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Msrdmg a. Lahn
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Anzeiger für (bas frühere kurhessische) Oberhessen
Anzeiger der amtlichen Bekanntmachungen für Stadt und Kreis Marburg.
Die Krise der Goldwährung
Neue Goldtransporte nach Frankreich und Holland — Professor Cassel über eine reine Papierwährung
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Die ^Vbrrhrssis»« Settung' et- scheint sechsmal wöchentlich. Bezugspreis monatlich 2.2VGM.aus» schließl. ZusiellungSgrbühr, durch die Post 2.45 GM. Für etwa durch Strerk, Maschtnendefett oder eie- eemate Ereignisse ausfallende Kummern wird kein Ersah ge- leistet. Verlag, Dr. §.. Hiherotb. Druck der Univ-Buchdruckerei Job. Stag. Koch, Markt 21/23. gernsprecher: Nr. 54 und Nr. 55. Postscheckkonto: Statt Frankfurt *. M. Rr. 5015. — Sprechzeit der Redaktion von 10—11 ■*» •Al—1 Ubr.
Mvwo», dm 30.6toi.1931
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Der Goldstandard Deutschlands
Aufhebung der Goldwährung?
Wie der Washingtoner Mitarbeiter des „Daily Telegraph- berichtet, werden in Newporter Bankkreisen die Nachrichten über das Fallenlassen der Goldwährung in den verschiedene» Ländern zuletzt in Schweden, Norwegen und in Dänewarl — zwar mit Sicherster Ruhe ausgenommen, doch find die Bestürzungen und Erwägungen darüber, wie dies alles enden soll, im Zunehmen begriffen. Die Rückwirkungen auf den amerikanischen Außenhandel, Gerüchte über ein Aussetzen der Eoldeinlösang auch in Italien, der Zusammenbrach einiger weiterer amerikanischer Banken, das Ansstehen riesiger amerikanischer Kredite in Europa — alles dies soll Wallstreet zu der einstimmigen Ueberzeugung gebracht haben, daß die S t r e i ch u n g d e r Kriegsschulden das einzige Hilfsmittel aus dem allgemeinen Durcheinanderist.
In diesem Zusammenhang verweist das Blatt auf die Tatsache, daß allein am Montag aus Newyork 80 Millionen SMt Gold nach Frankreich und über 5 Millionen R.tl nach Holland verschifft worden sind. Da außerdem etwa 125 Millionen R A Gold für unbekannte Rechnung beiseite gestellt wurden, so beläuft sich der Eoldabzug aus den Bereinigten Staaten allein am Montag auf den bemerkenswerten Betrag von über 200 Millionen 9L«.
Der schwedische Qtationalßtonom Prof. Gustav Cassel hielt gestern abend vor dem Stockholmer Sender einen Vortrag über das ZHema „Stehen wir vor der Aufhebung der Goldwährung?", der auf den Berliner und mehrere andere deutsche Sender übertragen wurde. Die Krise, so führte Cassel aus, sei eine Folge der außerordentlichen Nachfrage nach Gold, die den Wert des Goldes plötzlich enorm gesteigert habe; das sei gleichbedeutend mit einer Warenpreissenkung.
Die Erschütterungen der Weltwirtschaft seien durch die Eoldhortungen in Frankreich und den Vereinigten Staaten hervorgerufen worden.
Hätten beide Staaten das ihnen zugeflossene Gold der Weltwirtschaft wieder zugeführt, so wäre die verheerende Wirtschaftskrise vermieden worden. Die Gläubiger der Welt hätten aus lauter Mißtrauen ihre Forderungen möglichst -^nzu-- ziehen versucht, und so wäre ein Land nach dem anderen zahlungsunfähig geworden; zunächst seien Australien and einige südamerikanische Staaten, dann Oesterreich und Deutschland und schließlich selbst das „reiche England" der Krise zum Opfer gefallen und zur Aufgabe der Goldwährung gezwungen worden.
Es müsie eine systematische Beschränkung der Nachfrage nach Gold einge- führt werden.
Die Banken hätten ihre Ansprüche auf GoDreserven wesentlich herabzusetzen. Das könne aber nur gelingen, wenn die Einsicht durchdringe, daß Goldreserven lediglich den Zweck hätten, Heine Unregelmäßigkeiten in der internationalen Zahlungsbilanz ausFu- gleichen; eine besondere Golddek- lung sei nicht erforderlich.
Dann untersuchte der Redner das Problem, ob ein Geldsh st em auf anderer Grundlage als der des Goldes möglich sei. Die Vorschläge einer Sil- berwähru ng wurden von Cassel ab- gelehnt. Die Kaufkraft der Zahlungsmittel, — so erklärte Cassel — hänge lediglich von der „Knappheit" ab. Es müßten also alle Länder mit Papie rwäh - rung zum Zwecke der Aufrechterhaltung der Wechselkurse Aebereinrvm'nen abschließen.
Das englische Nachrichtenbüro Reuter, das für seine mitunter tendenziösen Nachrichten bekannt ist, beschäftigt sich in einem Telegramm mit den Auswirkungen der P f u n d k r i s e auf die deutsche Wirtschaft. Reuter erblickt in der vorläufigen Schließung der deutschen Börsen ein Anzeichen für die Schwere der deutschen Krise und erklärt dies mit der Befürchtung, daß infolge des Fallenlassens des Goldstandards in mehreren Ländern große Betrüge deutscher Wertpapiere auf den
Was wird werden?
Als Mitglieder der Kcmnüssion werden genannt:
Bankdirektor Der Großindustrielle Bankdirektor
M. Warburg-Hamburg. Louis Hagen-Köln. v. Mendelssohn-Berlin
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Nach dem „Intrans igeant" dürften u. a. folgende drei französische Persönlichkeiten als Mitglieder des zu bildenden deutsch-französischen Ausschusses in Frage kommen: Der Vorsitzende des Pariser Handelsgerichtes, B u i s s o n, der als persönlicher Freund Lavals den französischen Ministerpräsidenten auf seiner Berliner Reise begleitet hat, ferner der Industrielle Abg. F oug e re und der politische Schriftsteller Lucien Romier. ,
Auf der Rückreise von Berlin hat der französische Ministerpräsident Laval in I e u m o n t, der ersten französischen Bahnstation nach Passieren Belgiens, dem Sonderkorrespondenten der Agentur Havas folgende Erklärung übergeben:
Wir haben in Berlin die heikelste Mission erfüllt, die französischen Minister zufallen könnte. Dadurch, daß wir dem Reichskanzler und dem Außenminister den Besuch erwiderten, den sie im Juli in Paris gemacht haben, haben wir durch eine Handlung eine Annäherung zwischen unseren beiden Völkern erleichtern wollen. Ich habe dem Reichskanzler Brüning die Schaffung eines deutsch-französischen Wirt- schaftsausschusies vorgeschlagen. Der Plan ist im Verlaufe unserer Unterredungen verwirklicht worden. Der Ausschuß, der unverzüglich gebildet wird, wird die wirtschaftlichen Probleme, die unsere beiden Länder betreffen, zu prüfen haben. Das ist eine Hoffnung, die aufkommt. Eine neue Methode ist angefangen worden. Angesichts der Ernstes und der Schwierigkeiten der zu lösenden Probleme kann diese Initiative als bescheiden erscheinen. Man muß sie aber nach ihren Ergebnissen beurteilen. Gegenwärtig muß man schon die Absicht, die ihr Zugrunde liegt, in
Rechnung stellen. Alle Maßnahmen, die ins Auge gefaßt werden, um das Elend in der Welt zu besiegen, führen näher zum Ausgleich und befestigen den Frieden. Wir haben nichts von den Jnteresien unseres Landes geopfert, dadurch, daß wir die Möglichkeit suchten, sie unter den gegenwärtigen Umständen mit den Erfordernissen der internationalen Solidarität in Einklang zu bringen.
„Petit Journal" schreibt, der deutsch-französische Ausschuß, der in zehn Tagen gebildet werden solle, bedeute, daß Frankreich die Friedensverträge nicht anrühren lasie und nur unter den vom Ministerpräsidenten Laval im Juli aufgestellten Bedingungen bereit sei, Deutschland Kredite zu gewähren. Ueber die großen brennenden politischen Fragen habe man Schweigen gewahrt. Die Deutschen wüßten, daß Frankreich zu jedem wohlwollenden Entgegenkommen bereit sei, wenn sie darauf verzichteten, die bestehende Ordnung der Dinge umzuwälzen. „Ordre" schreibt, daß Locarno gerichtet und verurteilt sei. Frankreich habe noch die Möglichkeit, Herr des europäischen Spieles zu bleiben, wenn es seine Trümpfe nicht vergebe. Im sozialistischen „P o - p u l a i r e" heißt es schließlich, daß die Zeit vorbei sei, wo Fricdensreden einen Faktor im Leben der Völker darstellen. Die Welt sei heute durch die Krise zu schwer betroffen, um sich durch Phrasen beruhigen zu lassen. Jetzt sei es notwendig, zu handeln, da man Hilfsmittel und Lösungen brauche. Der „M a t i n“ erklärt, daß angesichts der hochgeschraubten Hoffnungen eine Reaktion zu befürchten sei. Daß sich die deutsch-französische Kommission mit Reparations- oder Kreditfragen befassen sollte, sei vollkommen ausgeschlossen.
Markt geworfen und infolgedessen auch ausländische Valuten in beträchtlichem Umfange aus Deutschland herauS- gezogen werden könnten. Reuter glaubt sogar für den Fall einer frühzeitigen Wiedereröffnung der Börsen von sehr ernsten Rückwirkungen auf deutsche Banken sprechen zu können. Die Kursfestsetzung ausländischer Zahlungsmittel durch die Reichsbank ab Dienstag gebe zu der Frage Anlaß, ob Deutschland nach Ablauf des Stillhalteabkommens noch in der Lage sein werde, den Goldstandard aufrecht zu erhalten. Trotz Brünings ausdrückliched Erklärung herrsche in Mnanzkreisen allgemein die Ansicht vor, daß der Kanzler mehr versprochen habe, als er zu halten in der Lage sei.
Die auffallende Tendenz dieses Reuter- telegramms wird in Londoner Finanzkreisen mit der Verärgerung über die angebliche Ablehnung einer britischen Anregung an die deutsche Reichsbank begründet, dem englischen Schritt aus der Goldbasis zu folgen.
Wie der Telegraphenunion zu dieser Reutermeldung von zuständiger Berliner Seite erklärt wird, drückt sich in dem G e - schlossenhallen der deutschen Börsen weniger Schwäche aus als der Wunsch, die deutsche Position aufrecht zu schalten. Man Eh sich deutscherseits vor einem Ansturm ausländischer Effektenveikäufe schützen, um in der Lage zu bleiben, die Bestimmungen des Stillhalteabkommens loyal durchzuführen. Diese Maßnahme beweise es gerade, wie ernst die deutsche Regiemng und der Reichsbank es damit sei, an dem Goldstandard der Reichsmark festzuhallen.
Die Sparvorlage vom englischen Oberhaus angenommen.
Das englische Unterhaus hat am Dienstag in dritter Lesung das Sparsamkeitsgesetz angenommen.
Der König von England soll sich gegenüber Macdonald gegen Neuwahlen unter der rein parteipolitischen Schutzzollparole ausgesprochen haben.
Macdonald and sein« Ministerkollegen aus der Arbeiterpartei ausgeschlossen.
Der Landesvollzugsausschuh der Arbeiterpartei hat nach einer Meldung des „D a i I y 5 er alb" beschlossen, daß alle Mitglieder und Anhänger der Nalional-Regierung automatisch und sofort die Mitgliedschaft in der Arbeiterpartei verlieren. Macdonald, Snowden, Thomas und alle anderen sozialistischen Minister und Unlerstaatssekretäre, sowie eine Reihe von Arbeiterabgeordneten, die Macdonald unterstützen, sind damit aus der Ar- beiterpartei ausgeschlossen merben.
3ebe ber ausgeschlossenen Personen kann roieber aufgenommen werben, wenn sie eine Versicherung abgibt, baß sie in Zukunft bie Satzung ber Partei anerkennen unb nicht mehr eine ber arbeiterfeinblichen Organisationen unterstützen wirb. Diese Entscheibung, so sagt „Daily Heralb", bebeutet wahrscheinlich, daß bie Arbeiterpartei bei etwaigen Neuwahlen für alle Sitze, bie jetzt bie sozialistischen Mitglieber ber Nationalregierung unb ihre Anhänger inne haben, eigene Kandidaten aufstellen wird.