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Anzeiger für (das frühere knrhefsifche) Oberhesfen

Rr.rsL 66.3n6re.

Marburg n. 8ato

Der Anzeigenpreis betragt, für den 11 gespalt. Zeilenmillimeter 0.08 SM., sog. kleine An,eigen und Familienanzeigen bei Barzahlung 0.07 GM., amtl und answärlig« Anzeigen 0.10 GM. Grundschriftt §olon«I. Bei schwierigem Satz so­wie bei Platzborschrift SO0,« Auf­schlag. Sammelanzeige» 100*/» Aufschlag Reklam.-Millim. 0.40 GM. Grundschrift, Petit. Jeder Rabatt gilt als Barrabatt. Ziel 5 Lage. Offertrn-Gebühr: 25 Pfg.. bei Zustellung der Angebote einschl. Porto.60 GM. Belege werden berechnet. Erfüllungsort Marburg.

Anzeiger der amtlichen Bekanntmachungen für Stadt und Kreis Marburg.

Deutschland soll weiter bezahlen

Und auf eine Revision des Schandvertrags von Versailles und eine Erwähnung der Korridorfrage verzichten

Die Pläne Lavals

Zwischenhändler Hilferding

Botschafter v. Ho e sch stattete gestern nachmittag in Verfolg der am Dienstag eingeleiteten Aussprache Ministerpräsident Laval einen Besuch ab. Im Anschlug daran »erhandelte er auf Veranlassung Lavals eingehend mit Finanzminister Flandin.

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Gelegentlich der Wiedergabe der ameri­kanischen Ansicht zu dem neuen englischen Kabinett meldet der Washingtoner Korre­spondent derTime s", datz die amerika­nische Polittk sich mit ihrer passiven Rolle abgefunden habe, die schon bei den Hoover-Laval-Verhandlungen zum Ausdruck kam.

Laval habe in einer seiner Unter­redungen, die er in Washington allerdings nicht mit Hoover hatte, ganz offen seiner Ansicht Ausdruck gegeben, sich von Deutschland die Zusicherung geben z» lasten, daß es alle Bemühungen zur Aenderung des Friedens­vertrages von Versailles ein- ftellen und die Frage des polnischen Korridors eine bestimmte Anzahl von Jahren nicht anrühren werde.

Diejenigen Amerikaner, denen der In­halt und die Natur dieser Unterhaltung bekannt geworden seien, hegten die ernstesten Besorgnisse für die Zukunft. Sie seien zu Recht oder zu Unrecht darauf gefaßt, daß Frankreich das Ansehen der Brüning-Regierung beim deutschen Volke untergraben wolle, was ernste Folge haben könne. Sicher sei jedenfalls, daß Amerika keine weiteren Schritte auf wirtschaftlichem Gebiete tun werde.

Das Hoooerjabr werde ohne Nach­folger bleiben

und Amerika werde keinen Beitrag zur Organisation des Weltfriedens in Form einer öffentlichen Uebernahme von Ver­antwortlichkeit mehr liefern. Europa müsse ohne amerikanische Hilfe einen Weg aus seinen Röten finden.

Angesichts der mancherlei Schwierigkei­ten, mit denen H o o v e r zu kämpfen habe und die ihm die Hände bänden, wachse die Bedeutung der englischen Politik, und alles hänge von ver Tat­kraft und der Fähigkeit des englischen Ka­binetts ab, das diese Politik zu leiten habe.

Der Besuch v. Hoeich bei Laval und Flandin.

Der Besuch des Botschafters v. H o e s ch bei Laval und Flandin am Freitag war nur von recht kurzer Dauer. Der deutsche Botschafter hat im Auftrag seiner Regierung um eraänzende Auskünfte gebeten. In der Pariser Preste wird her» vorgehoben, daß die Auslegung des Ar­tikels 119 des Poungplanes den Hauptgegenftand der Unterredung gebildet habe. Deutscherseits sei man sich darüber klar geworden, daß eine Einbe­rufung des Prüfungsausschusses nicht Mehr zu umaehen sei. Man versuche daher die Befugniste dieses Ausschußes dahin auszudehnen, daß er die gesamte Zah­lungsfähigkeit Deutschlands unter Einschluß der kurzfristigen Kredite prüft.

Französischerseits stehe man dagegen auf dem Standpunkt, daß die Repa­rationen auf keinen Fall mit den Pri­

vatschulden des Reiches verbunden oder auch nur zusammengebracht wer­den dürften.

Trotz der augenblicklichen Meinungsver­schiedenheiten zwischen den beiden Regie­rungen rechnet man mit der bevorstehen­den Einberufung des Ausschußes, da als letzte Möglichkeit immer noch der Weg offen stehe, die Regelung der Angelegen­heit an die Gläubiger-Regierungen zurück­zuverweisen.

Die Unterredung, die der deutsche Bot­schafter mit Finanzminister Flandin hatte, bezog sich in erster Linie auf die Folgen, die die Wiederaufnahme des Boungvlnnes haben werde, das heißt darauf, in welcher Weise sich die Zahlungen vollziehen wer­den und die Transferierung gedacht ist.

Am Donnerstag wurde aus Pans mit- geteilt, daß Finanzminister Flandin den früheren sozialdemokratischen Reichsfinanz- minister Dr.-Hilferding empfangen habe, und derVorwärts" meldet in seiner Freitag-Morgenausgabe, daß Hil­ferding in Begleitung des sozialistischen Kammerabgeordneten Grumbach auch von Ministerpräsident Laval empfangen wurde. Die Unterhaltung habe sich auf die Fi­nanz- und Wirtschaftslage Deutschlands bezogen.

GS gab eine Zeit in Deutschland und sie liegt noch nicht so weit zurück, in der der sozialdemokratische Abg. Breit- scheid in der deutschen Außenpolitik hin­ter den Kulissen eine außerordentlich wich- tige Rolle spielte. Vor jeder außen­politischen Aktion von einiger Bedeutung

Die Kämpfe in der Mandschurei

Ein Angriff aus Versehen?

BM

Mit

Karte der Mandschurei. General Blücher,

der Führer der Sowjetarmeen im Fernen Osten ist plötzlich zur chinesischen Grenze abaereist. Diese Relle wird als Beginn einer russischen Jntereßennahme an dem chinesisch-japanischen

Krieg gedeutet.

An dem Nonni-F' im Norden der Mandschurei ist es zu dem ernstesten Zu'ammenstoß zwi­schen javanischen und chinesischen Truppen seit Beginn des javanischen Einmarsches gekommen.

ff. Tokio, 7. Nov. Die neuesten Nach­richten über die militärische Lage der Nord­mandlchurei lauten etwas zuversichtlicher. Die Kämpfe sind eingestellt. Die japa­nischen Truppen haben nach einer Bekannt­machung des Kriegsministeriums den Be­fehl erhalten, nicht über Tanchi (12 Kilome­ter nördlich vom Noimifluß) vorzugehen. Das Krieasmiullterium gibt ferner bekamrt, daß die Truppen nach der Besetzung von Ta- shing von einer Verfolgung der sich ht der Richtung auf Anganchi zurückziehenden chine­sischen Truppen abgesehen haben. Da die Kämpfe am Nounifluß gewaltiger gewesen waren, als man angenommen hatte, wurden gestern morgen eiligst Verstärkungen von Changhun m Mattch gesetzt. Diese Verstär­kungen sind nunmehr auf die Nachricht von der Einstellung der Feindseligketten hm un­terwegs angehallen worden. Die gestrigen Gefechte scheinen, wie derTimes"-Kor- reipondeut meldet, auf em Mißverständnis zurückzuführen zu sein, General Ma hatte sich nämlich bereit erllärt, seine Truppen 10 KÜo- meter zurückzunehmen und sandte seinen Ad­jutanten mit einem entsprechenden Befehl zu dem betreffenden Unterführer, einem vom Militärgouverneur von Heituugkiang einge­setzten entschlossenen Offizier. Ungeachtet die­ser Umstände hielt es General Ma nicht

für nötig, den Befehl schrlltllch zu übermit­teln. Der Kommandant des Ahlchnittes wei- gette sich aber, die mündliche Instruktion entgegen zu nehmen. In Unkenntnis dieser Sachlage rückten die Japaner vor.

DasDurchschnittsalter" der neuen englischen Minister 56 Jahre.

London, 6. Nov. Die neuen englllchm Kabinettsmitglieder haben ein Durchschnitts­alter von 56 Jahren im Vergleich zu 59 Jahren der letzten Arbeiter-Regierung und zu 57 Jahren der letzten Baldwin-Regierung. Im neuen Kabinett sitzen 14 Anhänger einer Schutzzoll-Politik, vier Freihändler und zwei Minister, deren Haltung in der Zollfrage zwettelhast ist.

Politische Zusammenstöße in London.

fl. London, 7. Nov. Bei einer Fa­schistenoersammlung in einem Arbeiterviertel Londons kam es gestern abend zu Zusammen­stößen zwilchen Schwarzhemden und kommu­nistischen Arbeitern, die den Redner durch Rufe am Sprechen hindern wollten. Meh­rere Personen trugen Verletzungen davon. Die Polizei war zum Einschreiten gezwungen und nahm einige Verhaftungen vor.

pflegte nämlich Herr Dreitscheib nach Pa-, dis zu reisen, um sich dort mit seinen Freunden zu beraten und sodann durch de- ren Vermittlung sich auch mit den verant-» wottlichen Persönlichkeiten des sranzösi- scheu Kabinetts in Verbindung zu sehen. Was dem einen recht ist, das ist dem an-, deren billig und was Genosse Breit­scheid in der Außenpolittk kann, das kann natürlich Genosse Hilferding erst recht, wenn es sich um Finanz-, Wittschafts- und Tributpolitik handelt. Dieser ehemalige Reichsfinanzminister, der seinen Rachfol- gern ein so unheilvolles Erbe zurückgelas­sen hat, daß Deutschland noch heute unter den Folgen seiner Mißwirtschaft schwer zu tragen hat, reist nun zur Tagung der 2. Internationale nach Paris und benutzt diese Gelegenheit, um sich bei Laval und Flandin den Anschein eines Vertreters Deutschlands, ja, vielleicht sogar seiner maßgeblichen Führer" zu geben. Die Reichsregierung ist der Oeffentlichkeit Auf­klärung schuldig, ob Hilferding von einer deutschen Stelle in Berlin beaufttagt wurde und ob er also befugt ist, Be­sprechungen mit Flandin und Laval ab­zuhalten. Denn die deutsche Oeffent­lichkeit ist überwiegend der Auffas­sung, daß die deutschen Interessen durch öerartige Zwischenträgereien nicht nur nicht gewahrt, sondern direkt ge­schädigt werden und daß die deutsche Sache in dem bevorstehenden harten Kampf mit den Franzosen um die Tribut- und Kredit­frage durch die Privatunterhandlungen des Herrn Hilferding nur verschlechtert wer­den kann. Es ist klar, daß die Franzosen aus den Unterhaltungen mit Hilferding ein Bild der deutschenVerständigungs­bereitschaft" gewinnen rnüsfen, auf Grund dessen es ihnen dann ein Leichtes sein wird, Deutschland die Schuld an jeder Ver­schlechterung der Verhandlungsaussicksten ohne weiteres zuzuschieben. Herr Hilfer­ding kann am wenigsten Deutschland einen Dienst erweisen, deshalb: wer hat ihn zu Verhandlungen ermächtigt.

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Was hat Dr. Brüning gesagt?

Berlin, 5. Nov. Der Start der großen Kanzlerrede vor dem Reichsausschuß der Zen­trumspartei ist für die Oeffentlichkeit am Donnerstag etwas verunglückt. Die Telegra- ben=Union und das Berliner Blatt der Christlichen Gewerkschaften,Der Deutsche", veröffentlichten diese Rede in ihrem wesent­lichen Inhalt, und von der TU. ist die Kan- lerrede in dieser Fassung auch an die deutsche Presse weitergegeben worden. Erst nachdem dieser Bericht abgedruckt war, wurde durch das halbamtliche Büro eine amtliche Ergän­zung der Rede verbreitet, die aber, wie es sich erwies, einige Stellen aus der ersten Fassung nicht mehr enthielt, obwohl sie dem Umfang nach weit ausfübrlicher war.

Was war geschehen? Der Reichskanzler hatte in seiner Rede bekantlich auch jene Wen­dung gebraucht, daß der seinerzeitige Opposi­tionsbeschluß der Deutschen Volksvartei Deutschland 220 Millionen Devisen gekostet habe, und er hat weiter der Deutschnationalen VolksparteiUnanständigkeit" in der politi­schen Kamptesweise vorgeworfen. In der zweiten, amtlichen Fassung der Rede fehlt aber jener erste Hinweis auf die Deutsche Volkspartei gänzlich, während die Aeußcrun« gen des Kanzlers über die TNVP. sich nur noch auf den Alldeutschen Verband beziehen, demUnnoblesse" vorgeworfen wird.

An Berliner zuständiger Stelle wurde am später Abend erklärt, daß der zweite, amt-