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arbeit aus dem Auge zu verlieren. Sie wird vor allem die Möglichkeiten prüfen, die bereits bestehenden Wirtschaftsvereinbarungen abzuschliehen, und zwar gegebenenfalls in neuen OrganisationSfor- men. Sie wird den gegenwärtigen Stand des Handelsverkehrs zwischen beiden Ländern untersuchen, um die seit dem Inkrafttreten des Handelsvertrages von 1927 gesammelten Erfahrungen nutzbar zu machen. Sie wird Weiler gemeinsam nach neuenAbsatzmöglichkeiten suchen. Aach übereinstimmender Ansicht ist diese Aufzählung nicht erschöpfend.
Die Vertreter der beiden Länder legen Wert darauf, klar zum Ausdruck zu bringen, daß sich ihr Vorgehen nicht gegen die Wirtschaft irgend eines anderen Landes richtet. Sie erklären, daß sie es ablehnen, die Lösung der der Kommission zugewiesenen Fragen etwa in gemeinsamem Vorgehen auf dem Gebiete von Zvllerhöhungen zu suchen. Sie werden sich im Einklang mit den allgemeinen Bestrebungen zur Bekämpfung der Wirtschaftskrise halten und werden die Mitarbeit anderer Völker in jedem Falle nachsuchen, wo die Sachlage dies erfordert. So könnte u. a. die Durchführ- bafteit internationaler Abmachungen über Schiffahrt und Luftverkehr geprüft werden.
Die Vertreter der deutschen und der französischen Regierung sind überzeugt, daß
französische Botschafter Francois-Poncet stellte dem Reichspräsidenten die Herren vor. Die Unterhaltung verlief in sehr freundschaftlicher Form.
Der Besuch beim Reichspräsidenten dauerte etwa 20 Minuten. Im Anschluß daran fuhren die Herren zum Pergamon- Museum, um dann gemeinsam mit dem Kanzler und dem Außenminister eine Fahrt in die Umgebung Berlins zu unternehmen. Man hatte einen der landschaftlich schönsten Punkte bei Cladow ausgewählt, so daß die Gäste auch einen Eindruck von der Schönheit der Havelseen bekommen haben.
Der Besuch beim Reichspräsidenten. Auf der Treppe, des Reichsvräsidentenpalais.
Bon links nach rechts: Botschafter Poncet. Ministerpräsident Laval und Außenminister Briand.
Abfahrt nach Paris
Laval und Briand verlasien Berlin.
Heute morgen gegen 7;X Uhr früh verließen der französische Ministerpräsident Laval und der französische Außenminister Briand das Hotel Adlon, in welchem sie während ihres Berliner Aufenthalts gewohnt hatten. Zu ihrem Abschied hatten sich Herren des Auswärtigen Amtes eingefunden, darunter Legetationssekretär v. Mumm, der die französischen Gäste bis «nr Grenze begleiten wird.
Bor dem Bahnhof Friedrichstraße hatte sich wegen der frühen Zeit kaum Publikum eingefunden. Reichsminister Dr. Cur- ti«s erschien schon um V>8 Uhr am Bahnhof. Kurz darauf fuhren die französischen Gäste vor und wurden vom Reichsaußenminister und dem Chef des Protokolls begrüßt. Die Oiiiste warnten vor dem Bahnhofseingang auf Reichskanzler Dr. Brü- «tag, der nach knapp 10 Minuten eintraf, ^vorauf sich die Gäste nach dem Fürsten- zimmer begaben. Um 7.50 Uhr verließen dann der französische Ministerpräsident Laval und Außenminister Briand mit den Herren ihrer Begleitung Berlin.
Was ist daran n»ahr?
Wie bereits in den diplomatischen Vorbesprechungen des Berliner Besuches der französischen Staatsmänner vereinbart wurde, wird die Einsetzung eines deutschfranzösischen Wirtschaftsausschusses das einzige Ergebnis dieser Unterhaltung sein. Dieser Ausschuß ist gewisiermaßen die übergeordnete, interministerielle Instanz, der die Aufgabe zukommt, die wirtschaftliche Zusammenarbeit zwischen Deutschland und Frankreich zu organisieren. Im einzelnen wird man sich an die Form der Kartelle halten, dergestalt, daß die französischen Kartellmitglieder Finanzierung und Beauftragung übernehmen, während die deutschen Kartellmitglieder die Durchführung zu erfüllen haben. Man denkt dabet an Hafen-, Brücken- und sonstige Bauten, die insbesondere zurErschließungder französischen Kolonien dienen sollen und die im wesentlichen auf den Anempfehlungen des Layton-Berichtes beruhe», der die Zusammenarbeit in der Kohlen-, Elektrizitäts- und der chemischen Industrie vorgeschlagen hat. Auch von der Möglichkeit, deutsche Arbeitslos« in französischen Kolonien, in Mandatsgebieten wie Togo und Kamerun, anzusiedeln, sprach man sehr ernsthaft.
Die amtliche Erklärung
Das gemeinsame Communique lautet: »Der französische Ministerpräsident und der französische Außenminister sind nach Berlin gekommen, um den Besuch zu erwidern, den ihnen seinerzeit der Reichskanzler und der Reichsminister des Auswärtigen in Paris abgestattet haben. Zugleich war es ihre Absicht, ihre früheren Besprechungen zu einem Ergebnis zu führen.
Die Vertreter der beiden Regierungen haben erneut ihrer Lleberzeugung Ausdruck gegeben, daß ihr Ziel die :-?^lege vertrauensvollerDezie-
Reichspräsident von Hind.enburg nahm gestern morgen in seinem Arbeitszimmer den Besuch des französischen Ministerpräsidenten Laval und des französischen Außenministers Briand, die von dem Botschafter Frankreichs in Berlin Francois Poncet begleitet waren, entgegen. Staatssekretär Dr. Meißner empfing die französischen Gäste am Portal des Reichspräsidentenpalais und geleitete sie zum Arbeitszimmer des Reichspräsidenten. Reichspräsident von Hindenburg begrüßte seine Gäste an der Schwelle seines Arbeitszimmers. Der
Anzeiger für (das frühere kurheffifche) Oberhessen
Anzeiger der amtliche« Bekanntmachungen für Stadt und Kreis Marburg
Hungen zwischen den beiden Ländern ist. Sie sind der Ansicht, daß die Wirtschaftskrise, unter der gegenwärtig die ganze Welt leidet, es ihnen zur gebieterischen Pflicht macht, vor allem auf wirtschaftlichem Gebiete chre 'Bemühungen zu vereinigen, um Lösungen zur Milderung der Rot zu finden.
Den deutschen und französischen Ministern scheint es geboten, ein besonderes Organ zu schaffen, dessen Arbeitsweise greifbare Ergebnisse zu gewährleisten verspricht. Sie sind dementsprechend über- eingekvmmen, eine gemischte deutschfranzösische Kommission zu bll- den, die aus Vertretern der beteiligten Zentralstellen unter Beteiligung von berufenen Vertretern der verschiedenen Zweige der Wirtschaft, wie auch der Arbeitnehmer, bestehen soll. Die Leitung der Kommission wird Mitgliedern beider Regierungen obliegen. Außerdem wird ein gemeinsames ständiges Generalsekretariat eingerichtet. Die Kommission wird ihre SiHrngen je nach Bedarf in dem einen oder anderen Lande abhallen und chre Arbeiten alsbald aufnehmen.
Di« Kommission hat die Aufgabe, alle die beiden Völker berührenden Wirtschaftsfragen zu prüfen, dhne dabei die Interessen anderer Länder uiti> die Notwendigkeit internationaler Zusammen
sie hiermit den Grundstein zu einem Werk des Aufbaues legten. Dieses Werk soll der erste Schritt zu einer Gemeinschaftsarbeit sein, die ein Gebot der Stunde ist und an der mitzuwirken alle berufen sind."
3tt Brüningslinden
Das Schloß Brüningslinden an der Havel bei Eladow, das bis gestern kaum bekannt war, ist durch die dort zu- standegekommene Unterredung „unter v i er Augen" zwischen den deutschen und französischen Staatsmännern plötzlich berühmt geworden. Der sehr schön ander Havel gelegene Besitz gehört dem Major a. D. von Brüning, der aber nicht mit dem Reichskanzler, sondern mit den Vor- besttzern der Höchster Farbwerke (Meister, Lucius und Brüning) verwandt ist. Alles in allem nahmen etwa 20 Personen an dem Frühstück teil, an das sich Besprechungen zwischen den Staatsmännern im engsten Kreise anschlosien. Die Rückkehr nach Berlin erfolgte etwa um 3 Uhr. Kurz vor 4 Uhr waren die französischen Staatsmänner wieder inp Adlon, um dann eine Stunde späte«! erneut zu sachlichen Verhandlungen in > die Reichskanzlei zu fahren.
Um sechs Uhr empfingen Laval und Briand im Hotel Sldlon die Vertreter der deutschen, der französischen und der übrigen Preffe. Den Abschluß des Besuches bildete das Esten in der französischen Botschaft.
Die Berliner Presse
Die „Ger mania" glaubt, daß allzu großer Optimismus ebenso verfehlt wäre, wie jene Stimmen der Ungläubigkeit, die sich gegenüber allen deutsch-französischen Angleichungsbestrebungen äußerten. Die Widerstände seien nicht gering, aber daß diesmal ein ernsthafter Wille vorhanden sei, dafür bürgen die Namen und Persönlichkeiten der Staatsmänner, welche diesen Plan aus der Taufe gehoben haben.
Der „Börsenkurier" bezeichnet es als Tatsache, daß der Kreis der Aufgaben des Gemischten Komitees nicht begrenzt werde, also ihre Erweiterung jederzeit möglich sei. So hoffe man durch die Wirtschaftsverständigung der polstischen Verständigung wirksam vorzuarbesten.
Die „Deutsche Allgemeine Zeitung" verweist auf Locarno und Thoiry, wo man die gleichen Töne schon vernommen habe. Trotzdem sei das deutsch-französische Verhältnis, mit Ausnahmse der Räumung Rheinlandes, einer wirllichen Befriedung um keinen Schritt näher gekommen. Allerdings möge der täglich weiter fressende Brand der Weltwirtschaftskrise allmählich eine neue Situation schaffen, unter deren Druck auch Franfteich endlich einsehe, daß auf seinem bisherigen Weg« weder seine eigene Wohlfahrt und Sicherheit, noch ein gutes Verhältnis zu Deutschland, noch eine Gesundung der Wett erreicht werden könne.
Der „Lokalanzeiger" fragt: Das ist alles? Ein Komttee int Sinne Frankreichs, das sei schlimm. Frankreich sehe, daß es kerne Tribute mehr erhalten werde. Es wclle sich sichern, seine Eoldmacht und die mit ihr verbundene Hegemonie. Also Sachlieferung Deutschlands und französisches Eindringen in die deutsche Industrie durch ftanzösisches Gold, das ja verzinst werden müsse.
Die franzöfische Presse
Die Pariser Presse steht unter dem Eindruck, daß durch die Berliner Verhandlungstage eine für die Verständlgungsarbeit günstige Atmosphäre geschaffen wurde. Die Schaffung eines ständigen deutsch-französischen Wirtschaftskomitees fm et gute Aufnahme. Man ro ll die Beden cung einer derartigen Organisation nicht i.bertreiben, da die polstischen Fragen ihren: Aufgabenkreis entzogen lind, aber auch nicht unterschätzen.
Das Ergebnis - eine Kommission!
Gemeinsame Suche nach neuen Absatzmöglichkeiten - Deutsche Arbeiter für französische Kolonien?
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