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w ciEiiunu eonwÄinm° Anzeiger für (bas frühere kurhesfifche) Oberhessen
Nr. 21$ 68. M- Marburg n. Laba
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Anzeiger der amtlichen Bekanntmachungen für Stadt und Kreis Marburg.
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Meuterer erzwingen die Heimfahrt
Sämtliche Schiffe der atlantischen Flotte haben gestern abend um 9.30 Uhr die Fahrt nach den heimischen Häfen angetreten. Es gab einige Verzögerung, bis den Mannschaften die Zusicherung gegeben war, daß die heimischen Häfen der Bestimmungsort der Schiffe seien.
5n der außerordentlichen Kabinetts- sitzung am Mittwoch abend wurden die Vorgänge bei der Atlantikflotte erörtert. Wie „Daily Herald" meldet, lagen auch Meldungen vor, daß in der Armee und auch in der Polizei Anzeichen von Unruhen bemerkbar geworden seien.
Zu dem Ausbruch der Meuterei wird noch ergänzend gemeldet, daß, als vom Flottenchef das Signal zum Ankerlichten gegeben wurde, sich die Augen der Mannschaften auf das Linienschiff „Valiant" richteten. Die Matrosen erwarteten mit Spannung, ob dort dem Befehl Folge geleistet werden würde. Aber auch auf diesem Schiff blieb die Mannschaft unter Deck und weigerte sich, die Anker zu lichten. Offiziere und Fähnriche versuchten sodann den Anker selbst zu lichten, worauf die Mannschaft erklärte, daß sie denn einfach den anderen Anker fallen lassen würde. In der Zwischenzeit hatten die Heizer die Feuer ausgehen lassen. Die Mannschaften versammelten sich auf dem Borderdeck und ihre Rufe, das Beispiel nachzuahmen, wurde von der übrigen Flotte ausgenommen. Nur auf einem Teil der Schiffe war die Mannschaft bereit, die laufenden Reinigungsarbeiten zu versehen, um ihre Schiffe einigermaßen in Ordnung zu halten. Auf anderen Schiffen mußte beispielsweise die WachevondenOffi- zieren ausgeübt werden. Die Lage ist nach wie vor gespannt und man ist allgemein der Ansicht, daß ähnliche Vorgänge sich auch in der Armee und der Polizei abspielen werden.
Die erste Massengehorsams- Verweigerung fand Dienstag morgen um 8 Uhr statt. Kurz nachdem unter den Klängen der Musikkapellen die Flaggen gehißt wurden, erging der Befehl, die Anker ju lichten. Diesem Befehl wurde nicht Folge geleistet. Statt dessen brachten die Mannschaften ein dreimaliges Hoch auf den König aus und setzten sich dann rittlings auf die Ankerketten, um ihre Lichtung zu verhindern. Nachdem
die Ausfahrt der Flotte unmöglich gemacht war, vertrieben sich die Seeleute die Zeit mit Musizieren und Spielen. Der gestrige Tag verlief ähnlich. Wieder wurden die Flaggen zu den Klängen der Kapellen gehißt, wieder brachte die Mannschaft Hochrufe auf den König aus. Inzwischen haben die feizer das Kesselheizen eingestellt. Die ereits erteilten Landurlaube wurden widerrufen.
Die Londoner Presse veröffentlicht eine von der Admiralität ausgegebene Tabelle über Aenderungen in der Löhnung der Seeleute, aus der hervorgeht, daß die Abstriche nicht 20 bis 25 Prozent, sondern nur 10 bis 13 Prozent betragen.
Unterhausdebatte über die Flottenfrage.
Nach der Erklärung des Ersten Lords der Admiralität, Sir Au st en Cham- ber^ain, im llnterhause kam es über
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Die Ausfahrt der stolzeste« Flotte
F.lqtteuvorfall zu einer Debatte, die zum Teil sehr lebhafte Formen annahm. Das Unterhausmitglied von Portsmouth, Kapitän Hall, wies daraus hin, daß die Seeleute Kürzungen um 25 Prozent erlitten, während der Erste Lord der Admiralität und andere geringere Kürzungen erführen.
Denken Sie daran, so fragte er den ersten Lord der Admiralität, daß diese Leute nicht in der Lage sind, ihren eigenen Fall zu vertreten?,
worauf Sir Austen Chamberlain unter Beifall und Eegenkundgebungen erklärte: Ich kann die aufgestellte Behauptung nicht entgegennehmen und
mißbillige Fragen dieser Art.
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Der ehemalige Erste Lord der Admiralität, Alexander (Arbeiterpartei) begrüßte die geplante Revision der Kürzungen und fragte, ob der Premierminister die Absicht habe, dies auch bei allen Kürzungen zu tun.
Macdonald drückte sein Bedauern darüber aus, daß diese Frage gestellt wurde. Der Fragesteller habe genau gewußt, daß von vornherein klar die Auffassung vertreten worden sei, den Ressorts die Verteilung der durch die Etatskürzungen notwendigen Sparmaßnahmen selbst zu überlassen.
Der Abg. Kenworthy warf der Regierung vor, daß sie nicht vor Bekannt-
Amerika für Rüstungsfeierjahr
Bessere Bedingungen für die Abrüstungskonferenz
Reuyork, 16. Sept. Das Staatsdepartement erklärt« heut« srin« volle p rin- ripielke Zustimmung zu der von Senator B o r a h vorgeschlagenen fünfjährigen Rüstungsvause. Eine solche würde, sofern sie allgemein erfolge, zum mindesten in dreifacher Hinsicht segensreich wirken. Erstens würde die Genfer A b - rüstungskonfirenz, an deren Datum man hier nachdrücklich festhält, in einer viel freundlicheren Atmosphäre stattfinden. Denn »die Ohren der Delegierten würden nicht durch das Hämmern in den Munitionsfabn- ken und Werften irritiert werden." Zweitens gebe eine solche Pause Zeit und damü bessere psychologische Vorbedingungen für die Besprechung der verschiedenen politischen Probleme. Die amerikanische Regierung erwarte von der Genfer Abrüstungskonferenz kein plötzliches Auibören aller
Rüstungen, sondern lediglich einen ersten großen Schritt zur Beseitigung des Wettrüstens der Landheere und zur Beschränkung sämtlicher Rüstungen. Eine Rüftungspause würde sowohl hierfür wie auch für die allmähliche Vesettigung der europäischen Streitpunkte sehr günstig sein. Drittens würde «ine Rüstungspause angesichts der Weltwirtschaftslage ganz zweifellos durch die Einsparungen bei den W e h r e t a t s von großem Nutzen sein. Dies stelle Amerikas prinzipielle Einstellung dar. Man habe zwar weder von G r a n d i noch von B o r a h bisher Einzelhetten über ihre Vorschläge erfahren, aber man sei bereit, diese zu prüfen und hoffe, nützliche Winke geben zu können. Amerika würde gern für eine Rüstungspause eintreten, sobald die anderen Mächte mitmachten.
gäbe der Kürzungen eine Untersuchung über die Lage bei der Flotte angestellt habe, worauf Ebamberlain darauf hinwies, daß die Regierung sich bei Amtsantritt einer Situation gegenübergesehen habe, die rasches Handeln erfordere. Weiteren Versuchen, die Debatte über diesen Punkt auszudehnen, wurden von dem Sprecher ein Ende gesetzt.
Die Admiralität gibt nach.
Die Admiralität veröffentlicht eine Erklärung, worin nachgewiesen wird, daß sich die 25%tge Soldkürzung in der englischen Flotte nur auf den Erundsold bezieht, während die übrigen Zuwendungen einschl. der Bezüge für die Familie davon nicht betroffen werden. Die größtmögliche Kürzung trifft die jüngsten und meist unverheirateten Grade. Da jedoch eine Reihe von diesen vor Erreichung des für die Familienzuwendungen vorgeschriebenen Alters geheiratet baden, werden sie durch die Kürzungen besonders hart betroffen, und es werden in diesem Zusammenhang Erleichterungen erwogen.
Soweit die Blätter zu den Vorgängen in der Atlantischen Flotte Stellung nehmen, äußern sie Bedauern über die „Unbesonnenheit der jugendlichen S e e l e u t e". „M o r n i n g P o st" sagt, die Vorgänge hätten Unruhe und Enttäuschung verursacht. Wenn man sie deutlich charakterissteren wollte, was heute nicht mehr Mode sei (!), dann müsse man von Meuterei sprechen. Im übrigen glaubt das Blatt, daß die Hauptursache darin bestanden habe, daß es bei der Kürze der Zeit nicht möglich war, den Mannschaften die llnvermeidbarkeit der Verminderung der Löhnung klar zu machen.
Etwas schärfer äußert sich „Daily M a i l", die in einem Leitartikel von einem 24stündigen Streik der Flotte des Königs spricht und mit den Worten schließt: Ungehorsam gegenüber den Befehlen der Regierung in einer Zeit wie der jetzigen ist ein ebenso ernstesVergehenwieinKriegs- zelten.
Ohne die Entscheidung des Oberbefehlshabers der Atlantik-Flotte, Admiral H od- g e s, abwarten zu können, hat ein Konteradmiral als der älteste an Ort und Stelle weilende Offizier der Gruppe, zu der die fraglichen Schiffe gehörten, den sofortigen Abbruch und die Heimkehr angeordnet und nachträglich dafür die Bestäti- durch die Lords der britischen Admiralität erhalten. Ein solches Vorgehen kann nur durch ganz außergewöhnliche Umstände gerechtfertigt werden, Umstände, die durch die Formulierungen in der offiziellen Mitteilung der britischen Admiralität: „Auslösung von Erregung bei einem Teil der Besatzungen durch die Bekanntgabe der Soldverkürzungen für die Marine" sicherlich sehr vorsichtig umschrieben find.
In der gewöhnlichen Umgangssprache und vor allen Dingen in der Sprache des Seekriegsrechtes nennt man Aeußerungen solcher „Erregung" ganz klipp und klar Meuterei. Das ist das schlimmste, was einem Kapitän und dem Oberbefehlshaber einer Flotte passieren kann; das ist ferner gerade für den Engländer, der in seiner Flotte immer noch das Rückgrat des briti- schen Imperiums sieht, ein Schlag, wie er schmerzlicher sich kauin denken läßt. Wie hat man noch vor vierzehn Tagen anläßlich der Vorgänge in Chile über die