Uneinigkeit im Preußenkabinett
— Finanzminister Hoepker-Aschoff zurückgetreten
Die preußische Auftückungssperre wieder beseitigt
hätte.
der am
9K.240 66. MiTO. Marburg a. Bahn
Nach römischen Meldungen wird italienische Außenminister E r a n d i 25. Oktober in Berlin eintreffen.
Marburger rageSauMger
Dienstag, benlZ.Skt.lM
Mische Lanbeszetwng
Wer sagt die Wahrheit?
Eine Berichtigung und eine Antwort Dr. Schachts
Äberhessssche Zettung
Schnelles Ende einer demokratischen Hetze.
Berlin. 12. Okt. In ihrer Nummer 757 vom 11. Oktober 1931 brachte die „Frankfurter Zeitung " auter der Ueberschrift „Das Komplott" einen Ar- tikel, in dem behauptet wurde, daß Wirtschaftsführer in der vergangenen Woche bei den Besprechungen mit dem Herrn Reichskanzler das Verlangen nach Inflation gestellt hätten.
Wie von zuständiger Stelle mitgeteilt wird, ist diese Behauptung unrichtig. 5n keiner Besprechung zwischen dem Herrn Reichskanzler und Wirtschaftsführern ist der Gedanke einer neuen Inflation vorgebracht oder erörtert worden.
Erklärung der Reichsbank.
Die Reichsbank teilt mit, datz die in der Rede von Dr. Schacht erwähnten Dinge, soweit sie den Tatsachen entsprächen, der Oef- fentlichkeit niemals vorenthalten worden seien. Die Inanspruchnahme eines Rediskontkredits zur Auffüllung des Gold- und Devisenbestandes entspreche der internationalen Hebung gegenseitiger Unterstützung seitens der Notenbanken. Die Ueberprüfung der Auslandsverschuldung sei zwar noch nicht ganz abgeschlossen, habe aber tatsächlich etwas höhere Zahlen ergeben. Die Reichsbank weist wetter daraufhin, datz der Oeffent- lichkeit ebenfalls bekannt sei, datz ein Teil der Wechsel der Reichsbank-PortefeuMes Finanzwechsel und nicht Warenwechsel seien. Diese Finanzwechsel würden sich automatisch vermindern, sobald die Umlaufsgeschwindigkeit des Geldes nach Ueberwindung der augenblicklichen Wirtschaftskrise sich wieder erhöht habe.
Reichsbankpräsident a. D. Schacht äuhette sich der „TelegraphenUnion" gegenüber, datz diese Auslassungen der Reichsbank im Grunde ja nur das Gleiche sagten, was er in Harzburg ausgefühtt habe. Die Aufregung, die seine Rede vielfach hervorgerufen habe, sei ihm völlig unverständlich.
Die sozialdemokratische Reichstagsfraktion hat am Montag einen Bettcht Dr. Breitscheids über die politische Lage entgegen genommen und ihre End' scheidung in der Regierungspolitik bis nach der Kanzlerrede vertagt.
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In diesen Tagen ist leicht festzustellen, wie das internationale Goldwährungssystem von zweierlei Erscheinungen krankhafter Art, nämlich der Deflationsmanie und dem Liquiditätsfehler, allmählich zersetzt wird.
Die erste Krankheitsform zeigte ihre Symptome, als dos amerikanische Zenttalbank- sqstem in den Jahren 1928 und 29 den Kampf mt der Neuyorker Fondsspekulation aufnahm. Man nahm sich vor, um jeden Preis diese
Anzeiger für (das frühere kurhessische) Oberhessen
Anzeiger der amtlichen Bekanntmachungen für Stadt und Kreis Marburg
Am Montag fanden bei der Berliner Verkehrs A.-G. Neuwahlen zum Betriebsrat statt, die der revoluttonären E e- werkfchafts-Oppofition und den Nationalsozialisten Erfolge brachten.
Kurze Meldungen
Ein japanischer Kabinettsrat hat beschlossen, energischen Protest gegen jede Einmischung in den mandschurischen Konflikt einzulegen. Der chinesische Staatspräsident hat eine Erklärung abgegeben, in der er im Falle eines Scheiterns der Vermittelung mit einer Kriegserklärung an Japan droht. Amerika wird besondere Beobachter nach der Süd- Mandschurei entsenden.
Rücktrittserklärung des preußischen ^nzministers, Dr. H ö p k e r - A s ch o f f, von einer Anzahl Blätter damit in ^.ammenhang gebracht, daß das preu- Kabinett die Aufrückungs- für die Beamten aus der preu- Notverordnung herausgenommen Mund daß Höpker-Aschoff keinen finan- Gegenwert für diese Maßnahme
>,33 orwärts“ glaubt einen wei- unb für den Rücktritt des Finanziers darin zu finden, daß er im »^ragsausschuß bei der Frage der istützung der Sparkasien überstimmt
.»® ermania" bezeichnet es als ^^andlich, wenn Dr. Höpker-Aschoff i ^Mch wegen der Beibehaltung der
Die Fraktion des C h r i st l i ch e n Volks- dienftes hat dem Kanzler eine Reihe von Fragen vorgelegt, von deren Beantwortung sie ihre künftige Stellung zur Regierungs- politik abhängig machen wird.
Reichsbank figuriere:*, völlig unbekannt sind, andernfalls müßte eine Veröffentlichung dieser Ziffern die Bezeichnung ...»geringfügig“ merkwürdig beleuchten.
Wenn aber der Herr Reichsfinanzminister auf mich das Wort „verantwortungslos“ anwendet, wenn er endlich meint, da ich kein Amt mehr hätte, dürste ich auch keine Meinung siutzern, so überlasse ich das Urteil über diese persönlichen Dinge gern einer späteren Zeit. Meine Auffassung von den Pflichten eines Staatsbürgers in einem demokratischen Staat weicht hier offensichtlich ab. Gerade weil ich der festen Ueberzeugung bin, datz keine Reichsbankle itung jemals die Währun g im Stich lassen kann oder wird, warne ich rechtzeitig vor diesen die Wirtschaft einengenden Folgen und weitz, datz weite Kreise des deutschen Volkes dies von mir erwarten."
Am Montag abend ist eine zweite badische Notverordnung veröffentlicht worden, die dazu dient, den badischen Fehlbetrag in Höhe von IQ Millionen 3M abzudecken.
Ausrückungssperre seinen Rücktritt erklärt haben sollte.
Der „T a g" glaubt, daß für den Schritt des Finanzministers die parteipolitische Einstellung des Zentrums und der Sozialdemokraten maßgebend gewesen sei, die ihm eine sachliche Führung der Geschäfte schon seit längerer Zeit unmöglich gemacht
Verwirrung der Geister
Von Professor Gustav Cassel, Schweden
Notverordnung durchbrochen
Das Rücktrittsgesuch Hoepker-Aschoffs
Spekulation zu unterdrücken und suchte das Ziel durck Restriktion der Kreditgcbung zu er- reiche" Damit tat man die ersten Schritte aus dem Deflationsweg, der zu dem Wgrund führte, vor dem wir jetzt stehen. Man übersah vollständig, datz die Deflation die gesamte Volkswirtschaft in Mitleidenschaft zieht und auch in sich gesunde Unternehmungen zum Ruin treibt. Man versteht nicht, daß der sogenannte Reinigungsprozeß kein Ende hat, da eine ins Unendliche fortgesetzte Deflation die ganze Weltwirtschaft vollständig zerstören muß. Man betrachtet eine Herabpressung der Preise als an und für sich gesund und man will geltend machen, datz die Welt an einer mangelnden Anpassung f,.Maladjustment"s leidet, da einige Preise noch nicht Zeit gehabt hätten, flch den niedrigsten anzupasfen. Man will diesem Mangel dadurch abhelfen, datz man die höheren Preise auf das gleiche Niveau mit den niedrigeren herabdrückt, man ist sich aber nicht darüber klar, datz durch diesen Druck auch die niedrigeren Preise weiter gesenkt roerben müssen, sodatz man niemals die gewünschte Anpassung erreicht.
Die zweite Krankheitsform, die sich auf dem Gebiete des Geldwesens zeigt, ist das Liquiditätsfieber. Der Pattent, der von dieser Krank, beit ergriffen wird, ist sehr zu beklagen. Er sucht zuerst sein ganzes Vermögen in kurzfristige Forderungen umzuwandeln. Dann verläßt er sich auch nicht mehr auf diese, sondern will, um recht liquid zu fein, fein Geld in sei- ner Bank flüssig haben. In den späteren Stadien der Krankheit traut er dann nicht länger seiner Bank, sondern verlangt sein Geld in Form von Roten, die er in feinem Kassenschrank aufbewahrt. Das letzte Stadium besteht darin, daß er nicht einmal den Noten traut, sondern diese in Gold umzuwandeln wünscht. Wenn die Zentralbank keine Goldmünzen aus,zahlt, muß er sich Goldbarren verschaffen. Gerade in Frankreich hat man es dieser Tage erlebt, daß unternehmende Leute eine Anzahl Patienten dieses Stadiums jeweils zu einem Konsortium zusammengeschlossen haben, das seinerseits einen Goldbarren er- warb. Dieser Barren wurde alsdann gestückelt, und die einzelnen Stücke wurden von den glücklichen Teilhabern des Konsortiums nach Haufe getragen, wo sie natürlich dem trabitio» nellen Strumpf anvertraut wurden.
Dieses wunderliche Fieber ergreift nicht nur einzelne Personen, sondern auch ganze ßänber.- Frankreich und die Vereinigten Staaten haben feit geraumer Zeit systematisch ihre kurzfristigen Auslandskredite gekündigt und außerdem ihren Bestand an ausländischen Wertpapieren zu Schleuderpreisen veräußert. Dadurch haben sie natürlich die Schuldnerländer einem außer- ordentlich harten Druck ausgesetzt. Später find auch andere Länder mit unzweifelhaft guter Wirtschaft einem ähnlichen Druck ausgesetzt worden, sodaß sie nicht mehr in der Lage waren, ihre Verpflichtungen in Gold einzulösen.
Das Liquiditätsfieber ist jetzt in einem solchen Maß gestiegen, daß, roä; cenb der Welthandel lahmliegt und die Seefrachten zusammenschrumpfen, die schnellste:! Ozeandampfer und ganze Flotten von Flugzeugen darin wett- eifern, Gold so rasch als möglich in die goto« durstigen Länder zu schaffen. Letzten Endes sind ja die Liquioitätsbestrebungen gleichbe- bebeutenö mit einer Nachfrage nach Gold. Be- denkt man aber, datz der gesamte Goldvorrat der Welt nur einen ganz geringen Teil des Weltvermögens ausmacht, so versteht man unmittelbar, wie unsinnig der Gedanke ist, das gesamte Weltvermögen liquid zu machen.
Diejenigen, die sich durch eine Liquidierung ihrer Guthaben zu sichern glaubten, müssen in diesen Tagen die harte Erfahrung machen, datz sie mit dieser Methode nur ihre eigene Wirtschaft untergraben haben. In den Vereinigten Staaten brechen Hunderte von Banken zufam- men, und auch in Frankreich beginnt das Der. trauen in die Banken zu fchwinden. Gleich- zeitig geht die Warenausfuhr auf die Hälfte berab, und die Arbeitslosigkeit droht sich in unübersehbarer Weise auszudehnen.
Die Krankheitsentwicklung, die hier geschil- derj worden ist, hat sehr ernste Fotzen, In
Berlin, den 12. Ott. 1931 Erhr verehrter Herr Ministerpräsident! ’ Der Verlauf der heutigen Sitzung des ttersraktionellen Ausschusses der preußi- fcea Koalitionsparteien hat mich davon ^erzeugt, daß ich auf die für meine Amts- ührimg erforderliche Unterstützung der toalitionsparteien nicht mehr in aus- richendem Maße rechnen kann Der Ver- «lf der heutigen Staatsministerialsitzung M mir sodann gezeigt, daß auch zwischen en übrigen Herren Staatsministern und m die erforderliche Einmütigkeit nicht lehr besteht. Außerdem ist es mir nicht Zungen, diejenige llebereinstimmung zwi- hen Maßnahmen der Reichsregierung und er preußischen Staatsregierung herbei- uführen, die in der heutigen Zeit notwen- wäre. Da es mir unter solchen Um- l&ben nicht möglich ist, mein Amt erfolg- rich weiter zu verwalten, trete ich gemäß Ittikel 59 preußischer Verfassung von Einern Amte zurück.
H danke Ihnen, sehr verehrter Herr Ministerpräsident, für das Wohlwollen, vs Sie mir mehr als sechs Jahre lang be= ^sen haben. Sie dürfen versichert fein, Arnir der Entschluß zum Rücktritt, der win auf sachlichen Meinungsverschieden- h-tten. beruht, sehr schwer wird, weil er ^r die Möglichkeit nimmt, dem preußi- Staate wie bisher mit allen meinen Lasten zu dienen.
, Mit der Versicherung ausgezeichneter Achtung verbleibe ich, Herr Minister- tafibent,
Ihr Ihnen aufrichtig ergebener Dr. H L p k e r - A s ch o f f.
Dr. Schacht, der Montag abend in Berlin wieder eingetroffen ist, gab entern Vertreter der Telegraphen-Union auf Anfrage folgende Erflärung:
„Zu einigen von mir auf der Harzburger Tagung erwähnten Tatsachen haben sowohl das Reichsbankdirekt ottum wie auch auch der Herr Reichsftnanzminister Stellung genommen. Während das Reichs- bankdirettorium die Tatsachen bestätigt, sucht die Erflärung des Herrn Reichsfinanzministers sie zu bagatellisieren.
Ich kann nur annehmen, datz dem Herrn
Reichsfimmzmmifier die Beträge, mit denen die verschiedenen Finanzinstitute der öffentlichen Hand und di« Akzept- imb Garantiebank ta bet Büchern der
_ öfctttfWx Srttimg' er- s«b«mal wöchentlich. Be- monatlich 2.20® 9R.au«- Zvfiellnng«g«bübr, durch 2.45 GM- Für ettoa durch -RaKbtnendefrkl oder eie- Ereignisse --«fallende wird kein «rsa» qe- Verlag, Dr. 6. Httzeroth. oet Untd-Buchdruckerei rTetag. «och, Markt 21/23. ^sprecher: Nr. 54 und Rr. 55. ^mcheckkvnto: Amt Frankfurt
N, Skr. 5015. - Sprechze« gicbattton von 10—11 W>
Sie das Nachrichtenbüro des B. D. Z. y, hot das preußische Kabinett in seiner estrigen Sitzung beschlossen, die Ans- iikungssperre für die preußischen Be- giett, die in der preußischen Sparverord- «g vom 12. September 1931 verfügt «eben war, wieder aufzuheben. Amtlich chd diese Maßnahme damit begründet, ch das Reich nicht, wie erwartet war, > mc gleiche Sparmaßnahme für die Reichs- — tarnten angeordnet hat.
Der Rücktritt des preußischen Finanz- rl Ministers.
t Der preußische Finanzmini st er Dr.
>öpker - As ch of f hat am Montag 25t >end folgendes Schreiben an den preu- 36, scheu Ministerpräsidenten Braun ge-