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2og_________________________________________^verhcflische Zeitung, Marburg a. L. Montag, den 7. Septemb«W31------

Das Urteil im Landfriedensbruchprozetz

Gefängnisstrafen von 4 und 5 Monaten, 11 Freisprüche

3m Verlauf der weiteren Verhandlung am Sonnabend wurde mit der Vernehmung der Angeklagten fortgesahren. die sich bis nach­mittags um 4 Uhr hinzog. Sämtliche An- aeklagten stellen eine Teilnahme an enter Zusammenrottung in Abrede. Die Mehrzahl der Angeklagten haben nach ihren eigenen Angaben an der Versammlung teilgenommen. Als dann der Nationalsozialistenzug unter Begleitung von Polizeibeamten abmarschiert sei, hätten sie sich über den Zwetfchenweg, über die Wiesen, den Bachweg oder durch die Ockershäuser Allee und Schwanallee nach der Eisselberger Strahe begeben, um zu sehen, was noch folgte. Einige gaben auch zu, dem Zug gefolgt zu fein: zwei geben zu, »Auf die Nazi" oder „Nieder mit den Narr' ge­rufen zu haben, und entschuldigen das damit, dah sie in Aufregung gehandelt hätten, weil sie in der Versammlung von Rationalsozra- listen geschlagen worden seien. Mit Latten und Steinen will lernet geworfen haben. Da bet verschiedenen Angeklagten die Angaben mit der Vernehmung vor der Polizei nicht übereinstimmten, hält der Vorsitzende den fraglichen Angeklagten die Aussagen vor, die sie vor der Polizei gemacht haben. Diese sagen, dah sie das vor der Polizei nicht ge­sagt hätten, das sei ohne ihren Willen in das Protokoll gekommen.

Die laugen Vernehmung.

Zu Beginn der Zeugenvernehmung schll- dert ein Polizeimeister die Vorgänge, wie sie sich auf dem Wege von Ockershausen über die Gisselberger Strahe bis zum Rudolphs- platz abgespielt haben. Er sagte, dah der Zug, als er einige Zeit in der Eisselberger Strahe marschiert sei, mit Steinen beworfen worden ist. 3n der Nähe der Südbahnhofs­brücke seien von allen Seiten Steine und Latten auf den Zug geworfen worden. Die Eefahr sei so groh geworden, dah er die Pistole habe fettig machen lassen. In der Frankfurter Strahe habe das Bewerfen des Zuges aufgehört und es sei eine Beruhigung eingetreten. Auf dem ganzen Wege habe man die Polizeibeamten beschimpft. Diese Angaben werden von einer ganzen Anzahl Polizeibeamten bestätigt, die auch in der Lage sind, einzelne Angeklagten erheblich zu belasten, indem sie sagen, dah sie einen Teil der Angeklagten bet der Verfolgung des Zu­ges erkannt hätten. Die Krimmalassistenten, die die Vernehmung vor der Polizei gemacht haben, geben an, dah nichts in die Proto­kolle hineingekommen sei, was die Angeklag­ten nicht angegeben hätten. Einer dieser Be­amten gibt sogar an, dah er einen Wider­spruch in den Angaben zweier Angeklagten gemertt habe. Er habe diesen Widerspruch nicht aufgeklärt, bamit bas Gericht sehen sollte, bah die beiden Angeklagten nicht die Wahrheit sagten. Nachdem die Vernehmung der Poltzeibeamten beendet war, wurden die anderen Zeugen vernommen, die zum Teil nichts wesentliches aussagen, andere wieder erklären, sie hätten den oder die Angeklag­ten erkannt. Damit war die Zeugenverneh­mung beendet.

Die Plädoyers.

Gegen 9.30 Uhr begannen die Plädoyers. Zu Beginn dieser betont Oberstaatsanwalt Heintzmann, dah die Ermittelungen über die Vorgänge am 23. Februar sich in die Länge gezogen hätten, und dah man jetzt erst dazu gekommen sei, die Angelegenheit zu erledigen. Er schildett dann noch einmal die Vorgänge, wie sie im Laufe der Verhand­lung zu Tage getreten seien. Hierbei betont er, dah nach einer Reichsgerichtsentscheidung auch derjenige bestraft werden mühte, der sich als Neugieriger zu einer Menschenmasse be­gibt, die die Absicht hat, an Menschen ober Sachen Gewalttätigkeiten zu begehen. Da­durch würbe bie Menge zur Erreichung ihres Zweckes zum mindesten passiv unterstützt. Dann geht er auf bie Schuldfrage ein und HM von ben ersten zehn Angeklagten sieben für schuldig, die anderen drei seien wegen Mangels an Beweisen fteizusprechen. Bei den sieben, die er für schuldig Halle, nehme er darauf Rücksicht, dah die Angeklagten m Erregung gehandelt hätten. Er beantrage

deshalb für jeden 4 Monate Gefängnis. Auch bitte er Bewährungsfrist zu bewilligen und ben Angeklagten eine Buhe von 50 Mark aufzuerlegen, bannt sie sich in Zukunft von solchen Sachen fern hallen sollten.

Staatsanwoltschaftsvat Ku n tze,. bar für die nächsten zehn ®ngefiagten bte Strafe beantragt, hält fünf für nicht überfuhrt und beantragt Freisprechung. Für die ande­ren beantrage er für drei 4 Monate, für einen 5 Monate und für den letzten 6 Mo­nate Gefängnis. Auherbem bitte er, wie bet ben ersten zehn Angeklagten, Bewährungs­frist zu bewilligen.

Von der Vetteidigung spricht zuerst Fr-Nl Dr Lohnen-Frankfurt. die der Ansicht ist, dah man alle Angeklagten freisprechen müsse. Keinem von ihnen sei nachgewiesen, dah er sich an der Zusammenrottung betei­ligt habe. Wenn man bie Angeklagten ver­urteilen wolle, so müsse ihnen nachgewiesen werben, dah sie die Absicht gehabt hätten, an ben Gewalttätigkeiten teilzunehmen.

Dr. Wertheim ist der gleichen Ansicht. Sollte man aber doch zu einer Verurteilung kommen, batm bitte er, bie Bewährungsfrist nicht von bet Zahlung einer Buhe abhängig zu machen.

Das Urteil.

Gegen 1 Uhr morgens verkündet Amts- unb Landgerichtsrat Ruhl folgendes Ur­teil: Bei neun Angeklagten habe das Ge­richt eine Beteiligung an der Zusammen­rottung nicht feststellen können. Diese würden deshalb schuldlos freigesprochen, bei zwei bestehe der Verdacht der Teil­nahme, aber die Beweise reichten nicht ans, um sie zu verurteilen. Sie mühten mangels Beweise freigesprochen werden. Die übrigen neun Angeklagten seien für überführt befunden worden. Für acht habe «an eine Gefängnisstrafe von vier Mo­naten und für den letzten eine solche von fünf Monaten für Recht befunden. Dre Strafe wird bei den ersten acht auf drer Jahre ausgesetzt. Der letzte soll einen Monat verbühen und dann soll auch dre Strafaussetzung in Kraft treten. Von einer Buhe habe das Gericht abgesehen, denn dann hätte man mit der einen Hand etwas gegeben und mit der anderen wie­der genommen.

Aus -er Amseveu-

Kreis Äfahlmfn

»o« Speckswinkel, 5. Sept Die Bau­arbeiten im Zuge des Landweges Specks­winkel—Neustadt find durch das ungünstige Wetter sehr zurückgeblieben. Die Bauverwal­tung sah sich daher genötigt, die Sperre der Straße bis zum 12. September auszudehnen.

Kreis Medenkooi

B. Gladenbach, 5. Sept. Am 5. Ok­tober veranstaltet der hiesige Obst- unb Egr- tenbauverein im Lokal Blankenstein eme Obst- unb Eattenbauausstellung.

B. Gönnern, 7. Sept. 2n biesem Jahre wurden bas seinerzeit hier abgebrannte Sägewerk unb die beiden ebenfalls abge­brannten Wohnhäuser wieder aufgebaut.

B. Breidenbach, 7. Sept. Hier ist man z. Zt. mit dem Umbau des alten Pfarrhauses beschäftigt. Das Haus wird gründlich renoviett.

B. Hartenrod,?. Sept. Das Selbst- anschluharnt wurde am Freitag in Be­trieb genommen.

B. Frechenhausen, 7. Sept. In un­serer Gemeinde ist z. Zt. ein Rath aus - neubau im Gange. Das stgttllche Haus kommt inmitten des Ortes zu liegen. Neben dem Gemeindesaal und ben Büros wirb es noch einen Raum für bie Unterstellung der Spritzen der Feuerwehr enthalten. Der Roh­bau ist sowell vollendet.

B. Wommelshausen, 7. Sept. Am Freitagnachmittag ging hier und m der Um­gebung bei einem schweren ffieroitter ein wolkenbruchartiger Regen nie­der, der binnen kurzer Zell ben Bächen der- mahen viel Wasser zufühtte, bah sie zum Teil überlisten unb bie Wiesen überschwemmten.

SBalbgirmes, 7. Sept. Am Mitt­woch kam hier eine freiwillige Ar- f» eit s g em ein f 4 aff von etwa 30 L eh- rern unb Lehrerinnen aus bem süb- lichen Teil bes Kreises Biedenkopf zustande. Zum Vorsitzenden wurde Rettor Müller (Naunheims gewählt. Man sprach über das Ziel des Unterrichts und der Erziehung. Den nächsten Vortrag für bie Tagung in Rod- Heim hat Hauptlehrer Feir aus Hermann- stein übernommen. 3m Winter will die Ar­beitsgemeinschaft regelmähig in Giehen tagen.

Aus dem Bumhotol

Schwere Schlägerei.

g. Allendorf a. L.,7. Sept. Bei der gestri­gen Reichsbannettundgebung kam es zwischen

einer Abteilung Nationalsozialisten und Ange­hörigen des Reichsbanners zu einer schwe­ren Schlägerei, bei der es zahlreiche Verletzte gab. Die Polizei trennte die Par­teien.

AUS dem AMelS

Schweres Unwetter im DM«is.

Dillenburg, 7. Sept. Freitag nach­mittag zwischen 2 und 3 Uhr ging über bet hiesigen Gegend ein schweres E e wit t er mit ungewöhnlich starken Regenfällen unb stellenweise dichtem Hagelschlag nieder. Be- sonbers schlimm wütete bas Unwetter auf ben Höhenzügen bes Western,albes. Aus bem Rother Kopf bet Driedorf schlug bet Blitz in bie bort werbende Hetlrgenbor- ner Herbe unb tötete zwei Stuck Rmb- vieh: nur eins ber Tiere ist versichert. Bei Roth war ber Hagelschlag so stark, bah ber Boden mit einer 6—8 Zentimeter dicken weihen Schicht überlagert war. Auch aus dem Dietzhölztal treffen Nachrichten em, die von schweren Schäden durch Hochwasser wissen. Wieder war es besonders ber Sim­mer s b a ch, ber neben bem Schwarzbach berart anschwoll, dah bie Wassermassen sich an ber Strahe Eibelshausen—Eiershausen stauten und den Weg überschwemmten. Eme anbetthalb Meter hohe Betonschutzmauer hielt ber Gewalt bes Wassers nicht Stand, so dah sie zum Einsturz kam. Em Test ber Grummeternte wurde weggeschwemmt, wv- burch ben betreffenden Land mitten naturge» mäh ein unersetzbarer Verlust erwuchs. ,3n Eibelshaus en standen bte Keller emer Reihe von Häusern völlig unter Wasser. In Straßebersbach schlug ber Blitz in eme Radioantenne, so dah ber Apparat m Trümmer ging. Die Ehefrau bes Besitzers, die sich gerade zur Zell des Einschlags m bem Raum befanb, kam glücklicherweise mit bem Schrecken baoon.

Dillenburg, 6. Sept. 3m beirach­barten Hirzenhain löste sich in einem Steinbruch, offenbar infolge des anhalten­den Regenwetters, ein Block von etwa 40 Zentnern Gewicht und begrub b r e i Arbeiter unter fich. Ein Glücks- umftanb war es, daß der Felsen, von bem ber Stein abgerutscht war, etwas über­ragte, sodaß bie Arbeiter dadurch in einem Hohlraum zu liegen kamen. Nur einer von ihnen wurde verletzt und mußte ins Dillenburger Krankenhaus eingeliefert werden.

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LandwiMaWKes

Der Saatenstand Anfang September.

Durch das niederschlagsreiche Wetter im August ist die weitere Durchführung der Getreideernte empfindlich gestört worden. In einzelnen Gebieten stehen die Halm­früchte teils geschnitten, teil ungeschnitten noch auf bem Felde. Unter ber lang an- bauernben Nässe hat das Getreide vielfach sowohl der Menge als auch der Beschaffen­heit nach nicht unerheblich gelitten. 3n&= besondere sind beim Sommergetreide durch Aehrenauswuchs und Körnerausfall grö­ßere Schädigungen eingetreten. Die auf Grund der früheren Erntevorschätzungen gehegten Erwartungen über ben Ausfall ber Getreideernte haben sich nicht erfüllt: der Körnerertrag der diesjährigen Ge­treideernte entspricht nach den bisher vor­liegenden Druschproben nicht ganz den Schätzungen auf dem Halm. Einen ge­naueren Ueberblick über den Gesamtaus­fall der neuen Getreideernte nach bem Stande zu Anfang Sept/mber werden dre demnächst zur Veröffentlichung gelangen­den Ergebnisse der neuesten Vorschatzung bringen Die Weiterentwicklung der Ha^ früchte ist durch die Niederschläge zumeist günstig beeinflußt worden. Auf schweren Böden jedoch treten bei Kartoffeln^ nicht feiten Fäulnis- unb andere Krankheiten auf. Die Futterpflanzen, Wiesen und Weiden zeigen durchweg ein näfhges Wachstum, und konnten bisher nur teil­weise unter großen Schwierigkeiten etn« gebracht werden. 3m allgemeinen ent­spricht bas bisherige Ergebnis bes H«- ertrages nach Menge unb Güte nicht ben Erwartungen. Unter Zugrundelegung ber Zahlennoten 2 = gut, 3 = mittel, 4 = ge­ring ergibt sich im Reichsdurchschnitt folgende Begutachtung: Spätkartoffeln 2,6 (tm Vormonat 2,5), Zuckerrüben 2,6 (2,6), Runkelrüben 2,5 (2,5), Klee 2,7 (2,9), Liyerne 2,5 (2,6), Bewässerungswiesen 2,3 (2,4), andere Wiesen 2,6 (2,6).

Wetterbeobachtaigen am 7.8. Sept

Höchste Temperatur am 6. Slug. 14.7 Telstus Niedrigste Temperatur letzte Nacht 6,9 Telstus

Zelt

Barometerst. tebttaiert auf N. N

Tempe­ratur

Relative Luft- feuchtig fett

6.9.2 Ahr nachm.

758.1 mm

18,7 Test.

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6. g. 9 Ahr nachm.

761.8 mm

9.8 Teil.

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7. 9.7 Ahr norm.

768,7 mm

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PHOTO-BÜHLER - BRILLEN-BÖHLER

Marburg/Lahn

Wettergasse 30 »ahnhofstr. 9

Fernruf 248

Wetterbericht.

An der Rückseite des kräftigen Sturm­wirbels, dessen Kern heute immer noch über der Ostsee liegt, herrscht sehr lebhaf­ter Lustdruckanstteg und es hat sich über England unb Frankreich schon ein kräf­tiges gwdfbrumgebiet entwickelt. Im Be­reich der kalten von Norden kommenden Luftwaffen kommt es noch zeitweise zu Regenschauern, die jedoch auch bald an Intensität verlieren und eine Besierung des Wetters etntreten lassen. Die Tem­peraturen bleiben ober zunächst noch recht niedrig.

Witterungsaussichten für Dienstag, Trocken, vielfach heiter, leichte Wärme­zunahme.

Verlag Dr. T. Hitzeroth. Hauptschriftleiter und verantwortlich für Po­litik und Feuilleton: Dr. Ernst Scheller: für Kommunalpoliti'.. Provinz und Lokales: Lothar Schneider, sämtlich in Marburg.

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der Wagen, der kommen musste 1

Der neue Liter Vierzylinder Opekist da V Eine Gipfel­

leistung der Konstrukteure des erfolgreichsten deutschen Automobil»!-Sie brauchen sieb nur an» Steuer zu setzen und Sie werden sofort begreifen, warum dieser Wagen einen neuen Maßstab fiir Automobilwerte darstellt. Mit seiner modernen, auf traditionellen Crfahrungsgnmd» «ätzen fußenden Konstruktion* die noch nicht bewährte -

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* erden l^Ltr. Vierzylinder (22 PS) ab Werk RüsseMiein, geliefert. Einige der vielen Vorzüge, KelBon-Bohnalite gelben - durchbohrte Pleuelstangen—dreimal gelagerte KerbelweUe — Cemisehvorwlrmtmg — lange Federung, ea. MV. des Radstandes - hydraulische StnSdibnefe#

seinem wirklichen Wertliegt, - verkörpert ereinemvöllig neuen Begriff vom'Bau kleiner'Wagen. Er bietet hohe Leistung.faei geringen Kosten. Erbat bleibenden Wert unfl ist sehSh. Dto uralte besetz idealer Proportion, der-»Goi^ denn Schnitt«« ist’tier zum Prinzip fürden Automobübafl geworden.

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