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Anzeiger für (das frühere knrhessifche) Oberheffen

Anzeiger der amtlichen Bekanntmachungen für Stadt und Kreis Marburg.

Der deutsch-französische Gegensatz

Schuldentilgung und Reparationen vor dem Neichskabinett Die gefährliche Taktik der Franzofen

Das Reichskabinett tagt

Was die Franzosen wollen

st.Berlin, 5. Aov. Reichskanzler Dr. 'Brüning hat am Mittwoch im Rahmen ter üblichen diplomatischen Empfänge den französischen Botschafter Francois Pon­cet empfangen und bei dieser Gelegenheit eine Aussprache über die zwischen Frank­reich und Deutschland schwebenden Fragen gehabt.

Lieber den Bericht des Botschafters von H o e s ch fand am Mittwoch eine M i - tlisterbefprechung statt, auf Grund deren der Reichskanzler in nächster Zeit die deutschen Botschafter und Gesandten empfangen und sie über den Verlauf der deutsch-französischen Auseinandersetzung Unterrichten dürfte.

Paris in Erwartung der ^rüning-Rede.

Die Pariser Blätter verfolgen fchr aufmerksam den Eindruck, den die französische Auffassung in der Reparations- und Schuldenfrage in politischen und ande­ren Kreisen des Reiches hervorqerufen bat und begrüßen es als einen ersten Erfolg, daß sich die Reichsregierung nach den Be­richten des deutschen Botschafters v. Hoesch darüber klar geworden sei, daß sie der Ein­berufung des Untersuchungsausschusses kei­nen Protest entgegensetzen könne. Man er­wartet für die Zukunft fedoch noch recht chwierige Verhandlungen, in denen die frage der deutschen Privatschulden eine »eiondere Rolle spielen dürfte. Der Ber- iner Berichterstatter desPetit Part­ien" erklärt, dast man deutscherseits dc- onderen Wert auf eine eingehende Prü- ung der Finanzen und der Wirtschaftslage ege, weil man dabei den Hintergedanken verfolge, dast der Priifungsausschusi zu recht vesfimistischen Feststellungen gelangt, die eine weitgehende Herabsetzung der Tribute zur Folge hätten.

Mit besonderem Jnteresie sieht man den heutigen Ausführungen des Reichskanzlers Brüning vor dem Patteiaucöcknlß des Zentrums entgegen. Im übrigen ist man überzeugt davon, daß der deutsche Botschafter auch bei seinem näcksiten Besuch dem französischen Ministervräüden- ten keine deutschen Vorschläge unterbreitet, sondern int Auftrag der Reichsreaieruna ergänzende Erläuterungen über verschiedene Punkte erbitten wird, die sich insbesondere auf die Machtbe­fugnisse des Prüfungsaus­schusses beziehen dürften.

Echo de Paris" erklärt, anscheinend stehe für Deutschland die Lage der kurz­fristigen Verschuldung an das Ausland und ein in Vorbereitung befindlicher deutscher Plan, der nach deutscher Ansicht die Zu­stimmung der ausländischen Banken finden dürfte, im Vordergrund der Betrachtung. Das heiße also, zunächst das Problem dex privaten Interessen . nzuschneiden. Die französischerseits gewünschte Vorgangs­weise dagegen stelle die Reparationen in den Vordergrund. Die französische Regie­rung stehe mit Recht auf dem Standpunkt, daß sie sich nach der öffentlichen Meinung in Frankreich richten müsie. Daher wolle ste sich nur innerhalb des rechtlichen Rah­mens des doungplanes halten. Man rate demgemäß Deutschland, sich zunächst ein­mal der französischen Ansicht anzuschließen, daß die privaten Jirteresien vor den Jn- tereffen der Gläubigerstaaten zurücktreten Müßten.

Der stellvertretende Vorsitzende des sow­jet-russischen obersten Dolkswittschaftsrates Piatakow ist in Berlin eingetroffen, um sich über die Frage des deutschen Ruß- landgeschäftes zu unterrichten.

Am 10. November dürften voraussichtlich die allgemeinen Richtlinien des Reichs­kanzlers für die Erwerbslosen-Siedlungen veröffentlicht werden. Es ist ein Hctlb- jahreSprvgmmm vorgesehen, daS mit der Schaffung von 20 000 Siedlerstellen und 30000 Kleingärten rechnet.

«St», 5. «ow Nachdem Ns Berlin^ Schiedsspruch für die Eemeindearbeiter von den Gewerkschaften abgelehnt worden ist, wer­den heute abend in Köln die Führer der Ge­werkschaften über weitere Maßnahmen Be­schluß fasten. Diese Beschlüste gelten für das ganze Reich Nach den voraufgegangcnen Be­ratungen besteht die Gefahr, daß für ver­schiedene Städte, die bestimmt werden sollen, Nr Streik in den kommunalen Betrieben proklamiert wird.

Gesetzliches Verbot Ns ZugaNwesens?

Berlin, 4. Nov. Als erster der zahl­reichen Reichstagsausschüsse, die während der Wmterpause des Reichstages zuiammentreten werde, versammelte sich am Mittwoch der Volkswirtschaftliche Ausschuß, um zunächst die Anträge über das Zugabewesen zu beraten.

Der neue Reichsfustizminister Dr. Joel war zu der Sitzung persönlich erschienen und erklärte, daß der Entwurf eines Gesetzes über die Gewährung von Zugaben zu Waren oder Leistungen bereits im Kabinett verabschiedet worden sei und sofort dem Reichsrat zugelei­tet werden würde. Außerdem sei beabsich­tigt, dieses Gesetz im Reichsanzeiger auch beschleunigt zu veröffentlichen. Im Hinblick auf diese Sachlage bat der Minister den Aus­schuß, von der Beratung der vorliegenden Anträge abzusehen, da ja der vorbereitete Entwurf die ganze Materie gesetzestechnisch zusammenfaßt.

Der Ausschuß beschloß daraufhin, die An- ttäge über das Zugabewesen von seiner Tagesordnung abzusetzen. Er beschäftigte sich weiter mit Betitionen.

Von OlNnlmrg-Januschau erkrankt.

Mainz, 4. Nov. Mittwoch abend spra­chen in der Mainzer Stadthalle in einer gut besuchten deutschnationalen Wahlversammlung der Reichstagsabgeordnete von Olden- burg-Januschau und der Abgeordnete Steuer-Kassel. Herr v. Oldenburg war in Mainz erschienen, obwohl ihm ärztlicher- setts dringend von der Reise abgeraten war. Da sich sein Befinden verschlechtette, mußte er die Versammlung vorzeitig verlassen, um sich in eine Klinik zu begeben. Abg. Steuer richtete seine Ausführungen vor allem gegen das Zentrum.

Arbeit dvrch die Reichsbahn.

Berlin, 4. Nov. Wie wir erfahren, haben in der letzten Woche zwischen dem Reichsfinanzminister, dem Reichsverkehrs­minister und dem Generaldirektor oer Reichsbahn Besprechungen stattgesunden, die auf ein zusätzliches Arbeitsbeschaf­fungsprogramm der Reichsbahn abzielen. Man ist dabei übereingekommen, daß die Reichsbahn zusätzlich noch für etwa 250

Das Reichskabinettist gestern vor­mittag zur Beratung der schulden- und re- parationspolittschen Fragen zusammenge­treten. In politischen Kreisen nimmt man an, daß ihm nun bestimmte Vorschläge des Stillhalteausschusses im Wirtschaftsbeirat vorliegen, der bekannt­lich vorgestern abend zuletzt getagt hat, um auf Grund der inzwischen eingeholten stattstischen Unterlagen einen Tilgungsplan für die kurzfristigen Kredite zu entwerfen. Außerdem hat die Reichsregierung jetzt

Der Zweck dieses zusätzlichen Programms liegt natürlich darin, gerade jetzt, da mit dem schärferen Einsetzen des Winters ohnehin mit einer stärkeren Zunahme der Arbeitslosigkeit zu rechnen ist, den in Frage kommenden Wirtschaftszweigen zu helfen, und möglichst viele Arbeiter zu be­schäftigen. Diese Anstrengungen, der Reicksbahn für eine zusätzliche Arbeitsbe­schaffung sind umso höher anzuerkennen, als die Reichsbahn ohnehin jährlich für etwa 900 Millionen Aufträge heraus­gehen läßt.

Gegen die Zusammenlegung von Landkreisen.

Berlin, 4. Nov. Im preußischen Landtag hat die deutschnationale Fraktion eine Kleine Anfrage eingebracht, in der auf die Pressenachrichten hingewiesen wird, wonach der preußische Innenminister die Zusammenlegung zahlreicher Krells beabsichtige. Es wird erklärt, daß alle bürgerlichen Parteien die Staatsregierung wiederholt ersucht haben, von dieser ver­hängnisvollen Maßnahme Abstand zu nehmen. Wenn die Absicht des Innen­ministers mit dem Zwang zum Sparen begründet werde, so müsie sestgestellt wer­den, daß nicht nur keine Ersparnisie ein­treten werden, sondern im Gegenteil wesentliche Erhöhungen der Ausgaben. Das Staatsministerium wird gefragt, ob es bereit sei, den Innenminister anzu­weisen, von allen derartigen Absichten Abstand zu nehmen und verbindliche Er­klärungen nach dieser Richtung abzugeben, damit endlich eine Beruhigung in der Be­völkerung eintritt.

Die Hebung der bei Scapa Flow ver­senkten Kriegsschiffe wird eingestellt.

Time s" meldet, daß die Firma, die seit sieben Jahren damit beschäfttgt ist, die Schiffe der bei Scapa Flow versenkten deutschen Kriegsschiffe zu heben, die Ar­beiten als unrentabel einzustellen sich ent- schlosien hat. Insgesamt find 32 Schiffe gehoben worden, darunter 6 von 20 000 und mehr Tonnen. Ungefähr ein Dutzend Schiffe, die in eine Tiefe von etwa 40 Metern mit der Seite oder dem Kiel nach oben auf dem Meeresgründe ruhen, wer­den dort verbleiben. .

den Bericht des Nutschen Botschafters in Paris über seine Unterredung mit ßat val, Bria nd und dem Finanzminister F l a n d i n in den Händen. Was In Ber- lin über diese Besprechungen bisher be­kannt geworden ist, stammt aus den ftan­zösischen Blättern, die von der Unterhal­tung ein ziemlich einleuchtendes Bild geben.

Danach hätte sich nunmehr der vor allem tattische Gegensatz der deutschen und der französischen Auffassungen klar heraus­kristallisiert. Er läßt sich wohl am kürze­sten auf die Formel bringen, daß Laval zu­nächst die reparattonspolitische Seite des ganzen Problems behandelt sehen will, damit 6er *5DungIan mit dem Ablauf des Feierjahres wieder in Funktion tritt. Dabei sind die Franzosen offenbar Bereit, zumindestens vorübergehend einige R a ch l ä s s e zu gewähren. Sie scheinen sich auch in der technischen Entwicklung einer solchen Regelung gewissen deutschen Wünschen anpassen zu wollen, z. B. in der Einberufung einer Reparationskonfe­renz. Aber das Wesentliche ist doch, daß sie den Poungplan wieder in Gang bringen wollen, der seine Unmöglichkeit nicht nur nach unserem, sondern nach dem Urteil der besten Sachverständigen der ganzen Wett erwiesen hat. Der deutsche Standpuntt geht nun von der klaren Erkenntnis aus, der sich prinzipiell auch der französische Finanzminister nicht verschließen konnte, daß die kurzfristige Verschuldung Deutsch­lands eine Situation geschaffen hat, die zunächst eine Bereinigung verlangt, ehe man die Möglichkeiten der Reparations- zahlungen überhaupt übersehen kann. Das heißt abso, daß die Reichsregierung zu­nächst die privaten Schulden konsolidieren will, damit sie an das große Reparations- problem von einer gefestigteren Basis aus Herangehen kann. Das widerspricht dem, was die französische Regierung will. Die nimmt für die Reparationen die unbedingte Priorität in Anspruch. Daß dieser Ge­gensatz nun scharf herausgearbeitet ist, scheint im Augenblick das einzige Ergebnis der Pariser Unterredung zu sein. Die Reichsregierung wird nun zu dieser Si­tuation Stellung nehmen müssen.

Matin" erklärt, es sei recht leicht- fettig, wenn die französische Presse be­haupten wolle, daß der deutsche Bot­schafter mehrere verschiedenartige Pläne vorgelegt habe. Die in der deutschen Presse genannten Pläne beträfen aus­schließlich die Erneuerung der kurzfristigen Kredite. Die Pressemitteilungen über die Unterredung Laval-Briand-Hoesch dagegen besagten, daß man von den Reparationen, folglich also von der Ablösung des gegen- tnärtigen Moratoriums durch das normale | Regime des Voungplanes, gesprochen habe. 1 In dieser Frage habe sich der deutsche Botschafter im wesentlichen darauf be- schränkt, zuzuhören. Die Rückkehr zum Regime des PoungplaneS bedeute auch für den Fall eines deutschen Anttages auf ein Moratorium die Einhaltung der Moratviumsbestimmungen die­ses Planes. Obwohl die Pressemcktei- lungen die Frage der kurzfristigen Kredite mit Stillschweigen übergehen, scheine es recht unwahrscheinlich, daß Botschafter von Hoesch in dieser Hinsicht nicht ein dring­liches Ersuchen vorgebracht habe. Aber es fei möglich, daß dieser Schritt, wenn er überhaupt unternommen worden sei, an die falsche Adresse gerichtet worden sei. .^rn nichts die omerita ni f chenchaü

Streik der Eemeindearbeiter?

Entscheidende Verhandlungen in Köln

Millionen. Mark Aufträge erteilt. Etwa 80 Millionen des Zusatzbetrages sollen be­reits für diesen Monat mit angeietzt wer­den, die wohl in der Hauptsache für Ober­bauarbeiten Verwendung finden werden.