Einzelbild herunterladen
 

r

Anzeiger der amtlichen Bekanntmachungen für Stadt und Kreis Marburg.

K

Brüning Kanzler und Außenminister

Die Regierung zurückgetreten Sofortige Neubildung des Kabinetts Wer

wird Reichsinnenminister?

ber

Reu

Nr.W ss.Mrg. Marburg o. Lahn

wei- elen

Mische LlwdeWtmg

lbr

220

auf= inen >an- vett

in rbc.

Marburger ramüuzejger

Er- iulb nck inet Lten ,art das >ezu and der itei An­der der den

DOS.

tige. ilm- eine lickie Jn-

Mittwoch, dtN7.Stt.1M

arbeiter erbeten haben, mit Rücksicht auf die Interessen unserer Leser die Rede sein.

Aus dem letzten Quartalsctusweis der Reichsbank vom Ultimo September, den wir am 5. d. M. veröffentlichten, geht hervor, daß allein in den letzten drei Sep- temberwochen 355 Millionen Reichsmark in Gold und Devisen aus den Kassen der Reichsbank abgeflossen sind. Der Roten­umlauf hat mit 30,1 Prozent die bisher niedrigste Deckungsgrenze erreicht. Ueber- legt man sich aber, daß in dem Restbestand noch der Rediskvntkredit von 400 Millionen Mark enthalten ist, so kommen wir auf eine Deckung von knapp 20 Prozent. Im Ge­gensatz dazu hat sich der Aotenumlauf gegenüber dem Vorjahr kaum verringert. Das bedeutet ober eine sehr erhebliche Ausweitung unseres gesamten Zah­lungsmittelverkehrs, die mit der ab sin­ken den Tendenz unseres Handelsvolu­mens nur noch schwer in Einklang zu bringen ist.

Die Ursachen für den starken Gold» und Devisenschwund sind aber nicht etwa nur in den großen Lücken des Stillhalteabkom­mens zu suchen. Viel einschneidender er­wies sich, daß der Rückfluß an Erport- devisen unseres Außenhandels ganz an­ders funktionierte, als er theoretisch be­rechnet worden war. Es ist kein Zweifel mehr, daß deutsche Exporteure ihre Export- erlöse un Ausland stehen oderarbeiten" lassen. Es sind also Reichsgelder, die die Reichsbank auf Grund der Wechseleinrer- chungen zur Verfügung gestelll hat. nicht zuruckgeflossen, sondern zur Spekulation

Der Anzeigerchrek« beträgt für de» 11 gestalt. Zeilenmillimeter 0.08 BM., sog. klein« Anzeige» und Familienanzeigen bei Barzahlung 0.07 ®9R_, amtl. trab auswärtig« Anzeigenv.10 GM. Grundschrtftr Kolonel. Bei schwierigem Sah so» wie bet Plahvorfthrist 50'l. Auf. tzhlag. Sammelanzeigen 100*/. Aufschlag Retlam.-Millim. 0.40 GM. Grundschrtft , Petit. Jeder Rabatt gilt alt Barrabatt. Ziel 5 Tag«. Offerten-Gebühr: 25 Pfg bei Zustellung der Angebote einschl. Porto6V GM. Belege werd« berechn«. Erfüllung«» rt Marburg

jpfc .Oberhesflsche Zeitung' et- tiefet sechsmal WSchentlich. Be- Mfirttit monatlich 2. 20GM.au«- cchveßl. Zust-NungSgtbühr, durch

Post 2.45 GM. Für etwa durch g/ttett, Maschinendefekt oder tk* fftatstt Ereignisse ausfallend« «a_maern wird kein Ersatz g«.

Verlag, Dr. 6. Htheroth, gyted der Unib-Buchdruckerel Zah. Sag. Koch, Markt 21/23. ^nsprecher: Nr. 54 trab Nr. 55. Postscheckkonto: Amt Frankfurt ». <5t Nr. 5015. Sprechzeit «er Redaktion von 1011 et»

Zu spät?

NaÄ Abschluß der Arbeiten an der Not- dnung trat das Reichskabinett heute ittag unter dem Vorsitz des Reichs- Dr. Brüning in eine Er-

rtrrung der gesamtpolitischen Lage ein Ufy luter Berücksichtigung des inzwischen ein- ereichtea Rücktrittsgesuches des Reichs- lmristers des Auswärtigen Dr. C « r t i u s «schloß das Reichskabinett auf Vorschlag 8 es Reichskanzlers, dem Herrn Reichsprä- hentea die Eesamtdemisfion des Reichs- lbinetts anzubieten.

rung stand, durch die Umbildung zu edigen. wird in parkückesitarikchtzn Menen vorläufig noch verschieden beur- ilt. Es wird dabei wesentlch auf die iung der Deuffchen Volkspartei an- men, die erst Anfang nächster Woche welegt werden wird. Obgleich von gebender Seite die Blättermeldung r einen dicht bevorstehenden Anschluß 1 dienationale Opposition" als aus Fingern gesogen bezeichnet wird, doch festgestellt werden, daß man ' ^wge in Kreisen der Deutschen Msvartei recht skeptisch ansieht. Nach maffung objektiv urteilender Beo- chter ist es ratsam, zunächst einmal ab- strten, bis der Kanzler das Kabinett hat, roeil auch die personelle Zu- mensetzung die parlamentarischen unten des Kabinetts wesentlich bc- fluffen dürfte.

wen,

».

dig, FR237

Keine Vollmacht für Hoover

Das Ergebnis der Konferenz im Weißen Haus

fk. Washington. 7. Okt. Die mit größter Spannung erwartete Kon­ferenz Hoovers im Weißen Hause mit 32 führenden Männern der beiden Kongreßhäuser, begann Dienstag abend nm S llhr amerikanischer Zeit (Mittwoch 3 Uhr mitteleuropäischer Zeit). Der Aussprache wohnten bei Staatssekretär Mellon, der Staatssekretär Mills und der Präsident des Bundesreserveamts, Eugen Meyer. In Kreisen, die der Negierung nahestehen, wird nunmehr ver­sichert, daß Hoover keineswegs ge­neigt sei, in nächster Zukunft Vor­schläge für eine Neuregelung der Reparations- und Schul­de nfragen zu unterhreitei?oder schon jetzt eine Verlängerung des Moratoriums anzuregen.

Das Ergebnis.

Kurz nach Mitternacht (amerikanischer Zeit) wurde das Ergebnis der denkwürdt- gen Konferenz im Weißen Hause in Form einer amtlichen Erklärungen, der eine längere Kundgebung des Präsidenten fol­gen soll, bekannt gegeben. Das Programm, das nach wochenlangen Beratungen mit den ersten Finanzkreisen des Landes ausge­arbeitet worden ist und nunmehr die Zu- timmung auch der führenden Par­lamentarier gefunden hat, stellt ein um­astendes Finanzhilfsprogramm

Das heute neu zu gründende Ka­binett Brüning hat nach Auffassung maß­gebender Kreise vor allen Dingen zwei charakter^tische Merkmale: Das ist ein­mal, dag die bisherige Außen­politik fortgesetzt wird. Das zweite Moment ist die Bekräftigung des Vertrauens des Reichspräsidenten zu Dr. Brüning. Der Reichspräsident hat damit die mannigfaltigen Ratschläge abgelehnt, die ihm von den verschiedensten Seiten erteilt worden sind uno erneut seine Zu­sammenarbeit mit Dr. Brüning doku­mentiert.

Die französische Presse zur deutschen Regierungskrise.

Wegen der bevorstehenden Reise des französischen Ministerpräsidenten nach Amerika und des Besuches des englischen Außenministers in Paris, widmen nur einige große Pariser Blätter den Ereig­nissen m Deutschland eingehendere Er­läuterungen. Sie erklären übereinstim­mend, daß der Rücktritt von Cur- ti us seit dem Mißerfolg des deuffch- österreichischen Zollplanes kein Geheim­nis mehr gewesen sei. Aus der augen­blicklichen Krise,, so betont dasIour- n a l", könnten sich sehr leicht Ereignisse entwickeln, die die außenpolitischen, wirt­schaftlichen und finanziellen Grundlagen vollkommen erschüttern. Die Opposition habe Brünings Stellung ernstlich unter­graben. Die Taktik Hugenbergs und Hitlers fei von Erfolg ge­krönt gewesen. Der nationalistische Figaro" befürchtet, daß die neue Re­gierung Brünings noch weniger ver­trauenerweckend (für die Franzosen!) sei.

zurWiderherstellung der ameri­kanischen Wirtschaft dar. Das Programm umfaßt n'cht das Problem der internationalen Kriegsverschuldung. Die Bemühungen Hoovers, für die Ve-. Handlung der europäischen Finanz- pläne gewissermaßen eine Blankovoll­macht zu erhalten, sind an dem Wider­stand zahlreicher Konferenzteilnehmer ge­scheitert.

Die Konferenz im Weißen Haus mit den Führern der republikanischen und demo­kratischen Senatoren und Abgeordneten endete nach Mitternacht. Nicht eingeladen waren die Vertreter der sogenannten progreillven Republikaner; dagegen nahm u. a. der deutsch-amerikanische Senator Wagner teil, der nach dem Verlassen des Weißen Hauses erklärte, es sei weder ein« Steuererhöhung noch ein Verbot von Leerverkäufen an Fondbörsen, noch die Frage der deutschen Kurzkredite erörtert worden. Man habe lediglich diskutiert und sich prinzipiell geeinigt über die Gründung eines privaten Bankkonsortiums mit einem Kapital von 500 Millionen Dol­lar, mit dem den Banken geholfen werden soll, deren Anleihen an ihre Schuldner sich nach den Bankgesetzen nicht zur Diskontie­rung durch die Bundesbanken eignen, lleber eine Verlängerung des Hoover- Moratoriums wurde nichts beschlossen. Man war sich darüber einig, daß Präsi­dent Hoover diese Frage mit Laval aufnehmen und feststellen solle, welche Be­dingungen für ein weiteres Moratorium erforderlich seien.

Höchste Gefahr

Es ist angesichts einer ganz beachtlichen Zahl von Rotverordnungen nicht gut mögt lich, zu sagen, daß zur Rettung Deutsch­lands nichts geschieht. Aber angesichts einer besonderen Kategorie dieser Rot» Verordnungen empfiehlt es sich nicht immer, auszusprechen, wie man über diese Maß­nahmen denkt. Auch eine Zestung ist ein wirtschaftliches Unternehmen, und das Blei der Setzmaschinen könnte tödlich erkalten, ehe man sich darüber einig wird, was eine Verbalinjurie und was keine ist. Selbst sehr große Zeitungen in sehr großen Städ­ten, die erfahrungsgemäß auch nach einer unfreiwilligen Stillegung schnell wieder ihre Abonnenten beisammen haben, verzichten heute darauf, aufs Glatteis zu gehen. Unter ihnen war gar manche, die im ver­flossenen Winter den offiziösen OptimiS- mus mit heißem Herzen unterstützte, da man auf das Wunder des ausgeglichenen Haushalts starrte und darüber vergaß, zu fragen, wo denn dieabgehängten" Schul­den wieder zum Vorschein kommen würden. Unsere Skepsis ist älteren Dutums und hat in einem Maße recht behalten, das beinahe zermürbend ist. Aber mag was die müde Zurückhaltung nun auch der großen Zeitungen zu bestätigen 'cheint das wertvolle und allzu grob angespannte Band zwischen Regierung und Presse fast zerris­sen sein, das Band zwischen den Lesern und jenen Zeitungen, die mit den gegebe­nen Mitteln warnend auf das böse Ende hinwiesen, ist zu einem starken Band des Vertrauens geworden.

Run sprechen heute sehr diele Dinge für sich selber und die Leser verstehen den un­geschriebenen Kommentar ihrer Zeitung besser, als manchen Orts bekannt sein dürste. Aber ht einem Punkte besteht die Gefahr, daß der furchtbare Ernst unserer Lage mit Zukunftshoffnungen imaginärer Art verschleiert wird. Wir meinen un­sere Währung. Von ihr soll in diesem Aufsatze und in einigen grundsätzlichen Aus­einandersetzungen, die wir von einem Mit­

gut , unterrichteten Kreisen rechnet damit, daß die Umbildung des skabinetts bis Mittwoch abend voll- u fein wird. Nachdem die Konferenz den Ministerpräsidenten der Länder roar der Kanzler gestern mittag seine Bemühungen um die nettsveränderung wieder aufgenom-

Es handelt sich dabei vor allem «ssn, einige hervorragende Männer zu mnen, die in dem neuen Kabinett Rerchsivirtschafts- und das Reichs- ehrsministerium übernehmen. Bis- JW hierzu nur fest, daß Geheimrat >Ultz das Wirtschaftsministerium ^lehnt hat. Es gilt aber immer als möglich, daß er das Reichsver- sministerium übernimmt. Dagegen «s nicht richtig, daß der frühere preu-

Landwirtschaftsminister Professor m b o l d das Reichswirtschaftsmini- bereits abgelehnt hat. Die Ge- wonach auch mit Dr. Bögler 'ndelt wird, werden von untetrich- --elte als unzutreffend bezeichnet.

das Reichsinnenmini st e- denkt man eine energische und e Persönlichkeit, die vielleicht dem ten Beamtentum entnommen werden politischen Kreisen nennt man als W-n für das Reichsinnenmmiste- neben Dr. G e tz l e r mich den Esse- ^k"burgermeister Dr. Bracht. Im Mick läßt sich noch nicht sagen, wie ^iungnahme mit ihnen ausgeht. Es oer sogar die Möglichkeit bestehen,

**16 J"?

nehmen würde, einer der beiden Herren unter Umständen für diesen Posten in Frage käme.

Das Außenministerium wird nicht durch einen neuen Minister besetzt werden. Vielmehr wird der Kanzler es selbst übernehmen.

Ursprünglich war daran gedacht wor­den, Staatssekretär von Bülow mit der Wahrnehmung der Geschäfte zu be­auftragen, da damit der Kanzler von den Botschafterempfängen und ähnlichen Auf­gaben befreit wird. Diesen Plan hat man aber auch wieder fallen lassen, da Dr. Brüning die Verhandlungen mit den aus­wärtigen Missionschefs, z. B. die Bespre­chungen mit dem amerikanischen Bot­schafter über die schwierigen wirtschaft­lichen und finanziellen Probleme auch bisher schon in weitem Maße fejbft wahr- genommen hat. _ Für das Justizministerium kommt in erster Linie der bisherige Staatssekretär des Ministeriums Dr. Joel in Frage, der als ein außerordent­lich fähiger Jurist und Verwaltungsbeam­ter gilt und politisch der Deutfchen Volkspartei nahesteht.

Die Nachricht, daß auch der Staats­sekretär der Reichskanzlei Dr. P ü n d e r und der Pressechef der Reichsregierung. Ministerialdirektor Dr. Zechlin. mit ausfcheidcn, trifft nach unferen Informa­tionen nicht zu. Für das Innenministe­rium wird in politischen Kreisen der Name Dr. G e ß l e r s genannt. Ob hin­ter diesen Gerüchten ernste Aussichten stehen, läßt sich aber im Augenblick nicht nachprüfen..

icm 'tu.

Sii

Sxatofi Mein aelfa bet,

öbevkMsche Zeitung

Anzeiger für (bas frühere kurhessische) OSerheffen

An maßgebender Stelle wird auf die eststellung Wert gelegt, daß die pol i- ^ische Basis des zweiten Kabinetts mg dieselbe sein wird wie die bisherigen Reichskabinetts. Die ge, ob es unter diesen Umständen ge- k Mgen wird, den rechten Flügel der Par- ? Mcnkombmation, die bisher hinter der