4
An die Adresse Frankreichs
-■ M -
Lord Cecil unterstützt den Vorstoß Erandis — Mit der Abrüstung steht und fällt die Verständigungspolitik
&
323
I
Rr. M SS. Mw.
Marburg o. LM
und reld nde
5617
Illi 'M
19311 werdi >vt. 19
©« Anzeigenprett beträgt füe den 11 gespalt. Zellenmillimeter 0.08SM.,sog. kleine Anzeigen und Familienanzeigen bei Barzahlung 0.07 SM. amtl. und anMvärtige AnzeigenO.IO GM. Grundschriftr Solonel. Bei schwierigem Gag fo* wie bei Platzborschrift 50*1» Aufschlag. — Gammelanzeigen 100*/< Aufschlag Reklam.-Milltm. 0.40 GM. Grundschrist, Petit. Zeder Rabatt gilt al« Barrabatt. Ziel 5 Tage. Vfferten-Sebühr: 25 Pfg„ bei Zustellung der Angebote einschl. Porto —.60 GM. Belege werden berechnet. Erfüllungsort Marburg.
zrrilag.
ft» ll.Sevi.lWl
Anzeiger für (bas frühere kurhessische) Oberhessen
Anzeiger der Etlichen Bekanntmachungen für Stadt «nd Kreis Marburg.
wünsche, weil es durch die Entzweiung der beiden kontinentalen Mächte einen umso größeren Einfluß im Rate der Na« Honen habe. Das ist eine grobe, skandalöse Beleidigung Englands. Die gegenwärtige und jede zukünftige Regierung werden ihr äußerstes tun, um eine wirkliche und sichtbare Freundschaft zwischen den beiden Ländern herbeizuführen. Der Geist von Locarno ist, wenigstens soweit England in Betracht kommt, noch vorhanden.
Die französische Regierung hat gestern ihr am 15. Juli im Völkerbund überreichtes Memorandum über den Stand der französischen Rüstungen durch ziffer- mäßige Angaben in Form von Tabellen ergänzt. In einem Begleitbrief macht die französische Regierung darauf aufmerksam, daß diese Zahlen nicht ohne Verbindung mit dem Memorandum gelesen «nd interessiert werden dürften, weil das Memorandum den wesentlichen Teil darstellt. In dem Begleitbrief erinnert die französische Regierung an die im Memorandum aufgeführten Gründe, warum es nicht möglich sei, Vergleiche über den tatsächlichen Rüstungs- stand «nd den qualitativen Wert der Rüstungen der verschiedenen Länder auf rein zahlenmäßiger Basis anzustellen. Die französische Regierung betont, daß die wiedergegebenen Ziffern nicht das Programm «nd die Vorschläge beeinfl«sien, welche die französische Regierang a«f der Abrüstnngs- konferenz von 1932 präsentieren werde.
Das italienische Rüstungsmemorundum.
Die italienische Regierung hat dem Völkerbundssekretariat die erbetenen Angaben über den Stand der italienischen Rüstungen jetzt gleichfalls elngereicht. Wie verlautet, enthält das Memorandum der italienischen Regierung eine Anspielung auf die Anregung eines Rüstungsstillstandes während der Abrüstungskonferenz, die bekanntlich Außenminister Erandi in diesen Tagen in der Völkerbundsversamm- lnng eingebracht hat. Italien hat nach den Angaben des Memorandums 280 000 Mann unter den Fahnen und 1501 Kampfflugzeuge. Die Heeresausgaben sollen in dem Memorandum mit 6 Milliarden Lire angegeben sein. Das Memorandum wird erst in den nächsten Tagen veröffentlicht.
Beginn der großen französischen Manöver.
Die großen französischen Manöver in der Champagne, an denen bekanntlich etwa 60 000 Soldaten aller französischen Formationen teilnehmen, beginnen am
tretet werde ihm seine begeisterte Unterstützung leihen in der ernstlichen Hoffnung eines praktischen Ergebnisses. Die Abrüstungskonferenz, so fuhr Lord Cecil fort, muß Erfolg haben, sie muß zu einer wesentlichen Herabsetzung der Rüstungen führen. Wenn wir allgemein nur darauf bedacht sind, wie unser Land möglichst leichten Kaufes davonkommt, dann kann nichts erreicht werden.
Die Krise drängt zu entscheidendem Handeln. Ich sehe vor mir die Vertreter zweier hochangesehener Rationen, die auf ihrem Gebiet in der Kultur führend sind. Wenn eine wirkliche Annäherung zwischen Frankreich und Deutschland nicht nur in Worten, sondern durch die Tat erfolgen könnte, so wären 75 Prozent der politischen Unruhe aus der Welt beseitigt. Es ist behauptet worden, daß England diese deutsch-französische Annäherung im Grunde seines Herzens nicht
Die amerikanischen Vorschläge zur Abrüstungskonferenz werden sich nach Washingtoner Meldungen vermutlich auf der Grundlage eines langfristigen Rüstungsfeiertages bewegen. Staatssekretär Stimson dürfte an der Spitze der amerikanischen WrüstungS-Ab- ordnung stehen.
Die deutsche Abordnung hat in der Vollversammlung des Völkerbundes beantragt die Minderheitenfrage dem poliHschen Ausschuß zur weiterem Beratung zu überweisen.
Die heutige Aussprache der Vollversammlung des Völkerbundes wird voraussichtlich Ende der Woche mit den Reden von EurtiuS und Driand abgeschlossen werden.
Der Pariser „Ternps" tritt mit bemerkenswerter Deutlichkeit für die baldigste Freilassung des im Elsaß verhafteten Professors Schmidlin ein. ,
er die freundlichen Worte, die bisher in der Völkerbundsversammlung der bevorstehenden Abrüstungskonferenz gewidmet worden feien. „Keine Regierung, am wenigsten die meinige", so betonte der Vertreter Englands, „würde irgend einen Vorschlag zur Verschiebung der Konferenz dulden."
Lord Cecil nahm dann ausführlich Bezug auf die R e d e G r a n d i s, die eine mustergültige Befürwortung des Friedens durch die Abrüstung darstelle.
Die Rede enthalte eine überaus interessante Anregung über die Einstellung der Rüstungsvermehrung während der Dauer der Abrüstungskonferenz selbst. Der Vorschlag Grandis sei ein großartiger Auftakt zur Abrüstungskonferenz und werde hoffentlich im dritten Ausschuß der Völkerbundsversammlung konkrete G e st a l t annehmcn. Der englische Ver-
Im Mittelpunkt der gestrigen Sitzung der Völkerbundsversammlung stand eine Rede des englischen Hauptdelegierten Lord Robert Cecil. Es handelt sich im Augenblick, erklärte er, um die Grundprinzipien des Völkerbundes überhaupt.
s ist notwendig, daß die Weltöffentlichkeit die Gewißheit eines dauernden Friedens hat. Es ergeben sich Besorgnisse aus -er Weltwirtschaftskrise, die seit 2 Jahren, und der akuten Finanzkrise, die mit r Gefahr einer unmittelbaren Katastrophe seit drei Monaten herrscht. Es kommt alles darauf an, das internationale Kapital dazu zu veranlassen, die Lücken der Zahlungsbilanz auszufüllen; andernfalls werden in Europa und in lleberfee immer neue Schwierigkeiten mit r Notwendigkeit von Zahlungseinstel- gen und Moratorien auftreten.
Lord Cecil verwies auf Deutschland, das im Mittelpunkt der gegenwärtigen Krise stehe.
zitierte mit Nachdruck die Stelle aus m Baseler Sachverständigenbericht, die t Wiederherstellung des freien Umlau- von Geld und Waren und ein tat- äftiges Handeln der Regierungen vor dem Ablauf der Stillhaltefrist fordert und tont, daß die internationale politische Loge auf die Grundlage des Vertrauens stellt werden und dch Zahlunzen eutschlands so geregelt werden üßten, daß sie seine finanzielle Stabilität nicht gefährdeten.
Was die Regierungen zur Wiederher- ung des Vertrauens tun könnten, hr Lord Cecil fort, fei nicht ausfchlag- benb, folange die Besorgnisse wegen r politischen Lage andauerten. Wohl könne man sagen, daß kaum jemals der ieg unwahrscheinlicher gewesen sei als jetzt, doch bestehe in vielen Ländern eine ' tmosphäre der inneren Unruhe, deren ückwirkunaen sich über die ganze Welt usdehnen. Heftige Reden und aggressive unbgebungen seien in vielen Ländern pn der Tagesordnung. Leider finde die äßiqung nicht den gleichen Widerhall in der Öffentlichkeit. Zum Teil auf diese "mstünde sei es zurückzuführen, daß eine Atmosphäre des internationalen Mlß- auens entstanden sei. Es sollte die be- mdere Aufgabe des Völkerbundes fein, iefes Mißtrauen zu zerstreuen. Lord ecil erklärte in diesem Zusammenhang, » er wisse nicht, ob die Revision der r durch die Friedensverträge geschaffe
nen Lage den Frieden fördern würde.
Dagegen würde die Weiterbetreibung der ^Abrüstung mehr als irgend etwas anders das Vertrauen fördern und die Ge-
Donnerstag morgen. Die vorgeschriebene Grenze zwischen den beiden Parteien verläuft an der A i s n e entlang zwischen Fraillicourt—Seraincourt und Aussonce. Die Truppenzusammenziehung ist vollständig beendet, und die Rote Partei geht in den frühen Morgenstunden des Donnerstag zum Angriff über, um die Blauen an den letzten Vorbereitungen zu hindern. Das EeneralguarHer der Blauen hefindet sich in Sissonne und das der Roten in Reihel. Im Süden der Aisne werden die Roten ebenfalls zum Angriff übergehen und versuchen, den Uebergang über den Fluß zu erzwingen. Die erste Phase der Mannöver wird ununterbrochen bis zum kommenden Sonntag andauern. Erstmalig soll bei dieser Gelegenheit auch die Motorisierung der Infanterie erprobt werden, wobei die einzelnen Motortppen auf ihren Brennstoffverbrauch und ihre Manövrierfähigkeit untersucht werden sollen. Der Oberste Befehlshaber der gesamten Truppen, General Claudel, in dessen Hände auch die gesamte Manöverleitung liegt, versammelte am Mittwoch die 50 Generäle und die höheren Offiziere um sich, um ihnen die letzten Instruktionen zu erteilen. Kriegsminister M a g i n o t wird der letzten Phase der Manöver persönlich beiwohnen. Wieder eine neue polnische Garnison an der ostpommerschen Grenze.
Die „Ostpreußische Zeitung" meldet: Nachdem D i r s ch a u durch Belegung mit einem Schützen-Bataillon polnische Garnison geworden ist. hat am 8.September auch N e u st a d t/Westpreußen, an der Nordspitze des Korridors, unwefi der Grenze gegen Ostpommern, eine polnische Garnison erhalten. Die Truppen, ein Bataillon Marine-Infanterie, sind in der ehemaligen Provinzial-Heilanstalt untergebracht worden.
Außer diesen neuen Garnisonen sollen im Weichsel-Korridor noch folgende militärischen Neu-Formakionen aufgestellt werden: Ein Jäger-Bataillon, dessen Standort noch nicht feststeht; je eine Radfahrer-Kompanie für die beiden Kavallerie-Regimenter in Thorn; eine Maschinengewehrabteilung auf Motorrädern mit Beiwagen und ein vollständig motorisiertes Artillerie-Regiment
y, »Sberhrssisch« Setomfl" et- rteint sechsmal wechrntlich. Be- monatlich 2.20® 9R .au<- Zastellmigsgebühr, durch Post 2.45 GM. Für etwa durch streik, Maschinendefekt oder efc- wCSUtt Ereignisse ausfallend« zmmuera «*» teilt Ersatz ge- jdßct. Verlag. Dr. 6. Httzerotb, yttä der Untb-Buchdruckerel grt. Stag. Koch, Markt 21/23. zemsprrcher: Rr. 54 und Rr. 55. Postscheckkonto: Start Frankfurt £ W. Rr. 5015. — Sprechzeit »er Redaktion von 10—11 w>
1 Ubr-
3raiK 5i
Hunt
Frankreich behält sich vor.
Man liebt keine zahlenmäßigen Vergleiche
Itene! rd geiui n.P0 i. 3971 h22
rrchfigkeit als Schiedsrichter der inter- ,nationalen Streitigkeiten einfetzen. Das fei eine bringende, sehr dringende Angelegenheit. Er wolle auf ein Sylptom hin- »eisen: In letzter Zeit hätten in ver- III schiedenen Ländern — er möge kein Land " nennen und auch keinem Lande eine besondere Schuld geben — Luftmanö- 8er zur Ausbildung und Vervollkommnung dieser Waffe, die eine ousge = [prodjene Angriffswaffe fei, stattgefunden. Dabei habe sich wieder ein- Nlal ergeben, daß der Besitz von Luftstreitkräften kein Schutz gegen die Luftstreitkräfte des Gegner sei. Die Wirkung °er Luftwaffe bestehe in der Zerstörung größerer Städte, d. h. in der Vernichtung *mer unübersehbaren Anzahl von Menschenleben und der wichtigsten Zentren °e.s materiellen Reichtums. Welch eine Sicherheit sei das für den internationalen Kapitalmarkt? Das gleiche gelte für die *nnb- und Seerüstung. Deshalb begrüße
Der Eindruck der Cecil-Rede in (Senf.
Die große Rede Cecils hat allgemein ein starkes Echo gefunden, weil man dar-. in eine unmittelbare Stellungnahme der englischen Regierung zu den Fragen der Abrüstung und der Reparationen erblickt. Viel beachtet wurde seine Erklärung, daß die englische Regierung sich jeder Vertagung der Abrüstungskonferenz widerfetzen werde. Nach dieser Erklärung erscheint es kaum mehr möglich, daß die sranzö- - fischen Bertagungsversuchs? noch fortgesetzt werden. In Cecils Rede ist ferner zum ersten Male in der Vollversammlung des Völkerbundes von englischer Seite die Frage der Revision der Friedensverträge zur Sprache gekommen. Die Erklärung Cecils, der Augenblick hierfür sei noch nicht gekommen, ist von grundsätzlicher Bedeutung und wird allgemein dahin aufgefaßt, oaß die englische Regierung ine Aufmerksamkeit der Völkerbundsversammlung auf die unabwendbare Notwendigkeit einer kommenden Revision der Verträge hinlenken wollte. Am schärfsten erscheint in der Rede der Teil, der die deutsch-französischen Beziehungen behandelt. Cecil stellte das Problem der deuffch-französischen Beziehungen in den Mittelpunkt der europäischen Probleme, ohne jedoch den Standpunkt der englischen Regierung näher darzulegen. Den stärksten Eindruck machte die Forderung, daß die Abrüstungskonferenz unter keinen Umständen zu einem Mißerfolge sichren dürfe und der Hinweis auf die Gefahr der ßuftrüftungen, der allgemein als eine Anspielung auf die Lust- rü ft ungen Frankreichs aufgefaßt wurde. Die Erklärung Cecils führt den italienischen Vorschlag auf Schaffung eines Rüstungswaffenstillstandes bis zum Abschluß der Abrüstungskonferenz weiter. Nunmehr ist die Möglichkeit gegeben, daß der italienische Vorschlag im Abrüstungsausschuß der Vollversammlung behandelt wird.
ÄbeehMsche TaMmzeiM Zeitung
Jif