Einzelbild herunterladen
 

sonnerStog, den l7.Sevk.UA

®fe «Obrrhrsstsch- Seite»«' et- scheint sechsmal wöchentlich. Be- ^gSpreiS monatlich 2.20GM.aus- schließ!. ZusiellungSgebühi, durch die Post 2.45 GM. Für etwa durch Streik, Maschtnendefekt oder eie- Mentale Ereignisse ausfallende Stemmern wird kein Ersatz ge­leistet. Verlag, Dr. K. Hiheroth. Oewf der Untd-Buchdruckerei Zob. Steg. Koch, Markt 21/23. Fernsprecher: Nr. 54 und Nr. 55. Postscheckkonto: Amt Frankfurt a. M. Nr. 5015. Sprechzeit der Redaktion von 1011 w»

V,l1 UH

ÄberhMfche

w ciEiiunu eonwÄinm° Anzeiger für (bas frühere kurhesfifche) Oberhessen

Nr. 21$ 68. M- Marburg n. Laba

Der Anzeigenpreis beträgt fite den 11 gespalt. Zellenmilltmeter 0.08 GM.,sog. kleineAnzeigen und Familienanzeigen bei Barzahlung 0.07 GM., amtl. und auswärtige Anzeigen0.10 GM. Grundschristr §olonel. Bei schwierigem Satz so» wie bei Platzvorschrtft 50*1» Stuf- schlag. Sammelanzeigen 100*/, Aufschlag Reklam.-Millim. 0.40 GM. Grundschrift, Petit. Zeder Rabatt gilt als Barrabatt. Ziel 5 Sage. Offerten-Gebührr 25 Pfg., . bei Zustellung der Angebote einschl.

Porto.60 VM. Belege werden berechnet. Erfüllungsort Marburg.

Anzeiger der amtlichen Bekanntmachungen für Stadt und Kreis Marburg.

GQ

Meuterer erzwingen die Heimfahrt

Sämtliche Schiffe der atlantischen Flotte haben gestern abend um 9.30 Uhr die Fahrt nach den heimischen Häfen angetreten. Es gab einige Verzögerung, bis den Mannschaften die Zusicherung gegeben war, daß die heimischen Häfen der Bestimmungsort der Schiffe seien.

5n der außerordentlichen Kabinetts- sitzung am Mittwoch abend wurden die Vorgänge bei der Atlantikflotte erörtert. WieDaily Herald" meldet, lagen auch Meldungen vor, daß in der Armee und auch in der Polizei Anzeichen von Unruhen be­merkbar geworden seien.

Zu dem Ausbruch der Meuterei wird noch ergänzend gemeldet, daß, als vom Flottenchef das Signal zum Ankerlichten gegeben wurde, sich die Augen der Mann­schaften auf das LinienschiffValiant" richteten. Die Matrosen erwarteten mit Spannung, ob dort dem Befehl Folge ge­leistet werden würde. Aber auch auf die­sem Schiff blieb die Mannschaft unter Deck und weigerte sich, die Anker zu lichten. Offiziere und Fähnriche ver­suchten sodann den Anker selbst zu lichten, worauf die Mannschaft erklärte, daß sie denn einfach den anderen Anker fallen lassen würde. In der Zwi­schenzeit hatten die Heizer die Feuer ausgehen lassen. Die Mannschaften versammelten sich auf dem Borderdeck und ihre Rufe, das Beispiel nachzuahmen, wurde von der übrigen Flotte ausgenom­men. Nur auf einem Teil der Schiffe war die Mannschaft bereit, die laufenden Reinigungsarbeiten zu versehen, um ihre Schiffe einigermaßen in Ordnung zu hal­ten. Auf anderen Schiffen mußte bei­spielsweise die WachevondenOffi- zieren ausgeübt werden. Die Lage ist nach wie vor gespannt und man ist all­gemein der Ansicht, daß ähnliche Vorgänge sich auch in der Armee und der Poli­zei abspielen werden.

Die erste Massengehorsams- Verweigerung fand Dienstag mor­gen um 8 Uhr statt. Kurz nachdem unter den Klängen der Musikkapellen die Flag­gen gehißt wurden, erging der Befehl, die Anker ju lichten. Diesem Befehl wurde nicht Folge geleistet. Statt dessen brachten die Mannschaften ein drei­maliges Hoch auf den König aus und setz­ten sich dann rittlings auf die Ankerketten, um ihre Lichtung zu verhindern. Nach­dem

die Ausfahrt der Flotte unmöglich gemacht war, vertrieben sich die Seeleute die Zeit mit Musizieren und Spielen. Der gestrige Tag verlief ähnlich. Wieder wurden die Flag­gen zu den Klängen der Kapellen gehißt, wieder brachte die Mannschaft Hochrufe auf den König aus. Inzwischen haben die feizer das Kesselheizen eingestellt. Die ereits erteilten Landurlaube wurden widerrufen.

Die Londoner Presse veröffentlicht eine von der Admiralität ausgegebene Ta­belle über Aenderungen in der Löhnung der Seeleute, aus der hervorgeht, daß die Abstriche nicht 20 bis 25 Prozent, son­dern nur 10 bis 13 Prozent be­tragen.

Unterhausdebatte über die Flottenfrage.

Nach der Erklärung des Ersten Lords der Admiralität, Sir Au st en Cham- ber^ain, im llnterhause kam es über

MG WM

?< 5cV >

BIB

- Br £v r- W

,.w -

s <

.*v G

'M <

. _> s A *:,v X

.*-**i* y-v, ,

j

< 4 ' .. X j

y_ =

Die Ausfahrt der stolzeste« Flotte

F.lqtteuvorfall zu einer Debatte, die zum Teil sehr lebhafte Formen an­nahm. Das Unterhausmitglied von Ports­mouth, Kapitän Hall, wies daraus hin, daß die Seeleute Kürzungen um 25 Pro­zent erlitten, während der Erste Lord der Admiralität und andere geringere Kürzungen erführen.

Denken Sie daran, so fragte er den ersten Lord der Admiralität, daß diese Leute nicht in der Lage sind, ihren eige­nen Fall zu vertreten?,

worauf Sir Austen Chamberlain unter Beifall und Eegenkundgebungen erklärte: Ich kann die aufgestellte Be­hauptung nicht entgegennehmen und

mißbillige Fragen dieser Art.

-- iM

Der ehemalige Erste Lord der Admirali­tät, Alexander (Arbeiterpartei) be­grüßte die geplante Revision der Kürzun­gen und fragte, ob der Premierminister die Absicht habe, dies auch bei allen Kürzungen zu tun.

Macdonald drückte sein Bedauern darüber aus, daß diese Frage gestellt wurde. Der Fragesteller habe genau ge­wußt, daß von vornherein klar die Auf­fassung vertreten worden sei, den Ressorts die Verteilung der durch die Etats­kürzungen notwendigen Sparmaßnahmen selbst zu überlassen.

Der Abg. Kenworthy warf der Re­gierung vor, daß sie nicht vor Bekannt-

Amerika für Rüstungsfeierjahr

Bessere Bedingungen für die Abrüstungskonferenz

Reuyork, 16. Sept. Das Staatsde­partement erklärt« heut« srin« volle p rin- ripielke Zustimmung zu der von Se­nator B o r a h vorgeschlagenen fünfjäh­rigen Rüstungsvause. Eine solche würde, sofern sie allgemein erfolge, zum mindesten in dreifacher Hinsicht segensreich wirken. Erstens würde die Genfer A b - rüstungskonfirenz, an deren Datum man hier nachdrücklich festhält, in einer viel freundlicheren Atmosphäre stattfinden. Denn »die Ohren der Delegierten würden nicht durch das Hämmern in den Munitionsfabn- ken und Werften irritiert werden." Zweitens gebe eine solche Pause Zeit und damü bes­sere psychologische Vorbedingun­gen für die Besprechung der verschiedenen politischen Probleme. Die amerikanische Re­gierung erwarte von der Genfer Abrüstungs­konferenz kein plötzliches Auibören aller

Rüstungen, sondern lediglich einen ersten großen Schritt zur Beseitigung des Wettrüstens der Landheere und zur Beschränkung sämtlicher Rüstungen. Eine Rüftungspause würde sowohl hierfür wie auch für die allmähliche Vesettigung der euro­päischen Streitpunkte sehr günstig sein. Drittens würde «ine Rüstungspause ange­sichts der Weltwirtschaftslage ganz zweifel­los durch die Einsparungen bei den W e h r e t a t s von großem Nutzen sein. Dies stelle Amerikas prinzipielle Einstellung dar. Man habe zwar weder von G r a n d i noch von B o r a h bisher Einzelhetten über ihre Vorschläge erfahren, aber man sei bereit, diese zu prüfen und hoffe, nützliche Winke geben zu können. Amerika würde gern für eine Rüstungspause eintreten, sobald die an­deren Mächte mitmachten.

gäbe der Kürzungen eine Untersuchung über die Lage bei der Flotte angestellt habe, worauf Ebamberlain darauf hinwies, daß die Regierung sich bei Amts­antritt einer Situation gegenübergesehen habe, die rasches Handeln erfordere. Wei­teren Versuchen, die Debatte über diesen Punkt auszudehnen, wurden von dem Sprecher ein Ende gesetzt.

Die Admiralität gibt nach.

Die Admiralität veröffentlicht eine Er­klärung, worin nachgewiesen wird, daß sich die 25%tge Soldkürzung in der englischen Flotte nur auf den Erundsold bezieht, wäh­rend die übrigen Zuwendungen einschl. der Bezüge für die Familie davon nicht be­troffen werden. Die größtmögliche Kür­zung trifft die jüngsten und meist unver­heirateten Grade. Da jedoch eine Reihe von diesen vor Erreichung des für die Familienzuwendungen vorgeschriebenen Alters geheiratet baden, werden sie durch die Kürzungen besonders hart betroffen, und es werden in diesem Zusammenhang Erleichterungen erwogen.

Soweit die Blätter zu den Vorgängen in der Atlantischen Flotte Stellung neh­men, äußern sie Bedauern über dieUn­besonnenheit der jugendlichen S e e l e u t e".M o r n i n g P o st" sagt, die Vorgänge hätten Unruhe und Ent­täuschung verursacht. Wenn man sie deut­lich charakterissteren wollte, was heute nicht mehr Mode sei (!), dann müsse man von Meuterei sprechen. Im übrigen glaubt das Blatt, daß die Hauptursache darin bestanden habe, daß es bei der Kürze der Zeit nicht möglich war, den Mann­schaften die llnvermeidbarkeit der Ver­minderung der Löhnung klar zu machen.

Etwas schärfer äußert sichDaily M a i l", die in einem Leitartikel von einem 24stündigen Streik der Flotte des Königs spricht und mit den Worten schließt: Ungehorsam gegen­über den Befehlen der Regierung in einer Zeit wie der jetzigen ist ein ebenso ernstesVergehenwieinKriegs- zelten.

Ohne die Entscheidung des Oberbefehls­habers der Atlantik-Flotte, Admiral H od- g e s, abwarten zu können, hat ein Konteradmiral als der älteste an Ort und Stelle weilende Offizier der Gruppe, zu der die fraglichen Schiffe gehörten, den so­fortigen Abbruch und die Heimkehr ange­ordnet und nachträglich dafür die Bestäti- durch die Lords der britischen Admiralität erhalten. Ein solches Vorgehen kann nur durch ganz außergewöhnliche Umstände ge­rechtfertigt werden, Umstände, die durch die Formulierungen in der offiziellen Mit­teilung der britischen Admiralität:Aus­lösung von Erregung bei einem Teil der Besatzungen durch die Bekanntgabe der Soldverkürzungen für die Marine" sicher­lich sehr vorsichtig umschrieben find.

In der gewöhnlichen Umgangssprache und vor allen Dingen in der Sprache des Seekriegsrechtes nennt man Aeußerungen solcherErregung" ganz klipp und klar Meuterei. Das ist das schlimmste, was einem Kapitän und dem Oberbefehlshaber einer Flotte passieren kann; das ist ferner gerade für den Engländer, der in seiner Flotte immer noch das Rückgrat des briti- schen Imperiums sieht, ein Schlag, wie er schmerzlicher sich kauin denken läßt. Wie hat man noch vor vierzehn Tagen anläß­lich der Vorgänge in Chile über die