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Anzeiger sirr (das frühere kurhessische) Oberhessen
Nr.A5 86.ÄW. Marbursa. Latin
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Anzeiger der amtlichen Bekanntmachungen für Stadt und Kreis Marbnrg.
Preußens Sparprogramm
Deutsche Tragödie
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7.
dem Vorbehalt, er glaube nicht an die europäische Zollunion. Ministerialdirektor Dr. Posse betonte dagegen, daß auch die deutsche Regierung in der Herstellung eines einzigen europäischen Marktes das wirksamste Mittel zur lleberwindung der Schwierigkeiten sehe. Aber die europäische Zollunion sei ein fernes Ziel, dem man sich allmählich durch eine wirtschaftliche Annäherung der einzelnen Staaten innerhalb Europas nähern müsse. Dr. Posie erklärte, daß die deutsche Regierung dem Bericht voll und ganz zustimme. Das Komitee beschloß, dem Europaausschuß zu empfehlen, den Bericht der Sachverständigen den Regierungen zum sorgfältigen Studium zu übersenden.
Aus Berlin erhalten wir folgende Information:
In den ersten Wochentagen beschäftigt sich das preußische Kabinett mit den Sanierungsplänen für den Staatshaushalt und die kommunalen Haushalte. Den Beratungen sind die Ar^verordmmg des Reichspräsidenten dom 24. August Grunde gelegt, sowie die Ausführung^- bestimmungen des Reichsfinanzministers vom 27. August.
Bei den zu beschließenden Maßnahmen handelt es sich einmal um die Forderungen Preußen an das Reich auf dem Gebiete des Wohlfahrtswesens, der ArbeitSlosen- fürsorge im Falle der BedürftigkeitSprü- fung, der Geh oberen-Fürsorge u. a., soweit eben nur reichsgesetzliche Erledigung in Frage kommen kann.
Die Hauptaufgabe des Preuhenkabinetts ist aber darin zu erblichen, den eigenen Haushall auszugleichen. Preußens Etat würde nach den Erklärungen des Finanzministers einen Fehlbetrag von mindestens 300 Millionen RM. für den Rest des Haushaltsjahres 1931/32 aufweisen, wenn nicht Maßnahmen zur rücksichtslloscn Einsparung ergriffen würden. Am diese Sparmaßnahmen drehen sich die ganzen Erörterungen des Kabinetts.
Wie ans unterrichteten Kreisen verlautet, soll nun von dem geplanten Abbau sachlicher Aufgaben der Staatsverwaltung kein Gebiet des preußischen Haushalts verschont bleiben. Auch die preußische Regie- mng muß ihren Haushalt so gestalten, daß er für die Aeberwindung der Arbeits- losennvt im Winter gerüstet ist. Dem Ber- nehmen nach will die Regierung keine Gehalts senkung für die Beamten und AnMstellten des Staates durchführen. Preußen will wohl auf diesem Gebiet der Reichsregierung die Durchführung überlassen. Im Bordergrund des Interesses sicht dafür ein allgemeiner Abbaude r FunktionszUla gen,welche ganze Besoldungsgruppen bisher erhielten; z. B. die Hochschullehrer in Form der Kolleggeld-Garantie, die in einer Reihe von Fällen erhebliches Ausmaß angenommen hat, die BvlksschMehrer und andere Beamtengruppen. Daß es zu einer Ein- stellungs- und DeförderungSsperre und einer Verringerung der Deamtenstellen auf allen Gebieten der Staatsverwaltung kommen wird, ist anzunehmen.
Soweit der Ausgabenabbau in den Gemeinden in Betracht kommt, • liegt der Finanz- und Wirtschaftsplan des Deutschen Städtetages vor. auf den sich die Ausführungsvorschriften des Reichs- finanzministers vom 27. August gründen, und dem sich auch die preußische Staats-, regierung im wesentlichen anschließen wird. Für die Staatsregierung dürste es sich voraussichtlich erübrigen, noch darüber hin- ausgehende Maßnahmen anzuordnen.
Die Abbauvorschläge der Städte betreffen in erster Lime die großen wirtschaftlichen, sozialen und kulturellen Aufgaben der Gemeinden. Aeberall wird an die Grenze besten herangegangen, was über- . Haupt erträglich ist. Die kommende Verordnung der Staatsregierung wird hierfür die gesetzlichen Grundlagen schaffen.
Im Gegensatz zu den Beamtengruppen des Staates, für die keine Sonderregelung vorgesehen ist, plant die Regierung eine Sonüerbehandlung der Gemeindebeamten. Di« Vorschläge des Innenministers sehen Richtlinien für die Besoldung der leitenden Kommunalbeamten (Oberbürgermeister, Bürgermeister, Stadträte) vor, deren untere und obere Grenze nicht überschritten werden darf. In die Gehälter der übrigen Gemeindebeamten wird man voraussichtlich nicht eingreisen.
Aber auch die neuen Maßnahmen genügen nach der Auffostung der Preußenregierung nicht allein, um die Haushalte völlig auszugleichen. Mit den Ländern und Gemeinden nnrß auch das Reich seinerseits einen Abbau des Haushaltes durchsichren. Die Staatsregierung scheint davon auszugehen, daß zwar eine starke Herab-, drückung der Oberbürgermeistergchälter auf die Dauer der Qualität der vberbürger- meister empfindlich beeinflussen wird, daß aber auf der anderen Seite in der gegenwärtigen Zeit der Rot Minister und Oberbürgermeister den anderen Devölkerungs-
dic Frage vorläufig vertagt und im Rahmen der in Europaausschuß behandelten Wirtschaftsfragen erörtert wird. Dr. Cur- ttus hat am Dienstag noch eine Reihe von Unterredungen gehabt, die in der Hauptsache der Formulierung dieser Erklärung galten.
In einer Unterredung zwischen Dr. t u rtius und dem Vertreter Frankreichs, dem neuernannten Berliner Botschafter Francois Poncet, ist auch die Frage des französischen Minister- besuches in Berlin erörtert worden. Als. Zeitpunkt sind die Tage nach idem 26. September vorgesehen, jedoch ist ein endgültiger Zeitpunkt noch nicht festgelegt.
Der Haager Gerichtshof hielt am Dienstag eine neue Sitzung ab. Man nimmt an, daß das Gutachten am Sonnabend veröffentlicht wird.
Zu dem Gutachten des Haager Gerichtshofes in der Zoll-Unionfrage, das am Sonnabend erwartet wird, bemerkt der Außenpolitiker des „Matin": Die Frage ist äußerst kompliziert. Die Haager Richter glauben sich über ihre Stellungnahme noch nicht genügend klar zu sein. Es handelt sich in der Tat nicht nur darum, einen Urteilsspruch zu fällen, sondern ein internationales Rechtsgutachten abzugeben, das sich sowohl auf das politische wie das wirtschaftliche Gebiet erstreckt. Was die Position der Nächte in Genf so heikel macht, ist, daß sie eine völlig verschiedene Stellung einnehmen.
Höchst seltsame Ansichten über die Pflichten eines Richters am internationalen Haager Gerichtshof äußert der Außenpolitiker des „Journal s“. Aus seinen Ausführungen ist wieder einmal, zu erkennen, daß man in Frankreich, wenigstens in der maßgebenden Presse, die Frage der deutsch-österreichischen Zollunion immer nur von rein politischen Gesichtspunkten und nicht von wirtschaftlichen aus behandelt hat und weiter behandelt. Der Außenpolitiker des „I our- n a l s" erklärt, die Vertagung des Ve- schlusies der Haager Richter genüge, um allen Möglichkeiten Raum zu geben, die nicht gerade geeignet seien, das Prestige des internationalen Gerichtshofes zu erhöhen. Die Diskretion, die hätte gewahrt werden müßen, habe es ermöglicht, manch seltsames Echo zu ersticken, das aus dem Haag an das Blatt gelangt sei. Habe man aber nicht gerüchtweise hören können, fragt der Außenpolitiker, daß die deutsche These von dem Vertreter einer Ration angenommen worden ist, die das Opfer man- gelnder Gewissenhaftigkeit Deutschlands
Genf, 1. Sept. Das Koordinations» komitee hörte heute vormittag einen Bericht des französischen Delegierten Francois Poncet über die Arbeiten des Ausschußes, der sich mit dem Absatz der Ee- treideüberschüße in Europa zu beschäftigen hatte. Francois Poncet bezeichnete in diesem Zusammenhang den deutsch-rumam- schen Handelsvertrag als „ein ausgezeichnetes Muster", das den Bedingungen ent- spräche, die von den Organen des Völkerbundes für die Eingliederung der Pra- ferenzbehandlung in das System der Meistbegünstigungsklauseln ausgestellt worden seien.
Der russische Dolkskommißar L i t - w i n o f f wiederholte seine schon früher geäußerten Bedenken gegen das Präserenz- sostem, das seiner Ansicht nach zu einer Ausnahmebehandlung Rußlands fuhren werde. Francois Poncet betonte demgegenüber, daß es sich bei dem system um eine vorübergehende Maßnahme handele, um einer akuten Notlage bestimmter Länder abzuhelfen.
Das Koordinationskomitee schloß feine Beratungen über das Präferenzsystem mit der Annahme einer deutschen Entschließung, worin festgeftellt wird, daß sich nach der Meinung des Komitees die Präferenzabmachungen im deutsch-rumänischen und int deutsch-ungarischen Handelsvertrag im Rahmen der Grundsätze, die von der zweiten Zoll- waffenftillstandskonferenz im November 1930 aufgestellt worden find, halten und daß diese Verträge ebenfalls die Bedingungen erfüllen, die im Bericht des Ee- treidekomitees des Europaausschußes auf der Junitagung aufgestellt worden sind.
3n seiner Nachmittagsfitzung beschäftigte sich das Komitee mit dem Bericht Der wirtschaftlichen Sachverständigen über die Neuorganisation der europäischen Wirtschaft. Der Bericht spricht in seinem handelspolitischen Teil über die Notwendigkeit eines Abbaues des zollpolitischen Durcheinanders. in Europa, wobei als
Endziel der wirtschaftlichen Annäherung die europäische Zollunion
hingestellt wird. Gegen diese These wandte sich der Vertreter der Schweiz Stuckt mit,
war, und daß die gleiche Haltung von dem Vertreter einer anderen Nation eingu- nommen wurde, die die Klage mit vertrat und deren Rechtsbeistand sich vielleicht noch kategorischer als derjenige Frankreichs über die unvermeidlichen politischen Auswirkungen des deutsch - österreichischen Planes sich geäußert hat?
Man sieht, mit welchen Mitteln Frankreich auf die Richter im Haag einen Druck auszuüben versucht, und daß man auch vor Indiskretionen nicht zurück schreckt. Aber das Schicksal der Zoll-Union scheint ja nun ohnedies entschieden zu sein. Frankreich hat sein Spiel schon gewonnen. Und uns wird man damit zu trösten suchen, daß der Gedanke der Zoll-Union auf „breiterer Grundlage" der Verwirklichung entgegengeführt werden könne. Noch am Grabe pflanzt er die Hoffnung auf!
Attentat auf Re aagarifche Völkerbunds- Delegation aufgedeckt.
Wien, 31. Aug. Die Polizei hat heute abend den Ungarn Dr. Kolomann Bndai verhaftet, der am 7. Dezember 1929 im Gebäude der ungarischen Gesandtschaft in Wien den Pressechef Wilhelm von Ziegler angegriffen und durch einen Revolverschuß schwer verletzt hatte. Budai war damals zu sechs Monaten schweren Kerkers verurteilt und ausgewiesen worden. Er hielt sich nun feit einigen Tagen unangemeldet in Wien auf, wo er unter dem falschen Namen Karl Bender wohnte. Er hatte Drohungen geäußert, daß er die ungarische Delegation zum Völkerbund, die morgen durch Oesterreich reist, attackieren werde. Als die Aeußernngen bekannt geworden waren, suchte die Polizei nach ihm und konnte ihn heute abend verhaften. In seinem Besitz wurde ein Revolver mit dazu- Sehöriger Munition gefunden und be- hlagnahmt. Er gab an, daß er morgen nach der Schweiz reisen wollte, um einem besttinmten Mitglied der ungarischen Delegation einen Denkzettel zu geben. Das
x Verhor^dauert^ zur^Sttinde^noch^ an.*.
k richt auf die Zoll-Union, aber das Einverständnis damit erklärt wird, daß
Die ursprünglich auf Mittwoch angele Sitzung des Völkerbunds- rotes ist unerwartet auf Freitag «»schoben worden. Die Verschiebung ist darauf zurückzusühren, daß das Haager Sutachten in der Zoll-Union erst für Ende der Woche erwartet wird.
J [ Zwischen Curtius und Schober ist eine Vereinbarung dahin getroffen worden, daß in der nächsten Ratssitzung eine gemeinsame Erklärung abgegeben wird, in der zwar kein grundsätzlicher Ver-
Der Unterausschuß des Europaausschußes hat am Dienstag den Bericht des Kreditausschußes über die Bekämpfung der Finanzkrise angenommen, tn dem auf Drängen Deutschlands Hinweise aus die Reparaüonssrage enthalten find.
„Zum sorgfältigen Studium"
Eine deutsche Entschließung angenommen
! Die Zollunion ist tot
Der Plan wird mit Rücksicht auf die besondere Lage Oesterreichs „vorläufig zurückgestellt"