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Die «Oberhessischr Zeitung" er­scheint sechsmal wöchentlich. Be­zugspreis monatlich 2.20GM.aus- schließl. Zustellungsgebahr. durch di« Post 2.45 GM. Für etwa durch Streik, Maschinendefekt oder ele­mentar« Errtgniss« ausfallend« Runnuern wird kein Ersatz ge­leistet. Verlag, Dr. K. -itzrroth. Druck der Unkb-Buchdruckerei Job. Aug. Koch, Markt 21/23. Fernsprecher: Nr. 54 nud Nr. 55. Postscheckkonto: Amt Frankfurt a. M. Rr. 5015. Sprechzeit Dec Redaktion von 1011 «*> */01 Uhr.

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Anzeiger für (das frühere kurhessifchej OSerhesfen

Nr. 219 66.3ohtg.

Marburg n. Law

Der Anzeigenpreis beträgt für den 11 gestalt. Zeilenmillimeter 0.08 GM., sog. kleineAnzeigen und Familienanzeigen bei Barzahlung 0.07 GM., amtl. und auswärtige AnzeigenO.10 GM. Grundschristr Aolonel. Bei schwierigem Satz so­wie bet Plahdorschrift 50*1« Auf­schlag. Sammelunzeigen 100*/. Aufschlag Reklam.-Milldu. 0.40 GM. Grundschrift > Petit. Jeder Rabatt gilt als Barrabatt. Ziel 5 Tage. Offerten-Gebührr 25 Pfg., bei Zustellung der Angebote etnschl. Porto 60 GM. Belege werden berechnet. Erfüllungsort Marburg.

Anzeiger der amtlichen Bekanntmachungen für Stadt und Kreis Marburg.

Die Meuterer bleiben straffrei

Geld untergräbt die Disziplin - Die Regierung gibt den Forderungen der Flotte nach

Die Oberbefehlshaber der Kriegshäfen find von der Admiralität z« einer Be­ratung über die Beschwerden wegen der Kürzung der Löhnung in der Mariae nach London berufen worden.

Der Polizeiverband soll sich wegen der Herabsetzung der Gehälter der Poltzeibeamten an das Home-Office gewandt haben.

Die Mannschaften hoffen, daß ihre Lohnforderungen erfüllt werden. In dem Schreiben an die Admiralität, in dem sie die Forderungen nach Revision der Sold- herabsetzungen stellten, hatten die Be­satzungen darauf hingewiesen, daß die be­fohlenen Einsparungen zu ernsten Härten und zur Unmoral unter den Familien der Seeleute führen müßten. Wenn sie nicht eine schriftliche Garantie von der Admiralität erhielten, die vom Parlament zu bestätigen sei, würden sie sich wie ein Mann weigern, ihre Pflicht zu tun. Sie seien jedoch grundsätzlich bereit, gewisse Soldherabsetzungen anzunehmen. Presiekorrespondenten, die auf den Schlacht­kreuzern zugelassen waren, konnten beob­achten, wie die Mannschaften Gassen­hauer sangen, obwohl ihre Offiziere in ihrer Nähe waren.

Die Streikbewegung ging am Dienstag von den LinienschiffenRodney" und Paliant" aus und verbreitete sich schnell ' auf die anderen Schiffe der Flotte. Die CrohkampfschiffeHood",Malaya",Re- pulse", .Warspite" und die Kreuzer Dorsetshire",Norfolk" undExeter" find ebenfalls von der Streikbewegung er­griffen. Die Mannschaften haben fich zwar noch keine Ausschreitungen zuschulden kommen lasten, jedoch ist die Lage sehr ge­spannt. Die Matrosen erklären, sie wür­den auf ihrer Gehorsamsverweigerung be­stehen, wenn die Admiralität ihre Forde­rungen nicht erfüllt.

Bei der Borsammlung in der Land­kantine in Jnvergorden am Sonntag abend wurde das kommunistische Lied von der Roten Fahne gesungen. Auf einigen Schiffen ist der Streik nicht einheitlich und ein Teil der Mannschaften tut seine Pflicht. Am schärfsten wird der Streik auf dem LinienschiffRodney" durchgeführt, wo die Berbindungsboote von Seesoldaten besetzt werden mutzten. Die Versammlung auf dem Kreuzer ,,'J)orf wurde ganz im geheimen veranstaltet. Ein Bote ging im Dunkeln, von Raum zu Raum und flüsterte den Mannschaften zu, datz sie zu der Ver­sammlung im Vorschiff kommen sollten. Auf anderen Schiffen spielten sich in der Nacht zum Mittwoch ähnliche Vorgänge ab. Wie derStar" weiter berichtet,' seien bei Ausbruch des Streiks viele Schiffe in See gewesen, die man zurückgerufen habe.

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5m Unterhaus« beantragte Hall (Ar­beiterpartei) Vertagung des Unterhauses, damit die Aufmerksamkeit des Landes auf die ELhrung in der atlantischen Flotte gelenkt werde. Er erNärte, einige Soldkürzungen seien über Ge- bühr hart.

Der Erste Lord der Admiralität, Austen Chamberlain, teilte mit, die Ad­miralität habe den Oberbefehls­haber der atlantischen Flotte wifien lasten, datz sie seine Handlungen »U! und ganz billige. Er fügte hinzu: Obwohl das Verhalten der Mann- kchaften unentschuldbar war, begrüße ich es

doch, datz, von den dienstlichen Verrich­tungen abgesehen, allessoruhigund ohne Unruhen verlaufen ift (?) 5n einigen Sonderfällen der Soldkürzun- ge« mögen Härten vorgekommen sein. Darum wird auch eine Untersuchung stattfinden, um solche Fälle festzustellen und Härten zu mildern. Es soll niemand bestraft werden.

Hall zog darauf seinen Antrag zurück. Damit war die Flottendebatte beendet.

Der Erste Lord der Admiralität, Austen Chamberlain, teilte im Unterhaus mit, datz die atlantische Flotte den ihr ge­gebenen B e feh l (!), in die Heimathäfen zurückzukehren, damit der Oberbefehls­haber durch eine Untersuchung über die Wirkungen der neuen Soldordnung vor­handene Härten mildern könne, nachge­

kommen sek und sich auf der Rückfahrt be­finde. Er fügte hinzu, der erwähnte Be­fehl enthalte einen besonderen Hinweis darauf, datz jede weitere Weigerung, irgend einen Befehl auszuführen, als Ge­horsamsverweigerung angesehen und dem­entsprechend nach den Bestimmungen über die Manneszucht in der Marine bestraft werden würde.

Auf die Frage eines Abgeordneten, ob die Herabsetzung der Löhnung in der Marine zu den Kürzungen gehöre, die schon von der früheren Ärbeiterregierung provisorisch beschlossen worden seien, er­widerte Chamberlain, er habe, als er sein

Ein anderes Sorgenkind

Gandhi und Frau Naidu verlasien lachend den St. James Palace in London nach der ersten

groben Rede des

Eine Szene, die in der Geschichte des englischen Parlaments einzig dastehen dürfte, spielte sich in einem der Ausfchuß- räume des Unterhauses ab. in dem Ghandr eine Ansprache vvr den Mitgliedern der Arbeiterfraktion hasten sollte. Da Auto- graphensammler ihnen nach Beendigung der Verhandlungen der englisch-indischen Konferenz längere Zeit aufgehalten hatten, konnte er seine Abendgebete nicht recht­

indischen Führers.

zestig sprechen, sondern entschloß sich, di­rekt zum Unterhaus zu gehen, wo er, sein Sohn, Fräulein Slada und Frau Naidu im Saal 14 ihre Sandalen auszogen und sich 1 zum Gebet auf den Boden knieten. Gandhi erklärte in seiner Ansprache, daß es in der Frage der Unabhängigkeit Indiens keine Kompromißlösung gebe. Er wünsche für sein Volk dieselbe Freiheit, wie sie auch das englische Volk genieß«.

Amt übernommen habe, in der Admirali­tät Anweisungen vorgefunden, wonach die Kürzungen der Löhnung in der Marine durchzuführen seien.

Der frühere Erste Lord der Admiralität, Alexander, wandte sich gegen die von Chamberlain gegebene Darstellung der Vorgänge und erklärte, das frühere Arbei­terkabinett sei von der Admiralität und politischen Führern vor dem gewarnt worden, was sich seitdem er­eignethabe.

Lebhaftes Aufsehen erregte es, als Macdonald nun folgende Erklärung abgab: Die frühere Arbeiterregierung er­hielt von der Admiralität die Mitteilung, daß die Seeleute die Kürzungen loyal hinnehmen würden, voraus­gesetzt 1. datz die Kürzungen bei allen öffentlichen Dienstzweigen durchgeführt würden und 2. daß die Arbeitslosenunter­stützungen in gleicher Höhe gekürzt würden.

Auf eine Frage nach den Kürzungen der Löhnung im Heere erklärte der Finanz­sekretär im Kriegsministerium Duff Cooper, es sei ein Unterausschuß ein­gesetzt worden, der eine Untersuchung über jeden einer besonderen Würdigung wer­ten Fall anstellen solle. Außerdem seien Maßnahmen getroffen worden, damit den Angehörigen aller Rangstufen die Gründe für die Soldkürzungen erklärt würden.

Stillhalteabkommen in Kraft

Safel, 17. Sept. Die B.5.Z. gibt be. kannt: Das sog. Stillhalteabkommen zwi­schen den deutschen Banken und zwischen

Kurze Meldungen

Bankgruppen in elf Ländern, das einen sechsmonatigen Aufschub vou Forderungen gegen Deutschland vorsieht, ist von sämt­lichen Parteien unterzeichnet worden, wo-

Havas meldet aus Madrid, die vor­gestern auf sozialistischen Anttag von der Kammer angenommenen Formel, Spanien als eine demokratisch-liberale Arbeiter- republik zu bezeichnen, sei wieder fallen gelasfen worden. Die Radikale Partei habe in der Kammer erklärt, daß man zu Gunsten der Sozialdemokratte für eine Ar­beiterrepublik gesttmnst habe. Die ange­nommene Fassung könnte aber im Aus­land« in gefährlicher Weis« ausgelegt wer­den. Sie hätten deshalb mit anderen Ab­geordneten gegen den Artikel 1 in der neuen Fassung Stellung genommen.

Die Beratungen des Neuner-Ausschusses des Reichskabinetts über die Danken- a u f s i ch t, die am Donnerstag im Reichs­finanzministenum stattfanden, sind zum Abschluß gelangt. Mit der Veröffent­lichung einer entsprechenden N o t v e r - vrdnu ng wird gegebenenfalls noch am Sonnabend zu rechnen sein.

Bei den Verhandlungen des Reichs- kabinettS über das WirtschaftSpro«

tzramm soll auch der Plan eine Roll« spielen, für einzeln« Anleihen Steuer­freiheit zu erfrören, um auf diese Weise das ins Ausland geflüchtete Kapital zu­rückzuholen.

Das Luftschiff®raf Zeppelin" ist in der Nacht zum Freitag unter Führung von Kapitän Lehmannzu seiner zweiten diesjährigen Südamerikafahrt auf- gestiegen.

Der Berliner Polizeipräsident hat das Zerstralorgan der K.P.D.,Die Rote Fahne", wegen der Veröffentlichung eines Trfegramms an dr^ englische .Marine für die Dauer von vier Wochen verboten. Zn diesem Telegramm wird eine Gefährdung der deutsch-englischen Be­ziehungen erblickt.

Die Stadt Berlin hat von einem unter der Führung der Preußischen Staats- baick und die D. D.-Bank stehenden Kon- sorttum einen Aeberbrü ckungskre- dit m Höh« von 20 Millr'vuen RM. erhallen.

von die Zentralnotenbanken der in Frage kommenden Länder heute verständigt wor­den find. Das Abkommen ist somit in Kraft getreten.

Die Raturalunterstützung für die Erwerbs- losen.

Berlin, 17. Sept. Reichsernährungsmini­ster Schiele, hat mit den Vertretern des Zrntraloerbandes Deutscher Bäckerinnungen Germania" und der Brotfabrikanten die Na­turalbelieferung der Erwerbslosen und die Frage der Lebensmittelverbilligung für' die Hilfsaktion erörtert. Die Vertreter des Däckergewerbes haben sich grundsätzlich bereit erklärt, das Brot für die Erwerbslosen unab­hängig vom Mehlpreis zu verbilligen. Um den Prersnachlatz aber noch zu oergötzern, haben die Vertreter des Bäckergewerbes oorgefchla- gen, den Bäckern verbilligtes Meh zu liefern und unter anderem den Kohlen, preis zu senken. Sie forderten weiter, daß die Naturalbelieferung sich auf die not­wendigsten Lebensmittel beschränke. Mit der Spitzenorganisation des Fleischerge, werbes, dem Deutschen Fleischerverband werden ähnliche Verhandlungen geführt,