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Seimerstag, WN.AlI«li>1SA

«te ,Otxrh<ssisch« Seittmg' et- sechsmal wöchentlich. Be- monatlich 2.20GM.<Ms- ^eßl. Zustellungsgebühr, durch I^Post 2.45 SM. Für etwa durch g/tftit, Maschinendefett oder eke- ^atatt Ereignisse ausfallend« Armeen wird kein Ersah ge- y^et Verlag, Dr. §. Hiheroth, der Unib-Buchdruckcrei «ob. Aug. Koch. Markt 21/23. gerusprechrr: $t. 54 und Rr. 55. Postscheckkonto: Amt Frankfurt «/W. Skr.5015. Sprechzeit per Siedaktion von 1011*» Al1 Uhr.

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Anzeiger für (das frühere kurheffifche) Oberhesse«

Rk.M KS.MkS. Marburg o. Lahn

Der Anzeigenpreis beträgt für den 11 gespalt. Zeilenmillimeter 0.0SSM.,sog. kleine Anzeigen und Familienanzeigen bei Barzahlung 0.07 GM., amtl. und answärtige AnzeigenO.10 SM. Srundschrift: §olon«l. Bei schwierigem Sah so- wie bei Plahborschiift 50°/o Auf­schlag. Sammelanzeigen 100"/« Aufschlag Reklam.-Milltm. 0.40 GM. Grundschrift: Petit. Jeder Rabatt gilt als Barrabatt. Ziel 5 Tage. Sfferteu-Gebühr: 25Pfg-, bei Zustellung der Angebote «inschl. Porto.60 GM. Belege werden berrchnet. Erfüllungsort Marburg.

Anzeiger der amtlichen Bekanntmachungen für Stadt und Kreis Marburg.

Revolte in Portugal

Bombenflugzeuge über Lissabon Die Revolte von der republikanischen Garde niedergeschlagen Aufstand in Porto?

Zahlreiche Opfer Der kommende Winter

ft Paris, 27. August. In Lissa­bon ist am Mittwoch eine Militarre- »ölte ansgebrochen, die aber durch regie­rungstreue Truppen unterdrückt wer­den konnte.

Nach den letzten Meldungen aus Lissabon wurden bei der Militärrevolte

20 Personen getötet und 70 verletzt.

Der Aufstand brach aus, als Zivilisten mit Gewehren und Maschinengewehren bewaff­net, die Kaserne des 3. Artillerieregiments angriffen, die Mannschaften überraschten, und die Offiziere gefangen setzten. Einem sofortigen Gegenangriff regierungstreuer Truppen ist es jedoch gelungen, bie Kaserste zu stürmen und die Rebellen unter Führung des Obersten Diaz ge­fangen zu nehmen. Gleichzeitig soll ein Artillerieduell zwischen den beiden Forts San Georg und Eduard VII. statt­gefunden haben. Wie es heißt, hat auch ein Flugzeug der Aufständischen

Bomben über der Stadt abgeworfen, wobei eine Person getötet und vier ver­wundet worden sind. In Lisiabon ist die Ruhe wieder hergestellt. Panzerwagen durchfahren die Stadt. Die beherrschenden Punkte sollen fest in der Hand der Zivil­garbe sein, bie anscheinenb von bem be- vorstehenben Ausbruch unterrichtet war. Mehrere Führer bes Aufstanbes sollen im Flugzeug über bie spanische Grenze ent­kommen sein.

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WieNews H e r a l b aus Lisiabon berichtet, finb bei ben gestrigen Kämpfen zwischen regierungstreuen Truppen unb kn Aufständischen, betten es gelungen war gewisse strategische Punkte in bet Haupi- stadt zu besetzen, weitere 10 Per­sonen getötet unb 43 verletzt worben.

Ma« habe sogar Flugzeuge, schwere 1 beschütze und Tanks einsetzen müssen, um der Bewegung Herr zu werden.

Die Aufständischen sollen mit zwei Artille- ^ieregimentern im Einvernehmen gewesen lein und versucht haben, die Unterstützung butterer Kampfeinheiten zu gewinnen. Die Regierung hat eine große Anzahl von befangenen gemacht, darunter mehrere Militärflieger. Rach einem offiziellen ^°Mmuniqu4 ist die Ruhe wieder herge- fellt.

Vervollständigung halber, aber mit bilem Vorbehalt, wird ferner berichtet, die Madrider ZeitungEl Sol« habe aus >go erfahre«, daß portugiesische Reisende

von einer Revolutionsbewegung auch in Porto sprechen, wo die Kasernen ge­stürmt worden seien. In Tuy und der portugiesischen Grenzstadt Valencia wäre gestern das Gerücht umgelaufen, Präsident Earmona sei ermordet worden.

Reichskanzler Dr. Brüning hat dem Berliner Chefkorrespondenten derUni - ted Preß" von Amerika, Frederick Kuh, empfangen und im Verlaufe einer länge­ren Unterredung eine Reihe von sehr be­deutsamen Erklärungen abgegeben.

Dr. Brüning kam zunächst auf die Weltwirtschaftskrise

Forderungen der Gewerkschaften

Gegen das Abgleiten der Lebenshaltung

Der Führer des freigewerkschaftltchen Afa-Bundes, <3. Aufhäuser, richtet tm Vorwärts" eine Reihe von Forde­rungen an die Reichsregrerung. Trotz des furchtbaren Warnüngsfignals, vaS dte panikartige Juli-Katastrophe aufgcrichtet hat, so schreibt Aufhäuser, vermissen wir immer noch entscheidende Kabinetts­beschlüsse, die endgültig in der Abglei­tung der Le benshaltung der brei­ten Masse ein Halt gebieten.

Schon zeigen sich täglich mehr und mehr die Folgen der Juli-Geldkrise in vermehr­ten Zusammenbrüchen großer Geschäfte und dem Ansteigen der Arbeitslosenziffer. Der Reichsbank aber genügt es, daß sie mit weiterer Kreditstriktion ihre Rotendeckungs­grenze peinlich inne hält. Schließlich wird aber die Golddeckung allein nicht helfen können, wenn das für die Wirtschaft not­wendige Kreditvolumen immer mehr ein« schrumpft. Eine Verstärkung des Kapitalumlaufs ist notwendig, um der Massenerwerbslosennat des Winters möglichst vorzubeugen.

Es wird nicht mehr verstanden werden können, wenn durch den Kurs der Reichs­finanzpolitik weiter einseitig Lasten auf die arbeitenden Schichten abgewälzt wer­den sollen. Der Umbau der Krisensteuer wäre jetzt fällig.

Mögliche Einnahmequelle« aus Staats- Ta bakmonapol, Benzinmono­pol, müßten bei der herrschenden Fi- nanznot erschlosien werden.

Ebensowenig können die bekannt gewor­denen Absichten zur Sanierung der Ge­

meinden befriedigen. °Da die Gememdenot in der Hauptsache aus die Wohlfahrts- erwerbslosenlasten zurückzuführen ist, so kann sich das Reich seiner Pflicht zur Bei- Hilfs' nicht länger entziehen. Die Erspar­nisse aus dem Hooderplan müssen mit zur Sanierung der Gemeinden verwandt werden.

Diese Frage steht und fällt aber auch mit der R e u r e g e l u n g derArber'ts- l o s e n h r'l f e überhaupt. Es ist an der Zeit, daß die Reichsregierung den sozial­demokratischen Vorschlag, der bereits bei der letzten Etatsberatung des Arbeits­ministeriums im Reichstag als Entschlie­ßung angenommen worden war, wieder aufgreift. ,

Er besagt, daß unter Aufrechterhaltung der Arbeitslosenversicherung lediglich die Krisenfürsorge und Wohlfahrts-' erwerbslosenfürsorge zu einer Reichs- arbeitslosenfürsorge vereinigt, vom Reich, den Ländern «nd Gemeinden gemeinsam finanziert werden solle«.

Die Reichsregierung sollte sich bewußt sein, daß nur ein arbeitsfreundlicher Kurs in der Wirtschafts-, Finanz-, Innen- und Außenpolitik helfen kann. Die Inanspruch­nahme der sozialdemokratischen Anterstüt- zung zieht für den Reichskanzler starke Verpflichtungen gegenüber der Arbeiter­schaft nach sich. Rur auf dem Weg zur ge­sellschaftlichen Wacht über die Wirtschaft vermögen wir ihm Weggenossen zu bleiben.

Kurze Meldungen

Das Gutachten des Haager Gerichts­hofes über das deutsch-österreichische Zollabkommen wird vvraussi<Mich am 2. September veröffentlicht werden.

Bon amtlicher Moskauer Seite wird zu den polnisch-russischen Verhandlungen eine Mitteilung veröffentlicht, aus der hervor­geht, daß die von Polen überreichten Vorschläge auf Abschluß eines Richt­angriffspaktes für die Sowjet-Re­gierung unannehmbar sind.

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Sta» Neue englische Kabinett hat am Mittwoch seine erste Sitzung abgehal­ten. In einer gemeinsamen Beratung der Gewerkschaften, des DvllKlgSauS- schuffes und der Anterhausfraktion der Ar­beiterpartei wurde einstimmig beschlossen, die neue Regierung auf das entschiedenste zu bekämpfen.

Der am 7. September in Bristol zusam­mentretende Kongreß der englischen Ge­werkschaften wird über die Frage eines etwaigen Ausschlusses Macdonalds und Snowdens aus der Arbeiterpartei entscheiden.

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Reichskanzler Dr. Brüning hat an­läßlich der Bildung der National-Regie- rung in England an den Ministerpräsiden­ten Macdonald ein Glückwunsch-Tele­gramm gesandt, das Macdonald in aner­kennenden Worten beantwortete.

Rach Meldungen aus Kanada ist die deutsche Grönland-Expedition Dr. Krügers als verschöllen anzufehe«.

Das chinesische Überschwemmungsgebiet ist jetzt von schweren Stürmen heimgesucht worden. Diele hundert Menschen sind in den Sturmwellen umaekommen.

zu sprechen unb führte dazu aus, daß diese Krise sich nach seiner Ansicht nicht nur fort- seHen, sonbern noch verschärfen wirb. Den einzigen Ausweg erblickt ber Kanzler in einer möglichst engen internationalen Zu­sammenarbeit, mit bem Ziel, bas Absinken ber Preise aufzuhalten.Die Kaufkraft Deutschlanbs unb Europas", fuhr Dr. Brüning fort,zeigt eine rückläufige Ten­denz, die Märkte schrumpfen zusammen, so daß ein gesundes Preisniveau für Aus­landsprodukte nicht erreichbar ist. Wenn sich diese Entwicklung fortsetzt, so muß sie zu einer Beschränkung des Produktions­apparats in der ganzen Welt führen. Je länger dieser Prozeß anbauert, um so schwerer wirb es sein, Heilmittel zu fin­den. Es ist unbedingt notwendig, daß es den wirtschaftlich geschwächten Ländern wieder ermöglicht wird, als Käufer aufzu­treten. Vorbedingung dafür sind sowohl Wirtschüftsfriede als politische Ruhe. Ich bin überzeugt, daß diese Notwendigkeit verwirktlicht werden kann, und Deutsch­land wird sein Möglichstes tun, um die Vorbedingungen dafür zu schaffen. Die Verminderung ber Kaufkraft in Süb- atnerifa, China unb Rußland macht sich überall bemerkbar. Deutschland, die Ver­einigten Staaten und andere Länder haben unter der Beschränkung der Märkte sehr zu leiden. Gewiß ist die Lage in Ruß­land anders als in Lateinamerika, aber der Verlust des russischen Marktes hat ber ganzen Welt Schaben zugefügt."

Der Kanzler ging bann aus ben Bericht bes Wiggin-Ausschusses ein unb bemerkte dazu:Der Bericht ist gut unb klar, aber für bestimmte wichtige Pro­bleme hat er sich gewisser Umschreibungen bebient. Zum

Tributproblem

äußerte sich Dr. Brüning:

Sie Zukunft der Reparationen hängt von den Vereinigten Staaten ab. Es wäre unpraktisch, wenn wir uns unsere Ansicht nur vom rein deutschen Stand­punkt bilden würden. Ich erwarte keine entscheidende Wendung, bevor das Bundes­parlament in Washington im Dezember zusammengetreten ist."

Von besonderer Wichtigkeit ist die Stellungnahme bes Reichskanzlers zu bem von französischer Seite vorgeschlagenen

zehnjährigen politischen Moratorium zwischen Frankreich und Deutschland.

Diese Frage", sagte Dr. Brüning,gehört nicht zur gegenwärtigen internationalen Debatte. Wir müßen erst mit ben cmbe- ren Mächten, unb besonders mit Frank­reich, eine Verständigung über kockkrete Wirtschaftsfragen, in erster Linie über Zölle und internationale Kartelle, herbeiführen. Die Frage der Zölle, bie herabgesetzt werbe« müßen, erfordert eine sorgfältige Untersuchung. Ich glaube, baß wir uns über biesen Punkt einigen wer­ben."

Der Reichskanzler gab bann seinem Be­bauern darüber Ausdruck, daß man fm Auslände ber geplanten

Zollunion

zwischen Oesterreich unb Deutschland eine p o l i tische Bedeutung beigemessen habe, die ihr nicht zukomme. Daher sei auch bie Mutmaßung, daß Deutschland und Oester­reich sich von derartigen Beweggründen hätten leiten lasten, abwegig.Wenn bas Haager Gutachten", betonte Br. Brüning,