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Anzeiger für (das frühere knrhesfifche) Oberhefsen
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Anzeiger der amtlichen Bekmrntmnchnnge« für Stadt und Kreis Marburg.
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Ein Bankkrach in Frankreich
Die Regierung mutz die Banque Nationale de Credit stützen — Ein Värlust von 100 Millionen Mark
Folge des Pfundsturzes
Ein neues Defizit!
Wie die Havas-Agentur berichtet, batte der Finanzminister F l a n d i n gestern nachmittag eine lange Unterredung mit dem Gouverneur derBankvonFrank- reich, Moret, dem Leiter der Finanzabteilung der Bank von Frankreich und den Direktoren der grossen Pariser Kreditinstitute. Bei dieser Gelegenheit wurden die Lage der französischen Börse und namentlich die Schwierigkeiten einer großen Pariser Bank eingehend geprüft.
Wie verlautet, handelt es sich bei dem nicht genannten Bankunternehmen um die Banque Nationale de Crsdit, deren Vorsitzender Vincent dieser Tage seinen Posten niedergelegt hatte. Eine Notierung der Aktien dieser Bank konnte heute nachmittag nicht zustande kommen.
Es wackelt auch in Paris.
Die englische Finanzkrise, über deren direkt« Auswirkungen auf dem französischen Markt man französischerseits keine Befürchtung hegte, hat nunmehr doch das erste Opf er gefordert. Die Banque» Nationale de Credit konnte am Freitag' an der Pariser Börse nicht notiert werden. Um einer allgemeinen Vertrauenskrise vorzubeugen, hat Finanzminister F l a n d i n im Laufe des Freitag nachmittag den Gouverneur der Bank von Frankreich zu sich berufen, um die Lage der Bank Nationale de Credit zu prüfen. Di? Besprechungen, die bis 8 Uhr abends andauerten, wurden in den späten Abendstunden wieder ausgenommen. Um 2 Uhr begab sich Finanzminister Flandin in Begleitung des Gouverneurs der Bank von Frankreich zum Ministerpräsidenten Laval. um ihn über 5a5 Ergebnis der Verhandlungen zu unterrichten. Um 3.15 Uhr gab dann das Finanzministerium folgende amtliche Verlautbarung heraus: Der Finanzminister versammelte die Vertreter der Großbanken und den Gouverneur der Bank von Frankreich bei sich. Gegenstand der Besprechungen war die Lage der Banque Nationale de Credit, über die gewisse Gerüchte an der Börse: verlautbar waren. Nach einer Prüfung der Lage wurde ein Earantiefond geschaffen, der es der Bank ermöglicht, ihre Operation weiter durchzuführen und allen Verpflichtungen nachzukommen.
„Humanitä" behauptet, daß die Bank sehr große Verluste bei gewissen Finanzgeschäften und auch infolge der Zusammenbruchs gewisser ausländischer Banken erlitten habe. Es soll sich um 10 0 Mil - lionen Mark handeln. Ein Verwaltungsrat sei schleunigst eingesetzt und vom Ministerrat bestätigt worden. Die Crädit Lyonnais soll es angeblich übernommen haben, die Banque National de Crädit zu sanieren.
«Financial News" über die Festigkeit der deutschen Mark.
Die Festigkeit der deutschen Mark, so schreibt „Financial News" und die Absicht der Reichsregierung, die Stabilität der Mark zu erhalten, haben in London verschiedentlich erhebliche lleber- raschung hervorgerufen, da erwartet wurde, daß die Reichsmark dem Beispiel
des Pfundes folgen würde. Es bestehe aber tatsächlich kein Grund für die Entwertung der Mark, wenn man bedenke, daß Deutschland zur Zeit keine R'para- tions- oder Bankschulden zu bezahlen habe und einen Ausf"hrübefichutz aufweise. Möglicherweise könne die Ausfuhr etwas zurückgehen, aber für einen Marksturz bestehe kein Grund. Die Entwertung des Pfundes habe die Lage der deutschen Banken verbessert, da hierdurch ihre Verpflichtungen englischen Banken gegenüber heruntergegangen seien.
Der Vorstand der Reichsanstalt für Ar- beitslosenvermittlung hat sich am Donnerstag mit der Frage beschäftigt, welche Ersparnisse bei der Arbeitslosenunterstützung durch technische Reformen zu erreichen sein werden. Es ergab sich, daß der finanzielle Erfolg solcher Maßnahmen den Betrag von 2 bis 300 000 Mark kaum übersteigen wird. Die Hauptersparnisse müssen also auf anderem Wege erzielt werden. Die Höhe des voraussichtliichen Defizits hängt naturgemäß von der noch unbekannten Ar- "beitslosenziffer des Winters ab. Man hat
für die hier notwendig we'-denden Eventualberechnungen verschiedene Spitzenziffern der Arbeitslosigkeit zu <Krunde gelegt. Bei einer Höchfispitze von 7 Millionen Arbeitslosen rechnet man für die Zeit von Anfang Oktober bis Ende März mit einem ungedeckten Bedarf von 250 Mil- lionenMark. Eine Ersparnis von diesem Ämfang würde eine sehr scharfe Re- dukfion der Unterstützungssätze notwendig machen. Gegenwärtig ist durch die Juni- Notverordnung der Reichsregierung für eine HerabseKrng der Unterstützungssätze . (die durchschnittlich Pro Kopf und Monat 58 RM. betragen) als untere Grenze
die Leistung der Krisenfürsorge gezogen, deren entsprechende Leistung 56 RM. beträgt.
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Wieder Verzögerungen!
>Das ReichSkabistett ist gestern mittag wieder zusammengetreten, um die Be- rarungen über das Herbstprogramm fortzusetzen. Den Vormittag haben die Ressorts benutzt, um die Fragen weiter zu klären, in denen sich noch Schwierigkeiten zeigten. Das wichtigste Ergebnis der gestrigen Beratungen dürfte ’n einer Verständigung über die Entschuldung der Gemeinden zu suchen sein. Der hierfür gefundenen Lösung kommt insofern auch eine gewisse grundsätzliche Bedeutung zu, als die Entschuldungsaktion nicht von den Ländern, sondern vom Reich durchgeführt werden wird. Der Kanzler hatte auch eine Unterredung mit dem Präsidenten des Verbandes der Preußischen Landgemeinden, dem Abgeordneten Dr. G e r e k e, um ihn über die Beschlüsse des Reichskabinetts zu informieren.
Mit den meisten der anderen Fragen ist das Kabinett gestern noch nicht fertig geworden. So muß z. B. auch das Projekt der Klein siedlung noch weiter beraten werden. Ebenso ist die umstrittenste der zur. Behandlung stehenden Fragen, die Senkung der Hauszins st euer, noch nicht erledigt. Auch die Senkung und Herabsetzung der großen Pensionen scheint jetzt doch wieder stärkeren verfassungsrechtlichen Bedenken zu begegnen, so daß noch keineswegs feststeht, ob das Kabinett sie beschließen wird. Schliehllch scheinen sich die Nachrichten zu bestätigen, daß eine Zusammenlegung von Krisen- und Wohlfahrtssürsorge im Augenblick noch nicht zu erwarten ist. Der Schwerpunkt der Arbeitslosenfürsorge liegt zur Zeit in der Reichsanstalt für Arbeitslosenversicherung, in deren Vorstand seit gestern eingehende Verhandlungen darüber stattfinden, welche Maßnahmen einem zu erwartenden Defizit entgegengestellt werden können. In unterrichteten Kreisen rechnet man nun damit, daß die 'Beratung des Hauptprogramms doch noch mehrere Tage in Anspruch nehmen wird, so daß es kaum vor Mittwoch ober Donnerstag nächster Woche fertig werden dürste.
Keine Mietsenkung.
Der geplante Abbau der Hauszinssteuer bis zu 25 Prozent des bisherigen Betrages wird, wie jetzt ziemlich feststeht, keine gleichzeitige Senkung der Mieten bringen. Begründet wird das u. a. damit, daß eine Senkung der Mieten um 10 Prozent, die dem benannten Hauszinssteuerabbau entsprechen würhe, di« allgemeinen Gestehungskosten der Wirtschaft nur um 1—2
Ohnmächtiger Völkerbund
Japan lehnt ab — Bedrohliche Lage in Charbin
Gens, 25. Sept. Im Bölkerbuu-s- sekretariat ist heute vormittag die Antwort der japanischen Regierung auf die Vorschläge des Bölkerbundsrates zur Beilegung de» chinesisch-japanischen Konflikts eingegangen. Diese Note wird in maßgebenden Kreisen recht günstig Beurteilt
In der Note wird festqestellt, Latz die japanischen Truppen sich bei ihrem Vorgehen in den durch ihre eigene Sicherheit zum Schutz der Eisenbahnen und die Sicherheit der japanischen Staatsangehörigen bedingten Grenzen gehalten hätten.
Die japanische Negierung habe entschlossen das Ziel verfolgt, eine Ausdehnung des Zwischenfalls und eine Verschärfung der Situation zu vermeiden. Es sei ihre größte Sorge, die Angelegenheit auf friedlichem Wege und so schnell wie möglich zu regeln und zwar durch direkte Ver- handlunge« zwischen deu beiden
Ländern.
Weiter erklärt die japanische Negierung, datz sie den grötzten Teil ihrer Streitkräfte in die Eisenbahnzone zurückgezogen und dort konzentriert habe. Außerhalb dieser Zone seien lediglich wenige Truppen zu Vorsichtsmaßnahmen stationiert geblieben, nämlich
in der Stadt Mukden und in der Stadt Kirin.
Eine kleine Anzahl von Soldaten muß auf einigen Punkten belassen werden. Diese Maßnahmen trugen aber keineswegs den Charakter einer militärischen Okkupation. Die Zurückziehung der Truppen geht in dem größtmöglichen, mit der Sicherheit der Truppen, dem Schutz der Eisenbahnen und dem Schutz der japanischen Einwohner verträglichem Matze vor sich. Indem sich die japanische Regierung fest vornimmt, ihre Truppen in der Eisenbahnzone vollständig zurückzuziehen, in dem Matze, in dem die Situation sich bessert, hofft sie, daß 8er Rat in dieser Angelegenheit der Aufrichtigkeit ihrer Haltung Vertrauen schenken kann.
Ernste Lage in Charbin?
„Times“ meldet aus Tokio vom 26. September: Der japanische Generalkonsul in Charbin hat angesichts der dortigen drohenden Lage heute nacht tele
graphisch di-e entfett barg- eeir Truppen angefordert Der Generalkonsul hatte noch vor zwei Tagen gebeten, von einer Entsendung japanischer Truppen nach Charbin abzusehen, falls er es nicht ausdrücklich wünschen sollte. Nach Meldungen einiger Korrespondenten aus der Mandschurei soll eine japanische Truppeu- abteilung nach T a 0 n a n geschickt worden sein. Das Kriegsministerium schenkt diesen Berichten jedoch keinen Glauben und stellt ausdrücklich fest, daß die Soupingkai- Taonan-Bahn unter chinesischer Kontrolle stehe. In japanischen «Regierungstreuen will der Times-Korrespondent heute eine Entspannung feststellen können.
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Pfundkrise und Reichsmark
Die Bemerkung desReichskanzlers in seiner Rede auf dem Empfang zu Ehren des Geheimrats Dulsberg über geplante Maßnahmen im Zusammenhang mit der Pfundkrise sollen, wie von zuständiger Stelle mitgeteilt wird, keineswegs etwa bedeuten, die Reichsregiernng wolle die Mark an das englische Pfund an- hängen. Im EegenteU bleibt die Regierung fest in ihrem Willen, keinerlei inflatorische Tendenzen aufkommen zu lassen.
Der Pariser Berichterstatter der „T i - m e 5“ weist im Zusammenhang mit dem bevorstehenden Besuch der der französischen Minister in Berlin auf die großen Gefahren hin, die den politischen Zielen Deutschlands durch etwaige finanzielle Hilfsmaßnahmen seitens Frankreich drohen und erfiärt dann u. a. weiter, daß die Rede Flandins in Genf eine endgültige Warnung gewesen sei.
Zolltarif in England?
fk. London, 26. Sept. Der Unter« staatssekretär für auswärtige Angelegenheiten, Anthony Eden, führte in einer Rede in Stratfort-of-Aven aus: Es gibt nur einen Weg, auf dem wir die Balan- zierung des Außenhandels sicher stellen können, namentlich durch die unverzügliche Einführung eines Zolltarife s. Die Entwertung unserer Valuta macht einen Tarif keineswegs unnötig, im Gegenteil, sie unterstreicht eine dringende Notwendigkeit______ 1