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Anzeiger für (das frühere kurhessische) Oberhesfen
Anzeiger der amtliche« Bekanntmachungen fite Stadt und Kreis Marburg
Rk. 217 66. WP.
Marburg a. Labn
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Vtl—i Uhr.
Englische Matrosen meutern
Demonstrationen gegen die Soldkürzungen.— Die Flottenmanöver der Atlantikflotte sofort abgebrochen
Not der Sieger [ Gibt Hoover nach?
der Lage sei bedeutungsvoll, daß nur
bei
Verzweiflungstat der Besiegten
Soldaten der Bnndesanaee besetze« in der Rächt die Zafabrkftraben von Judenburg
In Ergänzung seines gestrigen Berichts über das Eintrefen amerikanischer Bankiers für eine Verlängerung desHoover- Moratoriums meldet der Washingtoner Korrespondent der „Times" noch, das Verlangen der Bankiers, daß das Kriegsschulden-Moratorium um mindestens drei Jahre verlängert wird, werde, wie zuverlässig verlaute, auch Schatzamtssekretär Mellon befürworten. Zur Beurteilung
erklärt, die Abzüge seien nicht auf Befehl der Admiralität, sondern entsprechend der Sparpolitik der Regierung vorgenommen worden.
Zunahme der Arbeitslosigkeit in England.
London, 15. Sept. Die Zahl der Arbeitslosen , betrug am 7. Sept. 2 800 631. was eine Zunahme um 38 412 gegenüber der Vorwoche und um 661 060 gegenüber dem gleichen Zeitpunkt des Vorjahres bedeutet.
Landes so notwendig sind, unter allen Umständen zu gewährleisten.
Soldkürzung für das britische Heer in Indien.
Di« englische Regierung gibt heute als erste der angekünüigten Sparmaßnahmen eine Herabsetzung der BesEung der in Indien stehenden englischen Soldaten auf die Basis des Jahres 1925 bekannt. Die Herabsetzung wird am 1. Oktober für alle britischen Soldaten, ungeachtet ihres Standortes, in Kraft treten. Die indische Armee wird hierdurch nicht betroffen.
*
In den Marinekreisen in Plhmouch herrscht ziemlich starke Anzufriedercheit über die Herabsetzung der Löhne und Gehälter. Man behauptet, daß bei den Herabsetzungen große Ungerechtigkeiten zu verzeichnen seien. Ein Seemann erklärte, daß von einem gleichmäßigen Opfer aller gar* keine Rede sei. Der Lohn eines Obermatrosen werde um eine Mark je Tag oder um 25 v. H. herabgesetzt. Ein Vizeadmiral verliere aber nur 10 v. H. oder 11 Mark je Tag. Gin jüngerer Kapitän gar See verliere nur 1,85 Mark bei einem Tages- gehalt von 37,20 Mark, während sich die Kürzung bei einem Matrosen auf 92 Pfg. bei 5,25 Mark Lohn stelle. Man schätzt, daß die Lrchnherabsetzung bei der Marine für den Handel von Plhmouch einen Verlust von 5 200 000 Mark im Jahve bringe.
Dr. Pfriemer auf der Reise nach Laibach.
Belgrad, 15. Sept. Dr. Pfriemer ist mit seiner Fran, einem Sohn »ad mehrere» E«i, granten heute früh in Marburg eingetroffeu und wurde von den jugoslawische« Behörden zur Weiterreise nach Laibach aufgefordert. Er dürfte bei Radlersburg die Grenze überschritten haben.
Buresch über den Heimwehrputsch.
Der österreichische Bundeskamler Dr. Buresch gewährte dem Genfer Vertreter des WTV. eine Unterredung über die augenblickliche Lage in Oesterreich, wobei er u. a. erklärte: Die Bewegung, die Sonntag Iin einem Teil von Oberösterreich und Steiermark ausgebrochen war, ist nun restlos liquidiert. Die dem Bund zur Verfügung stehenden Machtmittel, das Bundesheer, die Gendarmerie und die Polizei, haben ihre Aufgabe vollkommen erfüllt, und das bloße Erscheinen dieser Erekutivorgane des Staates bewirkte schon, daß die Heimwehransammlungen, die übrigens auf ein enges Gebiet beschränkt waren, sich ohne Widerstand auflösten. Hervorzuheben ist, daß die Heimwehrformationen in den übrigen Bundesländern, insbesondere die Tiroler, die niederösterreichische und die Wiener Heimwehr sich entschieden gegen dieses Vorgehen aussprachen und es eindeutig verurteilten. Gegen die Führer des Unternehmens wird mit aller Strerme des Gesetzes vorgegangen werden. Die Bundesregierung ist jederzeit in der Lage, die öffentliche Ordnung und die politische Stabilität, . die für die wirtschaftliche Entwicklung des
| Die britische Admiralität teilt mit: Nach I Meldung des Kommandanten der Atlan- I tikflotte hat die Bekanntgabe der Sold- I Herabsetzungen für die Marine bei I einem Teil der Besatzungen Erregung I ausgelöst. Infolgedessen hat man es für I wünschenswert gehalten, die Durchführung I hes Manöverprogramms einzustellen und I tzie Schiffe wieder in die Häfen zu» I rück zu schicken. In der Zwischenzeit I sollen die Beschwerden über die durch die I neue Soldregelung hervorgerusenen Här- r t' geprüft und der Admiralität zu weiterer Beschlußfassung zugeleitet werden.
Die Atlantikflotte besteht einschließlich her Hilfsfahrzeuge aus ungefähr 40 ' Schiffen mit einer Besatzung von zusam- I »en 1600 Offizieren und Mannschaften. MJm Unterhaus .wird heute der erste Word der Admiralität von einem Arbeiter- Wnitglied über diese Angelegenheit befragt | Serben. •
| lieber die unter den Mannschaften der »ktlantikflotte entstandene Bewegung be= »ächtet „Daily Telegraph" aus dem »schottischen Hafen Jnvergordon, wo Wie Hauptmacht der Flotte liegt: Das Wlroße Erbitterung über die Herabsetzung Wer Löhnung herrschte, war schon bekannt, 6her sie fand erst am Sonntag in der See- Wannskantine in der Stadt alarmierenden Wlusdruck.
■ An diesem Tage befanden sich unge- I fahr 700 Urlauber an Land, die gegen W die Herabsetzung der Löhnung | protestierten.
Won verschiedenen Schiffen wurden darauf Machtabteilungen gelandet, was die er- »sünschte Wirkung hatte. Als aber die »Urlauber sich am Pier versammelt hat- |tat, um auf ihre Schiffe zurückzukehren, rb es eine weitere lärmende undgebung. Am Montag dauerten
|He Proteste an.
Eine Versammlung in der ' Kantine wurde aufgelöst. 600 Seeleute begaben sich darauf zum städtischen Sportplatz, wo die Frage erörtert wurde, in welcher Weise gegen die Lohnvermin- beruitg Protest geleistet werden könnte.
Dienstag erhielt niemand «rlaub, aber Gesänge und häufige Bei- «lskundgebungen waren an der Küste Drbar. woraus geschlossen wurde, daß Hon mindestens auf einigen Schiffen die Mannschaften ihre Beschwerden erörterten.
»Daily Mail" meldet: Als am Mon- I N abend das Signal „Lichter aus!" ge= feftt wurde, weigerten sich die Mannhaften in die Hängematten zu gehen und Meben noch am Deck,' von wo aus noch <»e Stunde lang Gesänge und Beifalls- I >e hörbar waren. 3m übrigen scheint keine Unordnung gegeben zu haben.
>,D a i l y H e r a l d" zufolge herrscht auch dem schottischen Marineschutzpunkt
o s y t h Unzufriedenheit. 375 Seeleute les nicht zur Atlantikflotte gehörenden hlachtschiffes hätten ihrem Kapitän ein !uch wegen der Verminderung der Lohns überreicht. Der Kapitän habe ihnen
einer merklichen Besserung der Geschäfts- läge Präsident Hoover nächstes Jahr die Aussicht auf eine Wiederwahl hätte. Der Präsident habe den Bankiers anscheinend zu einer liberaleren Kreditpolitik geraten, aber hierbei hätten die Bankiers erwidert, daß ihnen die Hände gebunden seien.
Einer von ihnen habe ganz unumwunden erklärt: Unsere Uhr haben die Deutschen in der Tasche, womit er die 600 Millionen Dollar kurzfristige Kredite meint, die in Deutschland stillgehalten find.
Die Bankiers bezeichnen als Einleitung einer Hilfsaktion erstens eine Verlängerung des internationalen Moratoriums und zweitens eine Aenderung der Politik des Direktoriums des Bundesreserveamtes in Richtung auf eine „reguläre Inflation" solange es noch Zeit fei, einen solchen Vorgang zu regulieren. Die Bankiers und Industrielle verlangen ferner eine Abänderung des Alkohol- verbotes und Zulassung von Bier mit 3 Prozent Alkohol. Sie erklärten, daß auf diese Weise der Landwirtschaft geholfen werde, die Steuern reichlicher fließen und die Arbeitslosigkeit vermindert werden würde. Der Korrespondent schließt, alles deute darauf hin, daß der Präsident nicht wünsche, einem Druck ausgesetzt zu sein. Es sei noch nicht das mindeste darüber bekannt, ob er in einer dieser Fragen nachgeben werde. »
Zur finanziellen Notlage Oesterreichs und Ungarns schreibt der Genfer Korrespondent der „Times": Solange nicht die Probleme der Kriegsschulden mit den Reparationen gelöst sind, besteht keine Aussicht auf Rückkehr zu normalen Verhältnissen, unter denen allein das Werk der Reorganisation Mitteleuropas und des Balkans unternommen werden kann. Der Finanzausschuß des Völkerbundes dürfte genötigt fein, auf diese Frage hinzuweisen, und dadurch wird möglicherweise der Völkerbundsrat gezwungen werden, sie zu erörtern. Eme derartige Erörterung würde tatsächlich auf die Wiederaufnahme der Londoner Besprechungen hinauslaufen. Der Eindruck wird immer stärker, daß die Vereinigten Staaten, wenn die Kriegsschulden- und die Reparationsfrage im Völkerbund aufgerollt wird, kaum tn der Lage sein werden, völliges Schweigen zu beobachten, und daß die amerikanische Regierung vielleicht sogar Schritte tun würde, um sich dabei vertreten zu lasten.
Die Bankiers sollen ferner dafür eingetreten sein, daß man die gegenwärtig immobilisierten, kurzfristigen deutschen Kredite, die sich auf 600 Millionen Dollar belaufen, in einzelne Gruppen einteile, damit sie von der Federal- Re erve-Vank rediskontiert werden könnten. Diese Vorschläge sollen im Verlaufe einer langen Erörterung gemacht worden fein, die nach dem Esten tm Weißen Hause folgte, zu dem Präsident H o o- oer den Beirat des Federal-Reserve- Board eingeladen hatte.
Gerüchtweise verlautet aus Halifax, daß der Gouverneur der Bank von England Montagne Norman, der ursprünglich die Absicht hatte, heute «ach England zurückzureisen, und seine Abreise aufschob, in Montreal eine Besprechung mit dem