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Stift 6

OberheMcht Zeitung, Marburg a. L, Freitag, den 4. September 1S31

Nr. 207

Aus der Umgegend

Kerls Mmdmg

!L Wetter 7 Sept Da der seitherige Sprelplatz für die Kleinkinder- schule räumlich und auch hinsichtlich gefahr­loser Sicherheit nicht mehr den Anforderun­gen entsprach, sah sich die Verwaltung des Kindergartens genötigt, eine Verlegung des Spielplatzes vorzunehmen. Dank dem Ent- gegenkommen her Kirchengemeinde Mellnau konnte ein Teil des der dieser gehörenden Pfarrgartens, des sog. Lohrgartens für den

U «x $ x der Kinderschule zur Verfügung gestellt und hergerichtet werden. Der Garten rn unmittelbarer Nähe der Kinderschule und hat einen bequemen Zugang. Der für den Kinderspielplatz abgesonderte Teil ist mit einem dauerhaften Drahtzaun umgeben wor­den, und es fand aus diesem Anlatz ein K i n- d e r f e st statt, deffen Leitung die Kinder­schwester Martha Pfaff übernommen hatte. Die Kinder hatten allerlei Eedichtchen und Spiele eingeübt und fühlten sich alle in ihrer zugewiesenen Rolle recht wohl, so daß die dem Feste beiwohnenden Erwachsenen tqre Freude daran hatten. Oberpfarrer Rappe hielt eine Ansprache, in der er auf die Rot der Zeit hinwies. Insbesondere fef «te finanzielle Not des Kindergartens sehr grotz und freiwillige Spenden gerade jetzt, wo Die Kosten der Neueinrichtung bestritten wer­den sollen, mehr denn je angebracht und er­wünscht. Er hoffe keinen vergeblichen Appell zu tun, wenn er bitte, der demnächstigen Sammlung zu diesem Zweck ein recht warmes Interesse zuzuwenden. Den Höhepunkt des Festes bildete für die Kinder die Bewirtung mit Kakao und Kuchen. Der Posaunenchor hatte den musikalischen Teil des Festes über­nommen.

S. Niederwetter, 4. Sept. Dieser Sage lomtfe ber älteste Einwohner unseres Dorfes, Rentier Pfeiffer, seinen 84. Ge­burtstag feiern. Erotz war die Zahl der Leute, die den alten Herxi mit Glückwün- schst.überraschten. Lange Jahre hatte er auch, die Agentur derOberhessischen Zei- fung time, die heute von seinem Sohn ver- wckltti wird. Wir wünschen ihm noch einen gWcklechen Lebensabend.

Ätefl Klrckimln

«Kirchhain, 4. Sept. Die am 21. August 1931 ausgesprochene Sperrung des Landweges NeustadtSpeckswinkel wird bis Nun 12. 9. 1931 weiter verlängert. Die bekannt gegebene Umleitung bleibt bestehen.

3n Kurze sollen hier verschiedene Stra- tzenzuge kanalisiert werden. Die Verdin­gungsunterlagen können im Zimmer Nr. 8 des Rathauses während der Dienststunden emgesehen werden. Angebote, welche dort erhältlich sind, müssen verschlossen, mit ent- sprechender Aufschrift versehen, bis spätestens Dienstag, den 8. September, mittags 12 Uhr, «»gereicht werden.

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Frünkenberg, 3. Sept Der Kiahrige Sohn des Anstreichermelsters W. wurde auf der Rosenthaler Strabe von einer R adf ah rer in, die zum Grummetmachen wollte und den Rechen in der Hand trug, angefahren, datz er zu Fall kam und einen Oberschenkelbruch erlitt, so datz er in die Marburger Klinik übergeführt werden muhte. Auch die Radfahrerin stürzte und Erde verletzt. Wer die Schuld an dem Unfall trägt, ift noch nicht geklärt.

Frankenberg, 3. Sept. Wieder einmal wurde wie vor einiger Zeit in dem GeschäftKaufhaus zum Bahnhof" ein ge­brach en und daber etroa 12 Flaschen Wein, für 300 Mark Zigaretten ,grobe Mengen Zigarettenpapier, Maschinen. 6 Kisten Zi­garren, 20 Pfund Wurst, 20 Pfund Kaffee, 85 Tafeln Schokolade, Zuckersteine, Brot, Butler, ein Korb Eier u. das vorhandene Klein­geld gestohlen. Um die Waren fortzuschaffen, hat der Einbrecher einen Sack Kartoffeln und drer Zwetschenkörbe mit Firmenzeichen zum Abtransport des gestohlenen Gutes geleert Der Eesamtschaden dürfte 500 Mark über­steigen. Nach den vorgefundenen, von der Polizei sichergestellten Fubspuren hat der Tä­ter das Eartengeländer von der Seite der Bahnaleife her überschritten und sich durch gewaltsames Abbrcchen der Leisten des Fensterschutzes durch das Fenster zum Gar­ten Einlab verschafft.

Kreis Medenkvv!

Biedenkopf, 4. Sept. Der Regie- rungsvräsident weist darauf hin, datz die Festsetzung der Verkaufssonnlage vor Weih- nachien bis auf weiteres nach den Rundver­fügungen vom 2.1 Mai 1930 erfolgen, d. h. sich auf die beiden letzten Sonntage vor Weihnachten zu beschränken hat.

B. B i e d e n k o p f, 3. Sept. Der Landwirt schaflliche Kreisverein für das Wittgensteiner Land blickt im nächsten Jahre auf ein 100-

jähriges Bestehen zurück. Aus diesem Anlab wird ein grobes Stünzelfest begangen werden.

B. B ied enkopf, 3. Sept. Die Ernte­arbeiten innerhalb unseres Kreises sind zu Ende. Durch die Witterung der letzten Monate hat naturgemäb die Ernte stellen­weise beträchtlich gelitten. Immerhin kann von einer Durchschnittsernte gesprochen wer­den. Die Erummeternle hat ebenfalls ein­gesetzt. Autzerordentlich gut scheint die Obst­ernte auszufallen. Fast alle Bäume, anbei Zwetschen, hängen voll.

er. Battenfeld, 3. Sept. Am vergan­genen Mittwoch kehrten die Ferienkin­der der ev. Vereinigung Dortmunds wieder in ihre Heimat zurück. Der Aufenthalt er­streckte sich über 4 Wochen und war für die Kinder eine Zeit der Entspannung und Er­holung. Die Kinder fanden bei ihren Pflege- eltern in allen Orten ihrer Unterkunft eine gastliche Stätte. Das anfängliche Heimweh wurde dank der fürsorglichen Liebe, die die Kinder in den Familien fanden, bald ver­sagt und machte einem frohen, zufriedenen Aufenthalt Platz.

er. Allend orf (Eder). 3. Sept. Am 1. September beging Postagent Amend sein 25jähriges Dienstjubiläum. Anläblich dieses Tages wurden dem Agent einige Auf­merksamkeiten zuteil.

RMsjugen-wMömvfe der LanMulen

Für den Nordbezirk des Kreises Marburg fanden am 27. August in Wetter und am 31. August in Cölbe die Reichsiugend- wettkämpfe der Landschulen statt. Die Leitung der Kämpfe hatte Kreisjugend- pfleger Lehrer Naumann-Cölbe übernom­men. Nachfolgend von jeder Stufe die ersten 10 Sieger. Die übrigen Sieger werden später veröffentlicht werden.

(Die Ziffer vor dem Namen nennt den Sieg.) Wettkämpfe in Wetter am 27. August.

Kuaben-Oberstufe.

Dreikampf: 1. Beruh. Kamm. Toden­hausen ; 2. Heinr. Trusheim, Niederasphe: 3. Jakob Erosch, Mellnau; 4. Herrn. Trusheim, Niederasphe; 5. Peter Imhof, Münchhausen; 6. Johob Kirchhain, Niederwetter; 7. Eduard Roth, Wetter und Herrn. Engelbach, Nieder­asphe; 8. Hallenberger, Münchhausen; 9. W. Dersch, Münchhausen, Eugen Berger, Wetter und Ernst Klös, Oberrosphe; 10 Ernst Klin- gekhöfer, Wetter.

Knaben-Unterstufe.

Dreikampf: 1. Hans Schwarz, Wetter; 2. Fritz Stolz, Wetter; 3. Wilhelm Ludovici, Wetter; 4. Jakob Diehl, Amönau; 5. Heini Wagner, Simtshausen; 6. H. Damm, Amönau; 7. Johs. Müller, Todenhausen und H. Schäfer, Niederwetter; 8. Heinz Ohr, Wetter, Johannes Guter, Oberrosphe und Herrn. Detsch, Simts­hausen; 9. Heinr. Erkel, Wetter; 10. Heinrich Dersch, Münchhausen. Eerh. Niehoff, Wetter, Andreas Vornam, Oberrosphe und Heinrich Stöhr, Wetter.

Mädchen-Oberstufe.

Drei kampf: l.LisetteSchneider.Wetter; 2. Katharina Gimbel. Unterrosphe: 3. Maria Daube, Wetter; 4. Else Scherer. Wetter; 5. Elsab. ffinau. Warzenbach; 6. Trinchen Klös, Mellnau; 7. Lina Ullner, Wetter; 8. A. Kath. Beltz, Treisbach: 9. Gertrud. Wolf, Wetter; 10. Gertrud Seibel, Oberrosphe.

Mädchen-Unterstufe.

Dreikampf: 1. Elli Kutsch, Wetter und Anna Hilberg, Wetter; 2. Margar. Schiitzler, Unterrosphe und Anna Vial, Todenhausen; 3. Käthe Kampe!, Wetter. Anni Encker. Wetter, Leni Opitz. Wetter, Elisabeth Löwer. Wetter u. Anna Marg. Krieg, Mellnau; 4. Christine Strack, Amönau u. Liese! Liebmann. Wetter; 5. Emmi Wolf, Wetter; fi. Maria Kirchhainer, Niedcrwetter: 7. Gertrud Seibel. Wetter und Erna Dörr, Wetter; 8. Maria Wiegand, Wet­ter ; 9. Gretel Scherer, Wetter. Kath. Vollmar, Wetter. Anna Wagner. Warzcnbach u. Emma Seip, Niederwetter; 10. Käthe Hilberg. Wet­ter, Kath Schulz, Todenhausen und Gertrud Kahler, Wetter.

Wettkämpfe in Cölbe am 31. August. Knaben-Oberstnfe.

Dreikampf: 1. I. Votzhammer Sarnau; 2. Fritz Wolf, Cölbe; 3. Anton Gölzhäuser, Bauerbach; 4. K. Vaupel, Schönstadt: 5. K. Wege, Wehrda; 6. A. Sauer. Bürgeln, Hans Brie, Cölbe und Hch. Blak, Eotzselden: 7. K. Eöttig, Wehrda, Jak. Rodenhausen, Bürgeln und Konr. Theis, Vürglen; 8. Ludw. Boden- bender, Betziesdorf, Ludw. Staffel. Schönstadt und Heinrich Seibel, Reddehausen; 9. Daniel Lemmer, Sarnau, Johs, Schmidt, Sterzhausen und Jost Schultheis, Cölbe; 10. Heinr. Gärt­ner, Wehrda.

Gladenbach, 4. Sept. Die Arbej. ten an der im Bau begriff ent» Badeanstalt sind soweit fortgeübritta bab in wenigen Tagen bas 45 Meter la^ und 25 -Dieter breite Becken fertiggeitelh sein dürfte. An den trotz der Ungunst be: Witterung m verhältnismäbig kurzer herausgeschaffenen Erdmassen kann man ein Bild davon machen, welche Riesenardeq Meister und Arbetter geleistet haben. Wem es auch die Verhältnisse nicht gestatten, dg! mit Beton vorgesehenen Bodenbelag in di«, fern Jahre noch herzurichten, so hat doch bet Badeverein allen Grund, mit Befriedigung und mit herzlichen Gefühlen des Dankes an all» hochherzigen Spender, insbesondere meinde, Kreisverwaltung und Ortsausschni für Jugendpflege auf das Werk hinzublicken Was noch im vorigen Jahre als frommer Wunsch erschien, ist Wirklichkett geworben und das in einer Zett, in welcher die wirf, schaftliche Not immer neue Hemmnisse auf. türmte. Es wird ein Werk von aubet. ordentlich gesundheitlicher Bedeutung geschai. fen, das wir als ein Geschenk an unsere Zu. gend aufgefabt wünschen möchten, die hier ihre Gesundheit stärken soll, die sie so bittet nötig hat in dem schweren wirtschaftlichen Kampf für die Erkämpfung ihrer Zukunft. Deshalb weg mtt aller Miesmacherei! Auch viele Nettere dürften den wohltättgen Ein. fhib eines Freibades für ihre Gesundheit schätzen lernen. In einer in Kürze stattfm, denden Mitgliederversammlung wird bet Vorstand einen zusammenfassenden Bericht über die Entwicklung des Werkes geben, in welcher auch Gelegenheit gegeben ist, zu dieser ober jener Form der ferneren Ausge­staltung anzuregen.

Knaben-Unterstufe.

Dreikampf: 1. Heinr. Schmidt, Sarnau; 2 Hch. Boschammer, Sarnau; 3. Ludw. Hen< seling, Schönstadt; 4. Heinr. Weber, Bürgeln; 5 Lorenz Lauer, Cölbe und Jakob Seibert, Wehrda; 6. Heinr Pilgrim, Betziesdorf und Ludgw. Schmidt. Eotzfelden; 7. Paul Saufe, Sarnau und Heinr. Martin. Cölbe; 8 Heim. Peter. Betziesdorf; 9. Hch. Naumann. Betzies­dorf. Konr. Hahn, Betziesdorf und E. Rötzer, Cölbe; 10. Herrn. Kappeller, Sterzhausen und Christian Guter, Betziesdorf.

Mädchen-Oberstufe.

Dreikampf: 1. Glse Kern, Schönstadt; 2 Glisab. Kern. Schönstadt: 3. Anneliese We- ber, Cölbe; 4. Gretchen Paul, Marbach; 5. Gertrud Heuser, Cölbe und Anna Schneideri, Cölbe; 6. Margarete Gimbel. Schönstadt; 7. Elisabeth Ernst. Marbach; 8. Elisabeth Peil, Schönstadt und Elisabeth Rodenhausen, Bür­geln; 9. Leuchen Elfental. Marbach und Mar­garete Vaupel, Schönstadt; 10. Trinchen Ernst, Marbach.

Mädchen-Unterstufe.

Dreikampf: 1. Kath. Schneider, Cölbe; 2 Kath. Schmidt, Bracht; 3 Grete Schäfer, Cölbe; 4. Eva Schmidt, Bracht; 5. Anna Peter, Cölbe und Marg. Bodenbender Wehrshausen; 6 Anna Kirchhain. Wehrshausen; 7. Kathar. Klavv, Cölbe: 8 Grete Schneider. Cölbe und Elifabetb Mertc. Marbach; 9. Kath. Völker, Cölbe; 10. Kathar. Hoffmann. Cölbe. Marie Ludwig, Bürgeln u. Chistine Lauer Bürgeln.

Verlag Dr. C H i tz e r o t h. Hauptschriftleiter und verantwortlich für Po­litik und Feuilleton: Dr. Ernst Scheller; für Kommunalpoli ' Provinz und Lokales: Lothar Schneider, sämtlich kn Marburg.

(Nachdruck verboten.)

Schatten über Marlene

Stoma» von Annh Panhuhs. Copyright 1931 bl, Verlag Bechthold,

Braunschweig.

7. Fortsetzung.

Slls man zu Mittag gegessen hatte, schnurrte sie wie ein Kätzchen: «Hott mal, Vatt und Mutti, Käte hat mich eingeladen, morgen mit ihr nach Berlin zu fahren. Sie hat da allerlei für ihre Mama zu besorgen und sie besucht gleich verschiedene Qter* wandte. Darf ich mit? Ach bitte, bitte, es ist so nett, die hübschen Berliner Schau» senster anzusehen."

Gvald Förster brummte:Meinetwegen fahre mit!" und Frau Wanda nickte: Wenn es dir Spatz macht. Wer komm nicht zu spät nach Hause."

Marlene konnte sich nun nicht mehr ein­mischen, aber sie sagte ttotzdem:Du soll­test, wenn du gern mal wieder nach Berlin willst, lieber mit mir fahren. Es ist dort gerade Reklamemittelausstellung. Die W» teilUngWerbeplakate" interessiert mich."

sEwald Förster mischte sich ein.

Dann fahrt doch alle Drei zusammen, seht euch zusammen die Ausstellung an."

Marlene dachte, bas war eigentlich eine sehr gute Idee, sie konnte Obacht auf Eli- nor geben.

Elinor nahm die Mitteilung, Marlene wollte mitfahren, mit sauersüßem Gesicht entgegen und telephonierte, sobald sie un­gestört war, an Käte. Die lachte durchs Telephon:Ich werde sie schon von uns losreisen. Unsere Tanzditie soll sie uns mcht vermasssseknf

Als Elinor am nächsten Tag ihr rost­rote Samtkleid mit der Sllberstickerei zu- rechüegte zum Anziehen, meinte Marlene: Das ist doch viel zu schade für die Fahrt. Du wirst ja kaum dcqu kommen, den Mantel auszuziehn."

Elinor warf das Kleid schon übet.

Bei Kätes Verwandten werde ich den Mantel doch wohl ausziehen müsien und man braucht mir die Kleinstadt nicht an­zusehen. llebrigens schiebe du in Berlin nur allein in deine Ausstellung, von der Käte und ich doch nichts verstehen, abends können wir uns ja dann am Bahnhof treffen."

Marlene dachte, sie konnte sich bei den Derwandtenbefuchen Kätes wirklich nicht aufdrängen. Sie erwiderte.Ich schlage vor, wir treffen uns gegen achtzehn Uhr am Stettiner Bahnhof, um ein Viertel danach können wir zurückfahren, bis dahin habt ihr sicher alles erledigt."

Elinor dachte an die Tanzdiele und er- i widerte:Es wird doch etwas später wer- I den, Marlene, der nächste Zug reicht auch | noch."

Marlene nickte.Mso treffen wir uns um neunzehn Uhr, ein Viettel danach geht der nächste Zug."

Man fuhr pünktlich ab nach Berlin, er­reichte es in einer Stunde und trennte sich, dort angekommen, bald. Als Marlene ein paar Schritte allein gegangen war, überfiel sie plötzlich eine seltsame Angst, die ihr selbst töricht schien. Es war eine seltsame Angst, die sie drängte, Elinor zurückzurufen, sie bitten, bei ihr zu blei­ben oder sie mitzunehmen. Aber die bei­den jungen Mädchen waren schon im Ge­wühl untergetaucht und sie konnte sie nicht suchen, sie wußte nicht, wo sie zuerst hin- gingen.

Käte stieß einen komischen Seufzer aus, als sie sich jetzt, allein mit Elinor in dem lebhaften Verkehr befand.

Kleines, bin ich froh, daß wir endlich Marlene los find? D>as ist ja die reinste Gouvernante alten <Wls. Diese Ermah­nungen und guten Ratschläge! Ganz blöd ist mir davon im Kopf."

Sie ift zu besorgt um mich", ernt bette Elinor.

Aber du bist doch kein kleines Kind mehr? Am liebsten nähme sie dich an die Hand", spöttelte Käte.Du mußt dich ein bißchen freier machen von ihrer Ober­aufsicht. Ich könnte so etwas jedenfalls nicht ertragen."

Elinor blickte die selbstbewußte Freun­din bewundernd an.

Na ja du, Käte! Du tust ja so ziem- lic>' .iberhaupt alles, was du willst. Sogar deine Eltern reden dir in nichts hinein."

Kate lachte:Du hast deine Umgebung schlecht erzogen. Aber jetzt nehmen wir uns ein Auto, damit wir erst rasch Mamas Auftrag im Modeatelier erledigen, ihre kosmetische Bestellung im Schönheitssalon abgeben, _ um dann flüchtig bei Tante Erna Pfötchen zu geben, damit wir bald nur an uns denken können."

Programmäßig wickelte sich alles ab, das ..Ofötchengeben" bei Frau Erna- derstein dauerte etwas lunger wie vorge­sehen. Erna Röderstein, die Schwester von Kätes Mutter, lud die beiden Mädchen zu Tisch und es wurde fast fünf, bis sie endlich wieder auf der Sttaße standen.

Jetzt dürfen wir aber keine Minute mehr verlieren!" Damit schob Käte die Jüngere in ein Auto, nannte als Adresse eine Tanzdiele und lachte als Elinor im letzten Augenblick streiken wollte.

Ein Negerportier mtt grüner, reich mit Goldborte verzierter Livree, hielt Ehren­wache vor einer Drehtür, dahinter eine nach allen Parfüms ber Welt duftende Garderobe die beide empfing. Ein Saal tat sich auf in schimmerndem Licht, das er aus großen Elassternen empfing, die an der Decke klebten. Eine Negerjazzkapelle spielte den neuesten Tanzschlager unv rings, an zierlich gedeckten Tischen saßen Damen und Herren, und machten gelang­weilte Gesichter.

Käte schien hier gut Bescheid zu wiffen, sie schob sich mtt graziösen Bewegungen

durch die Tische, nahm an einem davon Platz. Elinor schwankte zwischen Scheu und Neugier. Das war nun also eine Tanzdiele. Hier konnte man mit all den Herren tanzen, die hier herumsaßen, von denen man keinen einzigen kannte. Eigent­lich war das eine ganz amüsante Einrich­tung, fand sie.

Der Kellner stellte Teekännchen, Tasten und Gebäck auf den Tisch. Kätes grau­grüne Augen suchten in dem saalartigen, nicht allzu großen -Raume umher. Die ersten Tanzpaare waren in der Mitte an­getreten. Es waren bezahlte Paare, die Gäste wollten erst ein wenig animiert wer­den. Käte trug ein stahlblaues Eolienne- kleid, das ihre sehr helle Blondheit noch hob. Sie wirkte auffallend. Ein schlanker Herr mit vornehmem gradlinigen Gesicht, hatte sich an einem der Nachbartische er­hoben. Er kam direkt auf Käte zu, beide Mädchen sahen es deutlich. Elinor blickte ihm interessiert mit großen naiven Augen entgegen und sein eben noch ein wenig matter Blick leuchtete auf, sein Fuß änderte die Richtung und er verneigte sich nicht vor Käte, sondern vor Elinor.

Heber Kätes Stirn glitt ein flüchtiger Schatten, aber schon stand ein anderer Herr vor ihr, bat sie zum Tanz. Elinor war mit ihrem Tänzer bereits im Tanzfeld. Er tanzte nach ein paar Höflichkeitssätzen schweigend mit ihr und sie riß sich zusam­men, um nur recht gut zu tanzen, sie wollte sich nicht blamieren. Wer weiß, was ihr Partner war. Er hatte irgend etwas nach der Tanzaufforderung gemurmelt. Viel­leicht war es fein Name gewesen. Ver­standen hatte sie es nicht. Es mußte etwas Vornehmes sein. Möglicherweise ein Ge- sandtschaftsattach^ oder so etwas. Sie hatte immer Gert Wendemann feudal aus­sehend gefunden, ihr Tänzer ober wirkte noch feudaler. Wie aus einem interessanten Roman herausgeschnitten. -

Entsetzung folgt.