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Montag, -en2l.Sepr.lM
Die englische Regierung hat zur Stärkung des Kapitalmarktes die außergewöhnliche'Maßnahme einer zeitweiligen Aufhebung des Goldwährungsgesetzes beschloßen. Die Bank von England wird den Umtausch der Noten in Gold einstellen und die Londoner Börse wird am Montag geschlossen bleiben. Zu gleicher Zeit wird der Diskontsatz von 41|2 auf 6 vom Hundert erhöht.
Ein bedenklicher Schritt
England erwartet Steigerung der Ausfuhr
Wie wir hören, sind die interessierten deutschen Kreise noch am Sonntag abend in Berlin zusammengetreten, um die erforderlichen Maßnahmen zu beraten. Zu diesen dürfte in erster Linie eine erneute Schließung auch der deutschen Börsen gehören. Sie dürste schon heute morgen beschlossen werden. Auch eine Verschärfung der Devisenvorschriften wird sich voraussichtlich als notwendig erweisen. Ob die Diskont» erhöhung der Reichsbank zur Folge haben
daß sie aber noch die Gelegenheit nehmen wollte, die Märkte am Sonnabend zu sondieren. Man hatte geglaubt, daß der Sonnabend ein ziemlich sicherer Tag sei, da die Börsen nur einen halben Tag offen sind, und daß selbst, wenn die Operation gegen das Pfund ausfallen würde, der Verlust nicht sehr ernst sein werde. Mac- donald erhielt jedoch am Sonnabend den Bericht, daß an dem halben Tage zehn Millionen Pfund verloren gegangen waren.
Die Suspensationsvorlage kann nicht vor heute abend Gesetz werden, da die Bank von England jedoch bereits von der Regierung ermächtigt worden ist, sofort unter dem neuen Gesetz zu handeln, wird die Vorlage der Bank Indemnität geben. Das Oberhaus ist' ebenfalls einberufen worden, da die Maßnahmen in beiden Häusern des Parlamentes heute durch alle Lesungen durchgedrückt werden sollen. Die Gesetzesvorlage wird heute abend die Zustimmung des Königs erhalten, sofort nachdem das Oberhaus sie genehmigt. Die Fondsbörse wird nur für den einen Tag geschlossen bleiben, d. h. bis die Notgesetz-
Anzeiger für (das frühere kurhessische) Oberhessen
Anzeiger der amtlichen Bekanntmachungen für Stadt «nd Ureis Marburg
Nr. 22166. rar?. Marburg o. Lahn
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Wenn auch die Londoner Morgenblätter nicht den Versuch machen, den Ernst der 'Lage zu leugnen, so behandeln sie doch ohne Unterschied der Partei die neueste Entwickelung der Krise in bemerkenswert ruhigem und zuversichtlichem Ton.
„Daily Sj e r a I &“ betont, daß die Aufgabe des Goldstandarts nichts weiter Betautet als die Wiederherstellung der Lage, in der sich England nach dem Kriege sieben Jahre lang bis 1925 befunden hat. Der Verzicht auf den Goldstandart werde nicht nur keine verhängnisvolle Folgen haben, sondern sogar dem britischen Aus» fuhchantal entschiedene Vorteile bringen. Der Schritt der Regierung sei klug und heilsam, er hätte nur etwas früher erfolgen sollen. Der nächste Schritt, der geschähen muß, ist die Einberufung einer nationalen Konferenz zur Behandlung dieses Problems und der damit verbundenen Probleme.
„News Chronicle" stellt ftst, daß jeder Grund für Neutixchlen, ebenso wie jeder Grund für die Einführung eines Schutzzolltarifs geschwunden sei. Das Sinken tas Sterlingturses, das jetzt zu erwarten sei, werde die Wirkung eines wett» gehenden Zolltarifs haben.
Er werde automatt sch die Einfuhr vermindern, weil er sie verteuere, und werde letzten Endes der britischen Ausfuhr zugute kommen.
Zu dem Beschluß der englischen Regierung, von der Goldwährung abzusehen, läßt sich das „Journal" aus Loittwn berichten: Die englische Regierung verhan- oelt seit 24 Stunden mit den Regierungen von Frankreich und Amerika, und man rechnet damit, daß die notwendigen Kredite und andere Schutzmaßnah
men mit der wünschenswerten Schnelligkeit durchgeführt werden. Jedenfalls sei man sich in England heute darüber im llaren, daß die Flvtten-Zwischenfälle oie unangenehmsten Wirkungen im Ausland ausgelöst hätten.
„Echo de Paris" bedauert, daß die größte Gläubigernatton der Welt ihre Währung nachgeben lasse. DiesesBei- spiel sei gefährlich. Die Länder, die heute noch an der Grenze der Znflatton ständen, würden nicht mehr die Kraft haben. Znflattonslockungen zu widerstehen.
Der Sterling sei die Währung der Handelswelt, das Rückgrat des Londoner Finanzministeriums.
England ziehe sich vom Wirtschaftsinter- nattonalismus zurück, und die Ander, die ähnliche Währungsmaßnahmen schon vorher treffen muhten, würden jetzt nicht zö» gem, die neuen Wege der englischen Finanzpolitik n a ch z u m a ch e n. Das Blatt schließt mit einer Solidaritäts-Beteuerung der französischen Nattonalisten für England, eine Beteuerung, die auch die Zeitung „Oeuvre" an die Spitze ihrer Betrachtungen stellt: Frankreich sei aufs engste mit England verbunden, nicht wegen der dielen Milliarden Francs, die die Bank von Frankreich in Pfund Sterling angelegt habe, sondern wegen der Kooperatton beider Ander zur Verteidigung der ta- mokrattschen Zivilisation.
„La Republique" meint, eine Aera großer Schwierigkeiten liege jetzt auf England; der gestrige Beschluß sei folgenschwer.
„Petit Parisien" will erfahren haben, die gestrigen Maßnahmen sollten nur 6 Monate in Ära ft bleiben.
| Reuter veröffentlicht unter dem 20. September folgendes Comm«niqu6: Die Re- s gierung ist sich nach Zurateziehung der -Lank von England darüber klar geworden, daß es notwendig ist, ab Sonntag, den 20. September Mitternacht, die Goldwährung außer Kraft zu setzen. Ein Gesetzentwurf, der die Bank von England ermächtigt, die Einlösung der Banknoten in Gold einzustellen, wird dem Par» lament am Montag zngeleitet «nd sofort in allen Lesungen erledigt werden.
Seit Mitte Juli sind die Summen, die sich auf über 200 Millionen Pfund belaufen, vom Londoner Platz weggezogen worden. Diesen Anforderungen ist man teilweise mit Hilfe der Bestände an Gold und stemden Valuten nachgekommen, teilweise «it Hilfe der in Frankreich und Amerika eingcräumten Kredite.
Durch die oben angeführten Veschlüsie werden Berpflichtungen der englischen Regierung »der der Bank von England, die in fremden Währungen zahlbar sind, nicht berührt.
Eine Unterbrechung des gewöhnlichen Bankgeschäfts wird morgen nicht eintreten »nd es besteht kein Grund, daß solche Transaktionen, die sich in Sterling voll- ' stehen, durch die neuen Maßnahmen in Mitleidenschaft gezogen werden.
Ueber die Vorgeschichte dieser Maßnahme kann folgendes mitgeteilt werden:
Macdonald hatte während der ganzen Krise die engstmögliche Fühlung mit leinen Hauptberätern aufrecht erhalten und war am Freitag nachmittag von Suiningftreet nach Chequers abgefahren in der Annahme, daß die Dinge normal liefen. Kurz nach seiner Abreise ttafen jedoch neue Informationen ein, die den Premierminister bewogen, sofort zurückzukehren. Er hatte in Downing- rkeet sofort Beratungen mit seinen Hauptratgebern und Kabinettskollegen und kehrte am Abend nach Chequers zurück, nachdem er eine Kabinettssitzung für den Sonntag einberufen hatte, in der bann der Beschluß, vom Goldstandard abzugehen, gefaßt wurde. In der Sitzung, die von 4 bis 8 llhr dauerte, bestand volle lleber- tinstimmung unter den Ministern.
Die nationale Regierung hatte bisher geglaubt, daß der Sterlingkurs nicht ernst- gefährdet sei. Als der Premier- nünister am Freitag nachmittag nach öiequers abgefahren war, gingen auch ttle Informationen dahin, daß die Börsen ünen normalen Tag gehabt hätten. In Shequers erhielt Macdonald jedoch kurz tot 19 Uhr eine telephonische Mitteilung, daß eine Einbuße von 17 — 17% Millionen Pfund Sterling, daton zwei Millionen Gold und der "est Anleihen und Kredite, zu verzeichnen vwesen sei. Wie verlautet, wurde dem Premierminister mitgeteilt, daß die Bank ton England zu der Feststellung gelangt «ei, daß sie das Pfund Sterling n i ch t a u f «einer Eoldbasis decken könne.
Aufhebung der Goldwährung in England
I- Diskonterhöhung auf 6 Prozent — Auch die deutschen Börsen heute geschlossen
Der Prinz von Wales, der am Sonnabend von seinem Erholungsurlaub in Biarritz nach London zurückgekehrt war, besuchte am Sonntag den Ministerpräsidenten in Chequers und frühstückte dort. Nachdem er sich über die Lage hatte unterrichten lassen, entschloß sich
gebung durchgeführt ist. Die Fondsbörsen in den Provinzzentren werden ebenfalls am Montag geschlossen bleiben. Die Regierung ist der Meinung, daß, wenn jeder die Ruhe und Kaltblütigkeit bewahrt, die Eefahrperiode abgeschwächt werden wird, und daß das Land auch wieder ins Gleichgewicht gelangen wird. Von maßgebender Seite wird erklärt, daß kein Anlaß zur Panik besteht. Es wird auch bekannt- gegeben, daß die Regierung beabsichtigt, die Preise unter genauer Kontrolle zu halten.
Infolge der Vorgänge auf dem Londoner Finanzmarkt wird in England mit einer baldigen Umbildung des Kabinetts gerechnet, wobei u. a. Snowden ausscheiden dürfte. Neuwahlen werden dagegen nicht für wahrscheinlich angesehen.
Thronfolger, bis auf weiteres in London zu bleiben, anstatt, wie zuerst beabsichtigt, nach dem Norden Englands zu gehen.
Die Berliner Börse und die Krise in England.
In einzelnen Berliner Montagblattern werden Meldungen veröffentlicht, nach denen bereits gestern die Schließung der deutschen Börsen beschlossen worden fein soll. Wie wir von maßgebender Seite hören, kann ein solcher Beschluß für die Berliner Börse noch nicht vorliegen, da der Berliner Börsenvorstand gestern noch nicht zuse-mmentreten konnte. Erst heute vormittag wird es möglich sein, zu der durch die Vorgänge in England geschaffenen Situation Stellung zu nehmen.
Der Berliner Börsenvorstand tritt heute vormittag um 10 Uhr zusammen, um die durch die Rotmaßnahmen der englischen Regierung «nd der Bank von England geschaffene Lage zu beraten.
Wallstreet zum Vorgehen der englifchen Regierung.
Wie Neuter aus Newyork berichtet, wird die vorübergehende Aufhebung des Goldstandards in England in Wallstreet- kreisen als eine aus dringender Notlage geborene Maßnahmen gebilligt.
Die französische Regierung prüft die von
1 ihr zu treffenden Maßnahmen.
Die französische Regierung prüft, wie „M a t i n" mitteilt, die Maßnahmen, die angesichts der englischen Krise und des Beschlusses der englischen Regierung zu treffen seien. Gestern abend war ein offizieller Beschluß noch nicht gefaßt worden. Finanzminister F l a n d i n wird heute vormittag mit den in Frage kommenden Sachverständigen, die zum Teil aus Genf zurückgerufen worden sind, Fühlung nehmen.
Der Döllerbund hat entsprechend einem skandinavischen Antrag trotz schärfster französischer Sabotageversuche beschlossen, Amerika, Rußland, die Türkei und einige andere Staaten zu den A b - rüstungsverhandlungen des Ausschusses hinzuzuziehen.
Schließung der Kopenhagener Börse.
Mit Rücksicht auf die vorübergehende Schließung der Londoner Börse hat der Vorstand der Kopenhagener Börse beschlossen, bis auf weiteres die Kursnotterungeu für Obligationen «nd Aktten an der Kopenhagener Börse einzustellen.
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