Sonnabend, den 19.661)!. 1931
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SberheMche
Marburger SeMche
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Anzeiger für (das frühere kurheffifche) Oberheffen
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Anzeiger der amtliche« Bekanntmachungen für Stadt und Kreis Marbnrg.
Frankreich am längeren Hebelarm
Drohungen gegen Deutschland und England - Die französische Empfindlichkeit liegt auf der Lauer
Jmmmer neue Bedingungen
Repressalien gegen England
5m „Petit Parifien" beschäftigt sich der Auhenpolitiker Lucien Ro- miet mit der bevorstehenden Reise der französischen Minister nach Berlin und betont, datz es sich zweifellos um einen Höflichkeitsbesuch handele. Sie seien es der Empfindlichkeit des französischen Volkes schuldig, nicht nur über ihre Handlungen und politischen Reden, sondern auch über die Form des Empfanges, den man ihnen in Berlin bereite, hinterher Rechenschaft abzulegen. Dentsch- land habe zwar von französischer Seite keine Ratschläge entgegenzunehmen, aber er sei vielleicht erlaubt, auf gereifte Gewohnheiten aufmerksam zu machen, die man in Deutschland nicht immer verstehe. Zn erster Linie sei da die französische Empfindlichkeit zu nennen, die in diesen Tagen wie nie auf der Lauer liege. Bon ihrer Ausstrahlung seien die Aussichten einer französisch-deutschen Zusammenarbeit abhängig. Das deutsch-französische Problem sei in erster Linie eia moralisches Problem. Kein materielles Abkommen könne dauerhaft und wirksam sein, wenn Verdacht und Misstrauen bestünde. Daher könne die Reise der französischen Minister, selbst wenn man nar die elementarsten Höflichkeitsbezeugungen austausche, ebenso leicht sehr gut, wie sehr schlecht enden, je nach den unab- wegbaren Einflüssen der allgemeinen Stimmung. Man werde ja sehe«, ob die Deutschen Fortschritte in der Psychologie gemacht hätten. (!!)
Das Journal über deutsch-französische Zusammenarbeit.
Der Berliner Korrespondent des „I our- n a l" will in einer Fühlungnahme mit maßgebenden deutschen Kreisen die Ueber- zeugung gewonnen haben, daß may dort die Ansicht vertrete, Deutschland könne über die wirtschaftlichen und finanziellen Schwierigkeiten nur mit aktiver Unter st ützung Frankreichs hinwegkommen. Aus diesem Grunde messe man der Ministerbegegnung am 27. September und 28. September eine sehr große Bedeutung bei und protestiere energisch gegen die nationalistische Behauptung, daß der französische Besuch lediglich den Charakter eines Höflichkeitsbesuches trage. Es werde betont, daß Deutschland, wenn sich beide Regierungen wirklich über eine wirtschaftliche Zusammenarbeit verständigten, seinen Industrien die geplanten Aufträge erteilen könne, was die Wiedereinstellung zahlloser Arbeitsloser zur Folge hätte, ohne daß man auf lähmende finanzielle Schwierigkeiten stoßen würde. Zur Durchführung dieser Zusammenarbeit würde es genügen, französisch-deutsche Kartelle zu bilden, aus denen die französischen Teilnehmer im Austausch gegen ihre finanziellen Leistungen einen Anteil des durch die deutsche Industrie erzielten Nutzens erhalten würden.
Das Kapital würde also von de» Franzosen geliefert und die Arbeit von den
Deutschen ausgeführt werden,
und beide Teile würden so an den Früchten ihrer Zusammenarbeit beteiligt fein. Was die großen in Frankreich auszuführenden Arbeiten anbelange, so würde in der gleichen Weise verfahren werden allerdings mit dem Unterschied, txf' die französischen Arbeiter und die französischen Rohstoffe dabei eine wichtigere Rolle spielen würden als bei den auf deutschem Gebiet auszuführenden Arbeiten.
fk. Paris, 19. Sept. Die geplanten Schutzzollmaßnahmen der englischen.Regierung beschäftigen die französische'Oeffentlichkeit in starkem Matze. Was die Wirtschaftsorganisation Europas anlangt, so schreibt u.a. „Journal", können die Maßnahmen, die eventuell in London getroffen werden katastrophal wirken. Wenn England sich jetzt hinter Schutzzollmauern verschanzt, werden Repressalien folgen.
Kampf bei Mulden
Vergeltungsmaßnahmen der Japaner
Tokio, 18. Sept. In der Umgebung von Mulden kam es gestern abend zu einem Zusammenstoß zwischen japanischen und chinesischen Truppen, nachdem Chinesen versucht hatten, die Brücke der südmandschurischen Eisenbahn zu zerstören. Die Japaner nahmen die chinesische Garnison von Peitaqing gefangen.
Nach einer ergänzenden Meldung über den gestrigen Zusammenstoß zwischen japanischen und chinesischen Truppen eröffnete eine japanische Abteilung gestern abend das Feuer auf das Arsenal von Mulden. Im Anschluß daran beschoß sie auch das chinesische Laaer und die Stadt. Von 10 Uhr abends ab fielen alle 10 Minuten Granaten nieder, obwohl die Chinesen das Feuer nicht erwiderten. 70 — 80 chinesische Soldaten wurden g e tö t e t. Als der Gouverneur der Mandschurei, Marschall Tschangsuehliang, diese Nachricht erhielt, befahl er den chinesischen Truppen, die Waffen in die Waffenoepots zu bringen und das Feuer nicht zu er- widern. In Peking glaubt man. daß die japanischen Militärbehörden so unvermutet
gehandelt haben, um die Chinesen zu zwingen, die Angelegenheit des Hauptmanns Ra- kamura zu regeln, der dem japanischen Ee- neralstabe angehörte und im Juli in der Mongolei ermordert wurde, angeblich von chinesischen Soldaten der Mukdener Armee. Chinas Zögern, auf die japanischen Protest in dieser Angelegenheit zu antworten, rief große Erbitterung in den milftärischen Kreisen Japans hervor.
Die Gefechte bei Mulden.
Laut Meldungen der japanischen Militärstation haben die Japaner den Gürtel der Stadt Mulden angegriffen und sind in den Platz eingedrungen, nachdem sie das chinesische Lager nördlich der Stadt besetzt hatten. Es kam im Innern Mukdens zu einigen Scharmützeln zwischen einzelnen Abteilungen japanischer und mandschurischer Truppen. Angesichts der ernsten Lage wurde beschlossen^ das Hauptquartier der japanischen Kuangtung- Armee von Gairen nach Mulden zu verlegen. Ein neuer Zusammenstoß erfolgte bei Kuan- tschangtse nördlich Tschangschun. Dort nahmen die Japaner die Stadt ein, die sie vorher beschoßen hatten.
Kurze Meldungen
Zwischen Dr. Curtius und dem polnischen Außenminister Z a l e s k i fand in Genf eine Aussprache statt, in der die am Sonnabend zur Verhandlung kommenden Oberschlefien- und Danzigerfrage erörtert wurden.
Reichskanzler Brüning empfing am Freitag nachmittag Mitglieder des Reichsverbandes der deutschen I n d u st r i e zu einer Aussprache über die augenblickliche Wirtschaftslage und über die Pläne der Reichsregierung.
Die mit dem Vortrag des Reichskanzlers beim Reichspräsidenten am Freitag endgültig abgeschlossenen Erörterungen über die Bankenaufsicht und die kleine Aktienreform soll im Laufe des Sonnabends veröffentlicht werden. Das Reichskabinett wird am Sonnabend die Weiterberatung des Winterprogramms vornehmen.
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Der Badische Landtag wählte Dr. Schmitt zum Staatspräsidenten und Justizminister und den bisherigen Präsidenten des Badischen Rechnungshofes Dr. Baumgartner zum Kultus- und llnterrichtsminister.
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Die spanische Regierung trägt sich mit der Absicht, das deutsch-spanische Sichtvermerkabkommen, das zwischen beiden Ländern den visumfreien Verkehr erlaubte, demnächst zu kündigen.
Im Genfer Abrüstungsausschuß ist es noch zu keiner Einigung über die kriegverbietenden Maßnahmen des Völkerbundes gekommen. Am Freitag wurde ein polnischer Antrag beraten, der die Zuziehung der freien Verbände zu den Abrüstungsarbeiten des Völkerbunds behandelt, gegen den sich aber Protest erhob.
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Von zuständiger englischer Seite wird der Genfer Bericht dementiert, wonach England angeblich die Absicht habe, eine Art Locarno-Garantie für ein französisch - italienisches Mittelmeerabkommen zu üVernehmen.
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Rach einer Londoner Meldung wird die englische Rational-Regierung ihre Aufgabe, den neuen Haushalt zu stabilisieren, in vierzehn Tagen durchgeführt haben.
Andere Völker werden sein Beispiel nachahmen. Frankreich hat im vergangenen Jahre nach England für 7 Milliarden seiner Erzeugnisse ausgeführt, davon Si/, MMiarden Luxuswaren. Eine Besteuerung neben den bestehenden Zollsätzen für Luxuswaren würde genügen, um unseren
Export tödlich zu treffen.
Unsere englischen Freunde müssen sich also gesagt sein lassen, daß eine derartige Gesetzgebung unsererseits sofortige Schutzmaßnahmen erfordern würde und daß die sehr ernsten Schwierigkeiten, die sie unserem Handel und unserer Industrie schaffen würden, eine neue finanzielle Hilfeleistung Frankreichs fast unmöglich machen würden. Zwischen Paris und London sind Verhandlungen im Gange.
„Journöe Industrielle" fragt, ob ts nicht seltsam sei, daß in der Stunde, in der man in Genf über die Mittel zur Schaffung einer europäischen Zusammenarbeit verhandle, so viele Regierungen, und vor allem die eng- lische Regierung, sich von einer Wirtschafts- Solidarität frei zu machen suchten, deren Notwendigkeit von ihren offiziellen Vertretern in Genf ständig proklamiert werde. Um diese Zweideutigkeit zu beseitigen, müsse eine dauerhafte europäische und den nationalen Interessen Rechnung tragende Wirtschaftsauffassung anscheinend noch geschaffen werden.
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Rückschlag in Gens
Genf, 18. Sept. In der heutigen Aussprache des Wirtschaftsausschusses des Völkerbundes führte der schweizerische Delegierte S t u ck i aus, daß keine Regerung auf eine Polittk verzichten könne, die die nationalen Bedürfnisse hintanstelle. Sowohl das System der bilateralen wie das der mehrseitigen Handelsverträge habe Schiffbruch gelitten.
Nirgends fei ein Fortschritt zu verzeichnen.
Ueberall sehe man nur Rückschläge.
„Es fällt mir heute schwer", sagte Stuck! weiter, vorübergehend einen Weg, den ich als richtig erkannt habe, verlassen zu müssen, weil die Umstände in der Schweiz uns dazu zwingen. Aber wir in der Schweiz haben heute die Pflicht, dafür zu sorgen, daß unsere Arbeiter beschäftigt werden können. Unsere Ausfuhr ist in beunrufjigenber Weise zurückgegangen. Man kann uns nicht verwehren, unseren inneren Markt zu schützen, der ständig steigenden Arbeitslosigkeit entgegenzutreten. Die Meinung des schweizerischen Parlaments in dieser Hinsicht ist eindeutig und hat ihren überraschend klaren Ausdruck in einer von beinahe allen Parteien unterzeichneten Entschließung gefunden, in welcher der Bundesrat aufgefordert wird, den inneren Markt zu schützen. Der Ausblick in die Zukunft ist düster.
Die Lage der schweizerischen Wirtschaft zwingt uns, unverzüglich zu handeln. Wir müssen vorübergehend einen neuen Weg einschlagen. Wir müssen eine neue Zollpolitik einschlagen.
Wir verlangen hierzu nicht nur die juristische, sondern auch die moralische Freiheit, und wir stehen in aller Offenheit zu dieser neuen Polittk."
Die heilte Aussprache war eingeleitel worden durch den italienischen Korporattons- Minister Bottai, der den Standpunkt seiner Regierung zur internattonalen Handels- und Wirtschaftspolitik darlegte.
Sehr scharf wandte sich der italienische Vertreter* gegen Zollunion und internationale Industrieoereinbarungen.
Solche Gruppierungen verhinderten eine harmonische Lösung des europäischen Wirtschafts, svstems, indem sie zum Schaden Dritter du Gleichgewichtsstörungen stabilisierten. Sotto betonte die Notwendigkeit, datz die Staate»