RmwW, den 21. SN. 1931
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Marburm ragesemiser
Selsische
LaaLeZzeirung
ÄbevheMche Seftuno
Anzeiger für (das frühere kurhessische) OSerhessen
9?r.24< 66.Mtg. Mardnrg o. Safin
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Anzeiger der amtlichen Bekanntmachnngen für Stadt und Kreis Marburg.
Hilfe auf dem Papier
Die Lage der Reichsbank
E®
Der Kampf um die
Machte.
Hinweise wird die
Tung der Staatsbank m den letzten Tagen ab- gefaht wurden und folgendes besagen: „3m Prinzip bleibt es bei dem Devrsenbe'chaf- fungsprogramm, das den Vertretern Auf- bringungskontingente nach Termin und Menge zumeist. Gelingt es einem Handelsvertreter nicht, das Kontingent termingerecht abzuliefern, so soll er ermächtigt sein, in Höhe des Fehlbetrages Prolongaticmsverhandlun» gen mit den Lieferanten zu führen.
Marschall Tfchiangtaischek, der Präsident der Nanking-Regierung, hatte am Dienstag eine erste Besprechung mit verschiedenen Vertretern der Kanton-Regierung in
japanische Regierung, wie verlautet, die Gründe wiederholen, aus denen sie den Kelloggpakt in der mandschurischen Frage für unanwendbar hält. Sie wird ferner geltend machen, daß China durch die antijapanische Agitation und den Boykott, die durchaus keinen friedlichen Charakter hätten, seine Verpflichtungen verletzt habe.
20 000 Nankinger Studenten demonstrieren gegen Japan.
Wie die Agentur Zndopcrcifique berichtet, haben in Nanking etwa 20 000 Studenten vor dem Gebäude der nationalen Regierung demonstriett. Sie haben der Regierung eine Denkschrift überreichen lassen. In dieser wird gefordert, daß die chinesische Regierung nicht direkt mit Japan vechandeln solle. Die Studeitten verlangen die Aufstellung von Freiwilligenformationen. 'Die Negierung wird aufgefordert, endlich die nationale Einigung Chinas durchzuführen.
Die Nankinger Studenten wünschen ferner, daß die diplomatischen Beziehungen mtt Sowjetruhland wieder aufgenommen werden. Die gleiche Forderung wird von einem Teil der chinesischen Presse vertte- ten. Dazu ist zu bemerken, daß die diplomatischen Beziehungen zwischen China und Sowjetrußland seit zwei Jahren infolge des Konfliktes wegen der Ostchinesischen Eisenbahn unterbrochen sind.
Zn einem Teil der Presse werden Gerüchte verbreitet über eine Zahlungseinstellung Sowjetrutzlands b;w. über An- träae auf «in Moratorium für fällia- Zahlungsverpflichtllngen in Deutschland. Wie wir von zuständiger Stelle erfahren, entbehre« diese Nachrichten jeder Begründung.
Unter der aufsehenerregenden Ueberschrift „Stellt Moskau die Zahlungen ein?" schreibt dagegen die „Germania" in ihrer Mittwochausgabe u. a.: Die kürzlich besonders in der nordischen Presse erörterten Gerüchte über eine bevorstehende Zahlungseinstellung Sowjetrußlands entbehren nich^ einer realen Grundlage. Sie sind darauf zurückzuführen, daß die Sowjethandelsvertre- tungen im Auslande auf Moskauer Weisung begonnen haben, mit großer Vorsicht bet einzelnen Erohgläubigern Fühler wegen Pro- kongierung von Akzeptverbindlichkeiten auszusttecken. Wenn auch heute noch nicht abzusehen ist, ob eine volle Zahlungseinstellung zur Tatsache wird, so weisen doch die Geheiminstruktionen, die vom Polit- Büro an die Handelsvertretungen ergangen sind, darauf hin, daß die Sowjetunion, deren Finanzen noch nie auf gesunder Basis im Sinne eines europäischen Staatshaushaltes gestanden haben, sich
zur Zett « ein« akuten Finan^eise von bisher nicht dagewesen« Schwere befindet, die sehr leicht zur Zahlungseinstellung und damit zum offenen Bankerott des kommunistischen Wirtschaftssystems führen kann. Das dritte Planjahr steigerte den De- visenbedaff ungeheuer, denn emerietts erschwerte das rapide Absinken der Weltmartt- preise die Devisenbeschaffung, and«erseits begannen jetzt erst die Akzepte aus den Einkäufen der ersten beiden Planjahre fällig zu werden.
An deutsche Firmen sind in der nächsten Zeit etwa 500 000 000 RM. abzudecken, an amerikanische Firmen etwa 250 000 000 RM. Die Versuche, hierfür ausreichende Mittel aus Anleihen m Deutschland, Oesterreich, Norwegen oder England bereitzustellen, scheiterten.
. Der Autzenhandelskommissar Rosenholz dik- tierte ben Handelsvertretungen nun ein neues „Deoisenbeschaffungsprogramm". Dieses Programm stellt den Handelsverttetern termm» und mengenmäßig derart unerfüllbare Aufgaben, daß die Mehrzahl der sonst so gut disziplinierten Handelsvertreter die Verant-
bisher auch an dieser Stelle nicht der-, schwiegen haben, noch zu verstärken.
Seit der letzten Septemberwoche, feit dem Inkrafttreten des SttllhalteabkommenS also, hat die Reichsbank bis heute nicht weniger als rund 400 Millionen an Gold und Devisen verloren. Davon treffen auf Die durch das Süllhaiteabkommen ent. fallenden Abzüge rund 300 Millionen. Die weiteren 100 Millionen erklären sich durch Nuswirkungen der Pfundknse. In viel höherem Maße, als man Wohl auch in leitenden Reichsbankkreisen erwattet hatte, siitd in Ausnutzung des mit dem Sinken des, Pfundkuffes verknüpften Differenzgewinns von deutscher Seite her Pfuno- Schulden zur Rückzahlung gekommen. Zu diesem Zwecke wurden Devisen in Anspruch genommen. Diese vorzeitigen und freiwilligen Zurückzahlungen ausländischer, auf Pfund lautender Schulden haben angesichts der Kursdifferenz zwischen Pfund und Mar kbettächtliche Markgewinne zur Folge gehabt. Freilich stellte sich infolge der Verringerung des PfmrdWettes andererseits auch eine Erhöhung der Zufuhr ausländischer Waren ein. Man will sogar beobachtet haben, daß neuerdings in nicht unbeträchtlichen Mengen englische Kohle nach Deutschland verbracht wurde.
Bei der Gesamtlage muß man damit rechnen, daß der Tiefstand der Devisenabhebungen noch nicht erreicht ist. Die letzten Auswirkungen des Süllhalteabkommens, das zunächst eine Rate von 28 Prozent der Marttguthaben zu Abhebungen für das Ausland freigab, dem nunmehr Mm 15. Oktober eine weitere Rate von 15 Prozent gefolgt ist, sind bei der Beurteilung der gegenwättigen Devisensituaüon der Reichsbank noch nicht berücksichtigt. Die Reichsbank rechnet damit, daß noch ungefähr 60 Millionen Mark für diese Zwecke in Anspruch genommen werden müffen.
Doch ist bei aller Anspannung der Kräfte der ReichSbank noch eine ruhige Beutteilung der Vage gerechtfertigt. Die stärksten Inanspruchnahmen sind erledigt insofern, als die einmaligen großen Aufwendungen der Reichsbank für die Erledigungen der Devisen-Termingeschäfte, sowie für die Befriedigung der Ansprüche aus der 25prozenügen Freigabeuqote nicht mehr weiter belastend in die Erscheinung treten werden.
Zum Zweiten deuten doch wohl gewisse gewichüge Gründe darauf hin, daß das englische Pfund sich auf dem gegenwättigen Niveau ziemlich zu beruhigen und einzu- ttchten sucht, Wäre dem so und würde das Geschäftsleben, insbesondere der Warenhandel, keine Möglichkeiten mehr zur Mtt- nahme an Kursdifferenzen des englischen Pfundes erblicken — insbesondere wenn man erkennen muß, daß ein weiteres Ansteigen des Pfundes nicht mehr zu erwarten ist — so wäre sehr rasch auch der Reiz verflogen, Pfundschulden vorzeitig abzu- tragen.
Damit in Wechselwirkung würde sich aber auch ein Rückgang der Einfuhr ausländischer Waren ergeben und damit eine Verringerung der Inanspruchnahme des Devisenbestandes der Reichsbank für Import - zwecke. And man daff des weiteren auch nicht vergessen, daß die staffen Expottüberschüsse aus den letzten Monattn sich auch nach und nach geltend machen müssen. Eine j Df artige Auswirkung gerade auch des September-Aeberschusses von 387 Millionen ist ja auch schon um deswillen nicht
die Wohlfahrts«w«bslosen am Leben $H «halten.
Der Präsident des Deutschen Lcmdge- meindetages, Dr. E e r e ck e, M. d. R., unterstrich die Ausführungen über die besondere Notlage der kreisangehörigen Gemeinden, und wies darauf hin, daß die Notlage der Landgemeinden noch wesentlich dadurch verschärft würde, daß
di« St«n«krast ganz besonders ans dem
Lande ht den letzte« Jahren in einem
- „ «schreckenden Maße znrückgegangeil sek. Das Hinzutreten der unerträglich gesteigerten neuen zwangsläufigen Erwerbslosen- lasten müsse eine Finanzkatastrophe der Landgemeinden herbefführen, wenn nicht schleunigst mit durchgreifenden Maßnahmen des Reiches eine wesentliche Erleichterung geschaffen würde.
. Die ReichSbank hat feit der Bankenkrise einen sehr schweren Sturm auszuhalten. Ein anschauliches Bild über die wechsel- vollen Kämpfe und ihre Ergebnisse wird durchs die achttägigen Reichsbankausweise vermittelt, die heute mehr denn je uns einen finanz- und wirtschaftspolitischen An- schauungsunterttckst M vermitteln vermögen. Es gibt wohl heute kaum noch einen wirtschaftspolitisch interessierten Menschen, der nicht mit größtem Interesse und auch mit starker Spannung auf das jeweilige Erscheinen dieses Ausweises wattete.
Was wir nun im letzten Reichsbankausweis sehen, ist dazu angetan, unsere Sorgen über die Stellung der Reichsbank, die ivir
zu erwarten, weil die Geschäfte auf mehr- L mouatiae Sicht getätigt werden. And letz-
Mandschurei
Die japanische Antwort an die In ihrer Beantwortung der der Mächte auf den Kelloggpakt
Serif«, 20. Oft. Die Arbeitsgemeinschaft der kommunalen Spit- ;env er bände hielt heute eine Besprechung Über die kommunale Finanzlage ab.
Der Präsident des Deutschen Städtetages, Dr. Mulcrt, ging aus von dem unge- Ijeuren Fehlbetrag der Gemeinden und Ge- ineindeverbände nach der Zahlungskrise im 3uli, den man für das Rechnungsjahr 1931- 1932 auf 800 Millionen Mark berechnet habe. Reich, Länder und Gemeinden hätten iljre Haushalte im Juli auf die Deckung dieses gewaltigen Defizits einstellen müssen. Die Gemeinden ihrerseits haben, so fuhr der Redner fort, auf dem Wege der Selbsthilfe eine rücksichtslose Drosselung aller Aufgaben eingeleitet und allen Gebieten kommunaler Artest schwerste Opfer auf erlegt.
Damit ist di« Grenze des Tragbar«« «««echt worden.
• Die Reichsregierung hat durch die Not- «Torbnung vom 6. Oktober einen Betrag dm 170 Millionen für die Gemeinden und Eemeindeverbände bereitgestellt, die mit den durch die Notverordnung vom 5. Ium gege- iffien 60 Millionen eine wesentliche Ent- Wung herbefführen sollten.
ks stellt sich ad« jetzt heraus, daß die een d« Reichsregierung beabsichtigte Hilf« keineswegs emgetrete« ist. Denn die Reichsregierung hat «in« Reih« eige- etr Maßnahme« beschlossen, oder durch «der« Organ« durchführen lasten, die
- bk Gemeinden aufs neu« schwer belasten und die Reichshilf« illusorisch »scheu. Insgesamt werden di« Gemeinden durch di« jetzigen Maßnahmen d« Neichsregittung mtt rund 265 Millionen Start mehr belastet. Diese Summe deckt sich fast ganz mtt d« Reichshllfe.
Die Gemeinden und EememdeoerbSnde er« •nten auf das bestimmteste die zugesagte tttlastung ihrer Finanzen, die nur vom Reich geschehen kann. Es wird dem Reich Ws anderes übrig bleiben, als auch feiner« Äs alle Kräfte auf die Ernährung der Ar- «islofen zu konzentrieren und Aufgaben, die -■bleiern Rahmen nicht unbedingt notwendig »d, abzubauen. Außerdem wird das Reich "sanifatorische Reformen in der Mstsiownhilfe und Arbeitslosenfürsorge •Währen müssen. Die von den Gemeinden ® Cemeindeverbänden immer wieder gefor« We Zusammenlegung der Krisen- llilorge und der Wohlfahrtser- Lfoslosenfürsorge zu einer einheit- y’’ Reichsarbeitslosenfürsorge würde die Haltung wesentlich vereinfachen.
allem ab« ist die Zett des Neben- E»and« und Gegeneinaud« vorbei: die itonrer stärker wachsenden Schwierigkei- erfordern «in vorbehaltloses, Zusam-
Änarbetten von Reich, Ländern und Gemeind««.
Ausführungen Dr. Muletts wurden die übrigen kommunalen Spitzenver- ergänzt.
den Deutschen Landkreistag sprach E* Präsident, Dr. von Stempel, der Mtzend die Verhältnisse in den ländlichen L-fisTürorgeeerbänben barlegte. 3m be« n,ies er darauf hin, daß eine Anzahl M'cher Landkreise und sächsischer Bezirks- ^snde höher belastet sind als die kürzlich dem Reichsfinamminister genannten Mae Berlin, Köln, Franksutt a. M. und |C,n- . Die steigenden Ausgaben und sin- Einnahmen hätten zur Folge, daß die die für sie noch verfügbaren Mit- ^eus.die Versorgung der Wohlfahttser- "'en konzentrieren müßten. Obwohl tzarien Notwendigkett die übrigen Auf- yc "er Landkreise fast ganz zum Opfer i i»Jnu°ten> >er die Finanzdecke immer noch
ij* Instanzen müßten bei der einen ^Stichen Aufgabe rusammenwttkeu:
wottung für die Erfüllung dieses unettüll baren Dekrets unter lebhaftem Protest abge- lehnt hat. Diese Protestaktionen der Ham bel5uer.re.er lösten neue Be chiüise des Außen- banöelswnuniiiaxs aus, b« unter Mitwir- Schanghai.
Notruf der Kommunalverbände
Protest gegen die Maßnahmen der Reichsregierung — Die Reichshilfe durch neue Lasten wieder ausgewogen
Moskau in Schwierigkeiten?
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