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SiklMag, den 11.WM1SA

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Anzeiger für (das frühere kurhessische) Oberhessen

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Marburg o. Lada

Der Anzeigendrel« bekrtlgt MV den 11 gestalt. Zeilenmillrmetrr 0.08 ®92L sog. kleine Anzeigen und Familienanzeigen bei Barzahlung 0.07 ®9R amtl. und anewtlrtige AnzeigenO.10 ®S6t Grundschrist SoloneL Bei schwierigem Satz so­wie bet Platzdorschrlst 50'4 Auf-! schlag - Sammelanzeigen 100*4 Aufschlag R-klam.-Milltm. 0.40 GM Grundschrist, Petit. 3e6et Rabatt gilt al« Varrabatt.

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Artzeiger der amtliche« Bekanntmachungen für Stadt und Kreis Marburg.

Ist Frankreich nun zufrieden?

Die kalte Dusche aus Paris Der negative Ausgang des Volksentscheids ist keine ausreichende Garantie

Pleite

Die Pariser Blätter verzeichnen das Ergebnis des Volksentscheids mit größ­ter Genugtuung, nehmen aber anderer­seits einen radikalen Frontwech­sel vor. Während es bisher hieß, daß ein Erfolg des Volksentscheids die größ­ten außenpolitischen Gefahren mit sich bringen werde und nur der Sieg des bis­herigen preußischen Regimes die nötigen Sicherheiten für Frankreich biete, ist die Mehrzahl der Blätter, d. h. die gesamte nationale Presse jetzt der Meinung, daß

Mischen Hitler und Braun im Grunde

.. kein großer Unterschied bestehe und daß V Frankreich daher noch keineswegs in der Lage sei, von der bisher vom Ka-

k binett Laval verfolgten Politik der | Garantien und Sicherheiten f abzuweichen.

rißtm läßt also die Maske fallen und gibt Lbobei zu erkennen, daß das bisherige Wintreten für die preußische Linke nichts Wchderes als ein auß enpoltt.is.ch.es Manöver mit durchsichtigen Zielen War. Der nationalistischeFigaro" Bebt u. a. hervor, daß die deutsche Krise andere Ursachen als auf die Hitler- ögitation zurückzuführen sei. Es wäre also kindlich, zu glauben, daß die Wei­gerung der preußischen Wähler, sich in

-ein neues Abenteuer zu stürzen, die Ent­wicklung ernstlich beeinflussen könnte.

Die Tatsache, daß die Opposition eine so imposante Stimmenzahl für sich habe aufbringen können, bedeute eine außerordentliche Schwächung der preußischen Regierung.

Außenpolitisch betrachtet könne man fest­stellen, daß Deutschland nur eine Poli- xtik kenne, wenn es sich darum handele, > die Beziehungen des Reiches zur übrigen 'Welt und ganz besonders gegenüber -Krankreich zu bestimmen. Braun denke igenau so wie Hitler.

i Zum Ergebnis des Volksentscheids schreibtTemps": Man kann zugeben, daß das Schlimmste gestern in Preußen vermieden worden ist und daß nunmehr ^Aussichten dafür bestehen, daß die vom Reichskanzler Brüning empfohlene Poli- kk der Zusammenarbeit unter verhält­nismäßig günstigen Bedingungen fortge­setzt werden kann. Man darf daraus je­doch nicht schließen, daß nunmehr alles bestens bestellt ist, und daß man nur noch °en Weg der Zusammenarbeit zu be­schreiten habe. Vielmehr muß man die Tatsache beachten, daß in Preußen sogar ^lgesichts der Bedrohung mit dem "ankrott nahezu zehn Millionen Anhän­ger eines radikalen politischen Umstur­zes vorhanden sind: Das ist beun­ruhigend.

Man kann also mit den Deutschen nur vorfichtig weitergehen und mutz alle >»ur möglichen Matznahmen gegen un­angenehme Ueberraschungen treffen.

^os preußische Volk hat gestern die Tür ps einer weitergehenden politischen Zu- Mmenarbeit Europas nicht verschlos- En- Es hat der Weimarer Koalition den ^orzug vor der völkischen oder kommu- -sttlschen Diktatur gegeben. Das ist selbst ,tn beachtenswertes Ergebnis, aber

86 wäre gefährlich, aus der Abstim» »ung Schlußfolgerungen zugunsten einer Verständigungspolitik ziehen zu »»llen, die bis jetzt noch in ihren An«

säugen steckt.

Das Bundesamt des Stahlhelms erläßt eine Kundgebung zum Ausgang des Volks­entscheids, in der es heißt:

Der Kampf geht weiter! Der Volksent­scheid hat einen moralischen Erfolg der nationalen Front erbracht. Unsere Front ist weiter gewachsen: 3,6 Millionen stimm­ten im Poung-Volksentscheid, 5,9 Millio­nen beim Landtaasvolksbegehren, rund 10 Millionen stimmten jetzt beim Volks­entscheid für unsere Forderung. Und das, obgleich die Kommunisten entgegen der Parole ihrer Parteileitung fast nirgends zur Urne gegangen sind.

Auf 8,8 Millionen Wähler stützt sich heute noch die zur Zeit amtierende Preu- I ßenregierung. Daß sie dem Willen der Bolksmshrheit nicht mehr entspricht, ist I damit eindeutig erwiesen.

Daß die erreichte Stimmenzahl nicht z» einem formalen Erfolg genügt, ändert nichts an der Bedeutung des Ergebnisses. Der Stahlhelm wird dieses unter stärk- i stem Terror »nd unter härtester Knevelsng der verfasiungsmäßigen, persönlichen Frei- I heit zustande gekommene Ergebnis aus | staatsrechtlichen Gründen anfechten. i

Künftigen Politik nicht den Weg ver­sperre.

Aber man wäre sehr naiv, wen« man sich einbildete, daß die Schwierigkeiten, auf die diese Politik stieße, dadurch vermindert worden waren.

,,L'Ordre" sagt, Reichskanzler Brü­ning, der sich mit dem preußischen Mini­sterium solidarisch erklärt habe, habe un- leugbar einen Sieg davongetragen. Es wäre schön, wenn der Reichskanzler nicht allzu rasch von Frankreich verlange, daß es die Kosten dieses Sieges bezahle.

Nur Gerüchte

Maedonald «nd Snowden vom Urlaub plötzlich zurückgekehrt.

London, 11. Aug. Macdonald und Snowden haben ihren Urlaub überraschend abgebrochen und find gestern nach London zurückgekehrt. Hebet den Grund der Rück­reise wird in maßgebenden Kreisen großes Stillschweigen bewahrt.

Zu den Gerüchten, daß Staatssekretär Siimson angeblich bestimmte Pläne für eine Streichung der alliierten Kriegsschul­den habe, wurde erklärt, daß diese Gerüchte jeder Grundlage entbehren. Staatssekretär Stimson habe zwar eingehende Besprechun­gen mit Premierminister Macdonald über sämtliche Fragen gehabt, aber er habe bis­her noch keine festumrissenen Pläne gefaßt.

Vorwärts!

Die Beurteilung des Ergebnisses des Volksentscheids ist auch bei der Presse der Linken keineswegs so einheitlich, tote man erwarten konnte. Die Tatsache, daß der Volksentscheid rund 9,8 Millionen Stim­men erreichte, während die Weimarer Par­teien am 14. September 1930 in Preußen nur 8,8 Millionen Wähler um sich vereinig­ten, gibt den großen demokratischen Blät­tern doch zu denken. Sie sind sich dessen vollkommen bewußt, daß bei einer Gegen­probe die Niederlage der Preußenkoalition vernichtend gewesen wäre. Denn sie sind nicht so naiv wie ein Kasseler demokra­tisches Provinzblatt, das ganz einfach die 63 Prozent, die am Sonntag nicht abge­stimmt haben, für die Preußenkoalltion in Anspruch nimmt. Die ernsthafteren Blätter übersehen vielmehr keineswegs, daß auch sie mit dem großen Heer der 4 Millionen Aichtwähler und Angstmeier und der Mchkbeteiligung von etwa 2 Milli­onen Kommunisten zu rechnen gehabt hät­ten. Ganz allgemein wird zugegeben, daß Las Verfahren LeS DolkseMscheids, das mit einer Größe rechnet, die gar nicht vor­handen ist, nämlich mit der gesetzlichen Wahlpflicht aller Wähler, so un­zulänglich ist, daß es am besten nie wieder zur Anwendung kommt. Umso interessan­ter ist es, daß dieselbe demokratische Presse plötzlich einen Volksentscheid zur Lösung der Reichsreform fordert, ohne hierbei die Kosten, die Aufwiegelung polittscher Lei­denschaften und vor allen Dingen die Meinung des Zentrums in Rechnung zu stellen. Sie braucht wohl diese Ablenkung auf einen an sich wünschenswerten Re­formplan, um das vernichtende Echo der

Aufruf des Stahlhelms

Das Ergebnis des Volksentscheids wird angefochten

Die Pressestelle der Reichsleitung der 9t. S. D. A. P. veröffentlicht eine Stel­lungnahme zum Volksentscheid, in der sie feststellt, daß die Kommunisten fast vollständig dem Volksentscheid fernge­blieben seien, und daß auch die Unter­stützung der Parteien der bürgerlichen Mitte nur gering gewesen sei. Weiter besagt die Erklärung, die R. S. D. A. P., die sich im Interesse des schaffenden Volkes und der nationalen Sache für diesen Volksentscheid eingesetzt habe, ob­wohl sie keine Gelegenheit versäumt habe, beizeiten ihre Bedenken gegen das Stahlhelm-Volksbegehren geltend zu machen, dürfe heute mit Stolz daraus Hinweisen, daß es ihr gelungen sei, durch die Werbekraft ihrer Idee und den un­erschütterlichen Kampfgeist ihrer Anhän­ger die großen Massen gegen die schwarz­

rote Herrschaft in Preußen zu mobilisie­ren. Es fei nach den Beobachtungen der gestrigen Abstimmung ohne Zweifel, daß von den rund 10 Millionen Stimmen für

Journal" schreibt, nach den ersten Nachrichten hätten die Kommunisten durch ihre Enthaltung den Mißerfolg des Volksentscheids hervorgerufen. Dar­aus ergebe sich also nicht, daß die Anhän­ger derElemente der Unordnung" zif- ernmäßig zurückgegangen seien. Diese Feststellung habe in der Stunde, in der Deutschland den Bankerott und die Re­volution nur mit Hilfe des Auslandes und besonders Frankreichs vermeiden könne, nichts Beruhigendes an sich.

Ma« werde begreife«, daß «och nicht der Augenblick gekommen fei, die von Frankreich geforderte «nd von Mi- nisterpräfident Laval so nachdrücklich vertretene Garantiepolitik a«fz«geben.

Figaro" ruft aus:In Berlin nichts Neues!" Die preußische Regierung sei nichtsdestoweniger sehr geschwächt, schon durch die Tatsache, daß der Volksent­scheid möglich gewesen sei, und daß die Opposition trotzdem eine große Zahl von Stimmen aufgebracht habe.

A m i d u Peuple" schreibt, man müsse sich vor jeder Illusion hüten. Die Lage bleibe ernst. Millionen von Deut­schen hätten für eine Katastrophen- met^ibe gestimmt.

... o de Paris" meint, man müsie den Ausfall des gestrigen Volksentscheids begrüßen, der unmittelbare finanzielle Verwickelungen ausschalte und einer oer-

den Volksentscheid mindestens 67 Mil­lionen auf das Konto der Nationalsozia­listen zu setzen seien. Nach dem Ergeb­nis dieser Abstimmung würde die N. S. D. A. P. aus einer Neuwahl in Preußen schon heute als die stärkste Partei des Landes hervorgehen. Im übrigen habe der Volksentscheid nur die Tatsache be- . f4. - .

(tätigt, daß die verfassungsmäßigen Be- I

dingungen und die ungeheuer erschweren, I«L#^Cr^nenr c5?er

den Umstände, unter die eine solche

Volksabstimmung" gestellt sei, die wirk- I ^Eer Abzüge E

liche Entscheidung des Volkes niemals

Zum Ausdruck kommen lassen können 8^ Stmrme drüben so gut

und jeden zahlenmäßig entscheidenden ba fie

Erfolg von vornherein unterbinden.

I auf die französische Gesamtpolltik besitzen. Monatelang hat man dem deutschen Volke I erzählt, daß Frankreich sein Verhalten I gegen Deutschland von dem Ausgang des preußischen Machtkampfes abhängig machen I werde. And wir wisien, daß diese Zn- I fammenarbeit mit Frankreich ebenso wie I der Umstand, daß die preußische Staats-- regierung sich hinter den breiten Rücken I der Reichsregierung verschanzte, auf viele I Wähler großen Eindruck gemacht hat. Run ist man zu feige, einzugestehen, daß die französische Presse ein außerordentlich ge­schicktes Spiel mtt der deutschen Linken ge» spielt und gewonnen hat. Eigentlich soll­ten ja nach dem Siege des Herrn Dr. Braun die französischen Milliardenanleihen nach Deutschland hereinströmen. Aber die französische Oeffentlichkett ist nun plötz­lich anderen Sinnes geworden. Sie meint, 'das Scheitern des DolkseMscheids genüge keineswegs, und beinahe 10 Millionen Ja­sager sei doch eine erschreckliche Zahl. Man braucht also wettere Garantien und Sicherheiten, und wie lange wird es dauern, daß wir aus Paris Stimmen hören, die dahin lauten, daß nur ein solches Deutsch­land, das sich von sozialistischen Ueber- spannthetten freizuhallen weiß, die nötige Garantie für die Hergabe von Kapitalien bieten könne. , , . j. ,

Db die Wähler und Leser aus alledem lernen werden, ist eine Frage, die für den weiteren Kampf um Preußen von einiger Bedeutung ist. Denn der Kampf um Preußen, der Kampf gegen ein falsches und überlebtes System, geht weiter und wird seine Entscheidung spätestens im Frühjahr