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Marburger Tagesmyrtger
Echt
LandeszettuW
Nr. 214 ßß.FMg. Marburg a. Labn
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Anzeiger für (das frühere kurhessische) Oberhessen
Anzeiger der amtlichen Bekanntmachungen für Stadt und Kreis Marburg.
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•M—1 Uhr-
Aus dem preußischen Sparprogramm
Abbau von 7000 Volksschullehrerstellen, 3000 höheren Lehrerstellen - Senkung der Wohlfahrtsleistungen, Abbau von Beamten, Angestellten und Arbeitern
meindeyaush'alte erforderlich' sind, zu treffen. Vertragliche Vereinbarungen über Personalausgaben können mit halbmonatlicher Frist gekün- d i g t werden. Selbstverständlich sollen die Ausgaben für Beamte, Angestellte und Arbeiter noch mehr eingeschränkt werden. Die Notverordnung enthält auch eine An- stellungs- und Beförderungssperre für Beamte. Sie wird ebenso schwer empfunden werden, wie der beabsichtigte Abbau aller entbehrlichen Angestellten und Arbeiter, die Einschränkung des Erwerbs der Beamteneigenschaft und die geplante Arbeitszeitverkürzung, lieber den Er-
Spaltenlang berichten die Blätter von der neuen Sparverordnung der preußischen Negierung. Unverbürgte Angaben iber das Ausmaß der Einsparungen schaffen Unruhen im Bolte. Es ist schade, daß Pch die preußische Regierung noch zuruck-
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halt. Offiziell wird das Sparprogramm Preußens erst in einigen Tagen hetanntgegeben werden. Inzwischen hat der „Beamtenbund", die Zeit- schrift des Deutschen Beamtenbundes, die Kernstücke der neuen Sparverordnung be- klnntgegeben. Ausdrücklich muß betont
68» werden, daß der hier veröffentlichte Entwurf nicht authentisch ist.
s Einzelheiten werden in der endgültigen Sparverordnung anders aussehen. Trotzdem scheint es geraten zu sein, schon jetzt ^Einzelheiten der Preußenverordnung — so wie sie der „Beamtenbund" sieht — bekanntzugeben. --k-
Schulen
। Um das Loch im Haushalt einigermaßen k iu stopfen, hält sich Preußen diesmal sehr >stark an die Personal ausgaben. Fibie Abstriche, die hier vorgenommen I»erben, sind sicher mit erheblichen Ein- griffen in die Rechte der Beamtenschaft ^verbunden. In dem preußischen Sparprogramm spielt die Schule eine ganz bcfonbere Rolle. Bei den Volksschulen ist ein Abbau von rund 700 0 Lehre r stellen noch in diesem Jahre vorgesehen. Die Klassenfrequenz wird von 42 auf '48 Schüler heraufgesetzt, während der Unterrichtsbedarf herabgesetzt werden °«uß. Bei den höheren Schulen werden .gleichfalls noch in diesem Jahr 30 00 iLehrer st eilen eingefpart. Die Erhöhung der Pflichtstundenzahl der Lehrer geht auch hier mit der Kürzung der Wochenstundenzahl der Schüler nebenher. Der Berufsschulunterricht wird von 8 auf 6 Stunden eingeschränkt, die Klassenfrequenz -auf 45 Schüler erhöht. In das 6chuIIeben außerordentlich einschneidende Bestimmungen sind weiterhin: die Einführung der sreienVersetzbarkeit eilet Lehrer, die Zusammenlegung gleich- ertiger Anstalten und schwacher Oberklas- kn, die Einschränkung von Hilfs- und Sufbauhlaffen. Erhebliche Ersparnisse werden auch bei den Stellenzu- lagenderVolksschullehreer und Mittelschullehrer gemacht. Man rechnet damit, daß die Abstriche im Durchschnitt Mer mindestens 33 Prozent betragen. Die kulturell nachteilige Wirkung dieser Sparmaßnahmen läßt sich leider nicht leugnen.
Bei den Schulen sind ferner vorgesehen die Zusammenlegung gleichartiger Inhalten und schwacher Oberklassen, die Einschränkung von Hilfs- und Auf- dauklaffen und Einschränkung des wahl- steien Unterrichtes. Die Stellenzulagen der Volksschullehrer »werden in der Weise gekürzt, daß allein- aehende Lehrer nach Ablauf von zehn fahren 100 Mark, Leiter von Volksschul- uassen mit mindestens drei Klaffen 300 Bkark, mit acht Klaffen 500 Mark und mit lb Klaffen und mindestens 15 Schulstellen 700 Mark erhalten.
Konrektoren an Volksschulen mit minde- «ens 20 Klaffen erhalten 300 Mark. Für Lehrer an Volksschulen für körperlich oder iEistig nicht normal veranlagte Kinder
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betragen die Zulagen 300, 500 und 700 Mark. Das Grundgehalt der Mittelschullehrer und der Lehrer an den Berufsschulen ist künftig von 3300 bis 5500 Mark gestaffelt. Die Stellenzulagen betragen für Leiter von Mittelschulen 900 Mark, an kleineren Mittelschulen 400 Mark für den Lehrer und schließlich für Konrektoren an Schulen mit mindestens 10 Klaffen 300 Mark. An den Berufsschulen betragen die Stellenzulagen 900 und 400 Mark.
Gemeinden
‘ Die Verwaltungsorgane der Gemeinden erhalten die Berechtigung, alle Maßnahmen, die zum Ausgleich der G e -
rungen geschaffen werben sollten. Wenn das richtig ist. so werden sich schon dagegen grundsätzliche Einwände erheben, obwohl praktisch sich an dem bestehenden Zustand nichts ändert, weil durch die AuS- führungsbestimmungen auf dem Verwaltungswege schon der gleiche Effekt zustande kam. Ferner meldet der „Vorwärts", daß
die Krisenfürsorge, die Wohlfahrtsfürsorge und die Arbeitslosenfürsorge zusammengelegt werden sollen. Darüber schweben bekanntlich schon lange Verhandlungen, und hier würde es nur darauf ankommen, in welcher Weise der Plan sich finanziell auswirkt. Die Städte haben mit Rücksicht auf ihre Finanzen diese Forderung in den Vordergrund gestellt. Wenn noch behauptet wird, daß eine ganze Reihe weiterer sozialdemokratischer Forderungen erfüllt werden soll, die auf die Saisonarbeiter, auf die DerechnungSdauer für das Arbeitsentgelt usw. erstrecken, so hat das eine sehr ernste Bedeutung. Es handelt sich dabei nicht um die Frage, daß man die schwere Lage, die durch Arbeitslosigkeit und Kurzarbeit über viele Familien gekommen ist, gleichgültig übersehen wollte. Dieses Hebel kann auch nicht durch höhere Unterstützungen beseitigt werden. sondern nur durch eine zielbewußte und entschlossene Wirtschaftspolitik. Entscheidend ist vielmehr die Tatsache, daß die Regierung sich, wenn die Meldungen des „Vorwärts" zutreffen, den sozialdemokratischen Forderungen wellgehend gefügt hat. Auf der anderen Seite find die Einwände der anderen Parteien, die sich in» besondere gegen die Krisensteuer usw. richteten, bisher in keiner Weise berücksichtigt worden, haben auch bei der schlechten Finanzlage kaum Aussicht, erfüllt zu werden. Der „Vorwärts" sagt, daß die erwähnten Zugeständnisse- einen finanziellen Effekt von 80 bis 100 Mill. AM. bedeuteten. Wie das mit der geldlichen Lage des Reiches vereinbart werden kamt, ist schleierhaft. Die Regierung kommt in eine schiefe Lage, wenn sie glauben will, durch Nachgeben gegenüber der Sr^ial- dernokrafie die politische Situation zu meistern. ES muß dechalb schon jetzt die Warnung ausgesprochen werden, diesen Weg weiter zu beschreiten, da sonst das Kabinett Brüning auch diejenigen Kreise von sich stoßen wird, die es an ihrer Bereitschaft, posifiv zur Besserung der Verhältnisse mitzuarbeiten, niemals fehlen ließen.
Kabinett sich in seiner gestrigen Sitzung mit der Frage befaßt, in welcher Form die beabsichtigten Maßnahmen herausgebracht werben sollen. Es war bekanntlich zweifelhaft, ob ein Teil davon bereits in den ersten Tagen der nächsten Woche und der Rest erst später veröffentlicht werben sollte. Als Ergebnis ber Kabinettssitzung läßt sich nunmehr feststellen, baß bie Reichsregierung mit dem ganzen Programm geschlossen hervortreten will. Aus mancherlei
Die Maßnahmen des Reiches
Mur eine große Notverordnung
Wie wir erfahren. -ifiäer 21 Jahren Erreichte'
Gründen hat sich diese Form als zwech- mäßiger erwiesen. Die Ressorts sind übrigens mit ihren Vorabeiten bereits soweit vorgeschritten, baß bas Reichskabinett ab Mitte nächster Woche in Dauersitzungen seine Pläne enbgültig gestalten kann. Diese Sitzungen werben in Anbetracht ber Zahl und ber Schwierigkeit ber zur Erörterung stehenben Probleme einige beanspruchen, sodaß bann mit der Veröffentlichung ber großen Notverorbnung auf etwa Mitte übernächster Woche gerechnet werben kann.
An ber Kabinettssitzung hat übrigens ber aus Genf zurückgekehrte Staatssekretär von Bülow teilgenommen, nach- bem er dem Kanzler Bericht erstattet batte. Im Kabinett sind bie Fragen ber Außenpolitik jedoch nicht behandelt worden.
Es ist Mannt, daß die sozialdemokratische Reichstagsfraktion mit starkem Nachdruck darauf hinaurbeitet. eine Reihe der sozialpolitischen Einschränkungen, die durch die Notverordnung vorn 5. Juni erfolgen mußten, wieder rückgängig zu machen. Der Kanzler hat sich damals auf den Standpunkt gestellt, daß er zu einzelnen Milderungen bereit fei. wenn sie den finanziellen Ertrag der Notverordnung nicht beeinträchtigen und wenn sie auf parlamentarischem Wege durchgeführt werden könnten. Noch in den jüngsten Tagen haben die Sozialdemokraten durch persönliche Rücksprachen mit dem Kanzler ihre Versuche erneuert. Soweit es sich darum han- dett, daß gewisse Hörten in der Fürsorge für die Kriegsbeschädigten rückgängig gemacht werden, wird niemand etwas dagegen einzuwenden haben. Gerade von bürgerlicher Seite ist an diesem Telle der Notverordnung vom 5. Juni stäche Kritik geübt worden. Nun teilt der „Vorwärts" mit, daß die Sozialdemokratie erreicht habe, daß auch für die jugendlichen Er
werb ber Beamteneigensch'aft werden neue Bestimmungen ausgegeben. Die An- wärterbienstzeit wirb auf 10 Jahre, bei Verforgungsanwärtern auf 9 Jahre verlängert. Bei den höheren Gehaltsgruppen werden außerdem einige Umgruppierungen vorgenommen.
Bürgermeister
Auch bie hohen Einkommen werden nicht verschont. Den Gehältern der Bürger» . meister und Stadträte geht man sehr energisch zuleide. Der Berliner Oberbürgermeister beispielsweise, ber bis jetzt ein Grunbgehalt von 60 000 Mark hatte, wird in Zukunft nur 30 000 Mark erhol» ten. Bei Städten von 400 000 bis 1 Million Einwohnern soll der Oberbürgermeister nur noch ein Grundgehalt zwischen 18 000 und 24 000 Mark erhalten, bei Städten von 100 000 bis 400 000 Einwohnern ein Grundgehalt zwischen 15 000 und 18 000 Mark, bei 50000 bis 100 000 Ein- wohnern zwischen 8 400 und 12 600. bei 30 000 bis 50 000 Einwohnern zwischen 6 200 und 10 600 Mark, bei 10 000—30 000 Einwohnern zwischen 4 400 und 8 400 Mk. Ja, aber bie Aufwandsentschädigungen — so wirb man sagen. Auch bafür trifft die neue preußische Sparverordnung Vorsorge. Die Aufwandsentschädigungen und Nebenbezüge der hohen Kommunalbeamten dürfen in Zukunft 8000 Mark nicht mehr übersteigen. .
Wohlfahrtsleist«»ge«
Zu dem preußischen Sparprogramm er- ahren wir, daß auch die W oh lfahrts- e i ft u n g e n der Gemeinden durch lautliche Richtlinien gesenkt werden. Die eit dem 1. Juli geltenden Richtsätze sol» :en am 1. Oktober um 13 Prozent ab gebaut werden, d. h. im gleichen Maßstab, wie der Index der Lebenshaltung vorn März 1929 bis August 1931 gesunken ist. Indessen sollen die Richtsätze im allgemeinen nicht unter den Stand vorn 1. September 1926 hinabgehen. Weiter wird Drosselung des Sachaufwands, Betriebsrationalisierung ufro. vorgeschrieben. Als finanzielles Ergebnis erwartet man hiervon eine Ersparnis von 65 Millionen Reichsmark für das Rechnungsjahr.
Einzelheiten
Die Notverordnung sieht weiter u. a. noch folgende Maßnahmen für die preußischen Beamten vor: Beamte und Lehrpersonen sind verpflichtet, jedes Amt, das ihrer Vorbildung entspricht, wahrzunehmen, auch wenn es nicht mit geringerem Diensteinkommen verbunden ist. Anstellungs- und Beförderungssperre werden für alle preußischen Beamten an- geordnet. Die Gehälter, die die Beamten am 1. September 1931 hatten, behalten sie zwei Jahre länger als nach den geltenden Dorschttsten. Für die Gewährung von Kinderbeihilfen für Kinder vom 16. bis 21. Lebensjahr ist die Einkom- mensgrenze von 40 auf 30 Mark herabgesetzt. Die Anwärterdienstzeit wird aus zehn Jahre, bei Versorgungsanwärtern auf neun Jahre verlängert. Die Stellenzulage der Gruppe 2 b, die bisher 1200 und 600 Mark betrug, differenziert künftig zwischen 1200 und 400 Mark. Gruppe 1 b (1 d ?) wird gestrichen. Die Beamten dieser Gruppen kommen teil nach Gruppe 2 a, teil nach 2 b mit 1200 Mark Zulage. In den höheren Gruppen werden einige Umstufungen vorgenommen.
Von Einzelmaßnahmen erwähnenswert ist u. a. noch die Neuregelung bei den