Nr. 265
VdecheMihe Zeittmg, Marburg a. L. Mittwoch, ben 11. November 1931
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De. Klaus Spitta
Cypern geht zum kampflosen Wie-erstan- gegen Englanb über
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feil Präsident Wilson die allgemeinen Friedens- jeh bestrebungen, die er durch seine Noten und bi Sieben mehrfach gefördert hatte, nicht end-
wrschlag der Vereinigten Staaten anfänglich nit aller Entschiedenheit ab, weil er fürchtete.
lid) zum krönenden Abschluß führe. Grat Czernin, dessen Haltung während seiner ministeriellen Amtsführung im Weltkriege nicht immer-unzweideutig war, soll bei dieser Ge-
[ o r) b George khnte diesen amerikanischen Dermittlungs-
vls auch der amerikanische Staatssekretär Lansing gewisse Möglichkeiten, Oesterreich zu einem Sonderfrieden mit den Verbands-
Erzbischof Kyrill der Dritte, der Patriarch der griechisch-orthodoxen Kirche von Cypern, hat nunmehr nach Zusammenbruch des bewaffneten Aufruhrs die Bevölke-
Jüngst veröffentlichte Dokumente des amerikanischen Staatsdepartements geben Kunde von dem bisher geheim gehaltenen Sepa- ratfriedensangebot, das bereits zu Beginn des Jahres 1917 Oesterreich durch Vermittlung der Vereinigten Staaten gemacht wurde. Diese direkten Verhandlungen zwischen Washington und Wien wurden hinter dem Rücken Deutschlands sechs Wochen lang geführt. Sie scheiterten schließlich, obwohl brr Donaumonarchie weitgehende Zugeständnisse, darunter die Gewährleistung ihrer terri-
Sin neuartiges Telephon
Hauptmann Georg Bylewski, der Leiter des funkentelegraphischen Laboratoriums des aerotechnischen Forschungsinstituts in Warschau, der sich zuvor schon einen Namen auf dem Gebiet der drahtlosen Tele- phonie erworben hat, fügte seinen bisherigen Erfindungen kürzlich eine neue hinzu, und zwar in Gestalt eines nach ganz neuartigen Grundsätzen arbeitenden Fernsprechers. Das Bylewskische automatische Telephon ermöglicht mittels dreier Radioröhren, eines Lautsprechers und eines Transformators, daß bei Herstellung einer Fernsprechverbindung die Stimme des Sprechenden vernehmlich wird, ohne daß der andere Teil die Hörmuschel abzunehmen und ans Ohr zu führen braucht. Das würde in der Tat eine außerordentliche Bequemlichkeit bedeuten, und es ist damit zu rechnen, daß, falls die Erfindung sich bewährt, sie schnell allgemein einge- führt werden wird.
nicht in Wien, ben beutschen Bundesgenossen vor die vollendete Tatsache einer zwischen Oesterreich und den Feindmächten ausgeführten Sonberaktion zu stellen.
Den Anstoß bazu gab ber österreichisch- ungarische Außenminister Graf Czernin, als er ben amerikanischen Botschafter in Wien, P e n f i e l d, um Auskunft bat, weshalb
rtichifche Regierung ferner, von ber deutschen Seekriegspolitik abzurücken, „unauffällig" aber verriet Graf Czernin in einer Note vom 5. März, „daß die Tauchboote der österreichisch- ungarischen Monarchie nur in der Adria und im Mittelmeer operierten". Doch Amerika hatte bereits genug verhandelt. Washington zog es vor, setzt die Geschütze reden zu lasten, und brach die diplomatischen Beziehungen auch zu Oesterreich ab. Fortan ging die österreichische Diplomatie Krumme Nebenwege. Am 16. März 1917 schrieb Prinz Sixtus an Kaiser Karl, seinen Schwager, aus Paris u. a.: „Bald wird die ganze Welt gegen Deutschland sein, wird es unmöglich sein, einen annehmbaren Frieden zu schließen, wenn man sein Geschick mit dem deutschen verbunden fein läßt ..." Und immer schwächer wurde am habsburgischen Hof die „Nibelungentreue",
Nach dem Beispiel Indiens:
Einwohner der cyperischen Küstenorte gewinnen Salz aus dem Meerwaster. um damit gegen das englische Salzmonoool zu demonstrieren. Dieser Akt zeigt, daß Cypern nunmehr die Kampfform des unbewaffneten Widerstandes gegen England ergreift.
schen glauben England in zwei Monaten aushungern zu können", telegraphierte Gerard in dieser kritischen Zeit an Wilson, und er riet dem Präsidenten ausdrücklich zur Kriegsdrohung. „Die Deutschen fürchten sich nicht vor dem Abbruch der diplomatischen Beziehungen", schrieb er weiter, „denn dadurch er« halten sie volle Handlungsfreiheit und können uns anfallen, wenn sie gewinnen." In Washington triumphierte man. Der verschärste Ubootkrieg gab endlich den schicklichen Anlaß zur amerikanischen Kriegserklärung an Deutschland. Ueberdies zerbröckelte Oesterreichs Widerstandswille von Woche zu Woche. Zwar lehnte es den Abschluß eines Sonderfriedens ab, doch erklärte es gleichzeitig feine Bereitschaft zu weiteren geheimen (!) Verhandlungen, die zu einem allgemeinen Frieden führen sollten. Oeffentlich weigerte sich die öfter-
Nus tritt Sonötriritdtnsllngtbtt an SeflmM
Stellt MttnvtröfftnUlchims dts amerikanischen ötaats-evariements — Siviomattsche SchachMe gesen SerrtWau-
rD* ine Monarchie nicht zerstückelt würde. In die- ”fcm Hinweis erblickten nun Präsident Wilson
>aß ein Ausscheiden Oesterreich-Ungarns aus t der Kampffront der Mittelmächte den Blockade- iTfj flürtel um Deutschland lockern und stelien- köl Deife sogar zerbrechen würde. Ueberdies ver- >ch< trat er die schon damals zweifellos richtige Lnficht, daß die Donaumonarchie in militäri-
lcgenheit Penfield unumwunden erklärt haben, Mil Oesterreich bereit sei, einen Frieden ohne , i Cieger und Besiegte zu schließen, sofern nur
tonalen Unverletzbarkeit, in Aussicht gestellt worden waren, lediglich an der Unentschlossenheit und Gewistensnot Oesterreichs. Trotz der franzosenfreundlichen Strömungen am Habs- Burger Hofe, die ja nach dem am 21. Novem- S . ber 1916 erfolgten Ableben Kaiser Franz ” Josephs zweifellos stärker als zuvor in Erscheinung traten, wagte man es damals noch
ba= UN- mit
scher .Einsicht für Deutfchlanb eher eine Bürde AH als Hilfe darstellte. Nachdem er jedoch die ran Angelegenheit mit den Mitgliedern des eng- nf l'toen Kabinetts und der Heeresleitung be- caj prochen hatte, erklärte er sich schließlich
ihit einverstanden, daß Washington diese mittelbaren Sonderfriedensverhandlungen Oesterreich weiterführte.
Am 27. Februar 1917 meldete Penfield aus Bien, daß Oesterreich zwar noch unentschlos-
stn wäre, aber den amerikanischen Vorschlag le» ernsthaft in Erwägung zöge. Am 3. März beeid toftragte ihn Lansing, den Grafen Czernin l e tvvon zu überzeugen, daß es tatsächlich für Ut Oesterreich am besten fei, diese vielleicht nie •Bot wiederkehrende Gelegenheit, einen günstigen Ro| Weben zu erhalten, ohne Rücksicht auf andere an Berpflid)hingen zu ergreifen.
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■ächte, das von den Gegnern nur als Zei-
;n der Schwäche ausgelegt wurde, cm Wil-
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■e Einigung auf mittlerer Linie der Höchst
en beweijen das Gegentell. „Die Deut-
(Orff, irrte sich damals gewaltig, als er “übte, Wilson habe im Begriff gestanden,
rmafjen in der Luft, seitdem Graf Tisza
■r Welt verraten hatte, die von neutraler
Daß Amerika bereits Anfang 1917 zum “»tritt in den Weltkrieg bereit war, bestäti-
® abging, ließ Bethmann-Hollweg derart die ügel schleifen, daß Oesterreich sich damals tat» ■chlich die diplomatische Führung des Pier-
chliö ""des anmaßen konnte. Auf das Angebot Di Mittelmächte folgte der zu spät abgesandte avd liedensappell Wilsons, begleitet von den Del ■ iberischen Antworten der Entente und dem ,attt »genschweren Entschluß Deutschlands, mit tnd Em uneingeschränkten Ubootkrieg zu begin- entif fn'
„et Gerungen zwischen den kämpfenden Mächte- qc# Rippen herbeizuführen, als wir ihn uns durch ufil m verschärften Ubootkrieg verfeindet und .iijt* damit einen Frieden ohne Sieger und Be- ibv» ^ie verscherzt hätten. Die amerikanischen
•iten beweisen das Gsaenteil ..Dip D»»1-
d-'^e . aus geförderten Friedensbestrebungen dCi »en österreichischen Ursprungs. Als im De- bels tm^er das Friedensangebot der Mittel-
»ig zuversichtlich beurteilt. Der Gedanke, legH desterreich-Ungarn von Deutschland durch a|tti lEonderfriedensgebote loszulösen, lag geroif»
Sn Wien war man ratlos. Die militärische 1I^BefamtIage des soeben abgelaufenen dritten i»r'e36ia$res rour‘3e dort entsprechend der An- Wit 8er deutschen obersten Heeresleitung, „ben ha trie0 du ch militärische Schläge der Land- kere nicht zu Ende bringen zu können'
iftat bie jungst veröffentlichten Akten des ame- . hu panischen Staatsdepartements. Der deutsche ’ De ivtschaster in Washington, Graf Sern»
rung von Cypern zur Ruhe gemahnt. Der hauptsächlich von den Kirchenführern unterstützte Widerstand gegen die englische Vorherrschaft ist damit jedoch nicht beendet.
Blick in sie Zukunft
Bo» Will Selm
Die Geschäfte der Wahrsagerinnen blühen, wachsen und gedeihen. Noch niemals find soviel Gläubige zu ihnen geflüchtet, die schnell mal einen Blick in die Zukunft tun wollen. Jeder von uns hat (eingestanden oder uneingestanden) Angst vor dem Morgen, dem Uebermorgen. Und um diese Angst endlich los zu werden, wandern sie alle hinaus zur modernen Pythia, um sich — gegen angemessene Entschädigung natürlich — „wahrsagen" zu lasten.
Nicht nur die Sklareks haben ihre „Haus-Wahrsagerin" gehabt und täglich befragt. Sondern es gibt heute noch in Berlin eine Menge von Bankdirektoren, Kaufleute, Spekulanten, die mindestens einmal in der Woche ihren Hellseher, ihre Kartenlegerin, ihren Handliniendeuter aufsuchen. Der Besuch von Wahrsagerinnen ist zu einer Seuche geworden in Berlin. Und dieser Seuche bin auch ich fetzt er- egen. Vier von ihnen habe ich ausge- ücht, habe alle vier befragt, wie meine Zukunft sich gestalten werde. Hier sind die Antworten:
Nr. 1.
Luxuswohnung im Berliner Westen, Wartezimmer, schneeweiß gekleidete Emp- ängsdame, vorgedruckte Fragebogen: „Wer find Sie, was wollen Sie wisten, wo wohnen Sie?" Dann öffnet sich — nach endlosem Warten — die Flügeltür, eine ältere Dame, die einmal schlechtere Zeiten gesehen haben dürste, fitzt an einem riefigen Schreibtisch:
„Sie find geboren unter dem Zeichen des Glücks! Es kann Ihnen nichts fehl schlagen. Sie werden berühmt und geachtet werden. Sorgen Sie sich nicht um Ihre Kinder (ich habe gar keine!), fie werden gesund bleiben! Eine Reise werden Sie machen, doch glücklich zurückkehren. — Die Liquidation beträgt 10 Mark!"
Rr. 2.
Berlin-Zentrum, Geschäftsviertel, vier Stock hoch. Bratenduft aus der Küche, Kindergeschrei aus der Rachbarwohnung, Pythia sieht schwarz:
„Ihre Handlinien--ich weiß nicht,
da ist ein Unheil im Wege!" Sie find auch nicht gesund und sollten nicht so viel rauchen! Daß Ihr Sohn gestorben ist, sollte Sie nicht verzweifeln lasten, Ihre Tochter wird leben (ich habe weder einen Sohn noch eine Tochter!). Sie find seßhaft, ja, Reisen lieben Sie nicht. Eine blonde Dame über'n kurzen Weg. Eine Krankheit, ein Brief, der Aufregungen bringt!"
Kostenpunkt: 6 Mark.
Nr. 3.
Berlin-Ost, Arbeiterviertel, Mietskasernen, dumpfe, winklige Wohnungen. Eine Großmutter starrt in eine große, bunte Glaskugel, sieht mich mißtrauisch an: „Die Konsulatton ist im voraus zu bezahlen" Ein Taler wechselt seinen Besitzer. „Danke!" Und dann:
„Nebel über Ihrem Weg, aber auch Sonne. Unglück über Ihrem Weg, aber auch Freude. Krankheit in der Zukunft, eine Hochzeit, Kindtanfe, Berufswechsel. Hüten Sie sich vor Reisen, von ihnen droht Unglück! Eine blonde Frau wird Ihren Weg kreuzen. Hüten Sie sich! Auf Wiedersehen?"
Nr. 4.
Ein Mann, kurz angebunden, knapp, sachlich:
„Ihre Frau wird vor Ihnen sterben ft' — „Ich bin nicht verheiratet!" — „So? Ra dann--geschieden?" — „Nein!"
— „Sie find Künstler, Schauspieler, werden große Erfolge haben!" — „Ich bin leider auch nicht Schauspieler?" — „So? Na, dann--ja, große Erfolge im Be
ruf! Vier Kinder viel Geld. Sie haben eine Erbschaft gemacht?" — „Leider nein!" — „So, ich glaubte! — Ich sehe einen Mann, der entscheidenden Einfluß auf ihr Leben haben wird. Eine brünette Frau. Eine kleine Reise. Alles unklar. Kommen Sie in vier Wochen wieder, dann wird Ihr Schicksal klarer geworden sein. Auf Wiedersehen?"
Also: Jetzt weiß ich'» ganz genau--
Fapan gibt nicht nach
Der japanische Botschafter in Paris. Poschizawa, wurde von dem französischen Außenminister Driand zu einer längeren Unterredung empfangen, in der Dttand mtt größter Entschiedenheit den Standpunkt des Völkerbundes gegen den japanischen Ein-! marsch in China und das weitere Vorrücke« der Truppen in der Mandschure: darlegte. Zapan aber denkt vorläufig nicht daran, nachWgeben, so daß die Gefahr eines all* gemeinen Krieges im Fernen Osten in un-, mittelbare Nähe gerückt ist.
Immer weiße Zähne teilen, dah wir schon über 15 Jahre bie Zahnpaste Chiorobont b» nutzen. Noch nie Hal ste uns enlläutzhi l Wir hatten Imme, weiße Zähne unb einen angenehmen Geschmack rm Mund«, umsomeh^ da wir schon Lagere Zeü bas CHIorodoM. Mundwasser benutzen. Auch benutzt die ganze Familie nur Chlorodonl. Zahnbürsten." aej. (L Chudoba, Fr... Man verimge nur bie echte CHIorobont. Zahnpaste, Tube H«. *nb SvU, und «eise jeden Ersatz dafür zurück.