Attilas, W 30. Ski. 1931
w ,Ober6efnto< Seitung' et- sechsmal WSchrntltch. Be- monatlich 2. 2OSOT.au«- Sie#l- Austkllungsqebübr, durch & Post 2.45 GOT. Für etwa durch Streik. OTaschmrndefekt oder ele- -tutt Ereignisse ausfallend« ettcunem wird kein Grfa» oe- Verlag, Dr. § Hitzervth. der Unib-Buchdruckerek Aug. Koch, Markt 21/23. ^s,spreck t". Nr. 54 uud Nr. 55. «^stscheckkvnto: Amt Frankfurt Nr. 5015. — Sprech,eit w. Redaktion von 10—11 und Vil—1 Uhr.
Anzeiger für (das frühere kurheffische) Oöerhesfen
Markurser Zagesanzrtger
Sessische Lan-eszeitung
M.25I 68.Mkg.
Marburg a. Lahn
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Anzeiger der amtlichen Bekanntmachungen für Stadt und Kreis Marburg.
Nicht besiegt, sondern betrogen!
Dieder ein scharfes amerikanisches Urteil über Frankreichs
Weltherrschaftspläne — Versailles bedeutet Friedlosigkeit
Eine -Warnung an Hoover
Hindenburgs Appell
ft ß o n t> o n, 30. Okt. Der Vorsitzende tes Bank- und Währungsansschustes des Merikanischen Abgeordnetenhauses sagte <e Donnerstag abend in einer Rede in xlmira, Frankreich versuche unter dem Deckmantel einer Verständigung zwischen Laval und Hoover den Vereinigten Staaten deutsche Reparations« iands im Werte von zwei Milliarden Mat zu verkaufen. Der Vorsitzende fügte hinzu, daß Laval, falls der Amerikanische Kongreß dies nicht verhindern sollte, aus Washington ein festes amerikanisch- sranzösisches Bündnis mit nach Hasse nehmen würde, das dem schwachen md ehrgeizigen Frankreich zur Weltherr- tzaft verhelfen würde.
Hoover habe Laval bestätigt, datz der houngplan auch von Amerika voll an- uksunt werde, datz Frankreich alle ihm «forderlich scheinenden Nachprüfunzen in Deutschland vornehmen Sm, und datz er dazu sicher die Untere stätzung Amerikas besitze.
Der Yonngplan sei eine verhäng- nsvolle Folgeerscheinung des V e r - ikechensvonVersaill.es. Inder Aunganleihe sei das Blut und der Zchweitz eines Volkes kapitalisiert, das richt ehrlich besiegt, sondern ietrogen, verraten und durch rudere Mittel zum Niedergang »erurteilt worden sei. Deutschland verde mit allen Kräften versuchen, das Nt auferlegte Joch abzuschütteln. Dabei «erbe es den Frieden Europas stören, bis ihm Gerechtigkeit widerfahren sei. Wenn iie Bereinigten Staaten Deutschland nicht »s den Klauen^ seiner Feinde befreie, so »Uten sie sich wenigstens nicht mit diesen «ttbünden.
Amerika sollte sich weigern, die Aufrecht- irhaltung des Versailler Vertrages zu ge- »ührleisten. Frankreich habe bisher ab- ichüich drei europäische Nationen, und im ar Oesterreich, Deutschland »d Großbritannien an den Rand k« Abgrundes getrieben, um seine poetische Weltherrschaft aufzubauen.
Bit Walter Laqton über das Problem bet Schulbenrsickzahlung.
i 3n „News Chronicle" schreibt Sir Wal- "kr Lay ton, Deutschland hat mit durch- Aisenden Maßnahmen einen sehr beachtlichen Ausfuhrüberschuß erzielt, der noch nicht genügt, um die Zahlung Schulden zu ermöglichen. Andere ^nder drohen wegen der deutschen Kon- ^krenz bereits mit Bergeltungsmaßnah- gegen Deutschland. Die internatio- Schulden sind jedoch so umfang« ^ch> daß ihre Rückzahlung alle bestehen- 'tn Handelskanäle zu beeinträchtigen ^oht. Eg ist keinem Schuldnerland mehr ^glich, das Problem der Rückzahlung ie.£ Schulden mit eigener Kraft zu regeln. V® Eläubigerländer müssen sich endgül- N darüber einigen ob sie Zahlungen in ^vn von Sachwerten haben wollen, oder sie es vorziehen, die Schulden.herab- «letzen.
Im Hause des Reichspräsidenten fand gestern die erste Sitzung des vom Herrn Reichspräsidenten berufenen W i r t - fchaftsbeirates statt, zu der sich außer den Mitgliedern des Wirtschaftsbeirates der Reichskanzler und die Reichsminister, der Reichsbankpräsident und der Generaldirektor der Reichsbahn eingesunden hatten. .
Reichspröfibent von Hinbenburg empfing die Erschienen im Großen Saal des Präfidentenhaufes und begrüßte sie hier mit folgender Ansprache:
„Die schwere Krise der Weltwirtschaft und Deutschlands besondere wirtschaftliche
Hoesch kommt nach Berlin.
Paris, 28. Okt. Botschafter von Hoesch »erließ am Donnerstag abend Paris, um sich auf Beranlasiung bet Reichsreglerung nach Berlin zu begeben. Der Botschafter wirb dort die Anweisungen bet Reichs- regierung entgegengenommen, um bei bet Rückkehr Lavals aus Amerika sofort mit ihm Fühlung nehmen zu können. Es handelt sich hierbei in erster Linie um die Besprechung der in Frankreich gewünschten Einberufung des Sachverständigenaus- schusies für die Tribute.
Hitler bei Schleicher
Zwei Unterredungen — (Segen, falsche Gerüchte
Unrichtige Darstellung des Besuches Hitlers bei General von Schleicher.
Berlin, 29. Okt. Zu den in der Presse Presse umlaufenden Darstellungen über einen Besuch des Führers der National- sozialisten Adolf Hitler bei dem General von Schleicher wird aus Kreisen des AeichSwehrministeri'ums darauf hingewiesen, daß in dieser Darstellung wesentliche Unrichtigketten und Schiefheiten enthalten sind. Zunächst ist Hitler nicht nur einmal, sondern zweimal ber'General von Schleicher gewesen, und zwar einmal Bor vier Wochen und dann vor etwa einer Woche. Diese Unterredungen waren aber nicht etwa geheim oder rein dienstlicher Natur, und erfolgten mit Wissen des Reichswehrministers und der übrigen zuständigen Stellen; außerdem ist auch der preußische Innenminister unterrichtet worden. Der Inhalt dieser beiden Unterredungen war die Frage, ob die Nationalsozialistische Partei feit dem Prozeß gegen die Ulmer Reichswehroffiziere noch Der- suche zur politischen Beeinflussung von
Reichswehrangehörigen unternommen habe. Das Ergebnis war, daß sowohl von der politischen Leitung der Nationalsozialisten jede solche Beeinflussung grundsätzlich abgelehnt worden ist und daß auch kein Einzelfall von Zersetzungsversuchen in der Reichswehr vorgekommen Ist. Hitler betonte außerdem, er würde niemand in der Partei dulden, der sich illegale Handlungen zuschulden kommen ließe. Die Behauptungen über den sonstigen politischen Inhalt der Unterredung sind völlig aus der Luft gegriffen.
Eine „Rationale Mittelstandspartei".
Halle, 29. Okt. In Leipzig fand , eine Versammlung von Vertretern aller Wirt- schaftsgruppendesMittekstandes aus dem Reich statt. Die Abstimmung der Reichstagsfrattion der Wirtschaffspartei zu Gunsten der Regierung Brüning werde allseitig mißbilligt. Einstimmig wurde beschlossen, eine Partei zu gründen, die die Interessen des deutschen Mittelstandes auf nationaler Grundlage vertritt. Die Partei führt den Namen „Nationale Mittelst an d sp artei".
Umbildung des englischen Kabinetts
Die Mttglieder des nationalen Kabinetts traten gestern nachmittag zum ersten Male fett den Neuwahlen zu einer Sitzung zusammen. Sir Herbett Samuel, der liberale Führer, hatte eine halbstündige Unterredung mit dem Premierminister vor der Kabinettssitzung.
In politischen Kreisen Londons herrscht allgemein die Ansicht, daß eine gründ- ' liche Umbildung des nationalen Kabinetts notwendig ist, und daß Macdonalds Rede auf dem Guidhalk- Bankett am 9. November angesichts der kürzlichen Ereignisse von außerordentlicher Bedeutung sein wird. Das Rätselraten über die Besetzung der Ministerposten hat bereits begonnen, und man fragt sich beispielsweise, ob Neville Chamberlain, -der äußerst fähige Bruder Sir Austen Chamberlains, Schatzkanzler werden wird oder der bekannte liberale Wirtschaftler Sir Walter Runciman. Man glaubt auch, daß Sir John Simon -'inen Platz in der Regierung finden und daß die Heine Gruppe der nationalen Arbeitermit
glieder des Unterhauses im Kabinett vertreten sein wird. Eine andere Frage, die politische Kreise lebhaft beschäftigt, ist die der Führung der Oppositionsarbeiterpartei im Unterhaus. Diese Frage ist angesichts der Tatsache, daß die Lawine der für die Kandidaten der nationalen Regierung abgegebenen Stimmen alle führenden vor- makigen Minister der Arbeiterpatter weggefegt hat, von besonderer Bedeutung. Man erwartet, daß Hen derson bald eine Sitzung der Arbeiterpattei einberufen wird, um die Frage der Führung sowie verschiedene andere Probleme zu regeln, die sich infolge der Wahlniederlage der Arbeiterpartei ergeben haben.
Nach Dlättermekdungen wird sich Snowden, obwohl er den Schatzkanzlerposten aufgeben wird, nicht von der aktiven Politik zurückziehen, sondern nach Bersetzung ins Oberhaus einen neuen Kabinettsposten erhalten. Auch die beiden Konservativen Churchill und Amery werden im Zusammenhang mit der Besetzung von Kabinettsposten genannt.,
Bedrängnis erfüllen alle Schichten unserer Bevölkerung mit banger Sorge. Sie rütteln an den Grundpfeilern des wechselseitigen Vertrauens und erschüttern die Zuversicht in die Erhaltung der Grundlagen unserer Dolkswirtschast.
Im Bewußtsein der Verantwortung, die ich vor dem deutschen Volke und vor meinem Eewisien trage, habe ich mich ent- schlosien, angesichts der außerordentlichen Wrttschaftswirrnis einen besonderen und außergewöhnlichen Weg zu beschreiten. Ich habe nach Vorschlägen der Reichsregierung aus führenden Persönlichkeiten des wirtschaftlichen Lebens, aus den großen Wirtschaftsgruppen von Industrie, Landwirtschaft, Handel, Handwerk und Kleingewerbe, aus Arbeitgebern und Arbeitnehmern einen Wirtschaftsbeirat zusammen- berufen und Sie, meine Herren, heute zu einer gemeinsamen Beratung mit der Reichsregierung zu mir geladen, um der Reichsr^ziemng bei ihren Bemühungen um einen Weg zu helfen, auf dem die wirtschaftliche und soziale Rot des deutschen Volkes zum Besiern gewendet werden kann.
Niemand von Ihnen wird verkennen, in welchem Maße die Lage Deutschlands durch weltpolitische und weltwirtschaftliche Umstände bestimmt wird. Hier liegen die schweren und großen Aufgaben der deutschen Außenpolitik. Von Ihnen aber erwarte ich, daß Sie sich mit mir und mit der Reichsregierung von dem unbeugsamen Willen beseelen lasten, wie auch immer die Entwickelung der Welt sein mag,
aus ber eigenen Kraft Deutschlands heraus von unserem Volke abzuwen- ben, was eigenes Handeln nur irgend abzuwenden vermag.
Nur so wird eine Grundlage geschaffen für die notwendigen internationalen Bemühungen zur Lösung der gesamten Weltkrise. Nur das Bewußtsein solcher Pflichterfüllung und äußerster Kraftanstrengung wird unser Volk befähigen, in innerer Verbundenheit und mit nationaler Würde das zu tragen, was sich an seinem Schicksal als unabwendbar erweist. Die Aufgabe. die Ihnen gestellt ist, kann nur bei richtiger Wertung der wirtschaftlichen Kräfte und in gerechter Abwägung widerstreitender Jnteresten gelöst werden.
Ich erhoffe als Ergebnis dieser Zusammenarbeit wirtschaftlicher Sach- verstänbigen und der Reichsregierung einen Ausgleich wirtschaft«- und sozialpolitischer Gegensätze und eine Besserung ber deutschen Wirtschafts- not.
Wenn diese schwere Aufgabe gelöst wer- den soll, darf jeder von Ihnen sich nur der Gesamtheit des deutschen Volkes und dem eigenen Gewisten verantwortlich mh- len, muß sich jeder innerlich loslösen vom Gedanken an Eruppenintere„en und an Einzelrücksichten. Nur wenn solche Gesinnung Sie, meine Herren erfüllt, werden Ihre Beratungen den sittlichen Wert und die überzeugende Kraft.besitzen, ohne die ein gesundes und lebensstarkes Volk sich nicht führen läßt. Wenn das deutsche Volk durch die wittschaftlichen und rncralischen Wirrniste und die Gefahren innerer Zersetzung hindurch zu besterer Zukunft gelangen soll, so ist hierfür Voraussetzung, daß die Führer der Wittschaft zusammen