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Anzeiger für (das frühere kurhessische) Oberhessen

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Marburg o. Laba

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Anzeiger der amtlichen Bekanntmachungen für Stadt und Kreis Marburg.

Die Thronrede im Unterhaus

Auch England leidet unter Versailles Die deutsche Kriegsschuld ist eine längst widerlegte Lüge

Qtuf den Tag, da der König im Hanse der Lords mit der Thronrede die Paria« ments, eröffnet, freut sich die Londoner Bevölkerung schon Wochen vorher. Immer wieder lockt das merkwürdige Zeremoniell bei der Fahrt des Königs durch die Stra« hen der Stadt dichte Zuschauermassen an. Auch diesmal waren die Straßen zwischen dem Buckinghampalast und dem Parla­mentsgebäude schon am frühen Morgen von neugierigen Menschen dicht besetzt. Ein feiner Regen sprühte vom Himmel. Die Menschenmassen, die gekommen waren, um ein militärisches Schauspiel sonder­gleichen zu erleben, störte das nicht. Die Londoner Polizei braucht nur selten Ab­sperrungen dorzunehmen. Aber am Tage der Fahrt des Königs nach dem Oberhaus stellte es sich immer als notwendig heraus, die enthusiastischen Zuschauer im Zaume zu halten. Der 'den Absperrungsmaßnahmen sind Gardegrenadiere in hohen Bärenfell* mützen den Bobbies behilflich. Baumlange Kerle mit einem abenteuerlichen Kvpf- aufputz versperren den aufgeregten Leuten den Weg. Auch die Fenster der um­liegenden Häuser sind mit Menschen dicht besetzt. Niemand will es versäumen, den König an diesem Tage zu sehen.

Damit das Warten dem ungeduldigen Volke nicht allzu schwer fällt, intonieren Militärkapellen lustige Weisen. Inzwischen erleben die Zuschauer, die sich in der Nähe des Parlamentsgebäudes postiert haben, die Auffahrt der fremden Äplomaten und der britischen Lords. Neben den prunk­vollen Uniformen der Oberhausmitglieder bunte Gewänder von exotischen Fürstlich­keiten. Mit gespannter Aufmerksamkeit verfolgt man die weiteren Vorgänge; die Ueberführung der britischen Krone, die in i einem vergoldeten Staatswagen nach dem St.-Iames-Palast gebracht wird, die Auf­fahrt des Londoner Lordmahors. Lange nach 11 Ahr, als der Sprühregen längst aufgehört hat, hört man lautes Nufen, das sich die Menschenreihen entlang fortpflanzt. Don Gardereitern umgeben erscheint die Rutsche des englischen Thronfolgers, des Prinzen von Wales. Der Märchenzug nimmt seinen Fortgang. Hinter berittenen Polizisten und einer Garde-Kavallerie- Lchwadron wird die prunkvolle Kutsche Georgs V. sichtbar. Die Schlohleibgarde in ihren mittelalterlichen Uniformen be­gleitet, mit Hellebarden bewaffnet, den Pmnkwagen des Königs. Während in der Ferne Salutschüsse losdröhneü, betritt das Rönigspaar die Stufen des Parlaments­gebäudes. Unter Vorantritt des Prinzen ton Wales schreitet das Königspaar dann in den gotischen Sitzungssaal. Auch für den Thronfolger ist, etwas abseits vom Königsthron, ein eigener Thron reserviert borden.

Anwesend sind natürlich alle Lords. , ehre Frauen sitzen mit blitzendem Ge­schmeide auf den Galerien und blicken stolz vrf die prunkvolle Versammlung herab. I Dom Unterhaus, das seine Rechte immer v wahren sucht, ist nach alter Tradition j®r eine Delegation zugegen. Aufmerksam Aschen die Boten des Volks der Thron- ^de des Königs. Mit wohllautender Stimme umreißt der König die künftigen «lfgaben des Parlaments: Vorberei- fcngen für die Abrüstungskonferenz, Wie­derherstellung des internationalen Handels, isstanzielle Stabilisierung, Vorbereitungen eine Reichskonferenz. Die britischen Parlamente beginnen wieder ihre Arbeit..

In seiner Thronrede erklärte der König:

Meine Beziehungen zu den auswärtigen Mächten sind nach wie vor freundschaft­lich. Meine Regierung beabsichtigt, sich wei­terhin

der Förderung des Friedens und der Verständigung

zu widmen, und tätigen Anteil an der Arbeit des Völkerbundes zu nehmen.

Insbesondere schenkt meine Regierung den Vorbereitungen für

die bevorstehende Abrüstungskonferenz große Aufmerksamkeit, und ich bin überzeugt, daß ein glückliches Ergebnis dieser Konferenz großen Nutzen für die ganze Welt

I stiften würde. Die ernste Finanz- und Wirt­schaftslage der Welt bildet eine schwere Sorge meiner Regierung, die ihr Möglichstes tun

I wird, um mit den anderen Regierungen

im Geiste gegenseitiger Hilfsbereitschaft

die Mittel zur Wiederherstellung des früheren Umfanges des. internationalen. Handels, zu finden. Die Indische Konferenz am Runden . Tisch setzt ihre Arbeiten fort, und die Konfe­renz mit den Vertretern von Birma wird demnächst zusammentreten. Es ist mein sehn­lichster Wunsch, daß die Beratungen dieser zwei Konferenzen von Erfolg gekrönt werden. Entsprechend dem den Vertretern meiner Do­minions im Jahre 1930 gegebenen Versprechen werden dem Parlament Maßnahmen zur ge-

So ulkt in England die neue MnlMkioie les Parlaments eröffnet

Einzug des königlichen Wagens durch das Spalier der Garde ins Parlamenksgebäude.

Die Eröffnung des Parlaments bietet den schaulustigen Engländern jedesmal ein Bild höchsten Glanzes. Der Einzug des Königs in das Parlament, bei dem für jeden Schritt ein genaues Zeremoniell vorgeschrieben ist, dauert meist länger als die ganze erste Sitzung, bei der der König nur wenige Worte zu sprechen hat.

Der erste Tag der Wirtschastsverhandlungen

Berlin, 10. Nov. Nachdem der Vor­mittag durch die Verhandlungen des ersten Ausschusses ausgefüllt war, hat heute nachmittag und abend der Aus­schuß II des Wirtschaftsbeirates getagt, der sich mit den Kredit- und Zins- fragen beschäftigt. Auch in. diesem Aus­schuß hat der Kanzler mit einführenden Worten die Aufgaben umrisien, um die es geht. Im ganzen läßt sich der erste Tag in den Verhandlungen beider Ausschüsse dahin zusammenfasien, daß die Eeneral- diskusfion der Plenarsitzungen fortgeführt wurde, aber nicht in dem breiteren Rah­men jener Verhandlungen, sondern in der Begrenzung auf die besonderen Probleme, die den beiden Ausschüssen gestellt sind.

Nach der heutigen Aussprache wird .man morgen vielleicht schon zu den einzelnen Punkten kommen, die die Reichsregierung den Ausschüßen in ihren Leitsätzen zur Be­arbeitung vorgezeichnet hat. Der erste Ausschuß wird am Mittwoch wieder vor­

mittags, der zweite nachmittags zusammen­treten. Zunächst ist beabsichtigt, die Be­ratungen auch am Donnerstag fortzu­führen, um eine Pause von einer Woche einzulegen. Die Verhandlungen würden dann also am Donnerstag nächster Woche fortgehen und auch noch am Freitag und Sonnabend andauern. Die Pause erklärt sich wohl aus rein technischen Gründen. Nur die wenigsten Mitglieder des Wirt­schaftsbeirates haben ihren Wohnsitz in Berlin. Sie müssen sich natürlich auch um ihre eigenen beruflichen Aufgaben küm­mern und deshalb hatte man wohl den Wunsch, den Sonnabend und den Montag sitzungsfrei zu lassen. Am Mittwoch näch­ster Woche ist außerdem Buß- und Bettag, sodaß der Lauf der Werktage ohnehin unterbrochen wird. Unter diesen Umstän­den wird es wohl für zweckmäßig gehalten, lieber eine Pause von einer Woche ein­zulegen.

schlichen Verankerung gewisser Erklärungen und Entschließungen der Reichskonferenzen von 1926 und 1930 vorgeschlagen werden. Diese Maßnahmen sollen die Befugnisse der Parlamente der Dominions klären und den Geist der freien Zusammenarbeit unter den Mitgliedern des britischen Gemeinwesens der Nationen fördern. Meine Regierung hat von der kanadischen Regierung den Vorschlag ent­gegengenommen, daß die im Jahre 1930 ver­tagte Wirtschaftskonferenz sobald wie. möglich nach Ottawa einberufen werden soll. Diese Einladung ist von meinen Ministern begrüßt worden und wird mit dem größten Wohl­wollen und dem dringenden Wunsche zur Her­beiführung einer gegenseitig vorteilhaften Verständigung mit den Regierungen der Do­minions geprüft werden.

Zu den innerpolitischen Fragen übergehend, erklärte der König: Die Nation hat bei den allgemeinen Wahlen die Maßnahmen unter­stützt, die getroffen wurden, Ersparnisse zu erzielen und das Vudgetgleichgewicht wieder herzustellen. Dies waren die ersten wesent­lichen Maßnahmen bei der Lösung der wir- schaftlichen und finanziellen Probleme, die sich vor dem Lande erhoben. Die Nation ist auch von den Ministern aufgefordert worden, ihnen Vollmacht zur Fortsetzung einer Politik zu erteilen, deren Ziel es ist, das Vertrauen auf unsere finanzielle Stabilität aufs neue und vollkommen herzustellen und Pläne zur Sicherung einer günstigen Handesbilanz aus­zuarbeiten. Meine Minister haben jetzt ein klares positives Mandat in dieser Hinsicht er­halten. Die in Betracht kommenden Probleme werden bereits von der Regierung eingehend geprüft, und es werden in kürzester Frist Be­schlüsse gefaßt und durchgeführt werden. Ins­besondere werden dem Parlament zu gege­bener Zeit alle erforderlichen Vorlagen unter­breitet werden.

Die Aussprache.

Der Führer der Opposition, Lansbury, erklärte, daß im Jahre 1918 das Parlament einen Frieden gemacht hätte, der kein Frieden gewesen sei. Es war ein Frieden, so sagte er, der dem deutschen Volke die Schuld an dem großen Kriege aufbürdete. Wie aber jeder­mann weiß, ist das deutsche Volk nicht mehr verantwortlich als jedes andere, was ja klar aus den jetzt erschlossenen Tage­büchern der Staatsmänner, die den Krieg und den Frieden gemacht haben, hervorgeht. Wäre es für die Regierung jetzt nicht an der Zeit, jedes Andenken an den Krieg dadurch auszu­löschen, daß alle Wiedergutmachungen und Reparationen in der ganzen Welt ausge­strichen würden? Lansbury meinte, daß ein solcher Schritt, heute getan, rasch zur Gesun­dung der Welt beitragen müßte; dann werde die Welt ernten, was sie gesät hat, genau so wie sie jetzt erntet, was sie 1919 und 1920 ge­sät hat.

Macdonald erklärte u. a., die Regie­rung wünsche eine Atempause, um sich der neuen Weltlage anpassen zu können. So wahr ich hier stehe, sagte Macdonald, sage ich. daß, solange menschlicher Wille der 3Belt .uns natürliche wirtschaftliche Bedingungen auf­erlegt, die Welt niemals Erfolg haben kann. Es ist unmöglich, gleichzeitig hohe Zolltarife einzuführen und zu bestimmen, daß gewisse Meng«, von Gold von einer Nation an die andere überführt werden. Diese Art von Wirt­schaft ist verrückt. Sie muß notwendigerweise mit der Verarmung der Nation enden, die das Gold zu bezahlen hat, muß aber letzten Endes auch die Nation treffen, die das Gold erhält. Bevor die Well sich wirklich erholen könne, müsse man die vollkommen verkehrte Wirt­schaftspolitik, die seit dem Jahre 1918 verfolgt worden sei, gänzlich umstoßen. Aus diesem Grunde müsse England an den notwendigen zwischenstaatlichen Verhandlungen teilnehmen. Er messe dem Besuch Lavals bei Hoover die