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Marburger
ZageSrmztlger
SberheMche Zeitung
Anzeiger für (das frühere kur-hessische) Oberhesse«
Rk.WSS.MkS.
Marburg a. Bohn
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Anzeiger der amtlichen Bekanntmachungen für Stadt und Kreis Marburg.
Wieder nur eine Notlösung
Irüning Reichskanzler und Außenminister — Groener Reichswehr- und Reichsinnenminister — Erweiterte Vollmachten?
Hitler bei Hindenburg
Eine deutliche Absage
Von unterrichteter Seite wird uns die Nachricht bestätigt, datz der Reichspräsident heute Adolf Hitler empfangen wird. Der Empfang steht aber in keinem Zusammenhang mit der Neubildung des Kabinetts. Das geht schon daraus hervor, datz Dr. B r ü n i n g s Verhandlungen bereits zum Abschluß gekommen sind. Es darf daran erinnert werden, daß schon vor etwa drei Wochen, als Gerüchte über einen solchen Empfang um»
rung an den schweren Aufgaben der Gegenwart mit^earbeitet hätte. Meine sachliche, seit meinem Eintritt in die Politik ohne Schwanken festgehaltene Auffassung verlangt jedoch in diesem Augenblick mehr als je die Heranziehung der in den Rechtsparteien vertretenen starken Kräfte des deutschen Volkes zu verantwortlicher Mitarbeit. Ist diese Mitarbeit, die nach meiner ehrlichen lleberzeugung im Interesse des Vaterlandes notwendig ist, nicht gewährleistet, so bedauere ich, auch meine Mitwirkung an der Regierung nicht in Aussicht stellen zu können."
Ein Schreiben des Reichstagsabgeordneten Dr. Scholz an den Kanzler.
Die Nationalliberale Korrespondenz vrr-, öffentlichi ein Schreiben, des Reichstagsabgeordneten Dr. Scholz an den Reichskanzler Dr. Brüning, das folgenden Inhalt hat:
„Nach reiflicher Prüfung Ihres für mich so ehrenvollen Antrags, als Reichsjustizminister in die Reichsregierung einzutreten, muß ich Sie bitten, von der Weiterverfolgung dieses Gedankens abzusehen. Ich betone dabei ausdrücklich, datz ich persönlich besonders gern unter Ihrer Füh-
gingen, die Möglichkeit einer Unter- redung zwischen dem Reichspräsidenten und dem Führer der Nationalsozialistischen Deutschen Arbeiterpartei als durchaus möglich bezeichnet wurde, wie ja auch andere Parteiführer gelegentlich vom Reichspräsidenten empfangen zu werden pflegen. Man kann wohl annehmen, datz die Besprechung sich in erster Linie um die am Sonntag stattfindende Harzburger Tagung drehen wird.
Wie lange noch?
Äuch das zweite Kabinett Drü- ning ist eine Notlösung, der das deutsche Volk kein Vertrauen mehr entt gegenbringen kann. Der Reichskanzler Brüning scheint Entscheidungen, wie sie nun einmal in außergewöhnlichen Zeiten notwendig sind, zu fürchten. Der große Zauderer, dessen Arbeitskraft und starke diplomatische Begabung gern aner- kannt werden, versagt bei dem ausschlag-« gebenden Entschluß zur Tat. Mer die Entwicklung kann wohl verzögert, doch nicht mehr aufgehalten werden. Mag das Kunst-« stück der parlamentarischen Mehrheit noch einmal gelingen oder nicht — mit Halbheiten ist eine Rettung vom Untergang nicht möglich. Wenn das Provisorium der Besetzung des Innenministeriums mit dem Reichswehrminister eine Warnung nach Harzburg bedeuten sollte — nun, als Drohung vielleicht, nicht als rettender Ausweg wird es gewertet werden.
Karl Marx hat das Wort vom 30- jährigen Bürgerkrieg geprägt, der dem endgültigen Sieg des Sozialismus doraus- gehen werde. Die deutsche Sozialdemokratie hat sich gewiß geirrt, wenn sie diesen Sieg durch die Revolution von 1918 leicht und schnell gesichert glaubte. Sie hat seit dem 9. November 1918 durch ihre Vormacht st ellung in Preußen, trotz mannigfachen Wechsels der Paitei- cliquen, ständig am längeren Hebelarm der Außen- und Innenpolittk gesessen. Sie hat trotzdem die erste Phase des Kampfes verloren. And mit ihr auch ihre Bundesgenossen.
Die Verantwortung steht fest. Sie liegt in der Politik der Sicherung der „Errungenschaften" der Revolution, in materieller und personeller Beziehung. Die Sozialdemokratie hat die Früchte dieser Politik nicht allein geerntet. Sie hat namentlich ber der Vergebung von Aem- tern redlich teilen müssen, so daß die „Kleinen" in ihrer Partei gar keinen Vorteil davon gehabt haben. And das künstliche Lohn- und Tarifgebäude und zahlreiche stolze andere Bauten stehen auf dem Trümmerfeld der deutschen Wirtschaft. Aeber 4,3 Millionen Arbeitslose warten auf Beschäftigung.
Diese Entwicklung vollzog sich im Zeichen der Tributpolitik unserer Geg- ner und im Zeichen der deutschen Er- füllungspvlitik. Mit der politischen Abhängigkeit wuchs notwendig die wirt- schafttiche. Das Schlagwort von der „tn- temattonalen Solidarität" sollte hinwegtäuschen über die wahre Absicht, sich aus der Tasche der anderen erhalten zu lassen. In sieben Jahren machte Deutschland soviel Auslandsschulden wie das amenka- nische 100-MiIlionen-Vvlk in 40 Jahren. Kredite aber sind „vorgegessenes Brot!"
Ohne diese Dorgwirtschaft wäre dieses System längst abgelöst worden. Wenn es nun, da alle Kredttquellen versiegen, viel zu spät und mit peinlichen Zuckungen doch geschieht, so wird vielleicht auch einmal offenbar, wie weit die B e r - pflech tu ng der in Preußen herrschenden Parteien gediehen war. „Der Deutsche", das Organ der christlichen Gewerkschaften, sekundierte kürzlich dem sozialdemokratischen „Hamburger Echo" mit folgenden bezeichnenden Worten: „Jeder muh in einer Zeit, wo es ums Ganze geht, zum Ganzen stehen". Mit „das Ganze" meinte man nicht das VatmSand, sondern die Gewerkschaften! Ja, nicht nur die SPD. hat Gegensätze in ihrer Partei zu überwinden, und dieser Sorge anderer Parteien ist mehr ge-
Bayerische Dolkspartei nicht zustimmen könnte, und datz insofern eine Korrektur
I gewisser Teile der letzten Notverordnung I eintritt, als zum Beispiel in der Frage I der Eemeindeumschuldung den Ländern noch stärker entgegengekommen wird. Über I die Verhandlungen mit den Vertretern I der Bayrischen Volkspartei hinaus wird der Kanzler bis zum Zusammentritt des I Reichstages sicher auch mit den übttgen parlamentarischen Gruppen noch Fühlung
I nehmen, um die Neichstagstagung entsprechend vorzubereiten.
I Die Aussichten für das Kabinett werden gewitz nicht unwesentlich davon beeinflußt werden, daß Dr. Brüning sich eine Gewähr dafür geschaffen haben dürfte, daß
I im Falle einer Abstimmungsniederlage I auch ein anderer Kanzler keine größeren I Vollmachten bekommen würde als er selbst. I Es würde sich dann zeigen, ob auf anderer | Basis, rechts ober links, eine parlamentarische Mehrheitsbildung möglich ist. Schließlich würde dann also doch Dr. Brü^ ning bezw. die Basis, die sein Kabinett getragen hat, als der stärkste Faktor wieder in den Vordergrund rücken. Das aber dürften im Augenblick nur Eventualitäts- Überlegungen sein, da der Kanzler doch stark darauf rechnet, sich im Reichstag
| durchzusetzen. Datz im übttgen auch in der jetzigen Zusammensetzung des Kabinetts im Laufe der Zeit noch Veränderungen vorgenommen werden können, wird auch in Regierungskreisen zugegeben. So dürfte z.B. die Betrauung Dr. Eroeners auch mit dem Reichsinnenministerium ein Provisorium darstellen, dem in absehbarer Zeit, wenn das Kabinett die parlamentarischen Schwierigkeiten übersteht, eine endgültige Lösung folgen soll. In polittschen Kreisen wird übrigens auch darauf hingewiesen, datz das Zentrum statt der vier Minister im ersten Kabinett
Brüning jetzt nur zwei Mitglieder int Kabinett hat, so datz die Kräfteverteilung innerhalb der neuen Reichsregierung also „abgewogener" ist.
Frankreich ist zuftieden
Die gestern abend erfolgte Bildung des neuen Kabinetts Brüning wird m der Pari s e r P r e s s e, die die Einzelheiten der Verhandlungen eingehend oerfolgt und erörtert hat, wenig besprochen.
„I o u r n a t" schreibt, wenn der Versuch der deutsch-französischen Zusammenarbeit vor allem auf der Lovalstät des Reichspräsidenten v. Hindenburg und auf den vertrauensvollen persönlichen Beziehungen beruhe, die zwischen dem Reichskanzler Dr. Brüning und dem französischen Mmister- präsidenten Laval vorgestellt würde, dann könne man sagen, datz die Lösung der deutschen Ministerkrise an den Bedingungen des Versuches nichts ändere. Eine Diktatur, wenn sie sich auf die Auf recht erhalt ung der Ordnung im Innern beschränke, sei für die Nachbarn besser (!) als parlamentarische Anarchie oder Phantasie.
„Detinre" schreibt: „Wenn man sich vor Augen hält, datz bei den letzten Verhandlungen, und namentlich auf der Reise der frmrzösischen Minister nach Berlin, Brüning auf deutscher Sette die Derhandkimgen ge- fühtt habe, dann kann man m der Tatsache, datz er das Autzemninisterium mit übernom- men hat, die Absicht erblicken, datz er den beschrittenen Weg der internationalen Zusammenarbeit ehüjaffen will."
„A ven i r" drückt sich pessimistisch aus und erklärt, entweder werde das Kabinett Brü- nmg, wenn es vom Reichstag in die Mm- derhert versetzt werde, einem Kabinett der auhersten Rechte Platz machen, oder Brüning werde mrt den Vollmachten Hinden- burgs m bei Tasche ben Reichstag .auf* lösen, ohne Neuwahlen auszuschreiben. In diesem Falle werde er die versteckte Diktatur
• _m eme^offene Diktatur umwandeln.
I Offiziöser Optimismus
I Reichskanzler Dr. Brüning hat am Httitag abend sein neues Kabinett :■ childet und die Ministerliste dem Reichs- i räsidenten zur Bestätigung vor- ■ elezt. Aus Vorschlag des Kanzlers sind i m Reichspräsidenten folgende Minister • mannt worden:
t, Dietrich, Finanzen und stellvertretender Reichskanzler
1 r.h.e. Groener, Wehr- und Jnnen- mnister
■ i6.c. Stegerwald, Arbeitsminister ».Schätze!, Postminister
i r.h. c. Schiele, Ernahrungs- n. Land- mttfchaftsminister
vf. Dr. W a r m b o l d, Wirtschafts- milister ,
t3 o e I, Justizminister reoiranus, Berkehrsminister.
Äti der Wahrung der Geschäfte des ■ttzenministeriums ist der Reichs- jtekt beauftragt worden.
*Meichspostminister Dr. Schätze! hat Ih Verbleiben im Amt von der Zustirn- Wmg seiner Frattion abhängig gemacht. »Der Reichspräsident hat am Freitag den Mi der Reichsregierung ausgeschiedenen Wlchsministern Dr. C u r t i u s, Dr. von rarb unb Dr. Wirth bie Ent- Mlingsurkunben mit persönlichen Begleit- Miben übermittelt.
A8sn gut unterrichteter Seite wird rnit- J*ilt. datz die gesamte Grüne Front Ri herüber einig geworden ist, auch dem ^»aqebildeten Kahinett kein Verbauen entgegenzubringen. Die Land- Mlk p a r t e i hat sich ihre Stellungnahme ■^«halten, aber zum Ausdruck gebracht, ■I bas erste Erfordernis für ein lebens* Wyes Kabinett heute ein einheit- ■i<r Kurs unter Verlagerung Mch rechts sein müsse.
MÄl ber Berliner bürgerlichen Presse wird ! Wlem neuen Kabinett Brüning überwie- ■jb eine Verlegenheitslösung
■Ser bayerische Ministerpräsident Dr. Wfib unb ber Vorsitzende ber Bayrischen ■Jspartei, Schaeffer, haben sich zu ■*r Besprechung nach Berlin be - W-'k n. in ber voraussichtlich am Sonn- ■rffi die Stellungnahme der Bayettschen WMrpartei zu dem neuen Kabinett Brü- ■p festgelegt werden wird.
■I3n politischen Kreisen beschäftigt man W letzt schon lebhaft mit der Frage, ob I ■Fnoeite Kabinett Brüning Aussicht hat, I ■r’tetdjstag eine Mehrheit zu finden. Die | ■EWtten find recht geteilt, der Kanzler I ■EL .er ^ch"et ziemlich sicher mit einer I KWtt In der Tat gilt als sicher, datz I ozioldemokratie auch diesem
|r?neti: gegenüber ihre Tolerie- ■K8spolitik fortsetzen wird. In U^en des Kabinetts rechnet man auch I Bi i sich die Gruppen der gemätzig- ten> Ausnahme der lia* $en Volkspartei, deren übrigens heute seine Be-
IC®8en fortsetzt, dem Kahinett nicht ver- I ■E* Werden, und datz es auch gelingen ICf»öte Bedenken der Bayerischen I B» » v « rtei aus der Welt zu räumen. »I bayerischen Volkspartei, deren füb- Vertreter ja auf dem Wege nach
■RS — s^d> roird es darauf ankommen, I ■ 5 _ Sicherungen dafür zu erlangen, daß f » neue Kabinett keine Reichs- rmplane verwirklicht, denen die j