gemißten», ten 14. Re». ISA
Die ^Vberhesfische Zeitung' er- scheint sechsmal wöchentlich. Bezugspreis monatlich 2.2OGM.a«S- schiießl. ZustellungSgebahr, durch Vie Post 2.45 GM. Für etwa durch Streik, Maschinendefekt oder elementare Ereignisse ausfallend« Kummern wird kein Ersatz gelotster Verlage Dr. §. Httzervth» Druck der Unib-Buchdruckeret Job Ang. Koch, Markt 21/23. Aernspreck r: Nr. 54 und Nr. 55. Postscheckkonto: Amt Frankfurt
M- Nr. 5015. — Gvrechzeit Vt Redaktion von 10—11 und
1 Udr.
Marburger ragesavZtiger
Mische Landrszeitung
5
"ter M
Anzeiger fiir (das frühere kurhessische) Oberhessen
St. 26$ 66.3ßtep. Marterg o. LnW
Der Anzeigenpreis beträgt für den 11 gespalt. Zeilenmillimeter 0.08 SM., sog. kleine Anzeigen und Familienanzeigen bei Barzahlung 0.07 GM., amtl. und answärttge AnzeigenO. 10 GM. Grundschriftr §olonel. Bei schwieriaem Sah sowie bei Platzborschrifi 50*1* Aufschlag. — Sammelanzeigen 100*/» Aufschlag Reklam.-Millim. 0.40 GM. Grundschrift, Petit. Zeder Rabatt gilt als Barrabatt. Ziel 5 Tage. Offerte«-® ebibt: 25 Pfg., bei Zustellung der Angebote einschl. Porto — 60 GM. Belege werden berechnet. Erfüllungsort Marburg.
Anzeiger der amtlichen Bekanntmachungen fiir Stadt und Kreis Marburg.
Der chinesisch-japanische Konflikt
Staatssekretär von Bülow fährt zur Ratstagung nach Paris — Japan mit einer Untersuchungskommission einverstanden?
Die Haltung Deutschlands
Chinas andere Front
Genf, 13. Nov. Die chinesische Regierung weist in einer neuen Note ans die Verschärfung der Lage in der Mandschnrei hin «nd ersucht den Völker- bvndsrat, neutrale Beobachter nach An- gantschi, Tientsin und andere Orte zu ent« senden, um sich ein objektives Bild über die militärische Tätigkeit der Japaner zu machen. Die chinesische Negierung erklärt sich bereit, solchen Beobachtern jede Erleichterung zur Erfüllung ihrer Ausgaben zu gewähren.
Gerüchtweise verlautet in Genf, daß Japan heute dem Gedanken einer neutralen Veobachterkommission nicht mehr so unnachgiebig gegenüberstehe wie vor einigen Wachen. Solche Vorschläge sind in den bisherigen Beratungen des Rats wiederholt erörtert worden aber stets an der ablehnenden Haltung Japans gescheitert. Es heißt nun, Satz Japan heute unter Umständen geneigt sei, auf einen Vorschlag des Rais einzugehen und sich damit einverstanden zu erklären, datz mit einer solchen Mission eventuell die Militärattaches in Tokio beauftragt würden. Es bleibt abzuwarten, ob diese Gerüchte sich bestätigen.
Die bevorstehende Ratstagung über die mandschurische Frage.
An der bevorstehenden Völker- bundstagung in Paris, die sich erneut mit dem japanisch-chinesischen Streit in der Mandschurei beschäftigen wird, wird, wie wir erfahren, zunächst Staatssekretär von Bülow als deutscher Delegierter teilnehmen. Die in der Presse gemachte Anregung, datz Reichskanzler Dr. Brüning in seiner Eigenschaft als Außenminister selbst an diesen Verhandlungen teilnehmen solle, ist nicht durchzuführen, da angesichts der sehr schwierigen Probleme und der komplizierten Rechtslage mit einer langen Dauer der Verhandlungen zu rechnen ist und der Reichskanzler wegen unserer angespannten wirtschaftlichen Lage und der im Gange befindlichen Wirtschaftsverhandlungen nicht so lange von Berlin abwesend sein kann. Auch Staatssekretär von Bülow wird nur an dem ersten Teil der Ratstagung teilnehmen und die Besprechungen über das Verfahren der Tagung, den einzuschlagenden Weg und die zu suchenden Kompro- inisse führen. Wenn diese Dinge einigermaßen durchgesprochen sind, ist beabsichtigt, den Gesandten von M u t i u s, der als Suter deutscher Delegierter nach Paris
rt, mit der Führung der weiteren Verhandlungen zu betrauen.
lieber die materielle Seite des mandschurischen Streitfalles ist man in poli- ttschen Kreisen der Auffasiung, datz bei aller stimmungsmäßigen Sympathie für China nicht verkannt werden darf, das die japanischen Forderungen sich zweifellos, auf starke Rechtsgrundlagen stützen. Japan hat auf Grund der chinesisch-japanischen Verträge vom Jahre 1915 berechtigte Ansprüche auf die Sicherstellung einer ganzen Reihe von Vertragsrechten in der Mandschurei, in erster Linie des Zinsendienstes seiner Eisenbahnanleihen und der Sicherheit seiner in der Mandschurei ansässigen Untertanen. Für Japan bedeutet seine Stellung in der Mandschurei eine Lebensfrage angesichts der ungeheuren Geldsummen, die es dort investiert hat, und der Tatsache, datz es in de. Mandschurei tin Glacis für Korea besitzt. Würde die
Frage der Gültigkeit der Verträge und der sich aus diesen Verträgen ergebenden Rechte vor einem Schiedsgericht zur Verhandlung kommen, so würde dieses sicherlich die Verträge als zu Recht bestehend anerkennen müssen.
Die Konferenz am rnnden Tisch gescheitert
London, 13. Nov. Einer Reuter- Meldung zufolge ist die Konferenz am Runden Tisch als gescheitert zu betrachten, da die Meinungsverschiedenheiten zwischen den Hindus und Mohammedanern in nahezu dreimonatiger Verhandlung nicht ausgeglichen werden konnten.
Eine französische Verlautbarung.
, Paris, 13. Nov. Am Freitag nachmittag veröffentlichte das französische Ministerpräsidium folgende amtliche Verlautbarung:
„Sofort nach seiner Rückkehr aus Amerika hat Ministerpräsident Laval den deutschen Botschafter v. H o e s ch zu sich gebeten, um mit ihm über die Möglichkeit der Einberufung des im Youngplan vorgesehenen beratenden Sonderausschusses bei der BIZ. z» sprechen. Verschiedene Male hat sich Herr o. Hoesch seither mit Ministerpräsident Laval, Außenminister Briand «nd Finanzminister Flandi« über die Fragen des Verfahrens des beratenden Sonderausschusies bei der BIZ. unterhalten. Der heutige Besuch bezog sich ebenfalls auf diesen Gegenstand. Es scheint, datz die deutsche Reichsregierung in allernächster Zeit eine Entscheidung in dieser Frage treffen wird."
Die Unterredung nahm eine halbe Stunde in Anspruch.
*'
Zn der Berliner Linkspresse versucht man, die Frage, welche Zuständigkeiten man oem Baseler Ausschuß einräumen soll, zu bagatellisieren. „Alle tatsächlichen Entscheidungen", so sagt das„Ber- liner Tageblatt", „sind von den Regierungen selbst auf der kommenden Konferenz zu fällen. Damit bleibe es auch verhältnismäßig gleichgültig, ob ein oder zwei getrennte Ausschüsse nach Basel einberufen werden". Demgegenüber muh jedoch betont werden, daß die Beschlüsse des Baseler Ausschusses zweifellos zur Grundlage der Entscheidungen der RegierungSkonfe- renz gemacht werden dürsten. Werden aber die Dorbeveitungen für die Regie- rungskvnferenz vom Baseler Ausschuß lediglich im Rahmen des Poungplanes getroffen, so wird sich Frankreich natürlich, wie das bisher geschehen ist, auch weiterhin $ur Wehr setzen, einer Regelung zuzu- stimmen, die über den Rahmen des Houng- planes hinauSgeht und die der deutschen Zahlungsfähigkeit einschließlich der privaten Schulden gerecht wird
Die gesamte japanische Presse beschäftigt Rußlands im Fernen Osten, wobei allge- sich weiter ausführlich mit der Politik mein festgestellt wird, datz die Sowjetunion und die Kommunistische Internationale aus dem chinefisch-japanischen Konflikt dadurch Nutzen zögen, indem fie die kommunistische Propaganda in China unterstützten «nd förderten. Mit HUfe von russischen Instrukteuren habe die Note Armee in China wieder große Siege gegen die Regiervngstruppen erzielt.
Eine Rede Baldwins über die wirtschaftliche Lage.
Im Unterhaus ergriff Freitag, nachdem ein Abänderungsantrag der Arbeitervppo- sition zur Antwortadresse auf die Thronrede mit 422 gegen 38 Stimmen abgelehnt worden war, der Führer der Regierungspartei und Lvrdpräsident des Geheimen Rates Baldwin das Wort zu einer längeren Rede über die politische Lage und die 'Reparationsfrage. Das Schicksal der englischen Währung sei abhängig von dem Vertrauen des Landes und dem Vertrauen der Welt sowie von der Entschlossenheit der Regierung, den beschrittenen Weg weiterzugehen und nicht halt zv machen, ehe die Handelsbilanz wieder ausgeglichen Und das Gleichgewicht des Budgets gesichert sei. Man spreche viel von Konferenzen über die Goldwährung und ähnliche Fragen. Diese Konferenzen müßten stattfinden. Mit Bezug auf die Kriegsschulden und Reparationen erklärte Baldwin, er glaube nicht, daß eine Meinungsverschiedenheit zwischen den beiden Parteien darüber herrsche, daß dies die schwierigste Aufgabe seit dem Kriege sei.
Die ganze Welt sei sich heute darüber klar, datz die bestehenden Abkommen zusammevgebrochea seien.
Dank der Initiative Hoovers in diesem Jahre, die einen seltenen Akt des Mutes und der StaatMugheit darstelle, habe die Welt eine einjährige Atempause erlangt, aber, so ftchr Baldwin fort, ich bezweifle, daß dies ausreicht. Die Zeit war nicht lange genug, um das Vertrauen wieder herzustellen. Die Zukunft ist ungeregelt geblieben, und ich möchte das Haus daran erinnern, daß der Vertreter der Regierung auf der Londoner Konferenz im vergangenen Zull erklärte, daß die Wiederherstellung gesunder Finanzverhältnisse in Deutschland im Interesse der ganzen Welt liege, und daß die Regierung bereit sei, so weit es in ihrer Kraft stehe, an der Wiederherstellung des Vertrauens mitzuarbeiten.
Diese japanische Meldung lenkt wieder einmal die Aufmerksamkeit aus die andere Front, an der die chinesischen Regierungstruppen kämpfen müssen, und die vielleicht ebenso gefährlich ist, wie die Front der japanischen Eindringlinge. Die Tatsache, datz Tschiangkaischeck dem roten Krieg, der in Süd- und Mittelchina schon seit Jahren im Gange ist und immer größeres Ausmaß annimmt, ein gut Teil seiner Aufmerksamkeit widmen mutz, ist sicherlich einer der Gründe dafür, datz der Führer der Nanking-Regierung vor einem regelrechten Krieg gegen Japan zurückschreckt. Denn er mutz jeden Augenblick seine andere Front im Auge behalten, die Front der roten Aufständischen und Kommunisten, die unter der Moskauer Regie und im Bunde mit den südchinesischen Generälen dasür sorgen, datz den Japanern kein einiges China gegenübersteht.
In der letzten Zeit, und besonders seit dem japanischen Einmarsch in die Mandschurei, ist es um diesen Kriegsschauplatz in Süd- und Mittelchina recht still geworden. Man erinnert sich, datz Tschiangkaischek noch im Sommer dieses Jahres den Kampf gegen die chinesischen Kommunisten als die dringlichste Aufgabe erklärte, die er sogar für wichtiger ansah als den Feldzug gegen die Nebenregierung in Kanton. Damals wurde eine riesige Strafexpedition, die dritte ihrer Art, ausgerüstet und die besten Truppen Nankings dafür aufgeboten. Der Vormarsch der Regierungstruppen gestaltete sich zunächst siegreich und Tschiangkaischek, der an der Spitze seiner Truppen die Bekämpfung der Kommunisten persönlich leitete, konnte eine Reihe von Siegesnachrichten in die Welt hinaussenden. Dann änderte sich das Bild. Im August hörten die Siegesmeldungen auf und in der Folgezeit wurden sogar Niederlagen bekannt, die die Nankingtxuppen in den weiteren Kämpfen er litten hatten. Tschiangkaischeck, von dem es hieß, er habe geschworen, nicht eher nach Nanking zurückzukehren, bis alle Kommunisten in der Provinz Kiangsi, dem Herzen der roten Bewegung, von der Bildfläche verschwunden seien, war der roten Horden nicht Herr geworden. Die Vorgänge in der Mandschurei bedeuten natürlich eine weitere Erschwerung für die Negierung und gleichzeitig ein Anwachsen des kommunistischen Kleinkrieges im Süden. Dazu kommt, datz die roten Armeen offenbar von den nankingfeindlichen Generälen des Südens und der Eegenregierung in Kanton, wenn auch nicht offen, so doch indirekt, unterstützt werden. Es handelt sich in erster Linie um die sogenannte Kwangfi-Eruppe und man erinnert sich, datz vor einiger Zeit von dem Eingriff der Kwangsi-Armeen in den Kampf zwischen Tschiangkaischek und den roten Armeen berichtet wurde, ein Vorgang, durch den die Wucht des Vorstoßes der Nanking-Truppen im entscheidenden Augenblick geschwächt wurde. Dies dürfte umso eher zutrefsen, als die Nachrichten von der Einigung zwischen Nanking und Kanton sich nicht bewahrheitet haben.
Volksbegehren in Sachsen.
Dresden, 13. Rov. Die Kommu- nistische Partei hat mehr als 1000 Unterschriften von Stimmberechtigten für ihren Antrag auf Zulassung eines Volksbegehrens über die Auflösung des Landtages beigebracht. Damit hat sie die gesetzlichen Voraussetzungen für die Zulassung des Volksbegehrens erfüllt, so dem Anträge stattgegeben worden ist.
Zwischen Berlin und Paris
Die Verhandlungen über die Tributkonferenz