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Nur noch 20 Wochen Unterstützung
Herabsetzung der Dauer der Arbeitslosenversicherung — Neue schwere Belastung der Gemeinden
Wilf
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Anzeiger für (das frühere kurhessische) Oberhessen
Anzeiger der amtlichen Bekanntmachungen für Stadt und Kreis Marburg
„Abhängen" und „Abwälzen"
Brüning gibt nach
Es wird mitgeteilt: Durch die Berord- nung des Reichspräsidenten vom 5. Juni 1931 ist der Vorstand der Reichsanstalt i- fit Arbeitsvermittlung und Arbeitslosenversicherung verpflichtet, den Ausgleich zwischen Einnahmen und Ausgaben der Reichsanstalt sicherzustellen. Auf Gründ dieser Verordnung hat der Vorstand in seiner Sitzung vom 1. Oktober dieses Jahres beschlossen, die Höchstdauer der versicherungsmäßigen Arbeitslosen- nnterstützung von 26 Wochen auf 20 Wochen, für berufsiiblich Arbeitslose auf 16 Wochen zu kürzen. Der Vertrs- R ter der Reichsregierung stimmte dem De- [ Wuh des Vorstandes zu. Die Neuregelung | tritt am 5. Oktober in Kraft. Die durch den Beschlug des Vorstandes erzielte ^Einsparung soll die finanziellen Aoknrde- rungen sicherstellen, die bei einer Höchstzahl von 6y2 Millionen Arbeitslosen im kommenden Winter für llnterstützungs- leistungen in der Arbeitslosenversicherung erwachsen werden. Die Entwicklung der Arbeitslosigkeit hat sich bisher so gestaltet, daß im laufenden Jahre in der Zeit zwischen dem tiefsten Stand des Sommers und dem 15. September die Zahl der /-lrbeits- losen um rund 370 000 gestiegen ist, d. h. nicht erheblich stärker als in der entsprechenden Zeit des Vorjahres, wo dis Zunahme rund 348 000 betrug. Am 15. September dieses Jahres belief sich die Zahl der Arbeitslosen auf rund 4,3 Millionen. Ein abschließendes Urteil über die weitere Entwicklung ist zur Zeit nicht möglich.
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Diese Kürzung soll dazu dienen, das Defizit der Reichsanstalt zu beseitigen, dessen Höhe erst irrt Laufe des Winters, wenn der Grad der Erwerbslosigkeit voll 8u übersehen ist, halbwegs sicher geschätzt werden kann. Die jetzt beschlossenen Maßnahmen setzen ein Defizit von 110 Millionen Mark voraus, was einem Höchststand von 6,5 Millionen Erwerbslosen im Laufe des Winters entsprechen toütbe. Ob diese Ziffer erreicht oder überschritten werden wird, hängt von Umständen ab, die sich naturgemäß noch nicht übersehen lassen. Im Reichsarbeitsministerium glaubt man aus der bisherigen «ewegung der Erwerbslosenzahlen schließen Zu dürfen, daß die genannte Ziffer lediglich eine alleräußerste Schätzung darstelle.
Es handelt sich hier also lediglich um eine Abwälzung des Defizits der Reichs- Anstalt für Arbeitslosenversicherung auf dre Gemeinden, auf dem Umwege über die Herabsetzung der Leistungsdauer. Das ist im Grunde dieselbe gefährliche Maß- "nhme. die der Reichsfinanzminister seiner Zeit traf, als er die Arbeitslosenver- stcherung vom Reichshaushalt „abhängte", ^ir haben ständig darauf hingewiesen, daß diese Art, einen Fehlbetrag abzuhan- sten oder abzuwälzen, sich ein wenig fpä= aber um so schärfer, auf die Finanz- der Gemeinden auswirken müsse, und so ist es auch gekommen: Während waa sich rühmte, leidlich durch den Win
ter gekommen zu sein, begann sich die ganze Schwere der Belastung auf die Gemeinden im Sommer auszuwirken. Die Folgen werden auch diesmal mit gleicher Schärfe, aber noch schneller eintreten. So ist weder den Gemeinden noch den Arbeitslosen zu helfen. Dr. 8.
Zu den Verhandlungen, die Reichskanzler Dr. Brüning mit dem Führer der Sozialdemokratie gepflogen hat, wird dem Nachrichtenbüro des Vereins Deutscher Zeitungsverleger in gut unterrichteten Kreisen gesagt, man müsse annehmen, daß die Reichsregierung die Absicht aufgegeben
Das hat England bisher noch nicht gekannt...
Die Londoner Polizisten entreißen den Demonstranten die mitgefübrten roten Fahnen.
Auch England, bisher ein Musterstaat der Ruhe und der politischen Disziplin, lernt jetzt Unruhen, Demonstrationen. Stratzenkämpfe kennen.
Erwerbslosen-Demonstrationen in Glasgow.
fk. Loudon, 2. Okt. In Glasgow kam es am Donnerstag abend zu schweren Zusammenstößen zwischen 50 000 Arbeitslosen und der Polizei, in deren Verlauf neun Personen schwere Verletzungen erlitten. Elf Personen, darunter ein llnterhausabgeordneter und eine Frau, wurden verhaftet.
Nachdem im Laufe des Donnerstagabend eine Massenversammlung unter freiem Himmel von Polizeiabteilungen zu Fuß und zu Pferde gewaltsam auseinandergetrieben war, sammelten sich bis spät nach Mitternacht immer wieder größere Trupps Erwerbsloser an, die den Osten und das Geschäftsviertel der Stadt durchzogen und die großen Fensterscheiben der Geschäfte und Kaufhäuser zertrümmerten. Der bisher angerichtete Sachschaden wird auf mehrere 100 000 9LM geschätzt. Die Uebersallkommandos erwiesen sich den Demonstranten gegenüber als machtlos, obwohl sie im Laufe der Nacht ungezählte Vorstöße mit dem Gummiknüppel gegen die Demonstranten unternahmen.
Drei Polizisten mußten ins Krankenhaus geschafft werden. Nach Mitternacht wurden 12 Lebensmittelgeschäfte ausge- vlündert. Um 1.30 Uhr war die berittene Polizei nochj „in den Straßen mit dem.
Auseinandertreiben der Menschenmenge beschäftigt. Erst nach 2 Uhr früh trat endlich Ruhe ein.
Unruhen in Duisburg
Duisburg, 2. Okt. Vermutlich als Auswirkung der auch im Duisburg-Ham- borner Bezirk angeregten wilden Streikbewegung kam es am gestrigen Abend an verschiedenen Stellen der Innenstadt zu größeren Zusammenrottungen. Mit lautem Gejohle bewegten sich starke Trupps durch die Straßen. Polizei mußte zur Aufrechterhaltung der Ordnung aufgeboten werden. Im Verlaufe der Krawalle kam es an verschiedenen Stellen zu regelrechten Stürmenaufverschiedene Eeschäftslokale, wobei mehrere Fensterscheiben zertrümmert wurden.
In den späten Abendstunden kam es auch in entlegener«» Stadtteilen zu Tumulten. Gegen Mittemacht war die Ruhe «och nicht völlig wieder hergestellt.
Auf mehreren Schachtanlagen im Ruhrbezirk sind in der heutigen Mittagsschicht nur Teile der Belegschaft angefahren. Insgesamt fehlten 3740 Mann, gleich 6,29 Prozent der Belegschaft..
Im Wurmrevier sind die Versuche der K o m m u n i st e n, Streik zu ent- „fachen.. e_r geb n t$_lösLaeblieben .
habe, auf dem gesetzlichen Weg« einen Eingriff in das Tarifrecht vorzunehmen, nachdem die Vertreter der SPD. auf di« schwerwiegenden parlamentarischen Folgen eine« solchen Schrittes hin- gewiesen hatten. Man könne damit rechnen, daß die Reichsregierung nunmehr die Absicht habe, nach Erlaß der großen Notverordnung Unternehmers und Arbeitervertreter zusammenzuberufen, um den Versuch zu machen, zwischen beiden eine Verständigung über die Lohnfragen herbei- zuführen.
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Die Forderungen der Gewerkschaften
Der .Allgemeine Deutsche Gewerlschafts- bunb, der Allgemeine Freie Angestelltendund, der Deutschs Gewerkschaftsbund und der.Ge- werk'chaftsring Deutscher Arbeiter- und An- gestelltenverbände veröffentlichen eme Er- klärung gegen die kürzlich nutgeteüte Erklärung der Spitzenverbande der Wirtschaft, in der es u. a. hecht:
Wenn jemals, dann haben insbesondere die Vorgänge der letzten Monate das Versagen weiter Wirffchaftskreise und die Notwendigkeit eines planvollen Eingreifens des Staates in die Wrrt- scha't bewiesen. Der Versuch, die ungeheure Wirtschaftsnot der Bürger aus staatlichen Eingriffen und aus der deutschen Sozial- und Lohnpolitik zu erklären, ist völlig haltlos. In Wirklichkeit liegen die Ursachen der deutschen Wirtschaftsnot in den allgemeinen Auswirkungen des gegenwärtigen Wirtschaftssystems in der Welt, den internationalen politischen Störungen und dem Misstrauen unter den Völkern. Verschärft wurde sie durch überspannten Protektionismus, Subventionspolitik, Ueberrattonalisierung und systematische Senkung der Kaufkraft. Seit lVs Jahren wird als Ausweg aus der Krise die Senkung der Löhne und Gehälter, sowie der Abbau der Sozialpolitik propagiert und betrieben. Das Ergebnis ist eine ungeheure Verschärfung der allgemeinen Not. Jeder Schritt weiter auf diesem Wege führt tiefer in das Elend hinein. Die krasse Interessenpolitik der Unternehmerverbände kann nicht zu gemeinsamer (Entfaltung der Kräfte und zur Ueberwindung der Wirtschaftskrise führen. Niemals wird die deutsche Arbeitnehmerschaft ihre wichtigsten sozialen Rechte kampflos preisgeben.
Deshalb verlangen die Gewerkschaften sowohl im Interesse der Arbeitnehmer als auch des Volksganzen die Abkehr von dem seither beschrittenen Wege und erheben erneut folgende dringliche Forderungen:
1. Sicherstellung einer ausreichenden Versorgung aller Arbettslosen.
2. Verkürzung der Arbeitszeit — insbesondere durch Einführung der 40- Stundenwoche — zum Zwecke der Mehr- beschästigung von Arbeitskräften.
3. Erhaltung und Steigerung der Kaufkraft, der Löhne und Gehälter, Sicherung des Tarifrechts und des staatlichen Schlichtungswesens.
4. Senkung der Zölle mft dem Ziel der stärkeren Anpassung der deutschen Preise und Lebenshaltungskosten an das gesunkene Preisniveau des Weltmarktes: Druck auf überhöhte Handels- und Verar- beftungsspannen.
5. Auflockerung der Preisbindungen in allen Stufen der Wirtschaft bei gleichzeftrgem Ausbau der öffentlichen Kontrolle.
6. Oesfentliche Bankenaufsicht mit dem — Ziel der Verhütung von. Fchlleftungeu