgversprechender Ausnutzung für den Grundstoff Holz angelegt werden konnte, derartig gering, daß der Waldbesitzer hierfür nicht liefern konnte.
Umso größere Aufmerksamkeit der Forstwirtschaft, ja der gesamten Wirtschaft verdient jetzt aber eine neue Verwendungsmöglichkeit des Holzes, die H o l z v ergo f u n g. Sie ist dazu berufen, eine vollkommene Umwälzung auf dem Gebiete der Krafterzeugung, insbesondere aber auch auf demjenigen unseres Verkehrswesens herbeizuführen, und — ein Lichtblick in dieser absatzarmen Zeit — eröffnet für den Waldbesitzer ungeahnte Absatzmöglichkeiten. Mit einem Schlage ist hier eine Möglichkeit entstanden Brennholz, und zwar selbst die geringwertigsten Sortimente, wie Reisig und Stockholz nutzbringend zu verwerten. Hierbei ist belon- ders wichtig, daß nicht nur keine hohen Herstellungs- und Anlagekosten nötig sind, sondern daß den Betrieben und der deur- schen Volkswirtschaft sogar noch Millionen gespart werden, die sonst zum größten Teil für Beschaffung von Betriebsstoffen ins Ausland fließen würden.
Die H o l z v e r g a s u n g ist ursprünglich eine französische Erfindung, die sich in der dortigen Wirtschaft bereits in größerem Maßstabe praktisch durchgesetzt hat, so daß in Frankreich schon beinahe 20 000 Holzvergaser im Betriebe sind, die sich durchaus bewährt haben. Auch die französische Heeresverwaltung hat die Bedeutung der Holzvergasung erkannt und voll gewürdigt, was dadurch zum Ausdruck kommt, daß die französische Heeresverwaltung in letzter Zeit in erhöhtem Maße dazu übergeht, die militärischen Kraftfahrzeuge, wie Lastkraftwagen, Traktoren, Panzerwagen usw. auf Antrieb durch Holzvergasung einzurichten. Weitschauend macht sie sich damit von der Einfuhr anderer Betriebsstoffe frei.
Der Holzvergaser ist ein ganz einfacher vollkommen unkomplizierter Apparat, der aus jeglichen Vrandholz und Holzabfällen, wie Stöcken, Wurzeln, Rinde, Zweigen, Spänen, Sägemehl usw. Gas enr- wickelt. Dieses Gas dient zum Antrieb von Gasmotoren, aber auch von allen anderen Motoren, die für Venzinantrieb eingerichtet sind. Bei ortsfesten Anlagen kann mit ihm ebenso I die motorische Kraft zum Antrieb aller möglichen Maschinen (Dreschen, Sägen, Schroten, Häckseln usw.) benutzt werden, als auch mit ganz geringen Kosten der Strom für Licht, Heizung und Kraft erzeugt werden. Die Anwendung des Holzvergasers beschränkt sich aber keineswegs auf ortsfeste Anlagen allein, sondern er kann ebenso gut zum Antrieb von Lastkraftwagen, Autobussen, Traktoren usw. benutzt werden. Wenn er vorläufig für den Antrieb von kleineren Personenkraftwagen wegen seiner verhältnismäßigen Größe und Schwere noch nicht anwendbar erscheint, so wird auch dies vielleicht nur eine Frage weiterer Konstruktionsverbesierung sein. Je nach Zweck und Größe des Holzvergasers können mit ihm 3 bis 5 PS aber auch mehrere Hundert PS erzeugt werden,
Wenn wir oben schon darauf hinwiesen, daß alle Arten Brandholz und Holzabfälle, so wie sie aus dem Walde oder als Ab
fälle von den Holzverarbeitungsmaschinen kommen, ohne weitere Vorbereitung in Stücken wie sie der Derbrennungszylinder aufnehmen kann, verwendet werden können, so möchten wir doch erwähnen, daß die besten Erfolge zum Antrieb von Fahrzeugen mit lufttrockenem Buchenholz in Stücken bis etwa 12 Zentimeter Länge und 3 bis 4 Zentimeter Durchmesser erzielt werden. Gerade für die Buchengebiete, welche durch Rückgang der chemischen Holzverkohlung stark in Mitleiden» schäft gezogen sind, eröffnen sich durch die Holzvergasung wieder allerlei Hoffnungen.
Der wichtigste Punkt der Holzgasverwendung beruht aber in ihrer ganz außergewöhnlich großen Wirtschaftlich- k e i t. Bedenkt man, daß für einen Lastwagen mit 5 Tonnen Nutzlast zu einer Fahrt von Kastel nach München (etwa 500 Kilometer) 300 Liter Benzol zu je 0,40 Mark — 120 Mark verbraucht werden, und daß bei Verwendung von Holzgas für die gleiche Fahrt 500 Kilogramm — 1
Raummeter trockenes Buchenbrennholz im Werte von höchstens 15 Mark (zerkleinert) vollkommen ausreichen würden, so bedarf es überhaupt keines weiteren Wortes zum Beweise der Wirtschaftlichkeit.
Jeder Motorbefitzer, in erster Linie jeder waldbesitzende Landwirt sollte in seinem eigensten Interesse seinen Motor sofort auf Holzvergasung umstellen. Bei Anschaffung eines neuen Motors kann aber für ihn nur ein solcher, der für Holzvergasung eingerichtet ist, in Frage kommen. Die 80 bis 90 Prozent betragende Betriebsstoffersparnis und die hohe Aus- nutzungsmöglichkeit seiner schlecht absetzbaren Holzsortimente und Holzabfälle wird dazu beitragen, seinen Betrieb wieder wirtschaftlich zu gestalten.
Wer der Anschaffung eines Holzver- §asers näher treten will, möge sich vor- er an den Ausschuß für Technik in der Forstwirtschaft, Berlin SW. 11, Destauerstraße 26, III. wenden.
Wirtschaft und Han-et
Berliner Devisenbericht vom 20. November
Helsingfors 8,21—8,23, Wien 58,94 bis 59,06, Prag 12,468—12,488, Budapest 73,28—73,42, Sofia 3,057—3 063 Holland 169,13—169,47, Oslo 85,66—85,84 Kopenhagen 85,66—85,84, Stockholm 85,91 bis 86,09, London 15,83—15.87, Buenos Aires 1,073—1,077, Aeuyork 4,209-4 217 Belgien 58,44—58,56, Italien 21,71—21,75, Paris 16,49—16,53, Schweiz 81,87—82,03 Spanten 35,96—36,09, Danzig 81,92 bis 82,0o, Japan 2,068—2,072.
Warenmärkte
Getreide tn 1000 Kilogr.. Mehl und Futter mittel te 100 Kilogramm
Berliner Produktenmarkt vom 20. Novbr.
Weizen 225—228, Roggen 199—201, Braugerste 166—175, Futter- und In- .dustriegerste 163—166, Hafer 147—152, Weizenmehl 28,50—32,50, Roggenmehl 127,15—29,50, Weizenkleie 10,50—11,00, Roggenkleie 10,50—11,00.
Die Zurückhaltung int Produktenderkehr hat sich nach den Vorgängen der letzten Tage eher noch verstärkt. Als neues verstttnmendes Moment kam heute di? Sprengung des WirtschastÄbeirates der ReichSregietting durch den Austritt der drei landwirtschaftlichen Vertreter hinzu. Infolgedessen hielt sich die Amsatztätig- keit in äußerst engen Grenzen und nach stetigem Dormittagsverkehr war die Stimmung an der Börse eher etwas ruhiger. Angesichts der geringen Kauflust war das Inlandsangebvt, insbesondere von Weizen, vereinzelt mehr in Erscheinung getreten und gestrige Preise waren im allgemeinen schwer durchzuholen. Weizen- und Roggenmehle hatten .kleines Bedarfsgeschäft, zu etwa gestrigen Preisen. Am Futter- getteidemarkt beeinttächttgte die Angewißheit über die künftige Regelung der Gersteeinfuhr und die Festsetzung der Maipreife die Anternehmungslust. Hafer wurde in guten Qualitäten von den Aährmittel- fabriken etwas gefragt, sonst verhielt sich der Konsum, ebenso wie am Gerstenmarkte, abwartend. WeizeneLportscheine lagen stettg, Roggenexpvrtscheine wurden eher etwas höher gesprochen.
Erfreuliche Bilanz des ADAC.-Stratzen- Hilfsdienstes.
In den Jahren seines Bestehens hat sich der Straßen-Hilfsdienst des ' fgemeinen Deutschen Auto-
mobil - C l u b e. V. (ADAC.) zur vollen Zufriedenheit entwickelt.
Welche große Leistungen dieser Hilfsdienst mit seinen eigenen Patrouillen- Fahrzeugen auch im abgelaufenen Geschäftsjahr wieder aufzuweisen hat, geht aus der Tatsache hervor, daß nach den nunmehr vorlieaenden Zahlenunterlagen aller Gaue des ADAC, die Straßen-Hilfs- dienst-Wagcn im letzten Geschäftsjahr, allo in 12 Monaten, 559 643 km Patrouillendienst zurückgelegt und hierbei in 5766 Fällen technische und sanitäre Hilfe geleistet haben. Seit Verwendung der ADAC. - Straßen - Hilfsdienst - Fahrzeuge wurden insgesamt 2 000175 km Patrouillendienst zurückgelegt und in 20 616 Fällen technische und sanitäre Hilfe-geleistet.
Diese bedeutenden Darbietungen seines uneigennützigen und gemeinnützigen Stra- ßen-Hilfsdienstes leistete der ÄDAC wieder ohne staatliche und sonstige finanzielle Zuwendung ausschließlich aus eigenen Mitteln. Die Hilfsleistungen kommen nicht nur eigenen Clubmitgliedern, sondern allen Motoristen ohne Rücksicht aus Club- angehörigkeit zugute.
Sos Aanljurttt Mrs-Nommln
Sonntag, den 22. November.
7.00: Hasen - Konzert von Bremen. — Anschließend: Wetterbericht. — 8.15: Morgenfeier. — 10.50: „Die Aufgabe des Theaters", Gespräch. — 11.30: „Wachet, betet, seid bereit!", Kantate von Joh. Seb. Bach. — 12.15: Totensonntag-Konzert (auf Schall- platten). — 13.50: Zehnminutendienst der Landwirtschaftskammer Wiesbaden. — 14.00: Stunde des Landes. — 15.00: Stunde der Jugend. — 16.00: Septett in Es-Dur, op. 20, von Beethoven. — 16.30: Konzert des Freiburger Konzertorchesters. — 18.00: „Hegel und Hölderlin in Frankfurt", Vortrag. — 18.25: „Totenklage um einen gefallenen Freund" von Walter Fler. — 18.45: „Das Buch der guten Werke", Einführung und Leseproben. — 19.10: Sonderwctterdienst für die Landwirtschaft. — Anschließend: Sportnachrichten. — 19.30: Klavier-Konzert. — 20.00: Von Berlin: Ansprache des Reichskanzlers Dr. Brüning zum Hilfswerk: „Wir wollen helfen". — 20.20: „Aller Mütter Sohn", Hörspiel. — 21.00: „Todesnot — Todeslrost", eine Folge von Sololiedern. — 21.30: Zum Gedächtnis Heinrich von Kleists: „Kleists' letzte Stunden". — 22.15: Zeitangabe, Wetterbericht, Tagesnachrichten, Sportbericht.
Künstliche lugen fertigen wir naturgetreu für unsere Patienten. F. Ad. Müller Söhne, Wiesbaden, In Marburg-L., Univer- sitäts-Augenklinik am 27. u. 28. Nov.
Edeka — Deutsche Erzeugnisse.
Man schreibt uns: Die wirtschaftliche Vertretung des kaufmännischen Mittelstandes nn Kolonialwaren- und Feinkosteinzelhandel — der Edeka-Verband deutscher kaufmännischer Genossenschaften mit den ihm angeschlosse- nen 430 Genossenschaften und 32 000 Eeichäf. ten — hat die Verbindung mit der deutschen Landwirtschaft stets gesucht und auch gepflegt. Ihre Bestrebungen zielten darauf ab, möglichst eine Veredelung deutscher Erzeugnisse herbeizuführen, um alle entbehrlichen Auslandsprodukte durch gleichwertige deutsche Erzeugnisse zu ersetzen.
Nicht nur bei den Spitzenorganisattonen der Landwirtschaft, auch bei den Verbrauchern haben diese Bestrebungen volles Verständnis gefunden. Das ist auch durchaus verständlich. Wenn ein Kreis von 32 000 Kaufleuten seine Erfahrungen gegenseitig austauscht, wenn er sie vom Eüter- verbraucher an den Gütererzeuger übermit- telt, so muß dies die für die Allgemeinheit erwünschte Wirkung haben! Das hat sich denn auch in den letzten zehn Jahren in erfreulicher Weise gezeigt. Die Rolle des ehrbaren Kaufmannes als Mittler hat sich auch in dieser Hinsicht wiederum bewährt.
Auch in Zukunft wird der kaufmännische Mittelstand — werden die Edeka-Kaufleute — zum Besten der Verbraucherschaft, der heimischm Industrie und der bodenständigen deutschen Landwirtschaft seine Aufgaben erfüllen. Es wird ihm dies um so leichter gemacht, je größer das Verständnis für seine Arbeit, im Dienst am ganzen Volke, bei allen beteiligten Kreisen zunimmt.
Montag, den 23. November.
6.15: Wetterbericht. — Anschließend: Mor- gengymnastik. — 7.15: Schallplatten-Konzert. — 12.05: Schallplatten-Konzert. — 15.20; „Die Stellung der griechischen und römischen Frau", Vortrag. — 16.00: Unterhaltungsmusik. — 17.05: Konzert des Stuttgarter Rundfunkorchesters. — 18.40: „Der Autor und sein Regisseur", Gespräch. — 19.05: Englischer Sprachunterricht. — 19.35; Zum 50. Geburtstag von Stefan Zweig. — 20.05 : 4. Montags-Konzert des Frankfurter Orchester-Vereins. — 22.00: Zeitangabe. Wetterbericht, Tagesnachrichten, Spottbericht. — 22.15: Zeitbericht. — 22.50: Zj, geunermusik.
Gewinnauszug
2. Klaffe 38. Preußisch-Süddeutsche (264. Preuß.) Staats-Lotterie
Ohne Gewähr Nachdruck verboten
Aus jede gezogene Nummer sind jrorf gleich hohe Gewinne gefallen, und zwar je einer aus die Lose gleicher Nummer m den beiden _____________Abteilungen I und II
1. Ziehungstag 20. November 1931?
3n der heutigen Vormkttagsziehung wurden Gewinne
über 300 M. gezogen
2 Setrtnne ,» 100000 M. 200731
4 Gewinn« zn 5000 M. 254588 395506
10 ®etomn» ju 3000 M. 29980 113970 145858 220105 307724
4 Gewinne «u 2000 M. 2823 224565
26 »etolnne ,u 1000 M. 10498 42919 62010 52421 81471 92020 221566 222460 233647 290168 346204 375181 381203
46 Gewinne ,u 800 M. 51498 100616 103764
110759 114220 178078 211081 211142 230187
239608 254585 276000 280679 286420 291767
298353 299096 319922 330964 331384 354884
392179 393996
48 »«Kinne »ti 500 M. 19748 29880 31135 36240 53993 104142 169570 225966 236424 251152
259608 268740 280052 285509 287259 291819
292922 300660 311952 321829 323291 327275
362721 363465
3n der heutigen Nachmittagsziehung wurden Gewinne über 300 M. gezogen
2 Gewinn« |» 10000 M.
2 Gewinn« ,» 5000 M.
8 Gewinne a* 3000 M. 385282
10 Gewinn« an 2000 TL 213093 399217
22 Gewinn« in 1000 M. 131632 167850 224375 345060
79399
36276
8718 82538 268069
6406 178837 194679
477 66696 75700 82622
258628 297769 338995
32 Gewinn- an 800 TL 35825 44536 52957 91656 258908 278598 287262 292719 302090 305894 320189 329863 357116 357138 391520 393302
70 Gewinne zu 500 W. 4681 10571 29618 34793 47099 51359 60041 65763 80677 83535 83891 86890 89994 99700 109050 144921 148591 185579 197116 234569 245674 258566 259056 259765 260011 278683 296935 304377 315710 337322 868665 371238 390384 393323 896754
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