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M. Rr. 5015. Sprechzeit xc Redaktion von 1011 und

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Anzeiger für (bas frühere kurhessische) Oberhessen

Anzeiger der amtlichen Bekanntmachungen für Stadt und Kreis Marburg.

ie deutsch-französischen Besprechungen

Nach der Rückkehr des französischen Botschafters Die vier Punkte desExzelsior,,

Zweckmeldungen

Wie lange noch?

I Me wir erfahren, entspricht die in tinem Teile der Presse veröffentlichte An- Wndigung, daß Botschafter Francois. Don c et nach seiner Rückkehr aus Paris Wort eine Unterredung mit dem Reichs- wnzler haben werde, nicht den Tatsachen. Dr hat sich bis zum Abend nicht bei Dr. Brüning angemeldet, und da dieser heute Dich Mainz fährt, um dort am Abend |hte Rede zu halten, liegt es auf der Hand, Diß der Botschafter wohl zunächst den Staatssekretär von Bülow über seine Pariser Eindrücke unterrichtet.

F Im allgemeinen beurteilen politische Kreise den Stand der diplomatischen Füh­lungnahme über die weitere Entwicklung |er Reparationsfrage recht zuversichtlich. En der Presse ist ja auch bereits angedeu- fct worden, daß zunächst mit der Einbe­rufung des Sonderausschusses Ker B.I.Z. zu rechnen ist, und daß im Anschluß daran dann die große Repara- Donskonferenz zufammentreten würde, bei er die eigentlichen Entscheidungen liegen. Do sehen die Dinge nun allerdings nicht kus, wie sie heute in einem französischen Klatt, demExzelsior", dargestellt werden. Er behauptet, daß der Stand- wunkt der französischen Regierung sich in biet Punkte zusammenfassen lasse. Danacy feil 1. der Sonderausschuß genau begrenzte Vollmachten haben. Demgegenüber mug hnan feststellen, daß die ganze Prüfung Reinen Zweck bat, wenn sie sich nicht auf ten gesamten Komplex der einschlägigen Kragen beziehen würde. Es hört sich ja puch merkwürdig an, wenn das Blatt Sag ist der zweite Punkt behauptet, es bandele sich darum, die deutsche Lage zu prüfen und nicht die deutsche Zahlungs- sähiakeit noch einmal zu kalkulierem Das ist ein Widerspruch in sich, der auch, nicht zerade dadurch an Logik gewinnt, daß das Statt uns vorwirft, wir seien ein reiches Molk, das nur durch schlechte Verwaltung seinen Kredit zerstört habe. Ein so sach- »entändiges und maßgebliches Gremium Die der Wiggins-Ausschuß hat »usdrücklich feiWitent, daß Deutschland tlles nur mögliche getan hat, um seine Finanzen in Ordnung zu halten. Rach dem dritten Punkt des Exzelpor will Frankreich sich dagegen wehren, daß dre Reparationen den kurzfristigen Krediten Jeopfert werden sollen. Niemand hat ein plches Verlangen gestellt. _ Aber Deutzch- land hat gefordert und muß diesen Stand­punkt selbstverständlich weiter vertreten, daß die E e s a m t l a g e berücksichtigt wird, ind sie wird von der Frage der kurzftisti- een Kredite natürlich sehr stark beein­flußt. Schließlich wird in dem vierten Punkt die Regelung der Reparationen Ion einer parallelen Schuldenherabsetzung durch die Bereinigten Staaten abhängig bemacht. Das ist schon nach dem ganzen Lang der bisherigen Reparationsbe­sprechungen eine Unmöglichkeit. Sie stehen Augenblicklich doch so,. daß Präsident Loover den Prozeß gewisiermaßen an »ie erste Instanz zurückverwiesen hat, in­dem er Deutschland und Frankreich sich zu­stächst einmal untereinander auseinander- irtzsn läßt In djesem Stadium kann aber keine Rede von den Schulden bei Amerika sein, auf deren Gestaltung Deutschland sticht den geringsten Einfluß hat.

Aus alten diesen rein sachlichen Unmög­lichkeiten kann man eigentlich nur schlie­ßen, daß es sich mehr um vier Punkte des »Exzelsior" als der französischen Regierung bandelt. Umso notwendiger erscheint es,

ihnen sofort die Wirklichkeit entgegen­zustellen.

Dawes reift morgen von London nach Paris.

London, 12. Nov. Der amerikanische Botschafter, General Dawes, wird morgen nach Paris abreisen, John Simon am Sonn­tag. Wie verlautet, werden die Besprechun­gen in Paris morgen sofort nach der Ankunft des Generals Dawes beginnen, da der ja­panische Delegierte sich bereits in der fran­zösischen Hauptstadt befindet.

Am Donnerstag ist die französische Kammer wieder zusammengetreten, nach­dem bereits am Dienstag abend die Abge­ordneten von Paris sich zu einer außer­ordentlichen Sitzung versammelt hatten, um zu versuchen, Mittel und Wege zu finden, wie der zunehmenden Arbeitslosigkeit zu Leibe gerückt werden kann. Diese Vorbe­sprechung Tann auch als ein Symptom der gegenwärtigen Lage in Frankreich erblickt werden. Die Nervosität wächst, die all-

Politische Bedingungen

Laval in der Ausschutzsitzung

fk. Paris, 13. Nov. Wie über die gemeinsame Sitzung des Auswärtigen und Finanzausschusses der Kammer vertäutet,. soll sich Ministerpräsident Laval an­erkennend über den deutschen Reichs­kanzler geäußert, aber hinzugefügt ha­ben, daß Dr. Brüning der Stimmung in seinem Lande und den Wün­schen der deutschen Oeffent- lichkeit Rechnung tragen müsse. Beim Ver- lassen des Sitzungssaales von Pressever­tretern über die Rede des Ministerprä­sidenten befragt, erklärte ein Abgeordneter der Rechten, daß er die wesentlichste Tat­sache darin erblicke, daß Präsident Hoo­ver der französischen Regierung freie Hand bei der Behandlung der Repa­rationsfrage gelassen habe. Der sozialistische Abgeordnete E u e r n e st stellte dem Mi­nisterpräsidenten im Laufe der Sitzung die Frage, was er dem Präsidenten der Ver­einigten Staaten geantwortet habe, wie

von einer Anleihe für Deutschland in Höhe von 5 Milliarden Franken die Rede ge­wesen sei. Ministerpräsident. Laval er­widerte, daß er damals dem amerikanischen Staatspräsident geantwortet, habe, daß Frankreich sich unter gewissen po­litischen Bedingung en vielleicht dazu bereit erklärt hätte, diese Anleihe zu unterstützen.

Euernest fragte Laval, welche Bedin­gungen er damit gemeint hätte, worauf der französische Ministerpräsident er­widerte, daß es sich in erster Linie um eine Entspannung der deutschen Ge­müter (?) gehandelt habe, die sich auf einen Verzicht auf die Anschlußpolitik wie auch auf die Aenderung der Korridorfrage und auf die Kundgebungen des Stahl­helms hätte beziehen müssen. Diese Dinge hätte er dem deutschen Reichskanzler vor­gelegt. Dr. Brüning habe ihm darauf eine offene und verneinende Antwort erteilt.

(Einberufung des Sonderausschusses

Offizielle Ankündigung Lavals

Paris, 12. Nov. Ministerprä­sident Laval hat sich, begleitet von Außenminister Briand, Finanzminister F l a n d i n und Unterstaatssekretär Cathala heute nachmittag, wie ange­kündigt, vor die vereinigten Kammeraus­schüsse für auswärtige Angelegenheiten und Finanzen begeben. Hierüber wird ein offizielles Eomuniquö ausgegeben, in dem es heißt:

Ministerpräsident Laval erstattete ein eingehendes Expose über die internationa­len Verhandlungen, die aus Hoovers Vorschlag vom Juli 1931 folgten. Er schil­derte namentlich, unter welchen Be­dingungen die französische Negierung mit den Vertretern der amerikanischen Regie­rung im Juli sich in dieser Hinsicht ge­einigt habe. Er gab einen eingehenden Bericht über die Besprechungen mit Reichskanzler Dr. Brüning und Dr. Gurtius in Paris vorn Juli, die Lon­doner Konferenz und das dabei erzielte Abkommen.

Er äußerte sich auch über das Experten­komitee (Wiggin), das in Bafel im Monat August zusammentrat, und über das Lon­doner Expertenkomitee, das die Modali­täten des Hoovermoratoriums regelte. Ministerpräsident Laval hat alsdann die seine Berliner Reise betreffenden Fragen angeschnitten und die Ausschüsse über seine

kürzlichen Besprechungen mit Präsident Hoover unterrichtet.

Er gab namentlich bekannt, daß nach Prüfung der Lage in Europa und in Son­derheit Deutschland Präsident Hoover und er darüber einig gewesen seien, daß die Initiative für die Einberufung des im Poungplan vorgesehenen beratenden Son­derausschusses ergriffen werde. Erst nach Einbringung des Berichtes der Sachver­ständigen würden die Regierungen die Bedingungen und Bestimmungen der neuen Regelung ins Auge zu fassen haben.

Auf eine Frage des Abg. G u e r n e ft erwiderte der Ministerpräsident, daß innerhalb der Reparationen und Kriegs­schulden er die Freiheit der französischen Regierung Vorbehalten habe genau wie Präsident Hoover diejenige seiner Regie­rung.

Ergänzend berichtet Havas zu diesem Kommunique, daß Ministerpräsident Laval betreffend die Schulden- und Reparations­frage erklärt habe, beide Probleme seien von Hoover und ihm in voller Offenheit erörtert worden, und eine Regelung wegen der Kriegsschulden habe als realisierbare Hypothese, soweit die Umstände dies ge­statten, ins Auge gefaßt werden können.

gemeine Unsicherheit nimmt zti und die Regierung weiß noch nicht recht, wie sie den Haushalt zustandebringcn wird, den letzten, den diese Kammer bewilligen muß, bevor die' Deputierten in ihre Wahl--, kreise gehen, am die Wahlpropaganda zu beginnen. Mit Krisenberatungen hat die Kammer ihr Programm eröffnet, und zwar mit der Beratung der Notstandsarbeiten, die zur Bekämpfung der Arbeitslosigkeit unternommen werden sollen. Alsdann fol­gen die zahlreichen Interpellationen über die politische Lage auf der Tagesordnung im Palais Bourbon, vor allem natürlich über die Beziehungen zu Deutschland, die wirtschaftlichen und die politischen,, über das Tributproblem, die gegenwärtig im Zuge befindlichen Auseinandersetzungen, über die Einsetzung des deutsch-französi­schen Wirtschaftsausschusses über sein Arbeitsprogramm usw. Dann erst werden die Haushaltsberatungen folgen, während das Land schon den Neuwahlen ent* gegenftebern wird.

Unzweifelhaft genießt Frankreich mit sei-, neu über 64 Milliarden Gold in den Kel­lern der Bank von Frankreich noch eine Ausnahmestellung, die es wie in der Pariser Presse immer wieder hervorgeho- ben wird zum Gegenstand des Neides fast aller Völker macht und die ebenso un­zweifelhaft ungeheuer zu dem Wachsen des Selbstbewußtseins des französischen Völ­kel geführt hat. Wenn man im Ausland behauptet, daß Frankreich heute ein wahres Paradies in finanzieller Hinsicht sei und daß sein angehäuftes Gold ihm nahezu alles erlaube, so ist viel Wahres daran. 64 Milliarden Francs in Goldbarren eine solche Goldmenge befindet sich zurzeit wahrscheinlich nirgendwo in der Welt auf einem Platz und dürfte auch niemals ir- gendwo vorhanden gewesen sein. Daß diese Goldanhäufung aber seinem Besitzer Verpflichtungen auferlegt, denen nachge- kommen werden muß, wenn das übermütige Siegervolk" nicht an diesem Ueberfluß von totem Kapital zugrundegehen soll, das Hal man heute in Frankreich noch nicht er* kannt. Der Wahl sprach des Spießbürgers mit seinem Sparstrumpf ist:Ich besitze". Wie all dieses Gold nach Frankreich zu-, sammengeströmt ist, weiß man in Deutsch­land sehr wohl. Es sind einmal und allem anderen voran die deutschen Tributzah- lungen und sonstigen Leistungen, die all­jährlich am laufenden Band in die Keller der Dank von Frankreich zusammengeflos­sen sind. Es ist aber weiterhin das muh offen anerkannt werden auch die durch Poincare mit den rigorosesten Mit­teln der Sparsamkeit durchgeführte Wäh­rungssanierung und Kapitalanhäufung und es ist schließlich der Kleinkrämergeist des französischen Volkes, das alle Ersparnisse in die Sparkassen und Banken leitet. Wäh­rend andere große Völker, so Deutschland und Amerika, inzwischen ihre Industrie ausgebaut und rationalisiert haben, im den kommenden großen Bedarf zu befriedi- en, hat Frankreich sich auch im Wirtschaft­lichen Beschränkung auferlegt, um Geld zu Hamstern.

And dennoch steht die Frage: Wie lange noch? wie ein Menetekel vor der Kammer. Die Zahl der Vollarbeitslosen ist in Pa­ris allein mit nicht weniger als 150 000 angegeben worden. Dazu kommt die Zahl der Kurzarbeiter, die ständig in bedroh­lichem Maße wächst. Auch die Ausge­steuerten werden heute in Paris bereits mit 30 bis 40 000 angegeben und nehmen