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Anzeiger für (das frühere kurhessische) Oberhessen

Anzeiger der amtlichen Bekanntmachnngen für Stadt und Kreis Marbnrg.

Die Kompromißlösung in Basel

Stillhaltung nur auf 6 Monate - Die Markguthaben können ratenweise abgezogen werden

Abschluß um Mittemacht

Ernste Gegensätze

ff. Basel. 19. Aug. In den Baseler Verhandlungen wurde der Laytonbericht kurz nach Mitternacht unterzeichnet. Auch die Paragraphierung der letzten Punkte des Stillhalteabkommens ist im Gange. In der Frage der Markguthaben in Deutschland ist eine Einigung dahin­gehend erzielt worden, daß 20 Prozent der ausländischen Guthaben sofort freigegeben werden, während der Rest nach und nach freigegeben werden soll.

In den ersten Morgenstunden des Mitt­woch veröffentlicht der Baseler Finanzaus­schuß den Laytonbericht über die deutsche Kreditlage. Die abschließende Beratung " in Basel gestaltete sich in den späten Abendstunden des Dienstag und den Nachtstunden des Mittwoch außerordentlich .schwierig. Der deutsche Vertreter Dr. Melchior telephonierte wiederholt mit Berlin, und das Ergebnis konnte dann auf Grund eines Kompromißvorschlages erzielt werden, der von Dr. Luther ge­macht wurde.

- In einem Anhang zum Laytan­bei i ch t wird kurz das Stillhalteabkom­men skizziert. Zunächst wird betont, daß die Finanzsachverständigen sich veranlaßt gesehen hätten, die Stillhalteausschüsse Mach Basel zusammenzuberufen. Nach fünf- bündigen eingehenden Erwägungen habe man sich auf einen Plan zur Ver- u g e i u n g dieser Kredite ge­einigt, der t»en zahlreichen Gläubiger­banken und Gläubiger-Vankiers zur An­nahme empfohlen worden sei.

Der Plan sieht die Durchhaltung der deu deutschen Schuldnern gegebenen Kre­dite in ihrer augenblicklichen Eesamthöhe »r für 6 Monate vor, vom Zeitpunkt der Unterzeichnung an gerechnet und im Ein- klang mit einer Regelung, die für die von den Zentralbanken gegebenen Kredite zu Hessen ist. Unmittelbar zwischen den «utschen Schuldnern und den auslän­dischen Geldgebern wird jeweils ein E i n - jelvertrag nach einem einheitlichen Muster abgeschlosien. Wegen der Reichs- Aarkguthaben haben sich die auslän­dischen Gläubigern mit den Deutschen da- hi« geeinigt, daß ein Teil derselben (20 Prozent) sofort, der Rest erst nach und nach düihrend der Laufzeit des Vertrages frei- regeben werden sollen.

Der Plan sieht ferner zwel Formen von rsätzlichen Sicherheiten für die beteilig- n Gläubiger vor. Einmal soll die Haf- >ng der Schuldenbanken durch eine un­mittelbare Verpflichtung des atzten Kreditnehmers ergänzt erden, andererseits ist vorgesehen, daß 8 deutsche Golddiskont-Bank in gewissen

die Schulden an die auswärtigen »laubiger übernimmt oder garantiert und M diese Art durch ihren inneren Kredit Qualität dieser Verbindlichkeiten be­achtlich verbesiert.

Es ist vorgesehen, durch Verordnung auf andere Weise Sicherheiten dafür r schaffen, daß ausländische Gläubiger

Deutschen den gleichen Schutz genießen ®Ie rn Deutschland ansässige Gläubiger. «5Ur Bereinigung von Schwierigkeiten v11,15 über die Auslegung und urchsuhrung des Vertrages hat sich die

BIZ. bereit erklärt, einen Ausschuß einzuberufen, der mit Vollmachten zur Be­handlung derartiger Fälle ausgestattet sein soll.

Der Vertrag umfaßt nicht alle kurz­fristigen Schulden, vor allen Dingen nicht die Schulden der Länder und Gemeinden, die sich aus 355 Millionen belaufen. Ueber die Prolongation auch solcher Verpflich­tungen werden vom Ausschuß Verhand­lungen zwischen den jeweils beteiligten Gläubigern und Schuldnern empfohlen.

Leber die Erfordernisse der Notwirtschaft schreibt derBLr - s en-Courier": Mit welchen Maß­regeln die Reichsregierung den Erforder­nissen der wirtschaftlichen Bedrängnis in den nächsten Monaten begegnen wird, steht im einzelnen noch nicht fest. Dennoch läßt sich schon jetzt davon ein Bild der Gesichts­punkte gewinnen, aus denen das Kabinett Srünrng seine Entschlüsse wird herleiten muffen. Es gilt für die Wirtschaftsberater der Reichsregierung als unerläßlich, die zugestandenermaßen auch weiterhin not-

Was hat Deutschland bezahlt?

Gegen Flandins Berechnung der Reparationszahlungen

Der französische Finanzminister Flau bin hat vor wenigen Tagen imEcho de Pa- r i s" Erklärungen abgegeben, die u. a. dahin gehen, daß Frankreich niemals auf denrein französischen Anteil an den deutschen Repara­tionszahlungen verzichten könne, weil diese Zahlungendie Wiederherstellung der Kriegsschäden nicht aus gl ich en."

Wie hoch sind die französischen Kriegs- schäden? , Die Kosten für den Wieder­aufbau der zerstörten Gebiete wer­den von den Franzosen selbst mit 100 Mil­liarden Franken, also 16,7 Milliarden Mark angegeben. Was hat demgegenüber Deutsch­land an ReparationdHlungen bisher geleistet? Es ist bekannt, datz über die Bewertung der früheren deutschen Leistungen sehr ver­schiedene Zahlen in Umlauf sind. Professor Brentano ist im Jahre 1923 auf rund. 55 Milliarden Goldmark gekommen. In den Pariser Sachverständigen-Ber- handlungen sind die gutschriftsfähigen Leistungen auf 25 Milliarden Mark, die nicht gutschriftsfähigen Leistungen auf 29 Milliar­den Mark berechnet worden, dazu kommen die Leistungen während der Ruhrbesetzung (einschlietzlich der Micum-Leistungen) in Höhe von 1,4 Milliarden Mark,

,0 odB |tu) uw wfilNNsSmme mm oo bis 56 Milliarden Mark «Mt.

Mit der Bewertung der deutschen Leistun­gen haben sich auch bekannte Ausländer mehrfach besaht. Die Schätzung des ameri­kanischen Institutes of Econormcs aus dem Jahre 1923 liegt bei 2526 Milliarden. Der englische Nationalökonom Keynes ist bei seinen Untersuchungen auf denselben Be­trag gekommen. Die Differeiy gegenüber

der deutschen Schätzung beruht zmn Beiwiel auf der Frage, wie der Wert bei einer Ent­eignung zu bestimmen ist.

Selbst wenn wir aber von den niedrigen Schätzungen ausgehen, die von neutraler Seite ausgestellt worden sind, kommen rott mit Einschluß der deutschen Zahlungen, die unter dem Dawesplan und dem Poungplan erfolgten, auf insgesamt 37 Milliarden Mark, die von Deutschland für Reparationszroecke aufgebracht worden sind.

Unter dem Dawesplan wurden bekannt­lich 8 Milliarden Mark von Deutschland be­zahlt, unter dem Poungplan bis zum In­krafttreten des Hooverjahres 2,7 Milliarden Mark.

Frankreich hat von den Reparations­leistungen durchweg, roh gerechnet, 52 Prozent erhalten. Das ist die Beteittgungsziffer, die ihm an allen Reparationen zugesprochen ist. Ber einer deutschen Aufbringungsleistung in .Höhe von 37 Milliarden Mark würde Frank­reich affo 18,5 Milliarden erhalten haben. Wenn man dem die Kosten des Wiederauf­baues der zerstörten Gebiete in Höhe von 16,7 Milliarden Mark gsgenüberstellh» ergibt sich.

baß Frankreich mehr «hakten hat, als

die Kost«, für den Wiederaufbau d« $aftöden Gebiete betragen.

Es steht also fest, datz die These des fron* zösihhen Finanzministers Flandrn, nach der die deutschen Zahlungen für die Wiederher­stellung der französischen Kriegsschäden schon bisher nicht ausgereicht hätten, und weitere Verzichte Frankreichs nicht möglich seien, un­haltbar ist.

Der Lombardsatz der Reichsbank ist mit Wirkung vom 19. August ab um 3 vom Hundert auf 12 vom Hundert ermäßigt worden.

Das ReichÄabinett befaßte sich am Dienstag erneut mit der Frage der Vankenkontrolle. Die Beratung soll so beschleunigt werden, daß das Ka­binett bereits am Sonnabend die endgül­tige Entscheidung treffen kann.

ZwangserhShung der BLrgerstener in Castrop-Rauxel.

Castrop-Aauxel, 18. Ang. In einer bei der Stadtverwaltung am Diens­tag eingegangenen Verfügung des Aegie- rungspräsidenten ist mit Rücksicht auf den hohen ungedeckten Fehlbetrag im Aufsichts- Wege die Erhebung eines 200prozentigen Zuschlages zum Landessatz ber Bürger- steuer zwangsweise festgesetzt.

Rene Wendung hu Fall Lamm.

B"rrügen, 18. Lkrg. In der reichlich sensationellen Angelegercheit des Hochstap­lers von Lacmn, der eine grohe Reihe hie­siger Geschäftsleute um bedeutende Sum­men betrogen hat, ist eine neue Wendung eingetreten. Die Einäscherung der in dem verbrannten Automobil Vorgefundenen Leichenreste ist nämlich in letzter Minute aufgrund eines EmsprmchS der Staats­anwaltschaft verhindert worden. Die Sei» chenteile sind irywischen dem Frankfurter Institut für gerichtliche Chemie Wergeben worden. Die Untersuchung ist noch nicht abgeschlossen. Es wurde festgestellt, daß Lacum eine Stunde vor dem Unglück in ©aggenau zwei OtoS Rotwein getrunken hat. Da von den Emgeweiden die Blase erhalten ist, wird nunmehr die Identität der Leiche durch die Untersuchung fest- gestellt werden können.

wendige Senkung der Lohn» und Preisebene elastischer zu ge­stalten, als bis jetzt möglich war. Das bedeutet eine Auflockerung der allzu starren Tarifverträge «nd ihrer Sicherungen. Keineswegs denkt man da­bei an eine Beseitigung solcher Verträge. Wohl aber müffen Aenderungen viel rascher als bisher durchgeführt werden können.

Ferner wird auf die örtliche und fach­liche Verschiedenheit der Wirtschaftsgrup­pen entsprechende Rücksicht genommen wer­den müssen. Man will aus den gleichen Gründen die Möglichkeit schaffen, daß einzelne Betriebe mit ihrer Arbeiterschaft Löhne vereinbaren, die zeitweise unter dem allgemeinen Tarif liegen. Die Ver­bindlichkeit der Schiedssprüche gilt in der jetzigen Form als unhaltbar. Weiterhin gehören zu den Aufgaben, dke der staat- , lichen Wirtschaftspolitik gestellt sind, .die Senkung der Mieten und, nicht zu­letzt, eine Zusammenlegung der bestehen­den drei Systeme der Ärbeitslofenfürsorge zu einem einheitlichen System.

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Der Bundesvorstand des Afa-Bundes hat sich ht eingehenden Beratungen mit der durch die Kreditkrise geschaffenen Situation beschäftigt. Als Ergebnis feinet Erörterungen hat er einen Appell an die Reichsregierung gerichtet, in dem er ver­langt, daß zur Vermeidung von Wieder­holungen ähnlicher Katastrophen auf dem Geld- und Kapitalmarkt eine defchleunigte Reform des Aktienrechtes, die Schaffung einer durchgreifenden Mono­polkontrolle, eine ständige Wirtschaftsprüfung und die Er­richtung eines zentralen Bank- amtes erfolgen sollen. Das Eingreifen des Reiches dürfte sich nicht auf die Sicher­stellung privater kapitalistischer Interessen beschränken, es müsse vielmehr zu einer positiven Lenkung des Kapitalstroms nach gemeinwirtschaftllchen Gesichtspunkten füh­ren.

Der Afa-Bmtdesvorstnnd steht mit der Wiederherstellung des technischen Bank­verkehrs die wirtschaftlichen und sozialen Gefahren noch keineswegs als überwun­den an. Die Zusage der Reichsregierung, die in der Juni-Notverordnung enthalte­nen Härten für die Sozial-, Kriegs- und Arbeitslosenrentner zu mildern, sei nun endlich einzulösen.

Sanzlich unhaltbar fei die Drosse­lung der Eemeindefinanzen, wie sie die Reichsregierung betreibe. Völ­lig unmöglich sei der Eingriff in das Tarifrecht der öffentlichen Arbeitnehmer in den Kommunen. Der Kampf der Ge­meindearbeiter werde alle freien Gewerk­schaften in solidarischer Verbundenheit mit ihrer Gewerkschaft finden.

Eine Entspannung der Wirtschaftskrise ist nach der Aufsagung des Afa-Bundes nur durch einen sichtbaren Kurswechsel in der Wirtschaftspolitik der Reichsregierung zu erzielen. Jeder weitere Lohnabbau ist untragbar, solange die wiederholl ver­sprochene Preissenkung für Lebensmittel und für die Grundstoffe der industttellen ProduMon nicht wirklich durchgeführt ist.

Die freien Gewerkschaften müssen es ab- leJjnen, die Veranttootrnug für die Folgen weiterer Verelendung zu tragen, wenn rhre zur Entspannung der Wirtschaftskrise wiederholt gemachten Vorschläge von der