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VbechMsche ÄMmzelger Zeitung LMMidM

Anzeiger Mr (das frühere kurhessische) Oberhessen

M.M 68. m Marburg a. Laba

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Anzergev der amtlichen Bekanntmachungen für Stadt und Kreis Marburg.

Fast 10 Millionen

Das Ergebnis des Volksentscheids -- Die Kommunisten sind d^r Parole der Partei nicht gefolgt

Der Kampf geht weiter

Die Gegner des Volksentscheids werden triumphieren, denn die erforderliche Zahl von 13,3 Millionen ist gestern bei wertem nicht erreicht worden. Sie werden um so lauter rufen, als die bürgerliche Opposition nicht einmal im Verein mit den Kommunisten E Ziel erreicht hat. Sie werden von einem furchtbaren Fiasko der Gegner der preutzi- schen Regierung sprechen und von einem Ver- rrauensvotum des Volkes für die Regierung Sraun-Severing. Sie werden die Zahlm nehmen, wie sie-nun einmal sind, und den 5nm der 9 800 000 Ja-Stimmen nicht be­greifen. '

Was bedeuten 9 800 000 Ja-Stimmen? Set der letzten Landtagswahl am 20. 5. 1928 haben die Parteien der derzeitigen preutzi- schen Regierungskoalition 9 174 583 Stimmen auf sich vereinigt. Mit anderen Worten imb gestern gegen die preußische Regierung rund 625 000 Stimmen mehr abgegeben wor­den, als die hinter ihr stehenden Parteien Äbst aufzuweisen vermochten. Das ist ein Mißtrauensvotum gegen die Preuhenkoali- tion. das ins Parlamentarische übersetzt eine dkrtte Niederlage der Regierung bedeuten »ürde.

9 800 000 Ja-Stimmen beim Volks­entscheid bedeuten allerdings, daß die Preutzenkoalition sich eines Sieges rühmen kann und unbehelligt weiter im Amte ver­bleibt. Denn der Volksentscheid geht von der hesamtheit der W a hl b e r e ch tig - len aus, von jenen mehr als 26 Millionen Wahlberechtigten, die man noch nie an einem Wahltag an der Wahlurne versam­melt gesehen hat. Die Beteiligung bei der ktzten Landtagswahl am 20. 5. 1928 betrug 6,4 Prozent. Würde das gestrige Ergebnis uf diese Beteiligungsziffer verrechnet, so ohnte es sich doch auszurechnen, ob die »emter des Volksentscheids nicht in der Min­derheit geblieben sind. Die Parteien der Preußenkoalition sind es in der Tat.

Da die Bestimmungen des Volksentscheids der wirklichen Wahlbeteiligung der Bevöl- lerung so wenig Rechnung tragen, ist von den Veranstaltern des Volksentscheids ursprüng- lich mit einem Ergebnis zwischen 8 und 9 Millionen gerechnet worden. Erst als plötz­lich die Kommunisten ungebeten diesen Volksentscheid zu ihrem Volksentscheid stem- »eln wollten, und ihre Beteiligung zusagten, rechnete man mit einem weit höheren Ergeb­nis. Tatsächlich haben sich die Kommunisten ober gerade in den großen Städten, wo ihre Zahl am stärksten ins Gewicht fallen mußte, tot in verschwindender Minderheit am Volks­entscheid beteiligt. Sie haben also hn Grunde »er Preußenregierung einen großen Dienst ßeleistet, denn sie haben eine nicht abzu- lchätzende Zahl bürgerlicher Wähler ob geschreckt, während sie selbst ihre Echeinparole nicht befolgten. Man farm im Zweifel darüber sein, ob diese Wirkung beabsichtigt gewesen ist. Kein Zweifel kann herüber bestehen, daß die Beteiligung der -PD. dem jetzigen Unternehmen des Volks­entscheids nicht genutzt hat.

Die Parteien des Volksentscheids verblet- °en also in Preußen auch weiterhin in der Opposition. Das Gewicht ihrer Stimmen ®irb nach dieser ersten Schlacht nur an Vedeutung gewinnen. Denn die Wähler, «ie gestern aus allen möglichen Befürchtun­gen heraus zu Hause geblieben sind, werden N um so stärkerer Aufmerksamkeit nun °*e Maßnahmen der preußischen Regierung Erfolgen. Sie werden abwarten, ob alles ns, was die preußische Regierung in ihren Kundgebungen zum Volksentscheid versprochen nun auch Wirklichkeit wird. Ob ein Wger, stetiger Aufbau der Wirtschaft sich jollzieht. Ob RKhe und Ordnung herrschen M der Parteigeist beseitigt werden wird.

die Freiheit der Demokratie gewähr- Mitet wird. Ob das Ausland, das ja an­geblich nur den negativen Verlauf des Volks- Micheids abgewortet hat, uns mit edler "elte helfend beispringen wird. Ob $er= Jjnft, Besonnenheit und tiefe, glühende Liebe ® Volk und Vaterland richtunggebend sein Werden. Ob die preußische Staatsregieiung <ns aus dem furchtbaren, Eleiw der Wirt­

schaftskrise und der Arbeitslosigkeit wieder aufwärts zur Gesundung führen wird. Das alles ist versprochen worden, das alles werden die Wähler mit Recht erwarten., Sie glaub­ten zum Teil, noch immer Zeit genug zu haben.nachdem es m 12Jahren nicht erreicht worden ist. Vielleicht täuschen sie sich, und

vielleicht werden sie dann bereuen, daß sie gestern gefehlt haben. Und vielleicht ist es dann zu spät. _ .

Aber die 10 Millionen Ja-Sager werden nicht nur abwarten. Sie sind des Glau­bens, eine Schlacht gewonnen zu haben. Sie kämpfen weiter.

Der Volksentscheid gescheitert

fk. Berlin, 10. Aug. Das vorläufige amtliche Ergebnis der Abstimmung zum Volksentscheid gibt die Zahl der Ja- Stimmen mit 9 793 603 an. Ein vor­läufiges von der Telegraphen Union er­rechnetes Endergebnis der Ja-Stimmen stellt sich auf 9 801 651. Der Volksentscheid hat damit die erforderliche Zahl der Ja- Stimmen nicht erreicht.

Eine- llrbersicht über die prozentual« Beteiligung der Ja-Stimmen beim Volks­entscheid im Verhältnis zu der Zahl der Stimmberechtigten in den 23 preußische« Wahlkreisen ergibt für die Beteiligungs-

zisfer einen Durchschnitt von 37,16 vom Hundert. Die Höchstbeteiligung weisen Merseburg, Pommern und Osthannover, die niedrigste Köln, Aachen, Koblenz und Trier auf.

Die Tatsache, daß die für den Volks­entscheid aufgebrachten Stimme« so be­trächtlich hinter dem Ergebnis der letzten Reichstagswahl zurückgeblieben sind, wird darauf zurSckgeführt, datz di« Ko««»- nisten in vielen Teilen Preu­ßens der Parole der Partei nicht gefolgt find bezw. im letzten Augenblick abgeblafea haben.

Aus den Wahlkreisen

1. Wahlkreis Ostpreußen. Stimmbe­rechtigte 1381 547; Ja: 658 089.

Reichstagswahl am 14. 9. 30: a) bürger­liche Volksentscheid-Parteien 577 888, b) Kommunisten 124,375. Volksbegehren: 534 323.

2. Wahlkreis Berlin. Stimmberechtigte 1567 433; Ja: 461129; Nein: 15 900; un­gültig 8 972.

Reichstagswahl am 14. 9. 30: a) bürger­liche Volksentscheid-Parteien 373 739, b) Kommunisten 408 646. Volksbegehren: 151 952.

3 Wahlkreis Potsdam N. Stimmberech­tigte-1391282; Ja 452 133; Nein: 14205; ungültig 7 877.

Reichstagswahl am 14. 9. 30: ^bürger­liche Volksentscheid-Parteien 476116, b) Kommunisten 217950. Volksbegehren: 245 976.

4. Wahlkreis Potsdam I. Stimmberech­tigte 1385 011; Ja 556065; Nein: 23013.

Reichstagswahl am 14. 9. 30: a) bürger­liche Volksentscheid-Parteien 509 468 b) Kommunisten 230806. Volksbegehren: 311 322.

5. Wahlkreis Frankfurt a. v. Stimm­berechtigte 1084 931; Ja: 519144; Nein: 23 460; ungültig 14705.

Reichstagswahl am 14. 9. 30: a) bürger­liche Volksentscheid-Parteien 479 941, b) Kommunisten 64 268. Volksbegehren: 383 523.

6. Wahlkreis Pommern. Stimmberech­tigte 1207 955; Ja: 659 351; Nein 30 284; ungültig 20 864.

Reichstagswahl am 14. 9. 30: a) bürger­liche Volksentscheid-Parteien 603 544, 6) Kommunisten 85 955. Volksbegehren: 531 614.

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7. Wahlkreis Breslau. Stimmberech­tigte 1275 474; Ja: 495 556; Nein: 27 624.

"Reichstagswahl am 14. 9. 30: a) bürger­liche Volksentscheid-Parteien 467 130, b) Kommunisten 83 133. Volksbegehren: 345601.

8. Wahlkreis Liegnitz. Stimmberech­tigte 811591; Ja: 358 951; Nein: 21 833; ungültig 10 715.

Reichstagswahl am 14. 9. 30: a) bürger­liche Volksentscheid-Parteien 329,472, b) Kommunisten 41447. Volksbegehren: 252 502.

9. Wahlkreis Oppeln. Stimmberech­tigte 872 672; Ja: 290 595.

Reichstagswahl am 14. 9. 30: a) bürger­liche Volksentscheid-Parteien 210 411, b) Kommunisten 110 633. Volksbegehren: 173 209.

10. Wahlkreis Madgeburg. Stimmbe­rechtigte 883 474; Ja: 373 691; Nein: 15 6o6.

Reichstagswahl am 14. 9. 30: a) bürger­liche Volksentscheid-Parteien 346 478, b) Kommunisten 74647. Vollsbe gehren:

277506.

11. Wahlkreis Merseburg. Stimmbe­rechtigte 974 209; Ja: 528 369; Nein: 20 122; ungültig 12 518.

Reichstagswahl am 14. 9. 30: a) bürger­liche Volksentscheid-Parteien 405 841, b) Kommunisten 205574. VvWbegchren: 352342.

12. Wahlkreis Erfurt. Stimmberech­tigte 425 139; Ja: 179 644; Nem: 4300; ungültig 4094.

Reichstagswahl am 14. 9. 30: a) bürger­liche Volksentscheid-Parteien 147 530, b) Kommunisten 52 579. Dollsbegehren: 114 233.

13. Wahlkreis Schleswig-Holstein. Stimmberechtigte 1054 080; Ja: 494 433; Nein: 15 078; ungültig 11343.

Reichstagswahl am 14. 9. 30: a) bürger­liche Volksentscheid-Parteien 449 655, b) Kommunisten 92605. Volksbegehren: 298 591.

14. Wahlkreis Weser-Ems. Stimmbe­rechtigte 457 072; Ja: 164 621; Nem: 4 606; ungültig 3 287. M

Reichstagswahl am 14. 9. 30: a) bürger­liche Volksentscheid-Parteien IM 351, b) Kommunisten 14 667. Volksbegehren: 110484.

15. Wahlkreis Osthannover. Stimmoe« rechttgte 709 540; Ja: 348 293; Nein 12 370.

Reichstagswahl am 14. 9. 30: a) Bürger* liche Volksentscheid-Parteien 336 423, 6) Kommunisten 43 072. Volksbegehren:

238 134. ' . ! !

16. Wahlkreis Südhannover. Stimm­berechtigte 1001962; Ja: 366178; Nein: 15 479.

Reichstagswahl am 14. 9. 30: d) bürger­liche Volksentscheid-Parteien 399 419, B) Kommunisten 42 450. Volksbegehren: 234 425.

17. Wahlkreis Westfalen-Nord. Stimm­berechtigte 1469 631; Ja: 400 773; Nein: 14726; ungültig 9 628.

Reichstagswahl am 14. 9. 30: a) bürger­liche Volksentscheid-Parteien 394 251, b) Kommunisten 155 441. Volksbegehren: 187366.

18. Wahlkreis Westfalen-Süd. Stimm­berechtigte 1688 210; Ja: 551217; Nein: 20 542; ungültig 10 775.

Reichstagswahl am 14. 9. 30: a) bürger­liche Volksentscheid-Parteien 490 490, B) Kommunisten 239 663. Volksbegehren: 276 265.

19. Wahlkreis Hessen-Nassau. Stimm­berechtigte 1720 196; Ja: 554557; Nein: 11788; ungültig 10 289.

Reichstagswahl am 14. 9. 30: a) bürger­liche Volksentscheid-Parteien 614 393, B) Kommunisten 137 148. Volksbegehren: 323 559.

20. Wahlkreis Köln-Aachen. Stimmbe­rechtigte 1512313; Ja: 245542; Nein: 8 599; ungültig 3 963.

Reichstagswahl am 14. 9. 30: a) bürger­liche Volksentscheid-Parteien 348 118, B) Kommunisten 169 157. Volksbegehren: 89398.

21. Wahlkreis Koblenz-Trier. Stimm­berechtigte 821027; Ja: 212324; Nein: 6320; ungültig 3 609.

Reichstagswahl am 14. 9. 30: a) bürger­liche Volksentscheid-Parteien 207258, B) Kommunisten 39921. Volksbegehren: 126397.

22. Wahlkreis Düsseldorf-Ost. Stimm- berechtigte 1489 481; Ja: 531 055; Nein: 14350; ungültig 7 734.

Reichstagswahl am 14. 9. 30: a) bürger­liche Volksentscheid-Parteien 450 047, B) Kommunisten 321 294. Volksbegehren: 212 947.

23. Wahlkreis Düsseldorf-West. Stimm- berechtgte 1215 655; Ja: 401 847; Nein: 13 641; ungültig 9555.

Reichstagswahl am 14. 9. 30: a) bürger­liche Volksentscheid-Parteien 360 089, b) Kommunisten 176116. Volksbegehren: 184327.

Preußen insgesamt. Stimmberechtigte 26 399 885; Ja: 9 793 603; Nein: 362 885.

Reichstagswahl am 14. 9. 30: a) bürger­liche Volksentscheid-Parteien 9 137 852, B) Kommunisten 3141547. Volksbegehren: 5 955 996.

Pressestimmen

Die wenigen Berliner Blätter, die regelmäßig am Montag früh erscheinen oder anläßlich des Volksentscheids Son­derausgaben herausgegeben haben, neh­men zum Ergebnis des Volksentscheids ausführlich Stellung. DieD. A. Z." hebt hervor, daß die Volksentscheidsparteien zwar den Sieg nicht errungen haben, daß aber die in Preußen regierende Weima­rer Koalition trotzdem eine schwere Nie­derlage erlitten habe. Sie schreibt: Die erste Schlacht ist geschlagen, der Kampf geht weiter.

Die fast 10 Millionen Stimmen für die Auflösung des Landtages Beben«