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M- Nr. 5015. Gvrechzeit Vt Redaktion von 1011 und

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Marburger ragesavZtiger

Mische Landrszeitung

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Anzeiger fiir (das frühere kurhessische) Oberhessen

St. 26$ 66.3ßtep. Marterg o. LnW

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Anzeiger der amtlichen Bekanntmachungen fiir Stadt und Kreis Marburg.

Der chinesisch-japanische Konflikt

Staatssekretär von Bülow fährt zur Ratstagung nach Paris Japan mit einer Untersuchungskommission einverstanden?

Die Haltung Deutschlands

Chinas andere Front

Genf, 13. Nov. Die chinesische Regierung weist in einer neuen Note ans die Verschärfung der Lage in der Mandschnrei hin «nd ersucht den Völker- bvndsrat, neutrale Beobachter nach An- gantschi, Tientsin und andere Orte zu ent« senden, um sich ein objektives Bild über die militärische Tätigkeit der Japaner zu machen. Die chinesische Negierung erklärt sich bereit, solchen Beobachtern jede Er­leichterung zur Erfüllung ihrer Ausgaben zu gewähren.

Gerüchtweise verlautet in Genf, daß Japan heute dem Gedanken einer neu­tralen Veobachterkommission nicht mehr so unnachgiebig gegenüberstehe wie vor einigen Wachen. Solche Vorschläge sind in den bisherigen Beratungen des Rats wie­derholt erörtert worden aber stets an der ablehnenden Haltung Japans gescheitert. Es heißt nun, Satz Japan heute unter Um­ständen geneigt sei, auf einen Vorschlag des Rais einzugehen und sich damit einverstan­den zu erklären, datz mit einer solchen Mis­sion eventuell die Militärattaches in Tokio beauftragt würden. Es bleibt abzuwarten, ob diese Gerüchte sich bestätigen.

Die bevorstehende Ratstagung über die mandschurische Frage.

An der bevorstehenden Völker- bundstagung in Paris, die sich erneut mit dem japanisch-chinesi­schen Streit in der Mandschurei be­schäftigen wird, wird, wie wir erfahren, zunächst Staatssekretär von Bülow als deutscher Delegierter teilnehmen. Die in der Presse gemachte Anregung, datz Reichs­kanzler Dr. Brüning in seiner Eigen­schaft als Außenminister selbst an diesen Verhandlungen teilnehmen solle, ist nicht durchzuführen, da angesichts der sehr schwierigen Probleme und der komplizier­ten Rechtslage mit einer langen Dauer der Verhandlungen zu rechnen ist und der Reichskanzler wegen unserer angespannten wirtschaftlichen Lage und der im Gange be­findlichen Wirtschaftsverhandlungen nicht so lange von Berlin abwesend sein kann. Auch Staatssekretär von Bülow wird nur an dem ersten Teil der Ratstagung teil­nehmen und die Besprechungen über das Verfahren der Tagung, den einzuschlagen­den Weg und die zu suchenden Kompro- inisse führen. Wenn diese Dinge einiger­maßen durchgesprochen sind, ist beabsichtigt, den Gesandten von M u t i u s, der als Suter deutscher Delegierter nach Paris

rt, mit der Führung der weiteren Ver­handlungen zu betrauen.

lieber die materielle Seite des mand­schurischen Streitfalles ist man in poli- ttschen Kreisen der Auffasiung, datz bei aller stimmungsmäßigen Sympathie für China nicht verkannt werden darf, das die japanischen Forderungen sich zweifellos, auf starke Rechtsgrundlagen stützen. Japan hat auf Grund der chinesisch-japanischen Verträge vom Jahre 1915 berechtigte An­sprüche auf die Sicherstellung einer ganzen Reihe von Vertragsrechten in der Mand­schurei, in erster Linie des Zinsendienstes seiner Eisenbahnanleihen und der Sicher­heit seiner in der Mandschurei ansässigen Untertanen. Für Japan bedeutet seine Stellung in der Mandschurei eine Le­bensfrage angesichts der ungeheuren Geld­summen, die es dort investiert hat, und der Tatsache, datz es in de. Mandschurei tin Glacis für Korea besitzt. Würde die

Frage der Gültigkeit der Verträge und der sich aus diesen Verträgen ergebenden Rechte vor einem Schiedsgericht zur Ver­handlung kommen, so würde dieses sicher­lich die Verträge als zu Recht bestehend anerkennen müssen.

Die Konferenz am rnnden Tisch gescheitert

London, 13. Nov. Einer Reuter- Meldung zufolge ist die Konferenz am Runden Tisch als gescheitert zu betrachten, da die Meinungsverschiedenheiten zwischen den Hindus und Mohammedanern in nahezu dreimonatiger Verhandlung nicht ausgeglichen werden konnten.

Eine französische Verlautbarung.

, Paris, 13. Nov. Am Freitag nach­mittag veröffentlichte das französische Ministerpräsidium folgende amtliche Ver­lautbarung:

Sofort nach seiner Rückkehr aus Amerika hat Ministerpräsident Laval den deutschen Botschafter v. H o e s ch zu sich gebeten, um mit ihm über die Möglichkeit der Einberufung des im Youngplan vor­gesehenen beratenden Sonderausschusses bei der BIZ. z» sprechen. Verschiedene Male hat sich Herr o. Hoesch seither mit Ministerpräsident Laval, Außenminister Briand «nd Finanzminister Flandi« über die Fragen des Verfahrens des beratenden Sonderausschusies bei der BIZ. unterhal­ten. Der heutige Besuch bezog sich eben­falls auf diesen Gegenstand. Es scheint, datz die deutsche Reichsregierung in aller­nächster Zeit eine Entscheidung in dieser Frage treffen wird."

Die Unterredung nahm eine halbe Stunde in Anspruch.

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Zn der Berliner Linkspresse versucht man, die Frage, welche Zuständigkeiten man oem Baseler Ausschuß einräumen soll, zu bagatellisieren.Alle tatsäch­lichen Entscheidungen", so sagt dasBer- liner Tageblatt",sind von den Regie­rungen selbst auf der kommenden Konfe­renz zu fällen. Damit bleibe es auch ver­hältnismäßig gleichgültig, ob ein oder zwei getrennte Ausschüsse nach Basel einberufen werden". Demgegenüber muh jedoch be­tont werden, daß die Beschlüsse des Ba­seler Ausschusses zweifellos zur Grundlage der Entscheidungen der RegierungSkonfe- renz gemacht werden dürsten. Werden aber die Dorbeveitungen für die Regie- rungskvnferenz vom Baseler Ausschuß le­diglich im Rahmen des Poungplanes ge­troffen, so wird sich Frankreich natürlich, wie das bisher geschehen ist, auch weiter­hin $ur Wehr setzen, einer Regelung zuzu- stimmen, die über den Rahmen des Houng- planes hinauSgeht und die der deutschen Zahlungsfähigkeit einschließlich der pri­vaten Schulden gerecht wird

Die gesamte japanische Presse beschäftigt Rußlands im Fernen Osten, wobei allge- sich weiter ausführlich mit der Politik mein festgestellt wird, datz die Sowjetunion und die Kommunistische Internationale aus dem chinefisch-japanischen Konflikt da­durch Nutzen zögen, indem fie die kom­munistische Propaganda in China unter­stützten «nd förderten. Mit HUfe von russischen Instrukteuren habe die Note Armee in China wieder große Siege gegen die Regiervngstruppen erzielt.

Eine Rede Baldwins über die wirtschaft­liche Lage.

Im Unterhaus ergriff Freitag, nachdem ein Abänderungsantrag der Arbeitervppo- sition zur Antwortadresse auf die Thron­rede mit 422 gegen 38 Stimmen abgelehnt worden war, der Führer der Regierungs­partei und Lvrdpräsident des Geheimen Rates Baldwin das Wort zu einer längeren Rede über die politische Lage und die 'Reparationsfrage. Das Schicksal der englischen Währung sei abhängig von dem Vertrauen des Landes und dem Ver­trauen der Welt sowie von der Entschlos­senheit der Regierung, den beschrittenen Weg weiterzugehen und nicht halt zv machen, ehe die Handelsbilanz wieder ausgeglichen Und das Gleichgewicht des Budgets gesichert sei. Man spreche viel von Konferenzen über die Goldwährung und ähnliche Fragen. Diese Konferenzen müßten stattfinden. Mit Bezug auf die Kriegsschulden und Reparationen erklärte Baldwin, er glaube nicht, daß eine Mei­nungsverschiedenheit zwischen den beiden Parteien darüber herrsche, daß dies die schwierigste Aufgabe seit dem Kriege sei.

Die ganze Welt sei sich heute darüber klar, datz die bestehenden Abkommen zusammevgebrochea seien.

Dank der Initiative Hoovers in diesem Jahre, die einen seltenen Akt des Mutes und der StaatMugheit darstelle, habe die Welt eine einjährige Atempause erlangt, aber, so ftchr Baldwin fort, ich bezweifle, daß dies ausreicht. Die Zeit war nicht lange genug, um das Vertrauen wieder herzustellen. Die Zukunft ist ungeregelt geblieben, und ich möchte das Haus daran erinnern, daß der Vertreter der Regierung auf der Londoner Konferenz im ver­gangenen Zull erklärte, daß die Wieder­herstellung gesunder Finanzverhältnisse in Deutschland im Interesse der ganzen Welt liege, und daß die Regierung bereit sei, so weit es in ihrer Kraft stehe, an der Wiederherstellung des Vertrauens mitzu­arbeiten.

Diese japanische Meldung lenkt wieder einmal die Aufmerksamkeit aus die andere Front, an der die chinesischen Regierungs­truppen kämpfen müssen, und die vielleicht ebenso gefährlich ist, wie die Front der japanischen Eindringlinge. Die Tatsache, datz Tschiangkaischeck dem roten Krieg, der in Süd- und Mittelchina schon seit Jahren im Gange ist und immer größeres Aus­maß annimmt, ein gut Teil seiner Auf­merksamkeit widmen mutz, ist sicherlich einer der Gründe dafür, datz der Führer der Nanking-Regierung vor einem regelrechten Krieg gegen Japan zurückschreckt. Denn er mutz jeden Augenblick seine andere Front im Auge behalten, die Front der roten Aufständischen und Kommunisten, die unter der Moskauer Regie und im Bunde mit den südchinesischen Generälen dasür sorgen, datz den Japanern kein einiges China gegenübersteht.

In der letzten Zeit, und besonders seit dem japanischen Einmarsch in die Mand­schurei, ist es um diesen Kriegsschauplatz in Süd- und Mittelchina recht still geworden. Man erinnert sich, datz Tschiangkaischek noch im Sommer dieses Jahres den Kampf gegen die chinesischen Kommunisten als die dringlichste Aufgabe erklärte, die er sogar für wichtiger ansah als den Feldzug gegen die Nebenregierung in Kanton. Damals wurde eine riesige Strafexpedition, die dritte ihrer Art, ausgerüstet und die besten Truppen Nankings dafür aufgeboten. Der Vormarsch der Regierungstruppen ge­staltete sich zunächst siegreich und Tschiang­kaischek, der an der Spitze seiner Truppen die Bekämpfung der Kommunisten persön­lich leitete, konnte eine Reihe von Sieges­nachrichten in die Welt hinaussenden. Dann änderte sich das Bild. Im August hörten die Siegesmeldungen auf und in der Folgezeit wurden sogar Niederlagen bekannt, die die Nankingtxuppen in den weiteren Kämpfen er litten hatten. Tschiangkaischeck, von dem es hieß, er habe geschworen, nicht eher nach Nanking zu­rückzukehren, bis alle Kommunisten in der Provinz Kiangsi, dem Herzen der roten Bewegung, von der Bildfläche verschwun­den seien, war der roten Horden nicht Herr geworden. Die Vorgänge in der Mand­schurei bedeuten natürlich eine weitere Er­schwerung für die Negierung und gleich­zeitig ein Anwachsen des kommunistischen Kleinkrieges im Süden. Dazu kommt, datz die roten Armeen offenbar von den nankingfeindlichen Generälen des Südens und der Eegenregierung in Kanton, wenn auch nicht offen, so doch indirekt, unterstützt werden. Es handelt sich in erster Linie um die sogenannte Kwangfi-Eruppe und man erinnert sich, datz vor einiger Zeit von dem Eingriff der Kwangsi-Armeen in den Kampf zwischen Tschiangkaischek und den roten Armeen berichtet wurde, ein Vor­gang, durch den die Wucht des Vorstoßes der Nanking-Truppen im entscheidenden Augenblick geschwächt wurde. Dies dürfte umso eher zutrefsen, als die Nachrichten von der Einigung zwischen Nanking und Kanton sich nicht bewahrheitet haben.

Volksbegehren in Sachsen.

Dresden, 13. Rov. Die Kommu- nistische Partei hat mehr als 1000 Unterschriften von Stimmberechtigten für ihren Antrag auf Zulassung eines Volks­begehrens über die Auflösung des Landtages beigebracht. Damit hat sie die gesetzlichen Voraussetzungen für die Zulassung des Volksbegehrens erfüllt, so dem Anträge stattgegeben worden ist.

Zwischen Berlin und Paris

Die Verhandlungen über die Tributkonferenz