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Man schreibt uns:Das ist die Tragik großer humanitärer Gesellschaften in Zei­ten schwerster Volksnot, daß sie zwar die Folgen der Notlage lindern, an die Wurzel des Hebels aber nicht fasten können so wird mit Recht in dem soeben erschiene­nen Rechenschaftsbericht über Entwicklung und Leistungen des Preußischen Landes­vereins vom Roten Kreuz und seiner Pro­vinzialvereine in der Zeit vom 1. April 1930 bis 31. März 1931 ausgeführt. Daß diese Organisation in ihrer stillen Arbeit sebr erheblich zu der Linderung körper­licher, geistiger,, sittlicher und wirtschaft­licher Not beiträgt, lasten die Einzelberichte der Zentrale wie der Provinzialvereine deutlich erkennen. Sie geben weiter den erfreulichen Beweis, daß die Entwicklung des Landesvereins und die Leistungen sei­ner Eliedorganisationen wiederum eine erhebliche Steigerung erfahren haben. So ist gegen das Vorjahr die Zahl der Zweig- und Kreisvereine von 289 mit 64 450 Mit­gliedern auf 296 mit71549 Mitgliedern gestiegen, die der im praktischen Hilfsdienst stehenden Sanitätskolonnen, Pflegerschaf- ten und Samaritervereine vom Roten Kreuz sogar von 1652 mit 57 815 tätigen und 51305 fördernden Mitglieder auf 1800 mit 63 737 tätigen und 55 003 fördernden Mitgliedern; das bedeutet eine Eesamt- zunahme von 155 Organisationen mit 16 629 Mitgliedern! In den dem Lan­desverein zugehörigen 19 Mutterhäusern und Schwesternschaften ist die Zahl der Schwestern und weiblichen Hilfskräfte auf 2723 angewachsen.

Der Stand der Einrichtungen für Erste Hilfe ist folgender:

1577 ständige Rettungswachen und Un­fallstationen,

11305 Unfallmeldestellen, Depots von Krankenbeförderungsmitteln und derglei­chen,

1049 Krankenwagen,

10153 sonstige Krankenbeförderungs­mittel und -Geräte (darunter 4 Motor­rettungsboote),

175 Desinfektionseinrichtungen,

638 Verleihanstalten von Kranken­pflegeartikeln.

Die Rettungseinrichtungen wurden in Jahresfrist 538 973 mal in Anspruch ge­nommen.

Einzeln oder in geschlostenen Forma­tionen traten die Kolonnenmitglieder in -v Tätigkeit:

88 440 (66 861) mal bei Aufzügen, Sportveranstaltngen,

365 483 mal bei öffentlichen Notständen, Eisenbahnunfällen, Feuersbrünsten, Fa­brik-, Gruben- und anderen Unfällen, so­wie bei Epidemien, Verkehrsunfällen, inneren Unruhen und Einzelfällen.

D ie für die Verhinderung von Epi­demien bedeutsame Einrichtung zur Ver­leihung transportabler Krankenbaracken aus dem Zentraldepot des Landesvereins

(Nachdruck verboten.)

Anruf in tet Rächt

Roman von Paul Rosenhayn f. Vertrieb: Carl Duncker Verlag

Berlin W. 62.

1.

lieber London lag Nebel. Jener zähe, breiige Nebel, der den frühen Tag zur Nacht machte. Der Rauch aus den Tau­senden von Schornsteinen schwamm in den feuchten Schwaden und heizte die Luft. Die Bogenlampen in den Straßen schim­merten wie düster glutende Fackeln. Im Umkreis dieser Lampen nahm der Nebel eine dunkelrote Färbung an aber zwei, drei Meter weiter wurde das Licht von der Dämmerung verschlungen.

In diesem Zwielicht erschienen die Men­schen und Fuhrwerke in phantastischen und verschwommenen Umristen, wie von einem seltsamen Geheimnis umgeben.

Die riesenhaften Omnibuste wirkten wie vorsintflutliche Ungeheuer. Das Rattern ihrer Motoren klang wie heiseres Bellen. Fast kriechend bewegten sich Fahrzeuge und Fußgänger durch die schwefelgelben Dunstmasten.

Um sechs Uhr nachmittags vermochte man keine drei Zentimeter weit zu sehen. Das geschäftige Leben der Riesenstadt er­starb; um neun Uhr abends lag die City wie ausgestorben da.

An den Straßenecken wurden Gasflam­men und Fackeln entzündet. Wie blutrote Flecken standen ihre Flammen im Nebel.

In ihre Regenmäntel gehüllt, verharr­ten dieBobbies" auf ihren Posten. Selt­sam, fast unwirklich, hoben sich ihre Ge­stalten aus den dicken Nebelschwaden. Auf der Themse heulten die Sirenen aber jeder andere Laut der sonst so lcirmerfüll- ren Metropole schien erstorben. ,

Oberhefstsche Zeitung, Marburg a. L., Freitag, den 13. November 1931

Hessen Nassau und Nachbarseviete

Eoldfunde in WaldeS.

Corbach, 12. Nov. Wie dieWal- beckische Landeszeitung" meldet, soll der Goldbergbau, der im 16. Jahrhundert im Eisenberg mit großem Erfolge betrieben wurde, in Kürze wieder ausgenommen wer­den, nachdem eine jahrelange Durchfor­schung der alten Baue und die systema­tische Probeentnahme überraschend gute Ergebnisse gehabt hat. Das Gold ist sogar in festem Gestein gediegen sichtig gefunden worden. Mit dem Bau einer neuen Schachtanlage soll demnächst begonnen werden.

Der Dahlbrucher Sparkastenskandal. Rendant Mäste flüchtig.

Siegen, 12. Nov. Gegen den Ren­danten Müsse von der Amtssparkasse Dahl­bruch, der beschuldigt wird, durch unlau­tere Kredit- und Wechselgeschäfte den Zu­samenbruch der Sparkasse verursacht zu haben, ist jetzt Haftbefehl erlassen wor­den. Als dieser vollstreckt werden sollte, stellte sich heraus, daß Müsse nicht zu er­mitteln war. Es wurde festgestellt, daß

er sich bereits am 8. Oktober einen Aus­landspaß besorgt hat und bei Bekannt­werden der Verfehlungen mit einer größeren Summe flüchtig gegangen ist.

Auf dem Wege zum Dienst überfahren und getötet.

Frankfurt a.M., 12. Nov. Heute nacht kurz nach 1 Uhr wurde im Haupt­güterbahnhof der 47jährige verheiratete Zugführer Josef Trost von einer Rangier­lokomotive überfahren und getötet. Der Verunglückte befand sich auf dem Wege zum Dienst.

Zum Mord im Odenwald. Die gesuchten Handwerksburschen ermittelt.

Darmstadt, 12. Nov. Die gesuchten drei Wandersburschen, die in der Nähe der Mordstelle bei Elsbach gesehen wur­den, sind heute in Bensheim ermittelt und vernommen worden. Sie konnten für die Zeit der Tat ihr Alibi einwandfrei nach­weisen, so daß kein Verdacht der Täter­schaft mehr aus sie fällt. Die Ermitt­lungen der Kriminalpolizei nach anderer Seite gehen weiter.

Ser chrmischt Rrielmls 1931 für zwei teuttot fttffitr

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Prof. Friedrich BerSiuS und Prof. Karl Bofch

werden als aussichtsreichste Kandidaten für den diesjährigen Nobelpreis für Chemie genannt. Prof. Bergins ist durch sein Verfahren der Oelgewinnung aus Kohle berühmt geworden, wäh­rend Prof. Bosch, der Generaldirektor der I. E. Farben, bahnbrechende Erstndungen auf dem Gebiet der synthetischen Herstellung von Farben gemacht hat. Der chemische Nobelpreis ist früher bereits zwölfmal deutschen Forschern zuerkannt worden.

wurde nach wie vor in Seuchenfällen und bei besonderen Notständen in Anspruch genommen.

Besondere Beachtung verdient die schnelle Weiterentwicklung der Jugendgruppen bei den Sanitätskolonnen, die durch 60 Neu­gründungen auf insgesamt 176 mit 2069 Mitgliedern (im Vorjahr 116 mit 1754 Mitgliedern) angewachsen sind. Lang­samer aber stetig wächst auch das die Schuljugend erfassende Jugendrotkreuz.

x Professor Dr. Heinrich B e ch h o l d, Direktor des Instituts für Kolloidforschung cm der Frankfurter Universität vollendet am 13. November das 65. Le­bensjahr. Prof. Bechhold, der bekannte Begründer und Herausgeber der Wochen­schrift über die Fortschritte in Wissenschaft und TechnikDie Umschau" widmete sich in Freiburg i. B., Straßburg und Berlin dem Studium der Naturwissenschaften und

Nr. 267

wandte sich der Chemie und Physik zu. Er betätigte sich zunächst als Verlagsbuch- händler und begründete 1897 die Umschau. Im Jahre 1903 trat er in das Institut für experimentelle Therapie in Frankfurt,/M. ein, zu dessen Mitglied er später ernannt wurde. 1910 erhielt Bechhold den Titel Professor, später die venia legendi an der Frankfurter Universität sowie die Er­nennung zum Direktor des Institutes für Kolloidforschung. Seine WerkeHand­lexikon der Naturwissenschaften und Medi­zin" sowieDie Kolloide in Biologie und Medizin" sind in xrehreren Auflagen verbreitet Die Kolloid-Gesellschaft ver­lieh ihm den Laura-R.-Leonard-Preis für seine Arbeiten über llltrafiltration und für seine erfolgreiche Tätigkeit in der Ein­führung kolloidchemischer Gesichtspunkte in die biologischen Wissenschaften.

Wetterbeobachtungen am 12.13.Nov.

Höchste Temperatur am 12. Nov. 10.0 Telstus Niedrigste Temperatur lebte Nackt 5.3 Celstus

Barometerft.

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ÖHLER - BRILLEM-BÖHLER

Marburg/Lahn

Wettergasse 30 Bahnhofstr. I

Fernruf 248 Wetterbericht.

Der nordwestliche Tiefdruckwirbel, der das Wetter der letzten Tage beherrschte, füllt sich auf und verlagett sich weiter nach Norden. Dadurch kommt Mitteleuropa zunächst in das Gebiet eines Zwischenhochs. Es tritt daher durch den stark ansteigen­den Luftdruck eine vorübergehende Be- ruhigung des Wetters und Aufklaren ein. Da auf dem Ozean aber bereits wieder neue Tiefdruckstörungen erkennbar sind, ist die Besserung wahrscheinlich nicht von längerer Dauer.

Witterungsaussichten für Sonnabend: Zunächst noch bewölkt und ruhiges Wetter, aber nicht beständig.

Verlag Dr. C. Hitzeroth.

Sauptschristleiter und verantwortlich für Po- Mkrmb Feuilleton: Dr. Ernst Scheller: für Kommunalpolii. Provinz und Lomirs: Lothar Schneider, sämtlich in Marburg.

oder aber mit NIVEAÖL

Schmerzloses Basieren

glurth vorheriges Einreiben mH

NIVEA CREME

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lOhrf der Polizeistation am Gloucester- Square, Kensington, schrillte das Alarm­signal. Der Mensthabende sah seiner Vor­schrift gemäß auf die elektrische Ahr: es war genau 9.14 Ahr abends.Polizei­statton Gloucester-Square" sprach der Po­lizist in den Sprechttichter. Keine Ant­wort.

Mit erhobener Sttmme nochmals:Poll- zeistatton Gloucester-Square". Kein Laut; nichts; nur das Sausen des Lettungsstroms im Draht.

Da! Aufjagend, grell, Todesangst in einer unbekannten 'Ferne verratend, Schttl- len einer Glocke. Verstummte, als ob die Hand, die die Glocke gerührt, mit Gewalt weggettssen worden sei.

Wieder nichts als der Leitungsstrom im Droht; woher kam er, wer hatte ihn ein­geschaltet auf Gloucester-Square? Wem war der Mund versiegelt, ehe er den Not­ruf schicken konnte?

Hart drückt der Polizist die Hörmuschel ans Ohr, als ob er dadurch schwachen Lau­ten Stärke leihen könnte. Da, da, em Laut, ein Schnurren, tiefes Atmen, eine verhaltene Sttmme:Hilfe! Zu Hilfe!"

Den Polizisten ttß es den Kopf vorn­über:Wohin? Am Gottes willen, wohin denn?"

Sttlle.

Alle Willenskraft legte der Polizist in sein Lauschen; durch das Dunkel des Abends wallte ein Hilferuf zu ihm; Mensch war in Rot, Verbrechen am Werk. And hier stand bereite Hilfe zur Antättgkest ver­dammt.

Einen Namen! Bloß den Namen!" schtte der Polizist in den Apparat.

Eine Weile wieder Stille.

Leise dann, als ob der Sprecher seine Sttmme dämpfen müsse, um nicht von Lau­schern gehört zu werden:Crane! Wichum Grane; Dictoriagrove . .

Dann Sttlle; und seltsam, auch der VezütngSstrom war weg; offenbar war in

diesem Augenblick der Fernsprechdraht durchschnitten worden.

Der Polizist warf den Hörer hin; Alarm! Polizeistreife. Schnelles Blättern im Fern­sprechbuch: Willburn Crane, M. P. Vic- totta grobe 16.

Vos!

Knatternd sauste das Polizeiauto los.

!®intragung ins (Journal: Nachtruf 6. Februar 1929, 9.14 Ahr.

Es schlug hach zehl vom Turm der Kirche am Gloucester-Road, als der Wagen vor dem Hause 16 Victvttagrove hielt. Spä­hend glitt das Suchlicht des Wagens über das Haus, das lichtlos in der Tiefe des dunklen Vorgartens lag.

Die Pollzisten sprangen geräuschlos ab. Die Gattentür ist offen!"

Der Führer knipste seine Taschenlampe an, huschend llef der Strahlenkegel vor der Heinen Kolonne her.

Vorsichtig schritten sie auf das Haus Kl, nach allen Seiten sichernd und spähend. Die Haustür war verschlossen. Der Füh­rer hob den metallenen Klopfer. Dröhnend ging der Laut durch die Sttlle des schwei­genden Hauses. Niemand kam.

Zum zweiten Male raste das erregte Klopsen in das Zwickel und Schweigen des Hauses.

»Ober wird ein Fenster hell," sagte einer der Polizisten.

Schlürfen näherte sich der Mr. @tne geängstigte Sttmme fragte:Ist da je­mand?"

Polizei Aeberfalkkommando! Machen Sie auf!"

Behutsam wurde ein Riegel Krrückge- schoben. Schließvornchtungen Hinten. ZMr Spalt der Tür stand ein älterer Mann, in einem hafttg übergeworfenen Mantel. Der Führer drängte ihn zur Seite; die Deam- ten traten em.

Man hat angerufen . . . Mr. Milburn Crane. Oft es hier?"

Ja, ja! Aber von hier hat niemand ..

Der Beamte unterbrach ihn:Sind Sie der Haushofmeister?"

Ja; Hawley, James Hawley."

Wo ist Ihr Herr?"

Schlafen gegangen.

Führen Sie uns zu ihm; schnell."

Der Haushofmeister sah fassungslos auf die Uniformierten:3a, was ist denn ... Das wollen wir gerade erfahren!" fuhr der Führer ihn an.Wo schläft Ohr Hen?"

3m ersten Stock."

3m Nu waren die Polizisten oben.

Wo? Wo?" schtte einer der Polizisten zurück.

Durch die Mr rechts, das zweite Zim­mer links," wies der Alte an, indes er die Treppe hinaufklomm.

Die Polizisten rannten durch zwei reich ausgestattete Räume Und standen vor der Tür links. Klopfen! Keine Antwott! Klopfen! Einer der Polizisten legte die Hand auf den Drücker; er gab nach; die Tür war v ffen.

Das ist noch nie geschehen: Mr. Crane schläft niemals bei offener Tür" sagte Hawley, der inzwischen nachgekommen war.

Der Führer der Streife ftteh die Tür vollends auf; sanftes Licht aus einer Ala­basterschale an seidenen Schnüren von bei Decke füllte das Zimmer. Auch die Heine OnhMmpe auf dem Nachttischchen brannte. Die Schublade war halb geöffnet. Ein aufgeschlagenes Buch lag auf der Platte: GalswotthhsDunkle Blume".

i3n der Mitte des Zimmers stand das breite Messingbett. Es war unbenutzt; die seidene Decke war zurückgeschlagen. Alles im Raum war in guter Ordnung. Nichts deutete auf einen Kampf oder etwas Mlßergewöhnliches.

Fenstervorhänge auf!

.FoHeAng folgt.