Sonnabend, Ml LLAUM1SA
N« ,Ob-rh«ssische Zeitung' et- ftbtint sechsmal wöchentlich. Be- ^E^preiS monatlich 2.20®9R.au<- Sfefjl. Zusi-llungSgebühr, durch tu fo(l 2.45 GM. Für etwa durch streik, Maschinendefekt oder rle» gnf/tatt Ereignisse anSfallend« gZggmxrn wird kein Ersatz ge- fctjltt Verlag, Dr. §. Hitzervth, der Univ-Buchdruckerei
-ob. «*fl- Koch, Markt 21/23. «ernsprecher: Rr. 54 uud Nr. 55. «oststheckkonto: Amt Frankfurt
M. Rr. 5015. — Sprechzeit fct Redaktion von 10—11 nn» Uhr.
öberhMfche
Rmbmm | HM MMt
ÄgeSlliWim Z W llllllll SantejtiiuM
Anzeiger für (bas frühere knrhesfische) Oberhessen
Siir.196 66. WC.
Marburg a. Laba
Der Anzeigenpreis betragt für de» 11 grspalt. Zeileinnillimetrr O.OSGW^sog. kleine Antigen »nd Famllicnanzetgrn bei Barzahdwg 0.07 ©SQL, amtl. und auswärtige AnzetgenO.lO GW. Grundschrfft: Sotonel. Bei schwierige« Satz sowie bei Platzvorschrift 50*/. Aufschlag. — Sammelan zeigen 100*1« Aufschlag R-Nam.-Milltm. 0.40 GM. Grundschrift: Petit. Jede« Rabatt gilt al« Barrabatt. Ziel 5 Tage. Offerten-Gebühr: 25 Pfg., bei Zustellung der Angebote einschl. Porto —.60 GM. Belege werden berechnet. Erftllungsort Marburg.
Anzeiger der amtliche« Bekanntmachungen für Stadt und Kreis Mar^nrg.
> Gegen die Zerschlagung Preußens
D.N.V.P. und N.S.D.A.P. fordern Einberufung des Preußischen Landtags — Die nötige Stimmenzahl scheint gesichert
» Voreilig und indiskret?
Von der falschen Seite
Die deutschnationale und die national^ sozialistische Fraktion des Preußischen Landtags haben folgenden Antrag einge- iracht:
Nach Pressemeldungen hat der preußische L Finanzminister Dr. Höpker-Aschoff | kein Reichsminister des Innern einen Ee- I setzentwurf eingereicht, der in seinen । Grundgedanken die Zerschlagung »Preußens bedeutet. Gleichzeitig ist I bekannt geworden, daß der Vorschlag die I Durchführung dieses Gesetzentwurfs mit Utzilfe des Artikels 48 der RD. vorsieht. U Angesichts der daraus erwachsenden Ee- I^DHr für die Existenz Preußens beantra- I gen wir die sofortige Einberufung des L Preußischen Landtags.
I - Nach der Verfassung muß der Landtag IOnberufen werden, wenn ein Fünftel U der Landtaasmitglieder, also 90 Abgeord- ■ trete, es verlangen. Deutschnationale und U Nationalsozialisten verfügen nur über F 78 Abgeordnete. Zur Einberufung des F Landtages ist daher noch die-Unterstützung I, von Abgeordneten anderer Parteien er- Utzrderlich. Diese Unterstützung werden die I Antragsteller, wie das Nachrichtenbüro des I Ldz. erfährt, voraussichtlich bei den Bäommunisten erhalten
| !ÄZu den Reichsreformplänen H ö p k e r - »Aschoffs wird noch mitgeteilt, daß im I Neichsinnenministerium seit längerer Zeit ent Referentenentwurf, der sich auf die -Beschlüsse der Länderkonierenz stützt, vor- siegt. Dieser Entwurf besitzt aber noch keine politische Geltung, da er die Billigung des Reichsinnenministers noch nicht gefunden hat. Der Entwurf ist infolgedesien auch dem ' R e i ch s k a b i - nett noch nicht zugeleiiet worden. Man bez e i f e I t auch, ob der in diesem Entwu' vorgesehene Weg noch Sangbar ist. Reichsinnenmlnister Dr. W i rt h bat ebenfalls seinem Bedauern darüber Ausdruck gegeben, daß durch die Veröffentlichung Höpker-Aschoffs dieser Neierentenentwurf vorzeitig der Oeffent- lichkeit bekannt geworden ist. Die Dop- Ichläge Höpker-Aschoffs stellen im übrigen eine P r i v a t a r b e i t des preußischen ssinanzministers dar. Sie geben nicht die Meinung des preußischen Kabinetts wieder.
Gegenüber dem Berliner Vertreter der »Köln. Vzt." äußerte sich eine führende Persönlichkeit der preußischen Zentrumspartei zu den Vorschlägen Höpker-Aschof wie folgt:
Die Vorschläge Höpker-Aschof bewegen sich nicht sowohl in der Richtung auf eine sogenannte Reichsreform, als daß sie viel- wehr eine kombinierte Verwaltungsreform Zwischen Reich und Preußen an- bohnen wollen. Ob diese Vorschläge prak-
1 sich auf der Linie dessen bewegen, was der preußische Ministerpräsident als seine Idee jüngst einmal in einem geschlossenen Kreise angedeutet hat, ist deshalb nicht zu übersehen, weil Herr Dr. Braun damals nicht im einzelnen gesagt tat, wie er sich die Verwirklichung seiner s^dee denke. Wir glauben aber zu wissen, taß B r a u n mit einem wesentlichen Teile der Vorschläge des preußischen Finanz- fitinifters nicht konform gehen dürfte. Jedenfalls hat sich bei dem Höpkerschen Borschlag alsbald herausgestellt, daß die praktische Inangriffna^ne dieses ganzen
Problems in demselben Augenblick schwierig wird, wo man versucht, es aus dem Stadion der theoretischen Erwägungen in die Wirklichkeit zu überführen. Daß eine engere Arbeitsgemeinschaft zwischen dem Reich und Preußen wünschenswert wäre, kann ohn weiteres bejaht werden. Ebenso klar ist aber, daß sie nut größter Vorsicht und mit kühlster Ueber- legung angefaßt werden muß. Vor allem aber dürfte es sich empfehlen, zunächst einmal das Ergebnis der nächsten Landtagswahlen abzuwarten.
Wie wir bereits vor Wochen mitteilten, bestand in führenden Kreisen der preußischen Politik die Absicht, sofott nach der Durchführung des VoWentscheids eine 21 rt Reic^reform in die Wege zu leiten, durch die ein klarer Austrag des Machtkampfes in Preußen verhindert werden soll. Der Artikel des Ministerpräsidenten Braun anläßlich des Derfassungstages wies bereits auf solche Pläne hin. Inzwischen haben sich die damals ausgesprochenen Vermutungen durch einen Aufsatz des Finanzministers Dr. Höpker-Aschoff zu
2i Aua. Im Berliner Rund- I als ein nicht einmal entscheidender Betrag in
fürsorge getroffen.
Die Lastenverteilung verschiebe sich immer mehr zuungunsten der Gemeinden.
Die Entlastung von dem Unsicherheitsfaktor der Wohlfahttserwerbslosen set dte dringendste Ausgabe zur Erneuerung der kommunalen Finanzwittschaft.
Das Ausmaß der kurzfristigen Verschuldung der Gemeinden beriffert sich, wie der Oberbürgermeister weiter betont.
auf insgesamt 1,6 Milli«den Mark.
Die kurzfristige Kommunalschuld füg« sich
Das Reich dürfe sein« Hilfe bei der Abdeckung der kurzfristigen Schulden der Gemeinden nicht versagen und müsse ferner di« zur Führung «in« geordneten Verwaltung unentbehrlichen Kassenkredite bereitstellen, es müsse weit« die Gemeinden von den Aufwendungen durch «ine sofortige Neuorganisation entlasten.
Am gestrigen Freitag haben sich die Besprechungen beim .Kanzler gehäuft. Er hat nicht nur nnt den Vertretern der drei großen Mittelstand^kp- pen die Sorgen besprochen, die diese Wirtschaftsgruppen besonders drücken, sondern er empfing heute gegen Abend auch noch den deutschen Vertreter 6c1 den Baseler Bankieroerhandlungen, Mechror, der ihm seine persönliche Baseler Eindrücke schildette. Anschließend daran nahm der Kanzler den Antrittsbesuch des neuen Vorsitzenden der Landvolkpartei von Hauenschild entgegen Den Beschoß bildete dann noch ein Besuch des Präsidenten Thomas vom Internationalen Arbeitsamt in Genf. Dabei handelte es sich aber wähl ntehr um einen Höflichkeitsakt. ö „ .
Inzwischen dürste dem Kanzler mm das Material vorliegen, das zur Entfcheckung der Bankenfragen das Äaomett heute beschäftigen wird. Auf Grund dieser Unterlagen wird der Kanzler den Sachverständigen bestimmte Fragen vorlegen. In unterrichteten Kreisen glaubt man, daß dann bereits praktisch die Ent- scheidimgo» getroffen werden».
Die Not der Gemeinden
Wie der Reichsfinanzminister den Reichsetat ausglich
die gesamte Kreditsumme der Wirtschaft em. Die Entstehung dieser Schulden hänge falt durchweg mit der den Gemeinden gegenüber eingeschlagenen Finanzpolitrr des Ret- ch es und der Länder zusammen. Ms ungerecht empfänden die Gemeinden auch, datz gerade jetzt Einzelerscheinungen kommunaler B e so ldun g sp o Irt ik maßlosver- airgemelnerr würden. Es müsie vor der Einstellung gewarnt werden, als ob dre letzt gestellten besoldungspölitischen Forderungen irgendeine entscheidende Bedeutung für die finanzielle Lage der Gemeinden haben könnten. Es bleibe zu wünschen, daß die Regierung Ine aus der Prarr's geborenen Vorschläge des Deutschen Städteiages für Sparmaßnahmen sich rasch zu eigen mache.
Berlin. L.. „
funk sprach heute abend 7 Uhr Oberbürgermeister Dr. Sahm, zugleich in seiner Eigenschaft als Vorsitzender des Deutschen und des Preußischen Städtetages, über die Rot der Gemeinden. .Der Oberbürgermeister beleuchtete in seinen Ausführungen besonders das Verhältnis des Re^>es zu den Gemeinden: Den Gemeinden sei der wesentliche Kern der Selbstverwaltung, die Fmanz- hoheit entzogen worden. Immer neue Aus-- gaben würden jedoch den ®emernben über- wiesen. Besonders würden dre Städte durch die vom Reich vorgenommene Arbeitslosen-
Wieder verschoben
Wann kommt das Wirtschastsprogramm? — Zahlreiche Empfänge
Nach der Rückkehr Dr. Brünings aus Stuttgart wird das Kabinett sich übrigens sogleich weiter mit den Gemeinde- sinanze-n beschäftigen, da die Regelung dieser Frage angesichts der weiter ständig zunehmenden Finanz not der Kommunen drängt. Das dürfte auch in der Besprechung zum Ausdruck gekommen sein, die die Finanzminister der größeren Länder beim preußischen Finanz- Minister abgehalten haben. Zu irgendwelchen Beschlüsien ist es hierbei nach Angabe von unterrichteter Seite nicht gekommen. _ ,
Das Reichskabinett wird außerdem in der zweiten Hälfte der Woche noch dre Genfer Verhandlmigen vorbereiten müssen, da die deutsche Delegation bereits am Sonnabend abend abreist. Bei ckeser Fülle des Arbettsplanes der nächsten Woche ist nicht daran denken, daß das Wirtlchastsprogramm, das den zu erwarteten großen Ahwieri^ ketten biqes Winters begegnen soll, noch vor der Genfer Tagung he.rauskommt. In unterrichteten Kreisen rechnet man vielmehr, auf die erste September-
' Hälfte»
bestimmten Vorschlägen verdichtet, Sie mit den Vorarbeiten des zuständigen ReichS- Ministeriums des Innern ttotz des Demen» tts übereinzustimmen scheinen. Sie gehen, wie schon vorausgesagt wurde, dcchin, den preußischen Ministerpräsidenten zum Vize* kanzler im Reiche zu machen, den Preu« ßischen Innenminister gleichzeitig MM Reichsinnenminister zu berufen und das Reichsjustizministerium mit der Leitung der preußischen Justizverwaltung zu betrauen. Die preußische Sieuerverwaltung soll auf das Reich übergehen (das preußische Finanzministerium aber bleibt).
Diese Vorschläge bezeichnet Höpker- Aschoff als die „entscheidenden Maßnahmen". Weiteres, so die Vereinigung des Arbeitsministeriums mit dem preußischen Wohlfahrtsministerium, des WirtschaftSmimsteriums mit dem preußischen Handelsministerium, des Ernährungsministeriums mit dem Landwirtschaftsministenum könnte nachfolgen. Die Verschachtelung von Reichs- und preußischen Ministerien könnte demnach so weit gehen, daß in Preußen nur die Ressorts der Finanzen und des Kultus selbständig bleiben. Die kleineren norddeutschen Länder könnten sich mit den preußischen Provinzen zu Ländern neuer Att vereinigen.
Die Durchführung dieser Vorschläge denkt sich der preußische Finanzminister auf dem Wege des AriifrkS 48 der Reichsverfassung, also durch Rotverordnung, um die erheblich gestörte Sicherheft und Ord- nung im Reiche wiederherzustellen. Warum dann nur die preußische Verwaltung mit der Reichsverwaltung zusammengelegt werden soll, nicht auch diejenige der anderen großen Länder, bleibt eine offene Frage.
Wir stehen dem Verdacht fern, ein so großes Problem wie die Reichsreform unter parteipolitischen Gesichtspunkten betrachten zu wollen. Leider können wir das gleiche Maß von Objektivität den derzeitigen führenden Män- nären in Preußen nicht zumessen. Vielmehr stärkt sich der Verdacht, daß diese an sich begrüßenswerten Refvrmgedanken von gewissen taktischen Gesichtspunkten der Tagespolitik geleitet werden. Wie würde das Reichskabinett beschaffen sein, wenn die Vorschläge von Herrn Höpker- Aschoff sofort in die Tat umgesetzt würden? Braun und Severing würden in das Reichskabinett eintreten, von den Reichsministern würde nur der Iustizminister (der Posten ist zurzeit unbesetzt) in das preußische Kabinett hinüberwechseln. Es würde sich- also in der politischen Zusammensetzung der preußischen Regierung so gut wie nichts ändern, aber aus Am- wegen wäre die Sozialdemokratie in maßgebliche Positionen der Reichspolitik eingerückt. Vielleicht hofft man dann auch noch, durch irgendeinen taktischen Zug (etwa durch eine Volksabstimmung in Preußen) eine Zustimmung breiter Volksteile zu diesen Veränderungen herzustellen. Vielleicht hofft man, dadurch auch an den im Frühjahr fälligen Londtagswahlen vorbeizukommen. Wer, wie wir, in der Reichsreform eine der wichtigsten Aufgaben der Gegenwart erblickt, der wird Klarheit darüber fordern müssen, daß dieses Problem nicht zum politischen Tauschobjeft herabgewürdigt wird.
In preußischen Regierungskreisen werden die Ausführungen von Hoepker, /XM als eine Pridatarbett angesehen,