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Montag, den A.Sevt.M1

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M1 Ubr.

Anzeiger für (bas frühere knrhessische) Oberhesse»

Marburger

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Nr.A7S8.Mr-.

RMburg o. Lahn

Der Anzeigen-re« beträgt fltr de» 11 gefreit. Zeilenmillimeter 0.08 GM., sog. kletneAnzeigen und Famtlienanzeige» bet Barzahlung 0.07 SM., amtl. und «mSwLrtig« AnzetgenO.10 GM. Grundschriftr Aolonel. Bet schwierigem Satz so­wie bet Platzvorschrift 50*l* Auf­schlag. Gammelanzetgen 100*/» Aufschlag Reklam.-Millt«. 0.40 SM. Srundschrist, Petit. Jeder Rabatt gilt al« Barrabatt. Ziel 5 Tage. Vfferteu-Gebsthrr 25 Pfg.. bei Zustellung der Angebote etnschl. Porto 60 GM Belege werden brrrchnr». ErMuugSort Marburg.

Anzeiger der amtlichen Bekanntmachungen für Stadt und Kreis Marbnrg.

Von 3 auf 43 Mandate

Neuer Erfolg der N.S.D.A.P. in Hamburg Starke Verluste der S.P.D. Weiteres Anwachsen der K.P.D

Bestellte Hochrufe für Briand und Laval

Aeutz erste Vorsicht"

ff. Berlin, 28. Sept. Der französische Ministerpräsident Lava! und derAnßen- «inister Briand find am Sonntag um 8.40 Ufyt planmäßig in Berlin eingetrof­fen. Zn Störungen aus Anlatz dieses Be­suches ist es nirgeudswo gekommen. Nach einem Empfang in der französtschen Ko­lonie und der deutschen Prefie in der fran­zösischen Botschaft, stattete Laval dem Reichskanzler und Briand dem Autzenminister einen Besuch ab. Briand und Poncet legten sodann einen Kranz am Grabe Stresemanns nie­der. Am Mittag fand ein Frühstück beim Reichskanzler statt und am Nachmittag begannen sodann die vorgesehenen Be­sprechungen.

Am Sonntag abend fand beim Reichs­kanzler ein Essen zu Ehren der franzö­sischen Gäste statt, an das sich ein Empfang anschlotz. Dabei wurden von Dr. Brüning und Laval Trinksprüche gewechselt. Der Reichskanzler hob hervor, datz eine deutsch-französische Zusammenarbeit un­entbehrlich sei, und datz man sich beiderseits von dem Willen müsie leiten lassen. Tren­nendes beiseite zu lasien. Bis zur Er­reichung des beiderseits erstrebten Zieles werde aber noch ein weiter und schwie­riger Weg zurückzulegen sein. Laval unterstrich, datz eine engere deutsch-fran­zösische Zusammenarbeit sich vor allem auf wirtschaftlichem Gebiet ergeben müsie.

lleber die Besprechungen am ersten Tage des Franzosenbesuches in Berlin wird mitgeteilt, datz in erster Linie wirtschaftliche Fragen behandelt wurden. Auch der Laytonbericht wurde gestreift; dabei wird beiderseits hervorgehoben, datz durch die angestrebten Vereinbarungen keine Pläne gegen ein drittes Land gebilligt werden sollen.

Die Pariser Blätter über den ersten Verhandlungstag.

DerF i g a r o" hebt hervor, datz weder die begeisterte Aufnahme der französischen Minister durch Mitglieder des Reichsbanners noch der Besuch der Minister beim Reichspräsidenten die deutsche Neutralität ändern würde. Von Laval verlange man, sich den deutschen amtlichen Kreisen gegenüber nicht kalt zu zeigen, man verlange lediglich datz er äußer st e Vorsicht anwende, um Frankreich aus der Sackgasie zu führen, tn die es durch die Briandsche Politik geraten s e i. DieErce Nouvelle" erklärt, datz man nicht an eine endgültige Verstän­digung zwischen Frankreich und Deutsch­land auf allen Gebieten denken dürfe. Die Hindernisse, die sich entgegensetzten, seien zu zahlreich und zu grotz. Man dürfe nicht daran denken, datz Laval Deutsch­land das Mittel bringen werde, um aus den gegenwärtigen Schwierigkeiten heraus »u kommen. Wenn man auf der anderen Seite des Rheins diese Illusion habe, riskiere man, bitter enttäuscht zu werden.

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Die Straße Unter den Linden war be­reits vor 8 Uhr früh von starken Polizei­abteilungen besetzt. Vom Bahnhof Fried­richstraße ab durch die Eeorgenstraße und die Neustädtische Kirchstratze sowie Unter den Linden st and die Polizei Kopf a n K o p f. Den Wagen der Minister fuh­ren mehrere Kraftwagen mitPoli- zei voraus, andere Polizeiwagen schlossen sich den Ministerwagen an.

Das Publikum, das sich bald auf einige Hundert Köpfe verringert hatte, darunter

eine größere Anzahl von Personen, die das Reichsbannerabzeichen trugen, brachte ständig Hochrufe auf den Frie­den und die deutsch-französische Verständi­gung aus. Ministerpräsident Laval zeigte sich wiederholt am offenen Fenster, Briand hinter geschlossenen Fenstern. Gegen %10 Uhr erschienen die beiden französischen Mi­nister für einige Augenblicke wieder auf dem Balkon. Laval dankte der Menge mit dem Taschentuch kurz. Briand grüßte mit Händewinken und klatschte selbst in die Hände.

Und in Frankreich?

Schöne Reden hier - gefährliche Taten dort

P a r i s. 27. Sept. Der der Ginweihung des neuen Rathauses von VarenneS und eines Gefallenen-DenkmalS hielt KriegS- mlüister Maginot eine Rede, in der er ausführlich über die Abrüstung sprach. Ma-- ginot erklärte unter anderem: Es wäre unverzeihlich, wenn die grausamen Leiden, und die furchtbaren Erfahrung«! des letz­ten Krieges uns nicht als Lehre dienten. Diese Erfahrung, die uns so teuer zu stehen kam, hat uns gelehrt, daß ein noch so friedliebendes Volk bei der augenblicklichen Lage der Wett über seine Sicher­heit achten muh und vor keinem Opfer zurückschrecken darf, das diese Sicherheit fordert. Derartige Opfer, mögen sie kosten, was sie wollen, sind für ein Volk weniger schwer zu ertragen, als ein Krieg mit allen seinen Plagen. Man' wird sagen, daß der Krieg nicht mehr möglich ist. Och wünsche es, von ganzem Herzen, und ich habe ein Recht, zu behaupten, daß ich daran mit­arbeite. Was aber augenblicstich auf einem anderen Erdteil vor sich geht, beweist, daß kriegerische Handlungen immer noch mög­lich sind. Diejenigen, die. um der Oeffent- lichkeit zu gefallen, nicht vor den lächer­lichsten Lösungen zurückschrecken, behaup­ten, datz man abrüsten müsse, um den Krieg unmöglich zu machen. Wenn dies wahr wäre, dürften wir deinen Augenblick zögern.

unsere Rüstungsausgaben herabzusetzen. Aber leider wird uns nicht gesagt, auf welche Weise die Abrüstung, die man vollständig und allgemein wünscht, ermög­licht werden kann. Man erkennt vor allem nicht, auf welche Weise man einem an Menschen und Industrie reichen Volk die Aeberlegenhett nehmen will, die es ihm erleichtert, einen Angriff durchzuführen.

*

Wir sind nicht der Ansicht, daß es sich bei dieser Rede M a gi n o t s nur um eine Extra-Tour" handelt. Wir können uns erinnern, datz der Kriegsminister Maginot bereits während der Londoner Verhandlungen in gleichem Geiste ge­sprochen hat und datz in diesem Sinne in Frankreich auch gehandelt wird. Die Vorgänge in Genf beweisen, datz Frank­reich nicht daran denkt, abzurüsten. Frank­reich denkt aber auch nicht daran, einen Mann wie Moginot zu übersehen. Maginot ist ein mächtiger Mann und gilt in ein- geweihten Kreisen als Anwärter für den Posten des Ministerpräsidenten, den jetzt Laval innehat. Die Verhandlungen in Berlin können ein praktisches Ergebnis garnicht haben, wenn man sich auf wirt­schaftliche Fragen beschränkt und diese ent­scheidenden Gegensätze der Politik unbeachtet läßt.

Der Empfang

Lieber den Empfang erhalten wir aus Berlin folgende Darstellung:

Aeußerster Zwiespalt der Gefühle: zum ersten Mal seit mehr als einem halben Jahrhundert betreten dis führenden Staatsmänner Frankreichs den Boden der Reichshauptstadt ... Als ihre Vor­gänger in Berlin waren, kamen sie, um die Neugestaltung Europas zu beraten mit dem, der es gestaltete, mit Bismarck. Heute weiß niemand, wer gestalten wird, wie gestaltet werden soll, ob Europa überhaupt in eine neue, sinnvolle Form gebracht werden kann. Gleichwohl brau­sen Hochrufe und Grüße den deutschen und "französischen Ministern entgegen, als sie aus dem reich geschmückten Für­stenzimmer des Bahnhofs Friedrichstraße hinaustreten vor die Menge, die ihrer wartet. Laval in einer Haltung, die feine äußerste Spannung deutsich erken­nen läßt.

Den hochroten Kopf gesenkt, den Mund halb geöffnet tritt er an die Seite Brünings und hebt mit leichter Ueberraschung den Kopf, als plötzlich die Hochrufe losbrechen. Neben ihm steht Briand, gebeugt ein wenig müde und abwartend.

Ihm vor allem gelten die Rufe, die jetzt mit verdoppelter Stärke losbrechen. Dicht um den Eingang des Bahnhofs ge­schart, steht die Masse der einheimischen und ausländischen Journali­sten, der Photographen, der M i t- glieder der französischen Ko­lonie, der französischen Austausch­schüler und -studenten, die diesen Augen­blick nicht versäumen wollen. Sie vor allem lassen eine wahre Erschütterung erkenne, von hier aus klingt der Unter­ton ehrlicher Leidenschaft in Die Rufe hin­ein:Wir wollen Frieden!"Nie wie­der Krieg!"Hoch Deutschland und Frankreich!"

Man sieht den beiden deutschen Staats­männern, Brüning und E u r t i u s, die ihren französischen Kollegen zur Seite stehen, an, welcher Stein ihnen vom Her­zen gefallen ist mit dieser Begrüßung, in die sich kein Mißton einschlich.

Die Stimmung ist gerettet, denn wer fragt danach, ob und in welchem Maße die Menschenmassen, die die fran­zösischen Staatsmänner so begrüßten, ausgesiebt und zu dieser Be­grüßung von Organisationen ent­sandt waren, die ihre erste und viel­leicht nicht immer geschickt verfolgte Aufgabe darin sehen, die deutsch-fran­

zösische Verständigung zu fördern.

Sichtbar ist die Erschütterung, die Briand angesichts dieses Empfanges ergreift. Verkrampft spielen die Muskeln seines Gesichtes ... Denkt er an den toten Freund, zu dessen Grab er nachher fah­ren wird? Graut ihm vor der Größe und Schwere der Aufgabe, die hier in Angriff genommen werden soll? Fürch­tet er, daß die Erwartungen der Menge, die ihn hier begrüßt, sich doch nicht so rasch erfüllen, wie alle hoffen und wie er selbst einmal geglaubt hat?

Kaurn sind die französischen Minister im Hotel Adlon eingetroffen, ass es