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Frankreich bekommt Sorgen
Paris befürchtet amerikanische Bedingungen für eine solidarische Haltung zur Rettung des Goldstandards
Die Pariser Presse beschäftigt sich heute eingehend mit der französisch-amerikani-
en Fühlungnahme. Zwar soll man, so klärt „Journ^e Industrielle" > sofortigen praktischen Ereignisse einer eise Lavals nach Washington Ht übertreiben, aber es wäre wohl schon l moralischer Nutzen für die Sache der stidarität, wenn das gegenseitige „Sich- rstehen" zwischen den beiden großen 'publiken beseitigt werden könnte.
„St c e it i r“ betont, die Sterlingkrise ,he sich auf die Weltwirtschaft auszu- rken, und Dollar und Franken hätten ägen Anlaß, darüber besorgt zu sein. « Blatt nimmt aber bereits jetzt Stel- ig zu den Newyorker Nachrichten, nach Präsident Hoover angeblich im Besuch Lavals das Abrüstungsproblem, die Ausdehnung des Hoover-Feierjahres, die Er- leuerung der Deutschland bewilligten urzfristigen Kredite und vieleicht sogar eine neue Revision des -oungplanes anschneiden will. Der- tige Nachrichten mühten die Ansicht auf- mmen lassen, daß Frankreich wieder »mal unter Benutzung von Zwischen- llen, für die es nicht verantwortlich sei, eine Politik sogenannter Solidarität neingezogen werde, die immer wieder irauf hinauslaufe, Frankreich für das m anderen angerichtete Unheil finanziell büßen zu lassen und dem französischen iolke die Rechtsansprüche zu nehmen, die $ auf Grund eines Sieges besitze.
Nach bisher noch unbestätigten Melangen sollen auch Italien und Erie- enland ihre Zahlungen nach Eold- arität aufgehoben haben. Englische Blätter zur Vörseneröffuung.
Die Londoner Blätter zeigen über die engsten Ereignisse auf dem Gebiet der iglischen Finanz- und Währungswirtschaft ich wie vor völlige Ruhe und tun ihr estes, um dieses Gefühl auch im Publi- ;m aufrecht zu erhalten. Sie weifen rrauf hin, daß die heutige Eröffnung er Fondsbörse den besten Beweis r das unerschütterliche Vertrauen liefere, iS in die finanzielle Zukunft des Landes fetzt werde.
„Financial Times" sagen, die ussichten für die Haltung des englischen ublikums am heutigen Tage seien nicht 'günstig, es müsse aber damit gerechnet -rden, dah ausländische Inhaber briti- er Staatspapiere zur Realisierung fchrei- l würden, nachdem den Papieren die »lounterlage entzogen worden sei.
»Financial Rews" hebt in einem itartikel hervor, die Folgen des Beschluf- der Dörsenöffnung würden sich mir wer abschätzen lassen. Man müsse sich rauf gefaßt machen, daß heute auch in nz sicheren Staatspapieren Kursver- nderungen eintreten könnten.
„Sime6“ warnen die Inhaber briti- er Staatsanleihen vor der „Torheit", ren Besitz nur aus dem Grunde zu ver- ißern, weil das Land die kostspielig« u) wirkungslose Politik aufgegeben habe, is Pfund Sterling durch Aufnahme neuer Anleihen über sein natürliches Riveau zu heben. Das Blatt erinnert an Frankreich, Hessen Kredit sich nach Eintritt der Crtt-
Wertung des Franc und nach Ausgleich seines Budgets ständig gelernt habe.
Die erste englische Devisenverordnung.
Die erste Regierungsmaßnahme, die . auf Grund des beschlossenen Währungsgesetzes getroffen wurde, ist die Veröffentlichung einer Verordnung des Schatzamtes, durch die jeder • Kauf ausländischer Werte und jede Aeberweisung von Guthaben ins Ausland zu dem Zweck, dort mittelbar oder unmittelbar Devisen dafür S. erlangen, bis aus weiteres britischen ntettanen und solchen Personen, die ihren ständigen Wohnsitz in Großbritannien haben, verboten wird. Das Verbot ge-
- xsmmer nui
Japans Soldaten marschieren, se
Erklärungen des japanischen Botschafters - u.—....... »n Washington.
Der japanische Botschafter in Washington, D e b « ch i, hatte gestern eine längere Unterredung mit Staatssekretär Stim- s o n über die Lage der Mandschurei. Er erklärte, daß Japan die Mandschurei als integralen Teil Chinas anerkenne. Die japanische Regierung bemühe sich, die Zwischenfälle möglichst zu lokalisieren. Es handele sich um bedauerliche Zusammenstöße der Truppen, nicht aber um eine von der japanischen Regierung angeordnete mUitärische Aktion.
Im japanisch-chinesischen Konflikt hat der Präsident des Völkerbund s- r a t s den Vorschlag gemacht, dah die beiden Mächte auf Gründ eines dringenden Appells des Rates sofort in Beratungen über die Beilegung des Konfliktes eintreten. Auch Amerika soll an deu Verhandlungen beteiligt werden. China und Japan haben dem Vorschlag zugestimmt. Die vertrau-« lichen Beratungen gehen in Genf weiter.
Japanische Truppen auf dem Marsch nach Charbin.
„I t m e »" meldet aus Tokio: Gestern abend eintreffenden Presie-Telegrammen zufolge find japanische Truppen «ach Charbin unterwegs. Abgesehen von diesem Vormarsch find in dem besetzten Gebiet nur kleinere Scharmützel, aber keine gröberen militärischen Vorgänge von Bedeutung zu verzeichnen. Eegenwärttg hat Japan 14000 Mann in der Mandschurei, davou 3900, die in den letzten Tagen von Korea dorthin gesandt wurden. Vertragsgemäß darf Japan 15 000 Soldaten in der Mandschurei zum Schutz der südmandschurischen Eisenbahu haben. Solange diese Zahl nicht überschritten wird, entsteht nach japanischer Auffassung keine internattonale Frage.
Der Berichterstatter des „Petit P a r i s i e n" in Schanghai stellt die baldige Besetzung Chardins buiif; die Japaner in Aussicht. Charbin sei der Zufluchtsort der vor dem japanischen Vormarsch zurückweichenden Mandschutruppen. Die chinesische Bevölkerung von Charbin sei gegen die Japaner sehr ausgebraM und
stattet solche Transaktionen nur in den folgenden drei Ausnahmefällen: 1. wenn eine normale wirtschaftliche Rotwendigkeit nachgewiesen wird, 2. wenn Verträge bestehen, .die vor dem 21. ds. Mts. abgeschlossen wurden, 3. wenn Reisespesen oder andere begründete persönliche Ausgaben die Anschaffung von Devisen nötig machen.
Goldausfuhr aus Dänemark verboten.
Kopenhagen, 22. Sept. Rach einer heute erlassenen Bekanntmachung des Justizministeriums ist ab heute bis auf weiteres die Ausfuhr von gemünztem Gold oder Gold in Darren aus Dänemark verboten.
lächeln..,.
te Diplomaten entschuldigen sich habe gestern Bomben gegen das japanische Konsulat, die koreanische Bank, das Gebäude eitler japanischen sellschaft, geschleudert. Opfer seien vorläufig nicht zu beklagen. Die Menge habe auch japanische Läden mit Steinen beworfen. Der japanische Konsul in Charbin habe den Kommandierenden der japanischen Armee um Hilfe gebeten, unter Hinweis darauf, daß die in Charbin lebenden 4000 Japaner sich in Gefahr befänden. Der kommandierende General habe die verfügbaren Truppen der 2. japanischen Division angewiesen, sich für den Abtransport nach Charbin bereit zu machen. Man berichtet sogar, daß er bereits den Abmarschbefehl erteilt habe, obwohl die Regierung von Tokio zögere.
Als Eesamtverluste wurden von japanischer Seite angegeben 6 8 Tote, darunter 3 Offiziere, und 95 Verletzte, darunter 7 Offiziere. Der gleiche Berichterstatter meldet, daß Tschiangkaischek eine Kundgebung veröffentlicht habe, in der China zur Bildung einer Gesamt- front gegen die Japaner aufgefordert werde. Wenn der Völkerbund, an den China appeliere, die Mandschurei nicht befreie, so werde er — Tschiangkaischek — die chinesischen Truppen in den Kampf führen und nötigenfalls auf dem Schlachtfeld fallen, um die nationale Ehre zu retten.
Eine * große antijapanische, von Studenten und Beamten veranstaltete Kundgebung, habe gestern in Nanking stattgefunden. Die japanischen Frauen und Kinder würden heute Nanking verlassen, um nach Schanghai zu flüchten.
Heber die Lage in der Mandschurei veröffentlicht „Daily Telegraph" mehrere Meldungen seines Korrespondenten im fernen Osten. Ein Bericht aus Tokio besagt, Japan bekomme jetzt die strategischen Punkte völlig unter seine Kontrolle. Die japanische Regierung habe sich vor der vollendeten Tatsache gebeugt, vor die sie durch ihre militättschen Befehlshaber gestellt roorbert sei. Daß sie die Nation hinter sich habe, stehe außer Zweifel. Die Regierung habe zwar gestern versichert, daß die japanischen Truppen nicht über Tschangtschun hinaus nach Norden vorrücken würden; aber die 4000 in Charbin lebenden Japaner seien in ernster Gefahr und im Notfälle würden die Japaner zweifellos in die russischen Interessensphäre eindringen. Eine Besetzung von Charbin würde die russische Eisenbahnverwaltung mit der Mandschurei abschneiden.
Die neue Veamtenbesoldung in Preußen
Das preußisch« Finanzministerium und) das preußische Kultusministerium haben nunmehr die ersten Durchführungsbestim- mungen zu der preußischen Rotverordnung aufgestellt. In diesen Durchführungsbestimmungen wird, den Blättern zufolge, die Einkommensgrenze für die Gewährung von Kinderbeihilfen und Kinderzulagen mit Wirkung vom 1. Oktober 1931 von bis- bisher 40 auf 30 Mark monatlich festgesetzt.
Das Desoldungsdienstalter der am 30. September d. I. im Amte befindlichen planmäßigen Beamten wird s ofort um zwei Iah re verkürzt.
Die Beamten behalten die Bezüge der Dienstaltersstufe, nach der sie im September 1931 besoldet waren, bis sie nach ihrem neu festgesetzten Besoldungsdienstalter in eine höhere Dienstaltersstufe aufrücken.
Für die Begründung des Deamtenver- hältnisses ist nicht die QIrt der Tätigkeit maßgebend, sondern der auf die Begründung des Bea mtenve chältni sseS als eines ' öffentlich-rechtlichen Dienst- und Treue- verhäünisfes gerichtet« Verwaltungs- a k t. Aus der Fassung der Urkunde muß sich unzweideuttg ergeben, daß der Empfänger Kim Beamten gemacht werden soll.
eine Regierungserklärung beim Wieder- zusammentritt des Reichstags.
Reichskanzler Dr. Brüning Hatteam Dienstag vormittag eine Aussprache mit dem Reichstagspräsidenten L ö b e über die parlamentarische Lage. Das Ergebnis war, wie das Nachrichtenbüro des Vdz erfährt, daß der Reichstag zu dem bestimmten Termin, nämlich am 13. Oktober, Zusammentritt, um zunächst eine Erklärung der Reichsregierung entgegenzunehmen. Mit der Beratung dieser Regierungserklärung werden sämtliche Anträge und Interpellationen verbunden werden, die von den Parteien noch eingebracht werden. Man darf also mit einer umfangreichen außen- und innenpolitischen Debatte rechnen. Außerdem müssen vor Weihnachten noch einige dringliche Vorlagen erledigt werden. Die weitere Entwicklung hängt von der Stellungnahme der Parteien a6; sie war daher nicht Gegenstand der Besprechung zwischen dem Reichskanzler und dem Reichstags- Präsidenten.
In parlamentarischen Kreisen rechnet man jedoch damit, daß die Herbsttagung des Reichstags mehrere Wochen in Anspruch nimmt und daß dann über Weihnachten eine Pause eintritt, während der die Parlamentsausschüsie ihre Arbeiten fördern können. Im neuen Jahr wird der Reichstag sich dann mit dem Haushaltsplan für 1932/33 zu beschäftigen haben. Im Reichssinanzmini- sterium ist der Plan erwogen worden, das Haushaltsjahr des Reiches dem Hoover- plan anzupaffen, den Etat 1931 also bis Ende Juni 1932 zu verlängern. Das Reichskabinett hat sich jedoch, wie das Nachrichtenbüro des Vdz. weiter hört, mit diesem Plan noch nicht beschäftigt. Er ist auch noch nicht aktuell, da die weitere Entwicklung der deutschen Finanzen und des Reparationsproblems in diesem Augenblick noch nicht zu übersehen ist. Eine Klärung dürfte jedoch noch vor Ablauf dieses Jahres durch internationale Verhandlungen herbeiaeführt werden. Eine solche Klärung ist spätestens vor dem Ablauf des sogenannten Stillhalteabkommens notwendig.