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Anzeiger für (das frühere kurhessische) Oberhessen

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Anzeiger der amtlichen Bekanntmachungen für Stadt nnd Kreis Marburg.

Was wird aus der Zollunion?

Verstärkter Druck Frankreichs auf Österreich Die Zollunion soll in andere Zollpläneeingegliedert" werden

Auftakt zur Genfer TagungBesoffen wie die Schweine"

fL Genf, 31. Aug. Die deutsche Ab­ordnung für die Genfer Tagung mit Reichsaußenminister Dr. Curtius an der Spitze ist Sonntag nachmittag in Genf eingetroffen. Mit dem gleichen Zuge traf auch der österreichische Außenminister Dr. Schober ein, mit dem Dr. Curtius während der gemeinsamen Fahrt bereits eine mehrstündige Aussprache über die Zoll-Union hatte.

Am Sonntag nachmittag stattete der österreichische Außenminister Dr. Schober dem Reichsaußenminister einen Besuch ab, der wiederum der Zoll-Union galt.

In Bölkerbundskreisen find gegenwärtig Bestrebungen im Gange, eine unmittel­bare Stellungnahme des Völ- kerbundsrates zur deutsch-öster­reichischen Zoll-Union in der Weise zu vermeiden, daß dieser Plan in die Verhandlungen des Ausschusses der Van- europa-Kommission einqegliedert wird.

$> Trotz des Berliner Dementis fährt die '» Pariser Preise fort, fich mit dem angeblich bevorstehenden Verzicht der öfter- tz reichischen Negierung ans die D Zoll-Union z« beschäftigen.

B Einer amtlichen Pariser Meldung zu- k folge, wird Außenminister B r i a n d krankheitshalber seine Abreise nach Genf r verschieben und erst zur Eröffnung der Vollversammlung eintreffen.

Die deutsche Minderheit in Polen hat sich an den DölrerSundsrat mit zwei Beschwerden gewandt, in denen reichhaltiges Material über die Zertrüm­merung des deutschen Schulwesens in Po­len beigebracht wird.

Der Genfer Minderheitenkon­greß führt am Sonntag seine Aussprache über die Lage des Deutschtums in der Tschechoslowakei und in Rumänien fort.

Frankreichs Kreditgeschäft mit England.

Die Pariser Prefle zeigt sich im allge­meinen sehr erfreut über den glatten Ab­schluß der englischen Anleiheverhandlun­gen. Die Aufrichtigkeit der englisch-fran­zösischen Zusammenarbeit, so betont man, habe die prompte Hilfe Frankreichs er­möglicht.

DerT e m p s erklärt u. a., daß der Abschluß der Verhandlungen erneut den Beweis dafür liefere, daß England und Frankreich bei feder noch so schweren Krise auf gegenseitige Unterstützung rech­nen könnten. Das Blatt betont ferner, daß ein besonderes Abkommen die eng­lischen Schatzanweisungen von der ein­prozentigen Stempelsteuer befreie.

Daß die französische Hilfe nicht ganz mbstlos geleistet wurde, beweist derI n- t r a n s i g e a n t", der sich bemüht, die Vorteile herauszuarbeiten, die sich für Frankreich aus der Operation ergeben. Die Vorteile, so betont das Blatt, seien Moralischer und materieller Art. Die Bonds des britischen Schatzamtes bräch­ten 4i/4 v. H. Zinsen ein, wahrend diejeni­gen der französischen nationalen Vertei­digung nur zu 2Vt o.H. auf zwei Jahre verzinst seien. Frankreich habe außerdem größtes Interesse an der Stabilisierung ves englischen Pfundes, da ein großer Teil der von der Bank von Frankreich -gehaltenen ausländischen Devisen im Ge-

Anrechnung

wegen regierungsfeindlicher ein Jahr Gefängnis unter der Untersuchungshaft.

Düsseldorf, 29. Aug. Das hiesige Erweiterte Schöffengericht verhandelte am Sonnabend in zwölfstündiger Verhandlung einen Deleidigungsprozeh, dessen Tatbe­stand seinerzeit vielfach starke Erregung ausgelöst hatte. Bekanntlich soll der so­zialdemokratische Landrat des Ruhr-Ennep- Kretses, Hausmann, in einer politi­schen Versammlung in Nierenhof am 12. April d. I. erllärt haben, das deutsche Volk habe genug vom bunten Rock. Die 18jährigen jungen Leute seien wie Schlacht­vieh zum Sturmangriff geschickt worden, nachdem man ihnen vorher Alkohol eingetrichtert habe. Aeberall seien die deutschen Frontsoldaten besoffen

Nach langwierigen Verhandlungen wurde am Sonntag in Kowno das Ur­teil im Woldemaras-Prozetz gefällt. Woldemaras selbst und nenn andere Angeklagten wurden sreigesprochen, vierzehn andere Angettagten zu Kerker­strafen verurteilt.

Woldemaras, Hauptmann Ma- c i u i k a und Hauptmann D l r b i ck a s, der ehemalige Adjutant Woldemaras, so­wie sieben andere Angeklagten wurden in allen ihnen zur Last gelegten Strafhand­lungen für unschuldig erklärt und freigesprochen. Der Attentäter Daitke- v i c i u s, der Hauptschuldige, wurde zu 15 Jahren schweren Kerkers, der Atten­täter Pupaleigis zu zwölf Jahren schwe­ren Kerkers und den entsprechenden Fol-

Weder die Freisprechung Woldemaras noch das Urteil haben ein Licht auf die Vorgänge, die zu dem hochpolitischen Pro­zeß führten, werfen können. Woldemaras erklärte dem Vertreter der Telegraph- Union, daß er sich in Zukunft jeder politi­schen Betätigung enthalten werde.

gen wie Aberkennung der bürgerlichen Ehrenrechte usw. verurteilt. Hauptmann Eineitis, der der Beihilfe zur Vorberei­tung des Attentats mitangeklagt war, wurde zu einem Jahr Gefängnis und Entfernung aus der Armee verurteilt. Der ehemalige Ehef des Stabes des Eisernen Wolfs", Redakteur Slesoraitis, und die anderen Angeklagten erhielten Umtriebe je

Woldemaras freigesprochen

14 Angeklagte verurteilt

rcmtbetrage von etwa 25 Milliarden Franken (etwa 4,1 Milliarden Mark) auf dem englischen Markt untergebracht seien. Die moralische Bedeutung der Unterstütz­ung liege einmal in der Tatsache, daß Frankreich dadurch sein Zutrauen zum neuen englischen Kabinett bewiesen habe, zum anderen aber auch darin, daß der französische Kredit mit der stärksten Fi­nanzmacht der Welt, Amerika, auf glei­ten Fuß gestellt werde. Das Blatt hebt hervor, daß Frankreich nicht erst die von der englischen Regierung versprochenen "oßnahmen zur Wiederherstellung einer gesunden Finanzlage erwartet habe, um positive Hilfe zu leisten.

Rache an Macdonald

London, 29. Aug. Eine am Sönn- abenb nachmittag abgehaltene Versamm­lung der Arbeiterpartei des Wahlkreises Seaham, den Macdonald feit lan­gen Jahren als Abgeordneter im Parla­ment vertritt, hat eine Entschließung an­genommen, in der der Ministerpräsident aufgefordert wird, seine Mitglied­schaft unverzüglich aufzu­geben.

Die Entschließung wurde angenommen, nachdem die Versammlung über einen Brief Macdonalds an den Wahlkreis be­raten hatte, in dem er die Gründe für die Bildung der Rational-Regierung ein­gehend auseinandersetzt:Glaubt nicht" so schreibt Macdonald in seinem Brief, was in den Zeitungen steht, ganz gleich, welcher Partei sie angehören. Die Lage war kurz gesagt folgendermaßen: Wir standen plötzlich vor einer ernsten Finanz­krise, die das Land in ein wirtschaftliches Chaos gestürzt hätte. Die Löhne wären dann rapide gesunken und die Erwerbs­losenzahlungen hätten fast verschwinden müssen, und die arbeitende Bevölkerung würde ihrer ganzen Ersparnisse im Be­trage von vielen Millionen Pfund beraubt worden sein. Unter solchen Umständen war es nutzlos, von Bankreformen und

ähnlichem Zeug zu sprechen. Es ist eine lange Geschichte, und ich will Euch nur cerfidfern, daß eine geringe Kürzung der Erwerbslosenzahlungen unumgänglich notwendig ist, um diese überhaupt auf­rechterhatten zu können."

Macdonald schloß' seine Ausführungen mit den Sätzen:Ich bedauere das Ge­schehene aufs tiefste und ich würde jedes Opfer auf mich nehmen, wenn ich Euch dadurch auf die Dauer retten könnte. Es heißt den Krieg noch einmal erleben.

Macdonald von bet Ortsgruppe Hamp- stead ausgeschlossen.

Macdonald ist von der Ortsgruppe Hampstead der Arbeiterpartei ausge­schlossen worden. Der Ministerpräsident gehörte dieser Ortsgruppe seit vielen Jah­ren als Mitglied an, da seine Londoner Stadtwohnung im Kreise Hampstead ge­legen ist. Als Begründung für den Aus­schluß führt die örtliche Parteiorganisa­tion an, daß Macdonald die Parteigrund- sätze offen verspottet habe, indem er eine antisozialistische Regierung zu dem Zweck gebildet habe, um eine gegen die Arbei­terklasse gerichtete Gesetzgebung im Par­lament durchzusetzen.

wie die Schweine atif die französischen Gräben losgetorkelt. Er selbst sei an der Front gewesen, habe sich aber des Alko- Hols enthalten. Andererseits habe er ®e* legenheit gehabt, den Klempnerladen an seine Brust zu hängen, er habe aber darauf verzichtet. Der Genchtsreserendar Dr. G h sevius-Düsseldorf hatte nun einige Tage später in öffentlichen Versammlungen Hausmann absichtlich beleidigt, um eine gerichtliche Entscheidung über diese Auge-, legenheit zu erzwingen. Gisevius mußte sich nun wegen formaler Beleibt* gung und übler Nachrede neranttoorten, Nachdem der erste Termin vor einigen Wochen vertagt worden war, konnte der Termin am Samstag durchgeführt werden. Zur Verhandlung waren von jeder Seile je etwa 20 Zeugen geladen.

Lanbrat Hausmann bestrltt unter

(Eib, die fraglichen Aeußerungen ge­tan pt haben. Die 20 Zeugen des Angettagten erklärte« dagegen, eben­falls unter Eid, das Landrat Hans» man« die inkriminierte« Ausdrücke tatsächlich gebraucht habe.

Auf der anderen Seite erEIärten die Zeu­gen des Nebenklägers Hausmann, sich auf die genannten Aeußerungen des Landrats Hansmann nicht besinnen zu können.

Nach etwa zweistündiger Beratung er­ging spätabends das Urteil. Der Ange­klagte Dr. Gisevius wird wegen Beleidi­gung §§ 185/200 in zwei Fällen zu einer Geldstrafe von je 150 Mark und zur Tra­gung der Kosten des Verfahrens verurteilt.

3« der Begründung des Urteils heißt es, daß bas Gericht bie Frage, ob der Wahrheitsbeweis er­bracht fei, daß also Lanbrat Hans» mann bie oben genannten Aeuße­

rungen getan habe, bejaht habe.

Das Gettcht habe dem Nebenkläger in keiner Weise unterstellt, daß er beleidigen wollte, sondern daß es sich um eine Ent­gleisung in der Erregung handele.

DerStahlhelm" verlangt Dienst« entlafiung Hausmanns.

Der Lanbesverbanb Westmark bes Stahlhelm" teilt mit:

Der Landesverband Westmark richtete an den preußischen Innenminister folgen­des Telegramm: 3m heutigen Hansmann- Prozeß in Düsseldorf gegen Dr. Gisevius, in dem Hansmann als Nebenkläger auf­trat, hat bes Gericht den Wahrheits­beweis für die berüchtigte Schmähung bes deutschen Frontsoldaten als er­bracht festgestellt, obwohk Hansmann «ater Eid die Aeußerung be­stritt. Der Landesverband erwartet «unmehr, daß endlich ein Disziplinarver­fahren zwecks Dienstentlassung gegen Lanbrat Hansmann wegen Unroüt» digkeit als Beamter eingeleitet wirb.-