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Montag,

»en 9. No». 1931

Ut ,Ober-«sfis-t Zrttrmz" et- sechsmal WSchmkltch. De- ^preiS monatlich 2.20GM.au<- »lleßl. ZuslellungSgebübi, durch

P,st 2.45 GM Für etwa durch Melk, MaschinendefekI ober ele- -pttatt Ereignisse ausfallend« l^gntttn wird kein Ersa» at* * yfKt Verlag, Dr. 5 Hideroch» der Unib-Buchdru«kerel ätui Aug- Koch. Markt 21/23. S(nft>te' t: Nr. 54 und Nr. 55. Lstscheckkonto: Amt Frankfurt k<R. 991. 5015. Sprechzeit l «t -iedaktion bett 1011 Und /.l1 Udr.

MarSmwtt rastsünZeiser

Sessjfche Lanreszeitms

M.M rs.Wre.

Marburg a. Laba

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Anzeiger für (das frühere kurhessische) Oberheffen

Anzeiger der amtlichen Bekanntmachungen für Stadt und Kreis Marburg.

Der Nachfolger Höpker-Afchoffs

. Der Präsident der Preutzenkasse, Otto Klepper, zum Finanzminister in Preußen ernannt

Parteidiktatur

Großes Mißtrauen

Berlin, 7. Noo. Der Amtliche Pren- ische Pressedienst teilt mit: Der Preußische kinisterpräfident Dr. Braun hat ans rund des Artikels 45 der Preußischen erfassung den Präsidenten der Preußischen mtralgenosienschaftskasse (Preußenkasie), Ao Klepper» zum Finanzminister er- «nnt.

*

Zur Ernennung des bisherigen Präsidenten rr Preußenkasse Dr. Otto Klepper zum preu- schen Finanzminisier nehmen die Berliner Hatter ausführlich Stellung. Die6et> lania meint, man hätte sich sehr gewun- irt, wenn Höpker-Aschoff wieder beauftragt orden wäre, da Höpker-Aschoff durch seine Schst eigene Initiative aus dem preußischen inanzministerium ausgeschieden sei, und weist nauf hin, daß Klepper schon bisher als Prä- dent der Preußenkasse einen guten Ruf ge­übt habe. DieD. A. Z." weist darauf hin, die Preußenkassenpolitik Kleppers heftig mkampft und von der Rechten, besonders on der Landwirtschaft, immer rote« et aufs schärfste angegriffen war­en sei. Durch seinen Eintritt in das Kabi- ett habe sich dessen Kampfcharakter zweifel- K verschärft. Der ..Demokratische Zei- llngsdienst" schreibt nach den Berliner Hüttern über die Vorgänge, die zur Erneu­ung Kleppers führten, u. a die Ernennung li insofern überraschend gekommen, als Mi- isterpräsident Braun mit Höpker-Aschoff roe- en seiner Wiederernennung zum Finanzmini- < tr bis in die letzten Tage dauernd in Füh- j mg gewesen sei. Höpker-Aschoff wäre zu iner Aussprache mit Ministerpräsident Braun in Sonnabend morgen in Berlin eingetroffen. !ie Aussprache hätte aber nicht stattgefun- en, sondern jn den Mittagsstunden wäre die htennung Kleppers erfolgt. An Klepper »re überhaupt nicht mehr gedacht gewesen, mn hätte vielmehr, falls man sich mit Höp- er-Aschoff nicht einigen könnte, an Dr. We­ir, früheren Staatssekretär im preußischen inanzministerium. gedacht. Zentrum und So- aldemokraten hätten gegen Höpker-Aschoff Heilung genommen.

Schon ehe Höpker-Aschoff zurückgetreten war, hätte die sozialdemokratische Land- i tagssraktion bei Klepper sondiert, ob er bas Finanzministerium übernehmen würde.

Sie .,B örs e n z e i tun g" schreibt, Klepper i >be bereits als Leiter der Preußenkasie fein i Lglichstes getan, um über seine eindeutige

»heorientierte Gesinnung keinen Zweifel auf» mimen zu laffen. Er gelte als erklärter Und des Großgrundbesitzes. Die ,,D e u t f ch e ageszeitung' betont, daß sie dem neuen inanzminister angesichts seiner bisherigen Tätigung mit recht starken Vorbehalten ge- mübertrete. DerBörsen-Courier" stritt die Auffassung, daß seine unsentimen- üe, rein kaufmännische Art des Denkens und ^ne entschiedene Sparsamkeitspolitik ihn als eigneten Nachfolger Höpker-Afchoffs erschei­nt ließen, dessen Ausscheiden trotz allem be- vierlich sei. DasBerliner Tage« *at t schreibt, Kleppers Eintritt in das Sußjsche Kabinett sei in jedem Fall ein Dor« ä, weil in ihm eine lebendige Kraft hinzu- °mme, die gerade in diesen Monaten rocrt« ß fein könne. DieSoff- 3 t g." hebt her- ,r, daß Ministerpräsident Braun mit der khl Kleppers sicher einen guten Griff ge- 81 habe, und bemerkt abschließend über die «rgeschichte, daß auf jeden Fall mit dem Aus- «iden Höpker-Afchoffs aus feinem Amt das 'behagliche Empfinden verknüpft bleibe, daß et eine wichtige Entscheidung durch Ge- ^tspunkte beeinflußt worden fei, die ihrer

nicht würdig gewesen seien. DerVor­wärts" sagt, der preußische Ministerpräsident habe sich durch die Berufung Kleppers die Mitarbeit eines sehr energischen finanz- und bankpolitisch erfahrenen und vor allem von Interessenten unabhängigen Ministers ge- sichert. DerTag" schreibt, man müsse be­zweifeln, ob der Vertrauensmann Brauns ge­rade der richtige Sparfinanzminister für Preu­ßen fein werde. Schon bei der Aufstellung des neuen Haushalts werde er zu zeigen haben, welche politische Linie er zu befolgen gedenke. DieDeutsche Zeitung" sieht in der plötzlichen Ernennung Kleppers in erster Linie einen Gegenstoß gegen die Berufung Schlange- Schöningens zum Osthilfekommissar, da Klep­per schon in der Preußenkasie aus seiner Geg­nerschaft gegen den Großgrundbesitz des Ostens keinen Hehl gemacht habe.

Der deutschnationale Parteiführer Dr. Hü­ll e n b e r g sprach Sonnabend abenb_ in einet großen Versammlung in Gießen anläßlich der hessischen Wahlen. Dr. Hugenberg wandte sich zunächst gegen die Ausführungen Brünings vor dem Reichsparteiausschuß des Zentrums. Herr Brüning, sagte er, fordert mit Vorliebe Vertrauen. Er beansprucht eine gewiße Unfehlbarkeit. Die bisherigen Leistun­gen seiner Regierung berechtigen leider nicht zu solchen Forderungen Auch in der erwähnten Rede hat er nicht den Weg gezeigt, den man seit Monaten von dem leitenden Staatsmann erwartet, den Weg zur Behebung der täglich gesteigerten Rot, der immer mehr um sich grei­fenden Leichenstarre der Wirtschaft.

Es fördert auch nicht das Vertrauen, wenn wichtige politische Reden in zwei F ass u n gen ausgegeben werden. Wenn ein Reichs­kanzler sich in parteipolitischen Angriffen ge­gen eine ihm unbequeme Partei ergeht, wie er dies nach dem Bericht des ihm nahestehen­den Blattes ,,Der Deutsche" uns gegenüber getan hat, so muß nicht nur verlangt werden, daß er zu seinen Worten steht, sondern es muß mit aller Deutlichkeit gefordert werden, daß er seine Angriffe nicht in Form dunkler An­deutungen führt. Ich bin nicht durch ein ganzes Gehege von Republikschutzgesetzen und Notverordnungsparagraphen geschützt wie der Herr Reichskanzler. Aber ich vertrete in aller Oeffentlichkeit das. was ich an kritischen Be­merkungen gegen politische Gegner in irgend­einem Dersammlungskreise gesagt habe.

Dr. Hugenberg fuhr dann fort: Ich sage absichtlich in meiner Kundgebung zur Hessen­wahlNiemand in Deutschiand übertrifft uns Deutschnationale im Ernste und in der Lei­denschaft unseres nationalen Willens und in der klaren Erkenntnis des vor uns liegenden schweren nationalen Weges." Denn davon, daß sie das von uns sagen können, hängt nach­gerade die Daseinsberechtigung deutscher Par­teien ab.

* Wir Deutschnationalen haben es durch die Tat in den kritischen und entscheidungsvollen Stunden bewiesen, als wir gegen eine Welt von Gegnern zum Kampfe gegen den verderblichen Poung-Plan auftie­fen. Wir find es gewesen, die im Augenblick höchster Krisis den Ausschlag für die Relchs- tagsauflöfung gaben, die zur Wahl vom 14. September 1930 führte. Während des seitdem verstrichenen Jahres haben wir in voller Ge­schlossenheit und Zielsicherheit gezeigt, daß wir im Grunde eine neue junger Partei find, die mit den bürgerlichen Schwächen der Jahre 19241928 nicht das mindeste zu tun hat.

Wenn unser Kleid das einfache Alltagskleid ist. wenn wir unsere Arbeit in Schlichtheit,

Wenn man nach den Ereignissen gehen -toiH, die sich hinter den Kulissen der Braun-Diktatur in Preußen abgespielt ha­ben und von denen im Lauf der letzten Wochen nur ab und $u ein Wetterleuchten an die Oefsentlichkett drang, so muh man recht düster in die Zukunft der Herrschaft der Weimarer Koalition im größten deut­schen Staat blicken. Schon der Rücktritt des demokratischen Finanzministers Dr. Hoepker-Aschoff, des langjährigen Mitarbeiters und, wie man wissen wollte, des besonderen Vertrauten des Minister­präsidenten, war mit Umständen verknüpft, die es gestatteten, in die glatte und rei- bungslose Zusammenarbeit der drei preu­ßischen Regierungsparteien einige Zweifel zu sehen. Man weiß, daß Hoepker-Aschoff, als Finanzfachmann auch weit über ine

Einfachheit und Prunklosigkeit tun, wenn wir in diesem Sinne die Puritaner der nationalen Bewegung ober die Grauröcke des politischen Feldkrieges find, so sehen wir und mit uns ein steigender Teil des deutschen Volkes das in diesen trüben ersten Zeiten nicht als Man­gel, sondern als Vorzug an. Wenn daraus je­mand folgern wollte, unser nationaler Wille, unsere Kraft und Begeisterungsfähigkeit, stän­den hinter der irgendeines anderen zurück, so müßten wir uns das ernstlich und mit Worten derbitten, die jeden Widerstand ersticken wür­den. Daran wird sich bei allem, was etwa in Zullmft geschieht, nichts ändern.

Weiter habe ich betont, daß wir nicht So­zialisten, aber wedersozialreaktionär" ein besonders beliebtes Schimpfwort noch In- flationisten sind. Offenbar fürchten die regie­renden Parteien sich vor derInflation", zu der ihr sozialistisches Schwergewicht sie hin­zieht. Vorbeugend suchen sie nach einem Sün­denbock und küren dazu ausgesucht den politi­schen Gegner, der feit vielen Monaten z. B. in meiner Januarrede im Sportpalast, bald darauf im Reichstage auf die Unterlas­sungssünden der Regierung und der Reichs­bank auf dem Gebiete der Währungsftagen hingewieien hat. Ich will es klipp und klar sagen: Unter einer von uns beeinflußten Rechtsregirung gibt es keine neue In­flation und keinen neuen Verlust der Sparkasseneinlagen.

Wenn man sich im Alter sein jugendliches Herz bewahrt hat bricht am Ende des Lebens­films das einfache jugendliche Gefühl, wenn ausgeklärt, wieder durch: Es gibt nur Eins, wofür gelebt zu haben ein gutes Gewissen hinterläßt das Volk. Das Volk aber ist im Grunde der Arbeiter jeder An Ihn nicht lieben, heißt sein Volk nicht lieben. Ihm nicht dienen heißt seinem Volke nicht dienen. Darum ist es wahr: eine Politik gegen das wirkliche Interesse der Arbeiterschaft treiben, heißt eine Kette von Verbrechen begehen. Aber bedeutet das etwa, daß nun eine marxistische eine sozialistische, eine gewerkschaftliche Po­litik wenigersozialrktionär'- sei? Daß Deutsch­land nicht mit den heutigen Gewerkschaften, sondern nur gegen sie zu retten ist, hat die Reichstagsabstirnrnung vom 18. Oki. gezeigt, bei der die nationale Opposition einem ge­schloßenen Ringe von Eewerkschaftsparteien gegenüberstand, zu denen sich seltsamer Weife die angeblichen Jnteresiengetreter des Mittel­standes. die Wirtschaftsparteiler, schlugen.

engen Kreise seiner eigenen Partei hin­aus geschätzt, zunächst im interfraktionellen Ausschuß der Regierungsparteien über­stimmt, dann aber auch vom Ministerrat desauvouiert wurde, als er sich in der Frage der Aufrückungssperre als unnach- giebig erwies. In der preußischen Rot- verordnung ist seinerzeit diese ÄufrückUngs- sperre für die Beamten verfügt worden, da der Finanzminister auf der Suche nach neuen Einnahmequellen bzw. nach neuen Sparmöglichkeiten keine andere Möglichkeit sah, den preußischen Haushalt auszuglei­chen. Run war zwischen Preußen und Reich verabredet worden, daß nach Mög­lichkeit eine weitgehende Aebereinstimmung in den zu treffenden Rotmahnahmen her­beigeführt werden sollte. Indessen hat sich das Reich späterhin aus anderen Gründen nicht an triefet Abrede halten können. In­folgedessen entstand für das preuhische S-taatsministerium die Frage, ob Preußen nunmehr von sich aus diese einseitige Maß­nahme durchführen wolle. Es erwies sich, daß das Desamtministerium die Einführung der Aufrückungssperre ablehnte, während lediglich Hoepker-Aschoff darauf bestand, da er eine anderweitige Sparmöglichkeit nicht sah. Dieser Gegensatz zwischen dem Finanzminister und dem Desamtministe- rhtm wurde damals als die Hauptursache für Hoepker-Aschosfs Rücktrittsbeschluß hingestellt.

Tatsächlich haben aber hinter den Ku­lissen bereits seit langem Stimmungen und Bersttmmungen mitgespielt, über deren Ausmaß man sich erst jetzt ein richtiges Bild machen kann. Es wäre offensichtlich im preußischen Winisterrat nicht zu einer derartigen Ueberspitzung der Gegensätze gekommen, wenn nicht seit langem von sozialdemokratischer, aber auch von Zen­trumsseite gegen Hoepker-Aschoff ein wah­res Kesseltreiben inszeniett worden wäre.

ES tft besonders reizvoll, daß auch bei diesem Intrigenspiel die Koalition Herl- mann-Heß in schöner Gemeinsamkeit ge­gen den Demokraten Dr. Hoepker-Aschoff auftrat, während sich dieser Interessenge­meinschaft die Demokraten entgegensetzten, die aber was besonders hervorzuheben ist auch den Ministerpräsidenten Otto Braun auf ihrer Seite hatten. Es ist aus der Geschichte der letzten Wochen bekannt, daß Braun Hoepker-Aschoff unter allen Umständen halten wollte. Zn den viel­fachen Pressemeldungen, die stetsKehrt Hoepker-Aschoff wieder?" 6etitelt waren, hieß es immer übereinsttmmend, daß Braun trotz aller Weigerung des ehemaligen Fi- nanzministers noch fest mit seiner Rückkehr ins Staatsministerium rechne. Als Braun in Ankona krank darniederlag, setzte er sich bereits mit Dr. Hoepker-Aschoff in Ver­bindung und suchte ihn zur Rückkehr zu veranlassen. Denn es ist bekannt, oah Hvepkers Rückttitt in der Abwesenheit Brauns erfolgte. Man glaubt auch aus dieser Tatsache den Schluß ziehen zu kön­nen, daß die Gegensätze zwischen Heil- mann-Heß auf der einen und Dr. Hoepker auf der anderen Seite sich so zugespitzt hät­ten, wenn Braun sofort die Möglichkeit zum Persönlichen Eingreifen gehabt hätte. Run wird bekannt, daß Hoepker in An­kona gegenüber Braun bestimmte Siche­rungen gegen eine Fortsetzung des In­trigenspiels der Heilmann-Heh verlangt hot. Die 'Angelegenheit mußte bis zur persönlichen Rückkehr Brauns in der Schwebe bleiben. Rach 'Berlin zurück- gekehrt, nahm Braun zunächst die Det- handlungen mit den Fraktionen aus, stteß

Hugenberg in Gießen

Keine Inflation unter einer Rechtsregierung