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.Okxrhessischr Stitimg* «• tiketnt sechsmal tvSchentlich. Be- monatlich 2.20GM.auv- SJtefL Znsl-llmigsgebübr, durch »te Post 2.45 GM. Für etwa durch Streik, Maschincndcfekt »der «le- E^t-re Ereignisse ausfallend« Klarer» wird kein Ersatz ge- ygct Verlag, Dr. §. Hitzerotb, qytgä der Un Id-Buchdruckerei Stag. Koch, Markt 21/23. be«sp«chsr! Rr. 54 und Nr. 55. P»stscheckk»nto: Start Frankfurt g. WL St. 6015. - Sprech^« btc «edaktton von 10—11 und
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Anzeiger für (bas frühere kurhessische) Oberhessen
St. 194 ««.MM.
Marburg a. Bote
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Ziel 5 Lage.
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Anzeiger der amtlichen Bekanntmachungen für Stadt und Kreis Marburg.
Die Politiker haben das Wort
Der deutsche Kredit ist eine politische Frage — Skeptische Aufnahme des Baseler Sachverständigen-Berichts
Nur Behelfsmittel Keine Zeit zu verlieren
Sn Bank- und Wirtschaftskreisen erblickt wen, wie die „Börfenzeit« ng" schreibt, in dem Baseler Stillhalteabkom- men ein Kompromiß, daß die deutsche Wirtschaft keineswegs befriedigen könne. Der geringe Teil der Hoff- nnngen, der in Bafel erfüllt worden fei, habe noch erhebliche Einschränkungen erfahren. Angesichts der in Da'el getroffenen Abmachungen, wonach den ausländischen Banken, die Markguthaben in Deutschland besitzen, zugestanden worden ist, ein Viertel dieser Beträge sofort und den Rest nach und nach innerhalb von 8 Monaten abzuziehen, sei bereits eine Versteifung am Diskontmarkt ei n g e t r e t e n. Es werde befürchtet, daß der Wirtschaft erhebliche Gelder, die ste notwendig zum Arbeiten vraucht, verloren gingen. Gespannt sieht man in Bank- und Wirtschaftskreisen den Zins- vereinbarungen von Basel entgegen, da bisher über die Höhe der Sätze nichts bekanntgegeben wurde.
Im Staatsdepartement in Washington wurde die Baseler Resolution des Bankier- «usschusses mit großem Jnteresie ausgenommen. Da der volle Text noch nicht vorlag, lehnte man eine amtliche Aeutze- lung ab. Dagegen wird in Kreisen der Republikaner der Vermutung Ausdruck gegeben, datz die Empfehlung dieses Aus- fchufles hier sehr ernsthaft beachtet und nicht nur wie in früheren Jahren als ganz nndiskutabel abgelehnt werden dürfte.
Allerdings sei die hiesige innerpolitische Lage wegen der wirtschaftlichen Depression und besonders roc**~ der kommenden Wahlcampagne so, datz die Regierung kaum wagen könne, sich vor den Wahlen im nächsten November noch weiter zu exponieren, wie sie es durch den Hoovcr„lan bereits getan
, habe.
Insbesondere bestehe die Befürchtung, daß, wie von demokratischer Seite bereits gestern angekündigt wurde, die Opposition gegen eine zu enge Verflechtung mit europäischen Finanzfragen künftig von der demokratischen Partei anstatt von konservativer republikanischer Seite kommen werde, da die Demokraten es vermeiden wollen, datz die Republikaner' ihre Mitarbeit an der Weltsanierung als Verdienst der republikanischen Partei ausmachten.
Die „Deutsche Allgemeine Zeitung" betont, datz'in der Form eines feierlichen und öffentlichen Apells an die verantwortlichen Regierungen die These ausgenommen worden sei, datz das Problem der Tribute sich in autzerordent- lichem Matze als Element der Störung erwiesen hat. Das Blatt ist nach den bitteren Erfahrungen der Vergangenheit außerordentlich skeptisch, ob der Appell an die Negierungen tatsächlich politische Aus? wirkungen haben werde. Auf die engstir- vige Machtpolitik einzelner Staaten werde *s kaum Eindruck machen, wenn in dem Gericht dargelegt werde, in welchem Umlange die finanzielle Erkrankung Deutschlands auf die anderen Länder zurückwirke.
Die „Deutsche Tageszeitung" aennt die Bescheinigung der Kreditun- lahigkeit eines Landes wie Deutschland.
das noch immer über einen gewaltigen Produktionsapparat und Hilfsmittel verschiedenster Art verfüge, traurig genug. Gerade das aber. zeige, daß eben diese deutsche „Kreditunwürdigkeit": im Grunde politische Wurzeln habe und insofern eben durchaus künstlich. sei. Umso stärker aber werde Deutschland immer wieder auf die politischen Tribute als auf den Hauptstörungsfaktor der Weltwirtschaft Hinweisen müssen.
Das Ergebnis der Baseler Verhandlungen wird in Berliner politischen Kreisen im wesentlichen als Abschluß der Periode gesehen, die mit dem Hoovermemorvndum begann. Der Zlbschlutz wird jedoch keineswegs als befriedigend bezeichnet, da er keine endgültige Lösung gebracht habe. Der Lapton-Verkcht sei nur eine provisorische Lösung, die keine Grundlage für den wirtschaftlichen Wiederaufstieg der Welt und Deutschland biete. Es
Regierungswechsel in Ungarn
Graf Bethlen zieht sich vom politischen Leben zurück
Graf Julius Karolyi» Außenminister im Kabinett Bethlen, wurde mit der Neubildung der Regierung beauftragt.
Graf Stephan Bethlen, der bisherige Ministerpräsident, der mit seinem Kabinett sein Demissionsgesuch ein- • reichte.
Budapest, 19. Aug. Das Ungarische Telegraphen- und Korrespondenzbüro meldet:
3m gestrigen Ministerrat hak'sich die Regierung eingehend mit der allgemeinen Lage beschäftigt und ist zu de« Entschluß gekommen, mit Rücksicht auf die veränderte« Verhältnisse ihre Demission zu gebe». Infolge diese« Entschlusses ist Ministerpräsident Graf Bethlen hente vormittag 10 Uhr beim Reichsverweser in Audienz erschiene« und hat die De- misfio« des Kabinetts angeboten. Der Reichsverweser hat die Demission zur Kenntnis genommen und gleichzeitig auf Antrag des Grafen Bethlen den ehemaligen Finanzminister Teleszki und den Minister des Aentzeren Grafen Karolyi zur Audienz gebeten, die noch im Lanfe des Bormittags in der Königsburg erschienen.
Graf Julius Karolyi hat die Bildung des neuen Kabinetts übernommen und will das Portefeuille des Ministers des Aentzer« beibehalten.
Die Nachricht von der Demission des Kabinetts Bethlen ist in den politischen Kreisen ganz unerwartet gekommen. Wie verlautet, ist Ministerpräsident Graf Bethlen, nachdem durch die neuesten Finanzverordnungen und die Arbeiten des 33er-Ausschusses die Rekonstruktionsarbeiten im großen und ganzen zum Abschluß gelangt sind, zu der Ueberzeugung gekommen, daß die Vollendung di-ser Arbeiten frischen Kräften übertragen werden müsse, umsomehr, als er sich persönlich durch die großen Anstrengungen der letzten Wochen physisch vollkommen erschöpft fühlt. Aus diesem
Grunde richtete Graf Bethlen an den Reichsverweser das Ersuchen, Abstand davon zu nehmen, daß er die Bildung des neuen Kabinetts übernehmen solle.
Wie es heißt, wird sich das neue Kabinett voraussichtlich nur auf die beiden bisherigen Regierungsparteien stützen; eine Einbeziehung der bisherigen Opposition ist nicht beabsichtigt. In der auswärtigen Politik Ungarns ist «ach keiner Richtung hi» eine Aeaderung zu erwarte».
Die englische Sparpolitik
London, 20. Ang. Wie verlautet, wurde im Kabinett über den Entwurf eines Programms zur Etatsausgleichung Uebereinftimmung erzielt. Ueber die Erhebung eines allgemeinen Finanzzolls wurde noch kein Beschluß gefaßt. Wie weiter verlautet, stimmen die Beschlüsse des Kabinetts, das den Bericht des Wirtschaftsausschusses überprüft hat, nicht ganz mit den Vorschlägen dieses Ausschusses überein. Ministerpräsident Macdsnald und Schatzkanzler Snowden werden heute vormittag den Führern der Konservativen und Liberalen diese Vorschläge zur Stellungnahme unterbreiten. Diese Vorschläge werden auch Vertretern der Arbeiter-Partei vorgelegt werde«.
sei jedoch dringend zu hoffen, datz sich das Ausland den Schlußfolgerungen der Sachverständigen nicht verschließen werde. Angesichts des schweren Winters müsse man es aber begrüßen, daß wenigstens in der brennendsten Frage, der Kreditfrage, ein Provisorium gefunden worden sei. Besonders unterstrichen wird, datz die Konferenz das Urteil der Regierung bezüglich der deutschen Wirtschaft bestätigt habe und ebenso wie die Londoner Konferenz zu dem Ergebnis oekommen sei. daß die zu lösende Frage nicht finanztechnischer, sondern politischer Natur sei.
Damit werde auch die deutsche These anerkannt, daß die deutschen Teibut- leittnngen die Ursache der Krise feien und die schädigten. Es
werde also auck bestätigt, daß die äußeren Vervklichtunaen Deutschlands
,t„. zucho«Z<>i«m Diele Feststellung ‘*1 ta« ersten Mal seit Versailles von den Sachv"rk4ä«diaen aller Länder ein
stimmig anerkannt worden.
Die Tatsache, daß die Lösuna dieser Frage nicht endlos hinausgeschoben werden könnte, sei in dem Bericht noch besonders unterstrichen. Denn es werde in ihm ausdrücklich hervorgehoben, datz, wenn eine Lösung der zur Verhandlung stehenden Fragen nach Ablauf der Geltungsdauer des Abkommens über die kurzfristigen Kredite nicht gefunden sei, auch die Wirtschaft anderer Länder auf das schwerste gefährdet werde.
Der Layton-Bericht
Der gestern bei der Bank für internationalen Zahlungsausgleich in Basel unterfertigte, von Sir Walther Lay ton abgefaßte Bericht umfaßt 21 Seiten Tert und acht Anlagen und kommt in seinem Schlußwort zu folgender Bemerkung:
„Wir fließen daher mtt der ernsten Mahnung an alle beteiligten Regierungen, in der Ergreifung der notwendigen Maßnahme« keine Zeit zu verlieren und unverzüglich ein« Lage zu schaffen, die es ermöglicht. Finanztransaktionen durchzuführen, um Deutschland und damit der Welt die so dringend benötigte Hilfe zu bringen."
1. Die Baseler Finanzfachleute sind der Ansicht, daß „das jetzige Volumen der deutschen Auslandskredite aufrechtzuerhalten" sei. Em Teil der zurückgezogenen Kredite ist aus ausländischen Quellen zu ersetzen. Dieser Auffassung entspricht es auch, daß der Still- Haltung für ein halbes Jahr grundsätzlich $u* gestimmt wurde.
2. Es besteht keine Aussicht, langfristige Anleihen für Deutschland aufzunehmen. Das „politische Risiko" ist zu groß. Ern Wilrt- schaftsfortschritt kann nur dann Eintreten, wenn die Völker vertrauensvoll Zusammenarbeiten. Das Vertrauen muß wiederkehren, wenn Deutschland seine inneren Schwierigkeiten überwinden will. Der Weg wird klar und eindeutig vorgezeichnet: Völkerverständigung.
3. Scharfe Worte gegen den Protektionismus, mit dem sich die Völler wirtschaftlÄ voneinander abschließen. Es ist unmöglich, daß man unter solchen Umständen die iähr- lichen Zahlungen großer Geldsummen verlangen kann. Das internationale Finanzsystem läßt gegenwärtig verhängnisvolle Widersprüche zu: Zahlungen werden ernge- trieben, während gleichzeitig die freie Güterbewegung gehemmt ist.
Hinsichtlich der Umwandlung eines Teils der kurzfristigen Kredite in langfristige sagt der Bericht, daß in Anbetracht der politischen Eesamtlage und der auf Deutschland ruhenden Lasten es lur 3eit und auch loäterbin.