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Sonnabend, renl-AuMMI

Cit .Oberb«ss>sch- Sdtung* « c&etat sechsmal wSch««ttich. B«. EsPrrtsm0naUich2.2OGM.Lu«- titiütL Zustrllongsgrbübr, durch Z «ost 2.45 GM. Für etwa durch Strrtt. Maschtnrndrfekl oder tie* -0*1« Srrtgntss» «-fallende «gaunern wtrd kein Grsatz ge* ugtL Verlag. Dr. §. Hchrrvch. ewgl der Untd*Vuchdrurkerel «u. Aug. Äod?. Mardl 21/23, A^sprecher: Rr. 54 mW «r. 55. «^-«Nonto: Amt Frankfurt

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Anzeiger für (bas frühere kurhessifche) Oberhessen

Rr.M «K.Sahrs. Marburg a. Ma

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Anzeiger der amtlichen Bekanntmachungen für Stadt und Kreis Marburg.

Ein Notruf Brünings

Vor dem schwersten Winter seit 100 Jahren - 7 Millionen Arbeitslose Der unselige Versailler Vertrag Nur Zusammenarbeit kann Europa retten Aber die Franzosen lassen sich Zeit

Ist noch so viel Zeit?

Offene Worte Brünings

Der Besuch Lavals und Briands ia Berlin ist nunmehr, wie amtlich «itgeteilt wird, auf den Septem­ber verschoben worden und wird nach der Lölkerbundstagung erfolgen.

Der Ministerpräsident Laval hat i gestern nachmittag von neuem Herrn von Hoefch empfangen. Er hat ihm mitgeteilt, bi daß die Aerzte Prof. Vaquez und Dr. Marx, die beauftragt worden waren, sich über den Gesundheitszustand des Außen­ministers Vriand auszusprechen, zwar mit der lebhaftesten Befriedigung die Fort­schritte festgestellt hätten, die jeder Tag zur Ad .vollständigen Wiederherstellung des Autzen- Ministers bringe. Sie haben jedoch zum Jlusbtucf gebracht, daß sie ihm nicht vor M Hiner Abreise nach Genf eine Unter- ^^Wichung in der Ruhekur auf dem Lande M gestatten könnten, die ihm für einen Monat M verordnet sei, und deren Nutzen nach einer M so kurzen Frist durch die Anstrengungen M einer offiziellen Reise nach Berlin aufge- M hoben werden könnten.

W Am Freitag abend rief der französische M Ministerpräsident Laval den Reichs- M kanzler Dr. Brüning in Berlin tele- M phonisch an und hatte mit ihm eine etwa M W Minuten währende persönliche Aus- spräche über die Verschiebung des Minister- ^Wesuches. Die Verschiebung wird von Wl französischer Seite mit dem gegenwärtigen ^WEesundheitszu stand des Außen- ^Wuinisters B r i a n d entschuldigt.

In Berliner politischen Krei- ^Men wird die Hinausschiebung des fran- ^MMschen Ministerbesuches ruhig aufgenom- ^Wmen, da lediglich darin eine Terminfrage ^«blickt wird, und die laufenden Verhand­lungen zwischen beiden Ländern fortgesetzt ^Woerden.

l Die französischen Blätter lassen aber eindeutig dnrchblicken, daß neben den als Grund vorgeschobenen Einwendnn-

M gen der Aerzte, doch politische Gründe vorliegen, die im fran- zösischen Interesse für eine Vertagung des Besuches sprechen.

Die Nachricht von der Verschiebung der ^Merliner Reise Lavals und Briands wird ^Mon der großen Pariser Jnformationspresie ^Mllgemein kommentarlos wiedergegeben. ^Mie wenigen Blätter, die noch einmal da- Mst Stellung nehmen, erklären sich durch- ^Meg mit dieser Maßnahme e i n v e r st a n- ^Men und unterstreichen die Notwen- ^Migkeit eingehender Vorbe- Bc Hungen, die eine derartig wichtige ^Meise beanspruche, und die nicht in wenigen ^Magen erledigt werden könnten.

^BDer sozialistischePopulaire" zeigt

als einziges Blatt unzufrieden und er- ^Märt. daß man es schlecht verstehe, wenn ^Mriand die Berliner Reise vor der Genfer ^Magung nicht vertrage, da er sie kaum zwei drei Wochen spater vertragen wolle. K« übrigen Blätter, vom nationalistischen 8 igaro" bis zur demokratischenE r e ^Meuvelle" begrüßen dagegen die Hal- ^Wng der französischen Regierung. Der du Peuple", das Blatt des Fabrikan-

Coty, betont, daß keinerlei Veran- ^»ssung Vorgelegen habe, den Berliner Be- ^Mch zu übereilen. Es sei zu wünschen, daß die französische Regierung die nunmehr , tur Verfügung stehende Zeit ausnütze

und mit den übrigen alliierten Mäch­ten in einen Meinungsaustausch über

die Lage i« Deutschland eintrete.

DerPetit P a r i s i e n" läßt durch­blicken, daß der endgültige Zeitpunkt für den Besuch in Berlin noch nicht angegeben sei, daß er ebensogut EndeSeptember wie Anfang Oktober sein könne. Das Blatt, das sich von Beginn an für eine Vertagung der Reise eingesetzt hatte, ver­tritt die Auffasiung, daß es selbst für Deutschland vorteilhaft wäre, wenn die Besprechung zunächst einmal gründlich vorbereitet werde. DerE r e N o u v e l l e" begründet die angeblichen deutschen Be­mühungen, die Reise noch in diesen Monat zu legen, damit, man hätte deutscherseits vermeiden wollen, daß die Unterredung i nach der Erledigung der Zoll-Unionsfrage stattfinde. J

In einer Unterredung, die Reichskanz­ler Dr. Brüning einem Sonderkorre­spondenten derDaily Mai I" ge­währte, erklärte er, der kommende Winter werde der schlimmste für Europa seit den letzten 100 Jahren sein. Die Deutschen würden am meisten von ihm zu spüren bekom­men.

Es wird in Deutschland wenig­stens 7 Millionen Arbeits­lose geben, und die Schwierigkei­ten, sie zu unterhalten, werden gleich schwer sein für Reich, Länder und Gemeinden.

Außerdem steckt unsere finanzielle Unsicherheit unsere Nachbarländer an und fällt von dort wieder auf uns zurück, wodurch wir immer tiefer in den

Der Zweck des Aufschubs

Deutschland soll mürbe gemacht werden

DieGermania" bedauert in einer Aeußerung zu der Verschiebung des fran­zösischen Ministerbesuches, daß der Ge­sundheitszustand Briands einenB esuch ver­zögern werde, dem man in Deutschland mit einem mehr als konventionellen Inter­esse entgegenstehe. Weiter gibt das Blatt der Meinung Ausdruck, daß der franzö­sische Besuch im Spätherbst ebenso wertvoll wie im gegenwärtigen Augenblick fein werde. Es solle sich ja in Berlin ebenso wie in Paris und London nicht um be- besttmmte konkrete Verhandlungspunkte drehen, die in einer ganz bestimmten Phase der Entwicklung einzusetzen hätten, sondern um die Fortführung eines Ge- sprächs, das auch in Berlin gewiß nicht sein Ende finden werde. Vielleicht werde während der Septernbertagung des Völ­kerbundes in der einen ober anderen Frage eine Klärung erreicht, die einen Anknüp­fungspunkt für wefiere Erörterungen biete.

Auch andere Blätter beschäffigen sich mit der Verschiebung des französischen Besuches.Deutsche Tageszei­tung" undBörsenzeitung" ver­weisen aus eine Aeußerung desJour- naldesDeb atS", das von einerd i - plomati schen Krankheit" Dri­ll n d s spricht. Die Tageszeitung hätt es für zweifellos, daß der Besuch nicht auf­geschoben worden wäre, wenn Laval und Briand den Augusttermin für vorteil­haft gehalten hätten. Ohne jeden Zweifel seien es vorwiegend Gründe derfran- zösischen Politik, die den Franzosen ein Hinausschieben des Besuches wün­schenswert erscheinen ließen. Vermuüich hatten die Sondierungen in Berlin erge­ben, daß keine Aussicht aufausreichende" Zugeständnisse Deutschlands bestehe, wie sie die französische Politik bei diesem Be­such offenbar erhofft hatte.

Äen solle Deutschland erst weiter ge­knechtet werde«, «nt endlich mürbe j« werden. Dazu werde die Genfer Völker- bundstagung zweifellos nach Kräften ausgenutzt werden.

Auch dieB ö r s e n z e i t u n g" schreibt, es komme sicherlich den leitenden Männern der französischen Polifik nicht ungelegen, daß das Urteil der Aerzte über Briand, ihnen die Möglichkeit gibt, die Berliner Reise erst zu einem Zeitpunkt anzutreten, der für die französische Polifik nach der Meinung des Quai d'Orsay geeigneter ist als die Tage vor der Genfer Rats­versammlung. Offensichüich ist den Fran­zosen die Lage noch nicht geklärt genügt man begrüßt es, daß auf der Genfer Ratstagung zunächst die Möglichkeit eines neuen Abwägens der Kräfte nach den Wirren der letzten Wochen gegeben ist.

Aehnlich glaubt auch dieDeutsche Allgemeine Zeitung", daß mehr als der kränlliche Zustand Briands poli- fische Gesichtspunkte für die Absage an Berlin maßgebend waren. In den drei oder vier Wochen der großen internatio­nalen Börse in Genf hoffe wohl der fran­zösische Außenminister die deutsche Festung sturmreif zu machen. Es sei leider recht gleichgültig, wann die fianzösischen Staatsmänner uns in Berlin besuchen. Bor Genf, nach Senf, int Herbst oder int Winter: Das Ergebnis werde dasselbe sein.

Bekanntlich war vor kurzem noch der gute GesundheitSzustand Briands hervor­gehoben worden.

350 Millionen Defizit in Preußen

In preußischen Regierungskreisen rech­net man, derD. A. Z." zufolge, für 1931 mit einem Gesamtfehlbetrag für den ordentlichen Etat in Höhe von 350 Millionen. 2m . preußischen FinanMinisteriu« werden gegenwärfig neue Vorschläge für, wie es heißt, drako­nische Sparmaßregel« ausge­arbeitet.

Sumpf hineingeraten. Ein einziges Mit­tel gibt es, und zwar die internationale Zusammenarbeit, um der gemeinsamen Gefahr mit gemeinsamen Kräften zu be­gegnen.

Der Reichskanzler richtete einen Appell an die verantwortlichen Staats­männer Europas, sobald wie möglich zu­sammenzukommen, um die Preise für Waren gleicher Qualität in­ternational fest zusetzen und den vernichtenden Konkurrenzkampf in Handel und Industrie auszuschalten, der ietzt zwischen den Ländern tobe. Außer­dem würde,er eine internationale Rege­lung der bestehenden hohen Z o l l t a r i fe begrüßen.

Er habe über diese Punkte bereits private Besprechungen mit den Mi­nisterpräsidenten Englands und Italiens gehabt, könne jedoch hier­über nichts weiter sagen, bis er nicht auch den französischen Ministerprä­sidenten gesprochen habe.

Die Möglichkeit für Abänderungsvor­schläge sei begrenzt, doch sei ein Fort­schritt selbst in kleinen Dingen notwen­dig, um das Vertrauen wieder herzustel­len. das Europa so dringend benötige. Er hoffe zuversichtlich, daß in dieser Rich­tung bald greifbare Ergebnisse erzielt werden könnten. Eine- andere Voraus­setzung für die Rettung Europas fei das politische Ser trauen. Es sei von grundlegender Bedeutung, daß die Völ­ker Europas an die Erhaltung des Frie­dens auf lange Sicht glaubten.

Auf die Frage, ob er irgendwo in Europa eine ähnliche Sehnsucht nach Frie­den verspürt habe, antwortete der Kanz­ler, er habe in der letzten Zeit verschiedene Länder in Westeuropa besucht und er sei überzeugt, daß die führenden Staats­männer den Frieden wollen. Rur die Furcht und das Bestreben, sich auf den äußersten Notfall vorzubereiten, seien für die Abneigung gegen eine all­gemeine Abrüstung verantworllich, die so große Hindernisie für die wirtschaftliche Gesundung Europas bilde. Kein Land könne letzten Endes den tödlichen Folgen dieses Mangels an polittschem Vertrauen entgehen, der das Vorhandensein eines riesigen Kriegsapparates zur Vorbedingung habe.

Er habe Frankreich von der Wahrheit des deutschen Willens zum dauernden Frieden zu überzeugen versucht, Frank­reich, dem die deutsche Wehr­losigkeit der beste Beweis dafür sein sollte, daß es mit Deutschland in keinen Krieg verwickelt werden könne. Wenn er den Europäern einen guten Rat geben dürfte, so möchte er ihnen zurufen: Spre ch t nicht vom Kriege, denkt nicht einmal an den Krieg als eine Mög­lichkeit für die Zukunft. Er sei über- zeugt, daß solches Kriegsgeschwätz zum Weltkrieg geführt habe. Denn dadurch