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*M—1 Uhr.
Das Ende der Zollunion
Frankreich macht sogar Vorschriften über die Formulierung des Verzichtes — Aeußerster Druck auf Oesterreich
Wehe den Besiegten
In der Hand Frankreichs
Nach amtlichen Berichten habe« Dr. Curtiss «nd Dr. Schober verein« ' bart, während der allgemeinen Aussprache im Europaausschuß am heutigen Donnerstag die vorgesehenen Erkl8- langen über die Zoll-Union abzugeben. Es wird behauptet, datz ein endgültiger Verzicht auf den Gedanken der deutsch-österreichischen Zoll-Union nicht zum Ausdruck kommt.
In dem Bericht des Wirtschaftsausschusses der Paneuropakommission wird festgestellt, daß in der gegenwärtigen Lage Europas nur eine allgemeine Zoll-Union oder der zollpolitische Zusammenschluß einzelner Staaten einen Ausweg bieten kann.
Der Generalsekretär des _ Haager Schiedsgerichtshofes hat dem Völkerbund mitgeteilt, daß das Gutachten über die Zoll-Union am Freitag übend mit dem Flugzeug nach Genf abgesandt werden wird.
Pertinax äußert sich im „Echo de Paris" ausführlich über die Zoll- Unionsfrage und teilt dabei mit, daß Minifterpräfident Laval am Mittwoch in einer längeren telephonischen Unterredung dem französischen Vertreter in Genf, Francois Poncet» ausdrücklich mitgeteilt habe, er solle die österreichische «nd deutsche Regierung darauf »afmcrksam machen, daß die Erklärungen Dr. Schobers und Dr. Curtius' Frankreich in keiner Weise bindern könnten. Die französische Regierung müsse sich vielmehr für die Zukunft jede Handlungsfreiheit vorbehalten.
Pertinax gibt in seinen Ausführungen der Hoffnung Ausdruck, datz die französische Regierung der neuen österreichischen Kre- ditfbrderung ein energisches Veto entgegensetzt. In diesem Zusammenhang ist eine Erklärung bemerkenswert, die Fi- vanzminister F l a n d i n am Mittwoch kurz vor seiner Abreise nach Genf dem mnerpolitischen Berichterstatter des Blattes gab.
Flandin betonte, daß er in Genf die französischen Interessen aufs Aeußerste vertreten werde und daß er außerdem die Taschen so zugeknöpft wie möglich halte.
Der „Petit P a r i s i e n" will wisien, ivtz Vizekanzler Schober der französischen Abordnung mehrere Texte seiner bevor st ehenden Erklärung norgelegt habe, die aber später alle wieder zurückgezogen worden seien.
Francois Poncet habe sich darauf beschränkt, der deutschen und österreichischen Abordnung mitzuteilen, daß das Vertrauen nur unter der Bedingung wieder hergestellt werden könne, wenn diese Er- tlärungen jede Wiederaufnahme *es Anschlußgedankens ans- schlössen. Er habe sich geweigert, eine ^anzösische Erklärung abzugeöen und bar= 6Bi hingewiesen, datz England, Italien und
die Tschechoslowakei ebenso wie Frankreich an der Frage interessiert seien, und Frankreich daher nicht allein handeln könne.
Der amerikanische Botschafter in Paris hatte am Mittwoch mit Laval und Finanzminister Flandin zwei Unterredungen, denen politisch große Bedeutung zukommt. In Paris wird behauptet, daß die Aussprache sich um die etwaige Verlängerung des Deutschland gewährten Moratoriums sowie' um die Aufrollung der Schuldenfrage gedreht hat.
Die Frage der deutsch-österreichischen Zollunion steht vom ersten Tage der Genfer Verhandlungen an im Mittelpunkt des allgemeinen Interesses. Reichsminister Dr. E u r t i u s bespricht täglich mehrmals die Lage mit Dr. Schober und mit Führern anderer Delegationen. Erschwert werden diese die Entscheidung vorbereitenden Beratungen dadurch, daß das Haager Gutachten in seinen Einzelheiten noch nicht bekannt ist. Man kann aber annehmen, daß die Indiskretion der Havas-Agentur über den vor
Der Gegenbesuch in Berlin
Nun steht ihm nichts mehr im Wege
„ Dem Reichsaußenminister ist in Genf von den Vertretern Frankreichs amtlich mitgeteilt worden, daß der Besuch Lavals und B r i a n d s in Berlin am 2 6. und 2 7. September stattfinden wird.
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Der Völkerbundsrat ist bekanntlich im Mai ausschließlich mit der Rechtsfrage befaßt worden. Seine Tätigkeit wird also jetzt in der Registrierung des Haager Gutachtens bestehen. Ursprünglich war als Zeitpunkt für die Behandlung im Rat der Sonnabend nachmittag vorgesehen. Da das Gutachten aber erst am Sonnabend vormittag in Genf bekannt wird, wurde, um einen reibungslosen Ablauf der Ratssitzung zu gewährleisten, allgemein der Wunsch laut, den Delegationen etwas mehr Zeit zur Durcharbeitung des Dokumentes zu lassen. Man hat sich demgemäß mit dem Generalsekretär des Völkerbundes dahin verständigt, daß der Rat am Montag nachmittag nach der Zweiten Sitzung
der Vollversammlung zusammentritt, um als einzigen Punkt /einer Tagesordnung das Haager Gutachten zu behandeln.
Der Außenpolitiker des „Echo de Paris" behauptet zu wissen, datz das Urteil des Haager Gerichtshofes ungünstig für Frankreich ausgefallen fei, fodatz die von Dr. Curtius und Dr. Schober vorbereiteten Erklärungen in Genf keinen endgülti- genVerzichtauf den Zoll-Union-Plan enthalten, und datz sich infolgedessen der französische Ministerpräsident veranlaßt gesehen hätte, der französischen Delegation in Genf die Anweisung zu geben, zu erklären, daß die französische Regierung sich in Zukunft volle Handlungsfreiheit vorbehalte und nötigenfalls den Välkerbundsrat mit Artikel 11 des Völkerbundsstatuts befassen werde. Das Blatt hofft übrigens, daß unter diesen Umständen die französische Regierung sich nicht darauf einlassen werde, Oesterreichs Kreditanforderungen zu bewilligen.
Kurswechsel in Belgrad
Rückkehr zur parlamentarischen Ordnung
Belgrad, 3. Sept. Gestern avenB Um 7 Ahr fand im königlichen Palais ein Kron rat statt. Der König teilte in seiner Eröffnungsrede mit, er sehe die Zeit für die Rückkehr zum parlamentarischen System für gekommen. Er fordere den Hofminister auf, die Grundlinien der neuen Verfassung darzulegen. Dieser verlas sodann das Grunddokument, das besagt, daß die neue Verfassung die Ge- wrssensfreiheit. die Pressefreiheit und die Unverletzlichkeit der Wohnung sichere. Die Gesetzgebung besteht aus Abgeordnetenhaus und Senat. Die ordentliche Session der gesetzgebenden Körperschaften beginnt am 2 0. Oktober jeden Jahres. Das Abgeordnetenhaus wird aufgrund des allgemeinen Wahlrechts gewählt. Die HÄfte der Senatsmitglieder wird aufgrund des allgemeinen Stimmrechts gewählt, während die andere Hälfte ernannt wird. Die Lebensdauer des Abgeordnetenhauses beträgt vier Jahre, die des Senats sechs Jahre. Das Abgeordnetenhaus erhält weitgehende Rechte zur A eberprüssinng
des Budgets Und aUf dem Gebiete der Interpellation und des Prüfverfahrens. Das Königreich wird in neue Banat- Gebiete eingeteilt. Die Banat-Räte werden aufgrund des allgemeinen Stimmrechts gewählt, während die Exekutive durch einen Rat ausgeübt wird, dessen Mitglieder vom Banns ernannt werden. Die Verfassung besagt, daß Jugoslawien ein verfassungsmäßiges Königreich unter der Dynastie Karageorgievic ist. Der vollständige Text der Verfassung erscheint in der heutigen Rümmer des Amtsblattes gleichzeitig mit einem Aufruf des Königs an das Volk.
Von den Derfassungsbestinrmungen seien noch folgende erwähnt: Als amtliche Sprache gilt serbisch kroatisch und flo- wenisch Alle Bürger sind vor dem Gesetz gleich
Wählbar zum Senat sind alle Bürger, die im Besitz der bürgerlichen Ehrenrechte sind und das 40. Lebensjahr überschritten haben. Die Mitglieder des Abgeordnetenhauses müssen mindestens 30 Jahre all sein
aussichtlichen Inhalt des Gutachtens wenigstens im allgemeinen richtig ist. Danach würde erklärt werden, daß die Zollunion zwar mit dem Friedensvertrag von St. Germain, -nicht aber mit dem Genfer Anleiheprotokoll von 1922 vereinbar fei. Das Genfer Anleiheprotokoll verliert seine Gültigkeit, sobald Oesterreich die damalige Anleihe zurückgezahlt hat. Das Haager Gutachten würde also nur ein zeitlich bedingtes Hinderns s für die Zollunion sein.
Die österreichische Delegation könnte sich damit begnügen, das Haager Gutachten anzuerkennen und sich mit der Zurückstellung ihres Planes bis zur Zurückzahlung der Anleihe von 1922 einverstanden zu erklären. Seit dem März, wo in Wien das Zollunion-Protokoll unterzeichnet wurde, sind aber finanzielle und wirtschaftliche Ereignisse eingetreten, die für Oesterreich eine Lage geschaffen ' haben, der die österreichische Delegation auch politisch Rechnung tragen zu müssen glaubt. Die Kreditanstalt ist Zusammengebrochen und einer allgemeinen Katastrophe ist Oesterreich nur durch die Hilfe der Bank von England entgangen. Die Bank von England hat aber die 150 Millionen Schilling. die Oesterreich vor dem Zusammenbruch retteten, nur kurzfristig geliehen und will ihr Geld jetzt zurückerhalten. Erst gestern haben die Oester- reicher 1 Million Pfund von dem Kredit abgetragen. Oesterreich braucht aber dringend eine größere Ausländsanleihe, um den Kredit der Bank von Eng- »land ganz wieder zurückzahlen zu können und um sich wirtschaftlich zu erholen. Da Oesterreich auf dem freien Kapitalmarkt keine Anleihe erhalten kann, hat es sich mit der Bitte um Unterstützung an den Völkerbund gewandt. Selbst wenn der Völkerbund ein noch so günstiges Urteil über Oesterreichs innere Wirtschaftskraft fällt, wird Oesterreich eine größere Anleihe bei den gegenwärtigen Verhältnissen auf dem Geldmarkt nur in Frankreich oder doch wenigstens mit Unterstützung des französischen Kapi- wlmarktes erhalten können. Der aber bleibt verschlossen, wenn Oesterreich mit Deutschland den Zollunion-Plan im Augenblick weiter verfolgen würde. Es hat keinen Zweck, diese Zusammenhänge zu vernebeln und darum herumzu- reden. Wenn Oesterreich in diesen Tagen in Gens eine Erklärung abgeben wird, daß es im Augenblick auf die Weiterverfolgung des Zollunion-Plans verzichtet, dann tut cs das unter finanziellem Druck und nicht aus eigener freier Entschließung.
Der Verzicht kann natürlich nur ein vorläufiger fein. Von französischer Seite wird ein starker Druck ausgeübt nach der Richtung, von Oesterreich Z u« sicherungen zu erlangen, daß es für immer den Gedanken einer Zollunion mit Deutschland abschwört. Dieser Druck aus Oe st erreich wird sich in den Tagen bis zum Sonnabend sicher noch verstärken. Es ist selbstverständliche Pflicht der Öffentlichkeit in Deutschland wie in Oesterreich, den Gedanken eines endgültigen Verzichts als undiskutabel bin» zustellen. Wenn der Wirtschaftsausschuß des Europa-Komitees die Zollunion im allgemeinen geradezu empfiehlt und wenn das Haager Schiedsgericht die deutsch-österrelchifche Zollunion nur im