Sonnabend, deaLSkt. 1931
DK ^vberh«Mche Sdtitng* et- ^hrrnt sechsmal VSchentlich. St- pffßptei* monatlich 2.2tXSM.<ms- jchtleßl. ZnstellnngSgebühr, durch hte Post 2.45 GM. Für etwa durch Streik, Maschinen defekt oder eie* jEiitnrr Ereignisse ausfallende fgeoonerx wird teilt Ersatz ge* Id#* vertag, Dr. ft. Hcheroth. Druck der Unid-Buchdruckerei geb. Bug- Koch, Markt 21/23. Aerusprecher: 0?t_ 54 und Rr. 55. Postscheckkonto; Amt Frankfurt «. M. Skr. 5015. — Sprechzeit Ne Redaktion von 10—11 er>
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Anzeiger für (das frühere knrheffifche) Oberheffe«
Nr.MS«.Mrs. Marburg a. Laba
Der MyetzakPvN« Mtifgt für den 11 gestalt. Zellenmilltmetee 0.08 ®at,fog. kleine An zeigen und Famlltenanzeigen bei BaqaftKmg 0.07 GM- amtl. und auswärtige Antigen 0.10 GM Grnudschrtftr ftolonel. Bet schwierigem Satz sowie bet Platzdor schrtft 50* Aufschlag. — Sanrmeia» zeigen 100* Aufschlag greklaou-Millim. 0.40 GM Grundfchrtst, Petit. ZeNr Rabatt gilt al« Barrabatt. Ziel 5 Tage. Oss orten-Gebübr r 25 Pfg- bet Zustellung der Angeboteetnschl. Porto —.60 GM Belege werden berechuet. Erfüllungsort Marbnrg.
Anzeiger der amtlichen Bekanntmachungen für Stadt und Kreis Marburg.
Abwälzung auf die Gemeinden
Unter dem Druck der S. P. D. — Verlängerung der Krisenfürsorge — Schwerste Belastung der Gemeinden
Steigende Verschuldung
Aus der Notverordnung
Die Dorstande des deutschen «nd preußi* fchen Städtetages haben am Freitag in München wichtige Fragen der Kom* mnnalpolitik beraten. Dabei wurde zum Ausdruck gebracht, daß trotz der bekannten scharfen Sparsamkeit der Gemeinden für das Jahr 1931 infolge der Kosten der kommunalen Erwerbslosenfürsorge ein E e- samtfehlbetrag von mindestens 800 Millionen Reichsmark errechnet worden ist.
Verlängerung der Krisenfürsorge.
Z« der von der Sozialdemokratte ange- kündigten Verlängerung der Bezugsdauer für die Krisenunterstützung erfährt da» L. D. Z. - Büro von zuständiger Stelle, daß im Reichsarbeitsministerium tatsächlich eine entsprechende Verordnung in Vorbereitung ist, die durch B e r l 8 n g e r « u g der Bezugsdauer der Krisen, fürsorge den nach dem Beschluß der Reichsanstalt früher Ausgesteuerten eineu «-gleich verschaffen will. Die Verordnung wird schon in den nächsten Tagen erlasten werden. Die Verlängerung der Krisen- fürsorge bedarf keiner Regelung durch Rotverorduung, sondern kann durch einfache Verordnung des Arbeitsministeriums verfügt werden. Gegenwärtig beträgt die allgemeine Dauer der Krisenfürsorge 32 Wochen. In besonderen Fällen, namentlich für über 40 Jahre alte Personen, rann sie bis zu 39 Wochen verlängert werden. Für berufsübliche Arbeitslose tritt aufgrund der Notverordnung vom Juni zu den 32 oder 39 Wochen eine Verlängerung um sechs Wochen, so dah hier im allgemeinen die Laufdauer der Krisenfürsorge schon jetzt 38 bis 45 Wochen betragt. Die geplante weitere Verlängerung der Krisenfürsorge wird voraussichtlich der Verkürzung der Bezugsdauer der Arbeitslosenversicherung entsprechen. Die Dauer der Krisenfürsorge wird also im all» grmeinen um sechs und für Saisonarbeiter um vier Wochen verlängert werden. Das bedeutet eine Verlängerung für die ein- krlnen Kategorien a «f 3 8 bis 4 9 Wochen. Zunahme der Wohlfahrtserwerbslosen in
Preußen.
Ä der Erhebung des Preußischen Sta- Landesamtes vom 31. August 1931 ™ Kreutzen 806 600 vom Arbeitsamt Aberkannte Wohlfahrtserwerbslose bei den «ezirlsfurwrgeverbSnden gezählt worden ge* Rnh1 tZ£2 ®74 nm des Vormonats, {1?°» llch eme Zunahme um 53 626 aner- «mrte Wohlfahrtserwerbslose oder 7,1 Pro- Ergibt, die wesentlich stärker ist als der Luwach- <34 909. gleich 4,9 Prozent). » Eallen auf 1000 Einwohner im we^durchichnitt letzt 21,1 Wohlfahrtser-
Ende September 1930 ® 12°? Pnwohner 1,7 Wohlfahrtserwerbs- saW ba^oJn^,™ie. Wohlfahrtserwerbslosen- SrtX^?397 Dbel 82’4 Prozent erhöht. K1* man auch die 15176 unterstütz- Nwi^°b^^^rwerbslo!en. deren Anerken- nung durch das Arbeitsamt nur am Stichle noch nicht ausgesprochen gewesen ist io* geb« 44B8 strittigen Fälle, so ist die Ee- ^Ntzahl der von den preußischen Bezirks- W«;F-2fTban^n, oder Gemeinden laufend ^"terstutzten Wohlfahrtserwerbslosen 1931
^^ 770 000 Ende Juli auf rund 826 000 Ende August cmgewachsen. Von dm Wohlfahrtserwerbslosen befanden sich 71435 (tm Juli 75 441) in Fürsorge- oder Notstandsarbeit. Wie im Juli ist auch im August der Zuzug an Wohlfahrtserwerbslosen m den Landgemeinden (9,4 Prozent) und kreisangehörigen Städten (7,5 Prozent) verhältnismäßig etwas stärker gewesen als in den kreisfreien Städten (6,8 Prozent).
Das Reichskabinett hat, um die notwendigen Beschlüsie für die neue N o t - Verordnung zu beschleunigen, seine Beratungen bis in die Nachtstunden ausgedehnt. Man hofft, daß die Notverordnung am Dienstag abend der Presie zur Veröffentlichung übergeben werden kann.
England triumphiert
Die lästige deutsche Konkurrenz wird verdrängt
Neue Unruhen in Glasgow
die Ruhe
Nach Londoner Meldungen sprechend einem Beschlug des
wird ent* Kabinetts
sowie nach Verhandlungen der Liberalen mit einer Auslösung des Unterhauses Mitte nächster Woche gerechnet.
,^)aily Telegraph- bringt eine Zusammenfassung über die Bewegung der englischen Industrien nach Fallenlassen des Goldstandards in England. Besonders günstig macht sich bisher die Entwertung^ des Pfundes im Schiffahrtgeschäft, Kohlenbergbau, sowie in der Maschinen-, Woll-, Kunstseide- und Holzindustrie bemerkbar. Die Arbeitslosigkeit ist dadurch z. B. im nordwestlichen Jndustriebezirk von etwa 21 000 auf 13 865 in den letzten vierzehn Tagen zurückgegangen. I« Gebiet Saneashire hat das Geschäft in der Baumwollindustrie den bestem Stand seit drei Jahren erreicht. Sogar chemische Bestellungen sind zum erstenmale seit Jahren wieder eingelaufea «nd besonders zahlreiche Anfragen für Kunstseide «nd Baumwollwaren liegen aus Deutsch- i land vor. Ein Großhändler erklärte einem Vertreter des Blattes, dah sein Werk sogar in Schweden, wo auch der Goldstandard vorübergehend auher Kraft gesetzt ist, langsam aber sicher die befürchtete deutsche Konkurrenz verdränge. I
Die Anzahl der in den Tyne-Schiff- I werften aufgelegten Frachtdampfer hat sich I in den letzten Wochen von 153 auf 140 I verringert. Es liegen Anzeichen dafür vor, I daß das Kohlengeschäft nach den I Goldstandardländern einen weiteren Auf- I schwung erfahren wird. Die Frachtsätze I nach der Ostsee hätten bereits eine Steigerung von 3 Schillingen erfahren, sind je- I doch in den letzten Tagen wieder etwas zu» I rückgegangen. Die Weihblechfabriken von I Südwales haben ihren Betrieb wieder auf- I genommen, womit wiederum ein erhöhter I Kohlenbedarf verbunden ist. Beträchtliche I Kauforders, besonders aus Südamerika, liegen für Wahleskohlen vor. I
Snowdens letzte Rede vor dem Unterhaus I
London, 2. Okt. Snowden hielt I heute als Abschluß der Unterhausdebatte I über die Finanzvorlage feine letzte Rede I vor dem dicht besetzten Unterhaus, bevor I er sich aus dem politischen Leben zurückzieht. Er begann mit einem heftigen An- I griff gegen die Führer der Opposition, I die, wie er besonders hervorhob, gerade I an dem Tage fehlten, an dem die wich- I tige Finanzlage in dritter Lesung be- I raten werde. Snowden verteidigte die I Politik, die er bisher verfolgt hat, und I auch diejenige Macdonalds. Seine bitte- I
fk. London, 3. Oft. Die Unruhen, die sich in der Nacht zum Freitag in Glasgow ereigneten, wieberljolten sich in der Nacht zum Sonnabend in noch ernsterem Ausmaß. Während der Nacht wurden 5 3 Ver- haftungen vorgenommen. Die Unruhen begannen gegen 20.30 Uhr, als verschiedene Tausend Erwerbslose vor dem Eerichtsgebäude einen Demonstrationszug zu bilden versuchten, jedoch von der Polizei auseinander getrieben wurden. Immer wieder sammelten sich in allen Teilen der Innenstadt einzelne Trupps an, die die Fensterscheiben von Geschäften und Läden einwarfen und die Auslagen plünderten. Die hauptsäch- lickften Zusammenstöße ereigneten sich in der unmittelbaren Nähe der Polizeistation. Zahlreiche Frauen beteiligten sich an den Unruhen. Berittene Polizei war ununterbrochen tätig, um eine weitere Ausdehnung der Unruhen zu verhindern. Erst in den frühen Morgenstunden konnte wieder hergestellt werden.
ren und sarkastischen Worte, die sich auch gegen die jetzt in der Opposition stehen* en Mitglieder des vorhergehenden Arbeiterkabinetts richteten, wurden von den Abgeordneten der Labour Party mit lebhaften Zwischenrufen erwidert.
Nach Snowdens Rede nahm das Unterhaus die Finanzlage in einfacher Abstimmung in dritter Lesung an.
Macdonalds vergebliche Reife.
London, 2. Okt. Die Reise des Premierministers Macdonald nach Seaham, wo er heute vor Delegierten des Bezirksvereins Seaham der Arbeiterpartei gesprochen hatte, ist vergeblch gewesen. Nach seiner Rede schloß der Sekretär der Bezirksorganisation die Verhandlung mit der Erklärung, die Partei bleibe bei ihrem Entschluß, anstelle Macdonalds einen anderen Kandidaten a u f z u st e l l en. Macdonald selbst hatte nach seiner Rede noch mehrere Anfragen zu beantworten. Eine Diskussion fand nicht statt, auch wurde der Versammlung keinerlei Resolution zur Beschlußfassung unterbreitet. Als Macdonald seinen Wagen bestieg, um sich zum Bahnhof zurück zu begeben, wurde er von der wartenden Menge mit Hochrufen begrüßt; es wurden aber auch einzelne Pfuirufe laut.
Wir sind in der Lage, aus dem Projekt zur Amschuldung der Gemeinden die toe« sentlicheu Einzelheiten mitteilen zu können. Die kurzfristigen Gemeindeschulden, deren Regelung für die Vertrauenskrise des deutschen Kredits auch gegenüber dem Ausland von großer Bedeutung ist, werden in den Städten über 10 000 Einwohner einschließlich der Werkschulden auf 1,7 Milliarden veranschlagt, während die reinen Kommunalschulden 1,45 Milliarden betrat gen. Hiervon werden nach Abzug der reinen Kassenkredite, die durch den lau- senden Betriebsbedarf gerechtfertigt sind, rotoie nach Absetzung direkter Barablö- jungen nach dem Plan der Reichsregie-- rung noch 800 Millionen konsolidiert wer-- den müssen, d. h. sie werden unter Gar- antie des Reichs und der Länder in längerfristige Kredite umgewandelt, für die ein fester, in die Wirtschaft der Gemeinden voraussichtlich tief einschneidender Tll- gungsplan ausgestellt wird. Im einzelnen ist folgendes Verfahren vorgesehen:
'Es wird eine „Amschuldungsstelle" beim Reichsfinanzministerium Mr Amschuldung kurzfristiger Verbindlichkeiten der Länder und Gemeinden gebildet. Ihr gehören an: je ein Vertreter des Reichsfinanzministeriums. des Reichsbankdirektoriums, des privaten Bank-- und Hypothekengewerbes, der Reichskreditgesellschaft und der Regierung oder der Staatsbank des beteiligten Landes. Als zuständigen Länder- vertreter wird der Reichsrat einen Preu- . ßischen Bevollmächtigten entsenden. Handelt es sich um die Amschuldung einer Gemeinde, so müssen noch ein Vertreter sowohl der Deutschen Girozentrale wie des zuständigen kommunalen Spitzenverbandes zugezogen werden.
Die Amschuldungsstelle. die auf Antrag sowohl des Schuldners wie des Gläubigers allein „vermittelnd" tätig werden kann, hat gegenüber dem Schuldner, d. h. der Gemeinde oder dem Lande im Rihmen ihrer eigentlichen Tätigkeit, die auf gemeinsamen Antrag von Schuldner und Gläubiger erfolgt, eine Anzahl wichtiger Befugnisse. So kann sie vom Schuldner die namentliche Angabe der übrigen Gläubiger verlangen. Die Gemeinde muh einen Aeberblick über ihre Haushalts-, Kassen- und Vermögenslage geben und selbst einen Tilgungsplan für ihre sämtlichen kurzfristigen .Schulden vorlegen.
Das Verfahren der Amschuldung geht so vor sich, daß durch Ausgabe von Schuldverschreibungen und eine Festsetzung von Tilgungsraten oder durch eine dieser beiden Maßnahmen die bisherigen kurzfristigen Schulden abgedeckt werden. Es ist geplant. den Ländern für diesen Zweck einen Amschuldungsfonds zur Verfügung zu stellen. Die Schuldverschreibungen werden, so weit nicht infolge der Beschaffenheit des Gläubigers ohnedies bereits die 'Darablösung durchgesührt wird, von den Hauptgläubigern, d. h. den Sparkassen und sonstigen Bankinstituten ins Portefeuille genommen werden. Ein Betrag von 150 Millionen wird den Gemeinden durch Abzweigung von 12 Prozent des Hauszinssteueraufkommens für den Tilgungszweck zugewiesen. ,
Die Amschuldungsstelle kann die Amschuldung davon abhängig machen, daß die Gemeinde sich verpflichtet, ihren Haushaltsfehlbetrag mindestens in LMe der Hälfte der Zinsen- und Tilgungsraten' durch Ausgabensenkung und nur den Rest durch „sonstige „Maßnahmen" M decken.