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Verkrampfte Abwehr

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Jtt.250 86. MM.

Marburg o. Loba

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Während über den Fortgang der Wa­shingtoner Besprechungen des französischen Ministerpräsidenten in der Pariser Mor­genpresse keinerlei neue Gesichtspunkte her- vvrgehoben werden, haben die Erklärungen, die Senator Borah gegenüber den französischen Pressevertretern abgegeben hat, in Paris Aeberraschung und Bestür­zung ausgelöst. DerPetit Pariften" spricht' von einem Schachzug Hoo­vers, daß er Senator Borah in letzter Stunde zu dem Diner einkud, das ur­sprünglich den amerikanischen und fran­zösischen Staatsmarm unter vier Augen vereinigen sollte. Hoover habe durch die Hinzuziehung Dvrahs zu den Besprech­ungen dem französischen Ministerpräsident ein Bild von den eigenen Schwierigkeiten geben wollen, denen er im Senat gegen­überstehe. Die Aeußerungen Dorahs und seine Art. internationale Fragen zu be­trachten, könne man vielleicht als außer­gewöhnlich und naiv bezeichnen, man müsse jedoch beobachten, daß er trotz seiner Vor­behalte gegen den Versailler Vertrag nur se.ine Abänderung verlange, und wenn er es auch für angebracht Halle, selbst die ungeschützten Iahreszahlungen des Poungplanes zu revidieren, so erkenne er auf 6er anderen Seite Frankreich und Belgien doch das formelle Recht auf Entschädigung zu.

DasJournal" bezeichnet es als charatteristisch, daß Senator Borah es für notwendig erachtet habe, zu den großen internationalen Problemen Stellung zu nehmen, noch bevor er mit dem französi­schen Ministerpräsidenten Fühlung genom­men hatte. Man nrüsie seinen Aeuße­rungen die Auslegung geben, daß sie von einem Manne stammten, der sich stark ge-

B erli n, 23. Okt. Der in Berlin ver­sammelte Deutsche Evangelische Kirchen­ausschuß, die oberste Vertretung der im Kirchenbund zusammengeschlossenen deut­schen Landeskirchen, hat am Freitag zur Kriegsschuldfrage eine Kundgebung be­schlossen, in der es u. a. heißt:

Von Monat zu Monat wächst die innere und äußere Not im deut­schen Volke. Sorge und Elend sind in das Unerträgliche gestiegen, treiben zur Verzweiflung und Empörung.

Unser Volk ist mit seinen moralischen und physischen Kräften dem Ende nahe. Unermeßliche Verluste, unge­heuerliche Lasten sind ihm unter Ver­letzung feierlicher Versprechungen auf-, erlegt. Dieses Unrecht wird vor dem Gewissen der Völker immer wieder zu rechtfertigen versucht durch die Be­lastung unseres Volkes mit der Kriegs­schuld.

Durch diese Belastung wird das deutsche Volk zum Verbrecher unter den VLkern der Erde gestempelt. Das können wir nicht ertragen, ohne uns der Selbstachtung zu be­täuben und uns der Lüge mitschuldig zu machen. Seit dem Jahre 1922 hat der

nug fühle, allen Gegenargumenten zu trot­zen. Die außergewöhnliche Tragweite der Aeußerungen Dorahs brauchte nicht erst unterstrichen zu werden. Im allgemeinen erkenne er aber die Gerechtferttgkeit des französischen Standpunktes in Bezug auf Sicherheiten und Reparattonen an. Wenn seine Gedankengänge jedoch restlos ange­wandt und verwirllicht würden, so müsse man sich fragen, was noch von dem Frie­den in der Welt übrig bleibe.

ImEcho de Paris" wendet sich Pertinax scharf gegen die Ausfüh­rungen des Senators Borah, vor allem gegen die besonderen Amstände, unter de­nen die Erklärung abgegeben wurde. Wenn Hoover durch die Organisierung der Zu­sammenkunft mit den französischen Presse­vertretern nur aus die Schwierigkeiten habe Hinweisen wollen, denen man gegenüber­stehe, so sei dies noch verständllch. Er habe aber gemeinsam mit Stimson den Präsidenten des Auswärttgen Ausschusses des Senats unterstützt uni Glauben machen wollen, daß die Gedankengänge Dorahs sich mit den seinen decken, was übrigens nicht ausgeschlossen sei. Ein solches Dor- gchen sei jedoch um so unannehmbarer, als Laval streng unterVerschluß" gehallen werde und nicht einmal auf dem Laufenden darüber gewesen sei, was um ihn herum vorgehe. Anter diesen Amständen müsse man sich emsüich fragen, ob es sich nicht um ein Einschüchterungsmanöver handele. Alles in allem stelle die Erklärung Dorahs einen ärgerlichen Zwischenfall dar, der große Zweifel an dem Ausgang der Be­sprechungen aufkommen lassen müsse.

Der Sonderberichterstatter desPetit Journal", Marcel Reh, weist eben­falls auf die großen Schwierigkeiten hin.

Deutsche Evangelische Kirchenausschutz keine Gelegenheit vorübergehen lasten, ohne gegen die Kriegsschuldlüge feine Stimme zu erheben. In diesem gerechten Kampf sind uns auch im Auslande namhafte kirch­liche Führer und Männer der Wissenschaft, Kirchen und kirchliche Vereinigungen hel­fend zur Seite getreten. Noch aber ist das Unrecht nicht von uns genommen; die Be­hauptung von der Kriegsschuld zehrt am Marke unseres Volkes.

Im Namen aller deutschen evangeli­schen Kirchen ruft der Deutsche Evan­gelische Kirchenausschuß die Christen­heit der Welt auf, den Kampf gegen den Geist des Kusses und der Lüge mit

aller Entschiedenheit aufzunehmen und

i bet Wahrheit und der Gerechtigkeit für unser verleumdetes und mißhan­deltes Volk endlich zum Siege zu ver­helfen."

Die Kundgebung wird sogleich den evangelischen Landeskirchen und freien evangelischen Verbänden in Deutschland, sämtlichen deutschen evangelischen Ge­meinden des Auslandes sowie den großen ökumenischen Weltverbänden übermittelt werden.

Anzeiger für (das frühere kurhesfische) Oberhesfen

Anzeiger der amtlichen Bekanntmachungen siir Stadt und Kreis Marburg

An die gesamte Christenheit

Flammender Protest gegen die Kriegsschuldlüge

i Frage, denn wirtschaftlicher itxtf ist von Kriegsmaßnnah- Ite nicht verschieden. Würden k jetzt im Fernen Osten einen derartigen htf ausüben, so käme das einer Kriegs- ffirrung an Japan gleich. Eine Ver- htttung der Rüstungen auf prozentualer

Me ^0txrh«sps»« Sdtotg* er- sechsmal wöchentlich. De- äl^eets monatlich 2.20®9R.a#<» Sarff. ZnsiranngSgebühr, du ich £$0(l 2.45 SM. Für etwa durch gfftVt, Maschinen defekt oder ele- Sreigntsi« -»«fallend« -geocnt wird kein Ersatz ge» vertag. Dr. L Hitzeroth, bet Unid-Duchdruckerel

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die einer Annäherung der beidersekttgen Standpunkte auf fast allen Gebieten ent­gegenstehen. In Kreisen, die Hoover nahe» ständen, hebe man immer wieder hervor, daß eine Zusammenarbeit mit irgend einem europäischen Lande unnütz sei, so lange der augenblickliche statuS qno in Europa nicht grundlegend geändert werde. Man gehe daher soweit, die Frage des Verscmler Verttages für die amerikanische Krise ver- antwottlich zu machen. Bei den Ausfüh­rungen Dorahs müsse man besonders be­rücksichtigen, daß er und seine Anhänger fast täglich mit Hoover zusammenkämen und daher einen nicht zu unterschätzenden Einfluß auf ihn ausübten. Angesichts der gesamten Einstellung Amerikas gegenüber den europäischen Fragen dürfte man die Gerüchte über die Schaffung eines fran- zösisch-amettkanischen Ausschusses nach dem Vorbilde des deutsch-französischen Aus­schusses nicht ernst nehmen. ES sei jedoch nicht ausgeschlossen, daß man auch nach den Washingtoner Besprechungen die Ver­bindung aufrecht erhalten werde, um die Möglichkeit zu schaffen, die Verhandlungen über gewisie streng umgrenzte Fragen auf diplornattschem Wege fottzusetzen.

Der Sonderbettchterstatter desEx - celsio r hält eS für möglich, daß man in der Reparcttions- und KttegSschulden- frage die Möglichkeit für eine Herab­setzung der Zahlungen findet. Frankreich werde jedoch in der Frage des ungeschütz­ten Telles der Reparattonen unnachgiebig bleiben. Allerdings ser damit zu rechnen, daß es diesen Teil der Reparattonen tn Sachlieferungen annehme, um die deutsche Währung nicht zu gefährden. Außer­dem hätten die französischen Sachverständi­gen einen Plan der Konsolidierung der an Deutschland eröffneten kurzfristigen Kre­dite vorgeschlagen.

Der Anzeigenpreis beträgt für de» 11 gestalt. Zeilenmillimeter 0.08 GM., sog. Nein « Anzeigen und Familienan,eigen bei Barzahlung 0.07 GM., amtl. und ^'nswärtige Anzeigen 0.10 GM Gruu'bschristi Colonel Bet schwierigem f* wie bet Playvorschrift 50-1, S/if" schlag. Gamnielanzeigen 100*1« Aufschlag R«kiam.-Milltm. 0.40 GM Grundschrifi, Petit. Jede« Rabatt gilt al« Barrabatl Ziel 5 Tage. Sfferten-Gebühr: 25 Pfg^ bei Zustellung der Angebot» etnschl. Port» 60 GM Belege werden berechnet. Erfüllungsort Marburg.

Senator Borah empfing gestern die Evsischen Korrespondenten, die mit !,oal nach Washington gekommen sind, ib beantwortete mit voller Offenheit en« Fragen über Europas Pro­st «e. Er betonte, daß er zwar Vor- hender des Antzenausschustes des Bundes- «lts sei, aber lediglich seine eigenen lisichten darlege. Auf Lavals jmisch werde er mit ihm bei Stimson Ben. um diesem gleichfalls seine Mei- mg über die außenpolitischen Probleme , unterbreiten. Senator Borah erklärte, mn, folgendes sei seine Ansicht:

Keine Besterung der Weltwirtschafts- liße ist möglich ohne Aenderung des Brrsailler Vertrages, insbr- «dere wüsten Aenderungen bezgl. der Hrenzen im polnischen Sortis tot, in Oberschlesien und Un­garn erfolgen.

herrscht jetzt Friede in Europa, aber Wüt ein Frieden brutaler Ee- Wlt, nicht ein auf Zufriedenheit ge- Mlideter Frieden. Die Zeit für den Aus- Ha des Kelloggpaktes ist noch nicht ge- Wimen. Auch wirtschaftlicher Druck als »nitärkung des Kelloggpaktes kommt nicht

Eine Ohrfeige für Frankreich

Der Präsident des Auswärtigen Ausschusses des ame ikanischen Senats, Borah, kennzeichnet vor französischen Pressevertretern den Schandvertrag von Versailles mit rücksichtsloser Offenheit

Ein Heine» Pflaster

Vom Weißen Hause wurde gestern abend folgende Erklärung ausgegeben:

Sowohl Präsident Hoover wie Mi­nisterpräsident Laval wünschen klarzu­stellen, daß die zwischen ihnen gepflogenen Besprechungen sich nur auf die Politik be­ziehen, die jede der beiden Regierungen verfolgen kann, um die Erholung von der Weltwirtschaftsdepression zu fördern. Es gibt auch nicht im ent­ferntesten eine Grundlage für Erklärun- 8en, die sich auf Forderungen, Abkommens^ edingungen oder irgend ähnliche Themen bezogen. Glücklicherweise gibt es keine Meinungsverschiedenheiten, die zwischen Frankreich und Amerika zu regeln wären. Es ist keine einzige derartige Mei­nungsverschiedenheit vorhanden. Der ein­zige Zweck dieser Besprechungen ist ein ernster und freimütiger Austausch von An­sichten, um eine gemeinsame Grundlage für eine hilfreiche Aktion zur Förderung des konstrukttven Fortschrittes in der Welt zu finden.

Staatssekretär Stimson hatte bereits eine halbstündige Unterredung mit Mi­nisterpräsidenten Laval, in der die Reihenfolge der zu diskutierenden Pro­bleme festgelegt worden ist. Es wurde be­tont, daß in Washington keinerlei Abmachungen getroffen würden, die man bann den anderen als falt accompli vorlegen wollte. Man werde keine Neu- vetteilung der Welt beschließen, anderer­seits aber auch nichts festlegen, was zum Beispiel deutsche Opfer fordere. Sei ja gerade die Behebung der deutschen Schwie­rigkeiten einer der Hauptpunkte der Dis­kussion. Man wolle mit Laval sprechen.

s ttg ist undurchführbar, überhaupt ist s Einschränkung der Rüstungen nicht 5 ickich, solange die Vereinigten Staaten 5 Ü Eowjetrußland nicht diplomatische Be- g hingen aufnehmen. Die von Frank- #ges-rderte Sicherheit kann nur Gerechtigkeit gegründet

*kn. Ich bin für Streichung der tt e g s s ch u l d e n der Alliierten an i« gleichen Maßstab mit der Steichung devtlchen Reparationen. Es ! sich ein Weg finden, Frankreich für tatsächlichen Sachschaden an den zer- kn Gebieten zu entschädigen, aber >r darf man von Deutschland t verlangen. Die Zeit für Mo- rieit ist vorbei. Wir müssen jetzt Eiche Abstriche an den Kriegsschulden khmen, sonst geht Deutschlands Kredit «men verloren. Amerika kann seine le Depression ohne Zusammenarbeit Europa nicht beenden.

Eine Erwiderung Lavals.

! Erklärung Borahs hat in französi- Kreisen so großes Aufsehen erregt, baval durch ein Mitglied seiner tR Begleitung die Erklärung ab- 1 ließ, er sei nicht nach Washington «en, um mit Borah zu polemisieren eine Aenderung des Versailler Ber- ^Zu erörtern. DiePresievertreter soll- ? durch die Aeußerungen Borahs nicht ;Mcn lasten, denn der Senator gäbe teiner persönlichen Meinungen Aus-